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Wahrscheinlichkeit und Stochastik

Die Wahrscheinlichkeit P(E)P(E) eines Ereignisses EE ist eine Zahl zwischen 00 und 1100 heisst “unmöglich”, 11 heisst “sicher”. Bei einem Laplace-Experiment berechnet sie sich als P(E)=gu¨nstigmo¨glichP(E) = \tfrac{\text{günstig}}{\text{möglich}}. In diesem Kapitel lernst du, auch mehrstufige und verkettete Experimente zu behandeln:

Summenregel. Für disjunkte Ereignisse (sie schliessen sich gegenseitig aus): P(AB)=P(A)+P(B)P(A \cup B) = P(A) + P(B). Für beliebige Ereignisse allgemeiner: P(AB)=P(A)+P(B)P(AB)P(A \cup B) = P(A) + P(B) - P(A \cap B).

Pfadregel. Bei einem Baumdiagramm gilt entlang eines Pfades P=P1P2PnP = P_1 \cdot P_2 \cdots P_n (Produktregel) und über mehrere Pfade P=PPfadP = \sum P_\text{Pfad} (Summenregel).

Bedingte Wahrscheinlichkeit. P(AB)P(A \mid B) ist ”P(A)P(A), wenn bekannt ist, dass BB eingetreten ist”: P(AB)=P(AB)P(B)P(A \mid B) = \tfrac{P(A \cap B)}{P(B)}. Hier wird es praktisch interessant — etwa bei Medizintests: “Wie wahrscheinlich ist es, krank zu sein, gegeben ein positiver Test?”

Erwartungswert. Für eine Zufallsgrösse XX mit möglichen Werten xix_i und Wahrscheinlichkeiten pip_i: E(X)=xipiE(X) = \sum x_i \cdot p_i. Das ist der “langfristige Durchschnittswert” — und die Basis jeder rationalen Entscheidung bei unsicheren Auszahlungen.

Darstellungswerkzeuge: Baumdiagramme (für sequentielle Experimente), Vierfeldertafeln (für bedingte Wahrscheinlichkeiten), Venn-Diagramme (für Mengenoperationen) und Häufigkeitsbäume (für Schätzung aus Daten).

Für dieses Kapitel brauchst du:

Zwölf Lektionen, die vom Basis-Werkzeug bis zur angewandten Entscheidungsanalyse reichen:

  1. Grundbegriffe der Wahrscheinlichkeit — Ergebnis, Ereignis, Laplace-Formel, Gegenereignis.
  2. SummenregelP(AB)=P(A)+P(B)P(AB)P(A \cup B) = P(A) + P(B) - P(A \cap B).
  3. Pfadregel — Produktregel entlang eines Pfades, Summenregel über Pfade.
  4. Vereinfachte Baumdiagramme — wenn man nur an bestimmten Ästen interessiert ist.
  5. Zufallsgrösse und WahrscheinlichkeitsverteilungXX als Funktion mit Wahrscheinlichkeitstabelle.
  6. Erwartungswert einer ZufallsgrösseE(X)=xipiE(X) = \sum x_i \cdot p_i.
  7. Modellieren mit dem Erwartungswert — Fairness von Spielen, Versicherungsprämien.
  8. Ziehen ohne Zurücklegen — Wahrscheinlichkeiten ändern sich von Stufe zu Stufe.
  9. Vierfeldertafeln2×22 \times 2-Matrix für zwei Ereignisse, Grundlage für bedingte Wahrscheinlichkeit.
  10. Venn-Diagramme — Schnitt, Vereinigung und Differenz von Ereignismengen.
  11. Relative HäufigkeitTrefferVersuche\tfrac{\text{Treffer}}{\text{Versuche}} als Schätzer für PP.
  12. Häufigkeitsbäume — Kombination aus Baum und Vierfeldertafel auf Basis absoluter Zahlen.
  • Zufallsgrösse (XX) — eine Zahl, die sich aus einem Zufallsexperiment ergibt.
  • Wahrscheinlichkeitsverteilung — Liste der möglichen Werte xix_i mit ihren Wahrscheinlichkeiten pip_i, wobei pi=1\sum p_i = 1.
  • Erwartungswert (E(X)E(X)) — gewichteter Mittelwert: xipi\sum x_i \cdot p_i.
  • Bedingte Wahrscheinlichkeit (P(AB)P(A \mid B)) — ”P(A)P(A), wenn BB schon eingetreten ist”.
  • Unabhängige EreignisseP(AB)=P(A)P(B)P(A \cap B) = P(A) \cdot P(B); eines tritt unabhängig vom anderen ein.
  • Vierfeldertafel — Kreuztabelle mit A/AˉA/\bar A in Zeilen und B/BˉB/\bar B in Spalten.
  • Relative Häufigkeit — Schätzer für PP aus Daten; nähert sich bei vielen Versuchen der wahren Wahrscheinlichkeit (“Gesetz der grossen Zahlen”).
  1. “Wenn eine Münze fünfmal Kopf zeigt, kommt jetzt bestimmt Zahl.” Falsch — die Münze hat kein Gedächtnis. Das bleibt der “Gambler’s Fallacy” aus der 7./8. Klasse, und Erwachsenen passiert er ebenso häufig.
  2. P(AB)=P(A)P(B)P(A \cap B) = P(A) \cdot P(B) gilt immer.” Nur bei unabhängigen Ereignissen. Bei abhängigen: P(AB)=P(A)P(BA)P(A \cap B) = P(A) \cdot P(B \mid A). Das ist der Sinn der bedingten Wahrscheinlichkeit.
  3. “Ein fairer Würfel muss nach vielen Würfen gleich viele Sechsen wie Einsen zeigen.” Nein — die relativen Häufigkeiten nähern sich 16\tfrac{1}{6}, aber die absoluten Abweichungen können (und werden) gross bleiben. Das nennt sich Gesetz der grossen Zahlen, nicht Ausgleichsgesetz.

Wahrscheinlichkeit und Stochastik gehören zu MA.3 – Grössen, Funktionen, Daten, 3. Zyklus:

  • MA.3.D.1 – Zufallsexperimente analysieren und Wahrscheinlichkeiten berechnen.
  • MA.3.D.2 – Mehrstufige Experimente mit Baum- und Pfadregeln auswerten.
  • MA.3.D.4 – Zufallsgrössen und ihren Erwartungswert einsetzen.
  • MA.3.C.5 – Sachverhalte mit Vierfeldertafeln und Venn-Diagrammen modellieren.

Einfache Wahrscheinlichkeiten, Baumdiagramme und die Summenregel gelten als Grundanspruch. Bedingte Wahrscheinlichkeit, Erwartungswert und Vierfeldertafeln gehören zur Erweiterung und sind Kernstoff im Gymnasium.

Quellen