Schriftliche Multiplikation: Erklärung & Beispiele
Eine kleine Zeitreise
Abschnitt betitelt „Eine kleine Zeitreise“Menschen müssen seit Tausenden von Jahren multiplizieren. Händler wollten wissen, wie viel ihre Waren kosten. Baumeister mussten Flächen berechnen. Und Bauern brauchten genaue Erntemengen.
Im alten Ägypten lösten die Menschen Multiplikationen mit einer cleveren Methode: dem sogenannten Verdoppelungsverfahren. Dabei verdoppelten sie eine Zahl immer wieder und addierten die passenden Ergebnisse. Das war geschickt, aber auch umständlich.
Die alten Griechen und Römer rechneten mit ihren eigenen Zahlensystemen. Die römischen Zahlen kennt du vielleicht noch: I, V, X, L, C, D, M. Mit diesen Zeichen zu multiplizieren war ausgesprochen mühsam. Kein Wunder, dass viele Römer lieber Abakusse – das sind Rechenrahmen mit Perlen – benutzten.
Der entscheidende Durchbruch kam aus Indien. Indische Mathematiker entwickelten schon vor über 1500 Jahren ein Stellenwertsystem mit den Ziffern 0 bis 9. In diesem System hat jede Ziffer einen Wert, der von ihrer Position abhängt. Die Zahl 47 bedeutet also: 4 Zehner und 7 Einer.
Arabische Gelehrte übernahmen dieses System und verfeinerten es. Sie brachten es schliesslich nach Europa. Im Mittelalter verbreiteten sich die sogenannten arabischen Ziffern – also unsere heutigen Ziffern 0 bis 9 – langsam über ganz Europa.
Im 15. und 16. Jahrhundert entwickelten europäische Rechner das schriftliche Multiplikationsverfahren, das du heute noch lernst. Es wurde in Rechenbüchern aufgeschrieben und in Schulen gelehrt. Das Verfahren hat sich seitdem kaum verändert – denn es ist einfach sehr gut.
Das Besondere an unserem Stellenwertsystem ist die Null. Sie war eine revolutionäre Erfindung. Ohne die Null könnte man keine Zahlen wie 100 oder 2030 schreiben. Und ohne diese Zahlen wäre die schriftliche Multiplikation, so wie du sie kennst, nicht möglich.
Wenn du heute schriftlich multiplizierst, benutzt du also eine Methode, die über Jahrhunderte hinweg von klugen Menschen aus Indien, der arabischen Welt und Europa entwickelt wurde.
Die Grundlagen
Abschnitt betitelt „Die Grundlagen“Bevor du mit der schriftlichen Multiplikation beginnst, solltest du die wichtigsten Grundbegriffe kennen.
Ausserdem ist es wichtig, dass du das Stellenwertprinzip verstehst. In unseren Zahlen hat jede Stelle einen bestimmten Wert:
- Die Einerstelle ist ganz rechts. Die Ziffer dort steht für Einer.
- Die Zehnerstelle ist eine Stelle weiter links. Die Ziffer dort steht für Zehner.
- Die Hunderterstelle steht für Hunderter.
Die Zahl 345 bedeutet also: 3 Hunderter, 4 Zehner und 5 Einer.
Dieses Prinzip ist die Grundlage der schriftlichen Multiplikation. Du nutzt es, indem du die obere Zahl in ihre Stellen zerlegst und jede Stelle einzeln mit dem unteren Faktor multiplizierst.
Noch etwas Wichtiges: das kleine Einmaleins. Die schriftliche Multiplikation baut vollständig auf dem Einmaleins auf. Du multiplizierst nämlich immer nur einzelne Ziffern – also Zahlen von 0 bis 9 – mit dem Faktor. Daher lohnt es sich, das Einmaleins auswendig zu können.
Ein nützlicher Merksatz: Rechne immer von rechts nach links. Beginne bei den Einern. Dann kommen die Zehner. Dann die Hunderter. Diese Reihenfolge ist entscheidend.
Die Kernmethode
Abschnitt betitelt „Die Kernmethode“So gehst du Schritt für Schritt vor
Abschnitt betitelt „So gehst du Schritt für Schritt vor“- Schreibe die grössere Zahl oben und den einstelligen Faktor darunter. Richte die Stellen rechtsbündig aus.
- Ziehe einen Strich darunter.
- Beginne ganz rechts bei den Einern der oberen Zahl.
- Multipliziere diese Einer-Ziffer mit dem Faktor.
- Schreibe die Einerstelle des Ergebnisses unter den Strich.
- Falls das Ergebnis grösser als 9 ist: Schreibe die Zehnerstelle als Übertrag klein über die nächste Stelle der oberen Zahl.
- Gehe eine Stelle nach links. Multipliziere diese Ziffer mit dem Faktor. Addiere danach den Übertrag dazu.
- Schreibe wieder die Einerstelle des neuen Ergebnisses hin, merke dir die Zehnerstelle als neuen Übertrag.
- Wiederhole, bis du alle Stellen abgearbeitet hast.
- Schreibe am Schluss einen noch verbliebenen Übertrag ganz links hin.
Das klingt nach vielen Schritten. Aber keine Angst – nach ein paar Übungen läuft das automatisch.
Beispiel 1: Einstieg ohne Übertrag
Abschnitt betitelt „Beispiel 1: Einstieg ohne Übertrag“Aufgabe: Rechne .
Lösung:
Schreibe die Aufgabe auf:
Schritt 1 – Einer: . Das Ergebnis ist einstellig, kein Übertrag. Schreibe 8 hin.
Schritt 2 – Zehner: . Auch hier kein Übertrag. Schreibe 6 hin.
Ergebnis:
Dieses erste Beispiel zeigt den grundlegenden Ablauf. Du arbeitest dich von rechts nach links durch die Ziffern und schreibst die Ergebnisse einfach untereinander.
Beispiel 2: Mit Übertrag
Abschnitt betitelt „Beispiel 2: Mit Übertrag“Aufgabe: Rechne .
Lösung:
Schritt 1 – Einer: . Die 42 ist zweistellig. Schreibe die 2 unter den Strich. Merke dir die 4 als Übertrag. Notiere sie klein über den Zehnern der oberen Zahl.
Schritt 2 – Zehner: . Jetzt addierst du den Übertrag dazu: . Da keine weiteren Stellen folgen, schreibst du die 28 ganz hin.
Ergebnis:
Der Übertrag ist das Herzstück der schriftlichen Multiplikation. Mit etwas Übung wirst du ihn ganz selbstverständlich mitberechnen.
Die häufigsten Stolpersteine
Abschnitt betitelt „Die häufigsten Stolpersteine“Fast alle Rechenfehler bei der schriftlichen Multiplikation entstehen an denselben Stellen. Hier erfährst du, wo du besonders aufpassen musst.
Beispiel 3: Dreistellige Zahl
Abschnitt betitelt „Beispiel 3: Dreistellige Zahl“Aufgabe: Rechne .
Lösung:
Schritt 1 – Einer: . Schreibe 0 hin. Übertrag: 2.
Schritt 2 – Zehner: , plus Übertrag . Schreibe 4 hin. Übertrag: 1.
Schritt 3 – Hunderter: , plus Übertrag . Schreibe 9 hin. Kein weiterer Übertrag.
\begin{array}{r} ^{2}^{1}235 \\ \underline{\times \quad 4} \\ 940 \\ \end{array}Ergebnis:
Beachte, dass das Ergebnis eine Null enthält. Diese Null kommt von Schritt 1 und muss unbedingt hingeschrieben werden.
Beispiel 4: Textaufgabe – Transfer in den Alltag
Abschnitt betitelt „Beispiel 4: Textaufgabe – Transfer in den Alltag“Aufgabe: Lena sammelt Murmeln. Sie hat 5 Beutel, und in jedem Beutel sind genau 78 Murmeln. Wie viele Murmeln hat Lena insgesamt?
Lösung:
Zuerst überlegst du: Wir suchen die Gesamtanzahl. Wir haben 5 Beutel mit je 78 Murmeln. Das ist eine Multiplikation: .
Schritt 1 – Einer: . Schreibe 0 hin. Übertrag: 4.
Schritt 2 – Zehner: , plus Übertrag . Kein weiterer Übertrag. Schreibe 39 hin.
Antwort: Lena hat insgesamt 390 Murmeln.
Bei Textaufgaben lohnt es sich immer, den Antwortsatz auszuformulieren. Das hilft dir zu prüfen, ob du die richtige Frage beantwortet hast.
Vertiefung
Abschnitt betitelt „Vertiefung“Du kennst jetzt das Grundverfahren. Lass uns einen Schritt weitergehen.
Was, wenn das Ergebnis eine neue Stelle bekommt?
Abschnitt betitelt „Was, wenn das Ergebnis eine neue Stelle bekommt?“Manchmal ist der letzte Übertrag noch übrig, nachdem du alle Stellen der oberen Zahl abgearbeitet hast. Dann schreibst du ihn einfach ganz links ans Ergebnis.
Beispiel: . Die Rechnung ergibt im letzten Schritt einen Übertrag von 4, der noch dazukommt. Das Ergebnis hat dann eine Stelle mehr als die obere Zahl.
Multiplikation und die Probe
Abschnitt betitelt „Multiplikation und die Probe“Wie weisst du, ob dein Ergebnis stimmt? Es gibt zwei gute Methoden:
Methode 1: Überschlagen. Runde die obere Zahl auf die nächste Zehnerzahl. Rechne dann im Kopf. Wenn dein genaues Ergebnis in der Nähe des überschlagenen Ergebnisses liegt, ist es vermutlich richtig.
Beispiel: . Überschlag: . Das exakte Ergebnis 282 liegt nah dran.
Methode 2: Gegenprobe mit Division. Wenn , dann muss auch gelten. Das lernst du in einem späteren Thema.
Nullen in der oberen Zahl
Abschnitt betitelt „Nullen in der oberen Zahl“Was passiert, wenn eine Ziffer in der oberen Zahl eine 0 ist? Kein Problem: . Du schreibst die 0 hin und addierst einen eventuellen Übertrag dazu.
Beispiel: Bei rechnest du: (schreibe 2, Übertrag 1), dann , plus Übertrag (schreibe 1), dann (schreibe 9). Ergebnis: 912.
Beispiel 5: Vierstellige Zahl mit Null
Abschnitt betitelt „Beispiel 5: Vierstellige Zahl mit Null“Aufgabe: Ein Schulbus fährt jeden Tag 1023 Kilometer. Wie viele Kilometer fährt er in 8 Tagen?
Lösung:
Die Aufgabe lautet: .
Schritt 1 – Einer: . Schreibe 4 hin. Übertrag: 2.
Schritt 2 – Zehner: , plus Übertrag . Schreibe 8 hin. Übertrag: 1.
Schritt 3 – Hunderter: , plus Übertrag . Schreibe 1 hin. Kein neuer Übertrag.
Schritt 4 – Tausender: . Schreibe 8 hin.
\begin{array}{r} ^{2}^{1}1023 \\ \underline{\times \quad 8} \\ 8184 \\ \end{array}Antwort: Der Schulbus fährt in 8 Tagen insgesamt 8184 Kilometer.
Beachte Schritt 3: Die Null in der Hunderterstelle ergibt . Trotzdem schreibst du das Resultat 1 hin, weil der Übertrag noch dazukommt.
Übungen
Abschnitt betitelt „Übungen“Jetzt bist du dran! Löse die folgenden Aufgaben schriftlich. Schreibe den Rechenweg immer vollständig auf. Die Lösungen findest du weiter unten.
Aufgaben ohne Übertrag – zum Warmwerden:
Aufgabe 1:
Aufgabe 2:
Aufgaben mit Übertrag – eine Stufe schwieriger:
Aufgabe 3:
Aufgabe 4:
Aufgabe 5:
Dreistellige Zahlen:
Aufgabe 6:
Aufgabe 7:
Aufgabe 8:
Textaufgaben – Übertragen in den Alltag:
Aufgabe 9: In einer Schachtel sind 144 Buntstifte. Wie viele Buntstifte sind in 6 solchen Schachteln?
Aufgabe 10: Eine Schule kauft 9 neue Tische. Jeder Tisch kostet 138 Franken. Wie viel bezahlt die Schule insgesamt?
Das Wichtigste in Kürze
Abschnitt betitelt „Das Wichtigste in Kürze“Die schriftliche Multiplikation ist ein Verfahren, mit dem du beliebig grosse Zahlen mit einem einstelligen Faktor multiplizieren kannst.
Du arbeitest immer von rechts nach links, Ziffer für Ziffer. Jede Ziffer der oberen Zahl wird einzeln mit dem Faktor multipliziert.
Wenn ein Teilresultat 10 oder grösser ist, merkst du dir die Zehner als Übertrag und addierst ihn zur nächsten Stelle. Der Übertrag wird addiert – niemals multipliziert.
Schreibe jeden Schritt ordentlich auf, benutze kariertes Papier und notiere Überträge direkt. Am Ende kannst du dein Ergebnis durch Überschlagen überprüfen.
Mit diesem Verfahren löst du auch schwierige Aufgaben sicher und zuverlässig.
Lösung anzeigen
Rechnung: Einer: , schreibe 8, Übertrag 1. Zehner: , plus Übertrag , schreibe 16. Ergebnis: 168
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Rechnung: Einer: , schreibe 0, Übertrag 2. Zehner: , plus Übertrag , schreibe 0, Übertrag 1. Hunderter: , plus Übertrag , schreibe 5. Ergebnis: 500
Lösung anzeigen
Der Übertrag ist 5 (die Zehnerstelle von 56). Beim nächsten Schritt rechnest du die nächste Ziffer mal den Faktor – und addierst dann den Übertrag 5 dazu. Wichtig: Der Übertrag wird addiert, nicht multipliziert!
Lösung anzeigen
Franken Diese Aufgabe kannst du direkt aus dem Einmaleins lösen. Das Ergebnis ist 63 Franken. Tom bezahlt insgesamt 63 Franken.
Lösung anzeigen
Wenn du von links beginnst, kannst du Überträge nicht mehr korrekt einrechnen. Denn Überträge entstehen immer bei der aktuellen Stelle und werden zur nächsten Stelle nach links weitergegeben. Wenn du schon links angefangen hast, gibt es keine nächste Stelle mehr, wo du den Übertrag hinschreiben kannst. Deshalb startest du immer bei den Einern, also ganz rechts.
Ausblick
Abschnitt betitelt „Ausblick“Du kannst jetzt mehrstellige Zahlen schriftlich mit einem einstelligen Faktor multiplizieren. Das ist eine starke Grundlage.
In der 4. Klasse wirst du das Verfahren noch weiter ausbauen. Bald multiplizierst du auch mit zweistelligen Faktoren wie . Dabei wirst du das Verfahren mehrmals anwenden und die Zwischenergebnisse addieren.
Ausserdem wartet die schriftliche Division auf dich – die Umkehrung der Multiplikation. Wer die Multiplikation sicher beherrscht, wird auch die Division viel leichter verstehen.
Übe das Einmaleins weiterhin regelmässig. Es ist das Fundament aller weiteren Rechnungen.
Lösungen
Abschnitt betitelt „Lösungen“Hier findest du die ausführlichen Lösungswege für alle 10 Übungsaufgaben.
Lösung zu Aufgabe 1:
Einer: . Schreibe 3. Kein Übertrag. Zehner: . Schreibe 6. Kein Übertrag.
Ergebnis:
Lösung zu Aufgabe 2:
Einer: . Schreibe 6. Kein Übertrag. Zehner: . Schreibe 8. Kein Übertrag.
Ergebnis:
Lösung zu Aufgabe 3:
Einer: . Schreibe 8. Übertrag: 1. Zehner: , plus Übertrag . Schreibe 16.
Ergebnis:
Lösung zu Aufgabe 4:
Einer: . Schreibe 2. Übertrag: 3. Zehner: , plus Übertrag . Schreibe 27.
Ergebnis:
Lösung zu Aufgabe 5:
Einer: . Schreibe 4. Übertrag: 5. Zehner: , plus Übertrag . Schreibe 47.
Ergebnis:
Lösung zu Aufgabe 6:
\begin{array}{r} ^{2}^{1}125 \\ \underline{\times \quad 4} \\ 500 \\ \end{array}Einer: . Schreibe 0. Übertrag: 2. Zehner: , plus Übertrag . Schreibe 0. Übertrag: 1. Hunderter: , plus Übertrag . Schreibe 5.
Ergebnis:
Lösung zu Aufgabe 7:
\begin{array}{r} ^{3}^{2}347 \\ \underline{\times \quad 5} \\ 1735 \\ \end{array}Einer: . Schreibe 5. Übertrag: 3. Zehner: , plus Übertrag . Schreibe 3. Übertrag: 2. Hunderter: , plus Übertrag . Schreibe 17.
Ergebnis:
Lösung zu Aufgabe 8:
Einer: . Schreibe 6. Übertrag: 5. Zehner: , plus Übertrag . Schreibe 5. Kein neuer Übertrag. Hunderter: . Schreibe 14.
Ergebnis:
Lösung zu Aufgabe 9: In einer Schachtel sind 144 Buntstifte. Wie viele Buntstifte sind in 6 solchen Schachteln?
Rechnung:
\begin{array}{r} ^{2}^{2}144 \\ \underline{\times \quad 6} \\ 864 \\ \end{array}Einer: . Schreibe 4. Übertrag: 2. Zehner: , plus Übertrag . Schreibe 6. Übertrag: 2. Hunderter: , plus Übertrag . Schreibe 8.
Antwort: In 6 Schachteln sind insgesamt 864 Buntstifte.
Lösung zu Aufgabe 10: Eine Schule kauft 9 neue Tische. Jeder Tisch kostet 138 Franken. Wie viel bezahlt die Schule insgesamt?
Rechnung:
\begin{array}{r} ^{7}^{3}138 \\ \underline{\times \quad 9} \\ 1242 \\ \end{array}Einer: . Schreibe 2. Übertrag: 7. Zehner: , plus Übertrag . Schreibe 4. Übertrag: 3. Hunderter: , plus Übertrag . Schreibe 12.
Antwort: Die Schule bezahlt insgesamt 1242 Franken.
Quellen
- Lehrplan 21 — Mathematik — Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK)
- Lehrplan Volksschule Aargau — Mathematik — Kanton Aargau, Departement Bildung, Kultur und Sport