Wahrscheinlichkeit und Stochastik
Worum geht es?
Abschnitt betitelt „Worum geht es?“Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses ist eine Zahl zwischen und — heisst “unmöglich”, heisst “sicher”. Bei einem Laplace-Experiment berechnet sie sich als . In diesem Kapitel lernst du, auch mehrstufige und verkettete Experimente zu behandeln:
Summenregel. Für disjunkte Ereignisse (sie schliessen sich gegenseitig aus): . Für beliebige Ereignisse allgemeiner: .
Pfadregel. Bei einem Baumdiagramm gilt entlang eines Pfades (Produktregel) und über mehrere Pfade (Summenregel).
Bedingte Wahrscheinlichkeit. ist ”, wenn bekannt ist, dass eingetreten ist”: . Hier wird es praktisch interessant — etwa bei Medizintests: “Wie wahrscheinlich ist es, krank zu sein, gegeben ein positiver Test?”
Erwartungswert. Für eine Zufallsgrösse mit möglichen Werten und Wahrscheinlichkeiten : . Das ist der “langfristige Durchschnittswert” — und die Basis jeder rationalen Entscheidung bei unsicheren Auszahlungen.
Darstellungswerkzeuge: Baumdiagramme (für sequentielle Experimente), Vierfeldertafeln (für bedingte Wahrscheinlichkeiten), Venn-Diagramme (für Mengenoperationen) und Häufigkeitsbäume (für Schätzung aus Daten).
Was du schon können solltest
Abschnitt betitelt „Was du schon können solltest“Für dieses Kapitel brauchst du:
- die Grundbegriffe und Laplace-Formel aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung der 7./8. Klasse,
- sichere Baumdiagramme aus der Vorstufe,
- Grundkenntnisse der Kombinatorik für das Zählen der Fälle,
- Rechnen mit Brüchen und Prozenten.
Was du in diesem Kapitel lernst
Abschnitt betitelt „Was du in diesem Kapitel lernst“Zwölf Lektionen, die vom Basis-Werkzeug bis zur angewandten Entscheidungsanalyse reichen:
- Grundbegriffe der Wahrscheinlichkeit — Ergebnis, Ereignis, Laplace-Formel, Gegenereignis.
- Summenregel — .
- Pfadregel — Produktregel entlang eines Pfades, Summenregel über Pfade.
- Vereinfachte Baumdiagramme — wenn man nur an bestimmten Ästen interessiert ist.
- Zufallsgrösse und Wahrscheinlichkeitsverteilung — als Funktion mit Wahrscheinlichkeitstabelle.
- Erwartungswert einer Zufallsgrösse — .
- Modellieren mit dem Erwartungswert — Fairness von Spielen, Versicherungsprämien.
- Ziehen ohne Zurücklegen — Wahrscheinlichkeiten ändern sich von Stufe zu Stufe.
- Vierfeldertafeln — -Matrix für zwei Ereignisse, Grundlage für bedingte Wahrscheinlichkeit.
- Venn-Diagramme — Schnitt, Vereinigung und Differenz von Ereignismengen.
- Relative Häufigkeit — als Schätzer für .
- Häufigkeitsbäume — Kombination aus Baum und Vierfeldertafel auf Basis absoluter Zahlen.
Wichtige Begriffe im Überblick
Abschnitt betitelt „Wichtige Begriffe im Überblick“- Zufallsgrösse () — eine Zahl, die sich aus einem Zufallsexperiment ergibt.
- Wahrscheinlichkeitsverteilung — Liste der möglichen Werte mit ihren Wahrscheinlichkeiten , wobei .
- Erwartungswert () — gewichteter Mittelwert: .
- Bedingte Wahrscheinlichkeit () — ”, wenn schon eingetreten ist”.
- Unabhängige Ereignisse — ; eines tritt unabhängig vom anderen ein.
- Vierfeldertafel — Kreuztabelle mit in Zeilen und in Spalten.
- Relative Häufigkeit — Schätzer für aus Daten; nähert sich bei vielen Versuchen der wahren Wahrscheinlichkeit (“Gesetz der grossen Zahlen”).
Häufige Denkfehler
Abschnitt betitelt „Häufige Denkfehler“- “Wenn eine Münze fünfmal Kopf zeigt, kommt jetzt bestimmt Zahl.” Falsch — die Münze hat kein Gedächtnis. Das bleibt der “Gambler’s Fallacy” aus der 7./8. Klasse, und Erwachsenen passiert er ebenso häufig.
- ” gilt immer.” Nur bei unabhängigen Ereignissen. Bei abhängigen: . Das ist der Sinn der bedingten Wahrscheinlichkeit.
- “Ein fairer Würfel muss nach vielen Würfen gleich viele Sechsen wie Einsen zeigen.” Nein — die relativen Häufigkeiten nähern sich , aber die absoluten Abweichungen können (und werden) gross bleiben. Das nennt sich Gesetz der grossen Zahlen, nicht Ausgleichsgesetz.
Wo es im Lehrplan 21 steht
Abschnitt betitelt „Wo es im Lehrplan 21 steht“Wahrscheinlichkeit und Stochastik gehören zu MA.3 – Grössen, Funktionen, Daten, 3. Zyklus:
- MA.3.D.1 – Zufallsexperimente analysieren und Wahrscheinlichkeiten berechnen.
- MA.3.D.2 – Mehrstufige Experimente mit Baum- und Pfadregeln auswerten.
- MA.3.D.4 – Zufallsgrössen und ihren Erwartungswert einsetzen.
- MA.3.C.5 – Sachverhalte mit Vierfeldertafeln und Venn-Diagrammen modellieren.
Einfache Wahrscheinlichkeiten, Baumdiagramme und die Summenregel gelten als Grundanspruch. Bedingte Wahrscheinlichkeit, Erwartungswert und Vierfeldertafeln gehören zur Erweiterung und sind Kernstoff im Gymnasium.
Die Themen im Überblick
Abschnitt betitelt „Die Themen im Überblick“- Grundbegriffe der Wahrscheinlichkeit
- Summenregel: Oder-Ereignisse berechnen
- Pfadregeln bei mehrstufigen Experimenten
- Vereinfachte Baumdiagramme
- Zufallsgrösse und Wahrscheinlichkeitsverteilung
- Erwartungswert einer Zufallsgrösse
- Modellieren mit dem Erwartungswert
- Ziehen ohne Zurücklegen
- Vierfeldertafeln
- Venn-Diagramme in der Wahrscheinlichkeitsrechnung
- Relative Häufigkeit
- Häufigkeitsbäume
Quellen
- Lehrplan 21 — Mathematik — Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK)
- Lehrplan Volksschule Aargau — Mathematik — Kanton Aargau, Departement Bildung, Kultur und Sport