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Ähnliche Figuren

Zwei Figuren heissen ähnlich, wenn sie durch eine Ähnlichkeitsabbildung aufeinander abgebildet werden können — also durch eine Kombination aus Verschiebung, Drehung, Spiegelung und zentrischer Streckung. Konkret heisst das: Entsprechende Winkel sind gleich, und entsprechende Seitenlängen stehen im selben Verhältnis. Dieses Verhältnis nennt man Ähnlichkeitsfaktor kk.

Die zentrische Streckung ist die zentrale neue Abbildung des Kapitels: Von einem Streckzentrum ZZ aus wird jeder Punkt um den Faktor kk gestreckt. k>1k > 1 vergrössert, 0<k<10 < k < 1 verkleinert, k<0k < 0 dreht zusätzlich um 180°180°. Ist k=1k = 1, bleibt alles gleich.

Zwei besonders wichtige Werkzeuge bauen darauf auf: die Strahlensätze (Längenverhältnisse an zwei Strahlen, die ein Parallelenpaar schneiden) und die Ähnlichkeitssätze für Dreiecke (Dreiecke sind ähnlich, sobald zwei Winkel übereinstimmen — WWWW-Satz — oder wenn die Seitenverhältnisse gleich sind).

Eine oft unterschätzte Konsequenz: Beim Strecken mit Faktor kk wächst die Fläche mit k2k^2 und das Volumen mit k3k^3. Wenn du ein Modellhaus im Massstab 1:1001 : 100 baust, ist die Dachfläche 1000010\,000-mal und das Raumvolumen 10000001\,000\,000-mal kleiner als beim Original.

Für dieses Kapitel brauchst du:

Fünf Lektionen, die Schritt für Schritt vom Begriff zur Anwendung führen:

  1. Ähnlichkeitsabbildungen — was “ähnlich” exakt bedeutet, welche Abbildungen die Ähnlichkeit erhalten, und wie du den Ähnlichkeitsfaktor bestimmst.
  2. Zentrische Streckung — die Konstruktion: Strahl durch ZZ und den Urpunkt, Streckenlänge mit kk multiplizieren. Auch für k<0k < 0 (Punktspiegelung mit Skalierung).
  3. Ähnliche Dreiecke — die drei Ähnlichkeitssätze (WWWW, SSSS, SWSSWS-Verhältnis) und wie man sie zur Berechnung unbekannter Längen nutzt.
  4. Strahlensätze — der erste und zweite Strahlensatz: ZAZB=ZCZD\tfrac{ZA}{ZB} = \tfrac{ZC}{ZD} bzw. ACBD\tfrac{AC}{BD} in der üblichen Anordnung. Klassisches Werkzeug der Mittelstufe.
  5. Fläche und Volumen streckenA=k2AA' = k^2 \cdot A, V=k3VV' = k^3 \cdot V. Diese quadratische/kubische Skalierung ist beim Massstäblichen unverzichtbar.
  • Ähnlich — formgleich: gleiche Winkel, proportionale Seiten.
  • Ähnlichkeitsfaktor (kk) — Verhältnis entsprechender Seiten.
  • Zentrische Streckung — Abbildung mit einem festen Streckzentrum und Faktor kk.
  • Streckzentrum (ZZ) — der Fixpunkt der Streckung.
  • Strahlensätze — Verhältnisregeln für Strecken, wenn zwei Strahlen von einem Punkt ausgehen und von Parallelen geschnitten werden.
  • WWWW-Satz — zwei Winkel gleich ⇒ Dreiecke ähnlich (der dritte Winkel ergibt sich aus der Winkelsumme).
  • Massstab — Ähnlichkeitsfaktor kk in der Form 1:n1 : n.
  1. “Ähnliche Figuren sind kongruente Figuren.” Nein — kongruent heisst deckungsgleich (k=1k = 1). Ähnlich heisst formgleich, mit beliebigem k>0k > 0. Jede Kongruenz ist eine Ähnlichkeit mit k=1k = 1, aber nicht umgekehrt.
  2. “Wenn ich die Seitenlängen verdoppele, verdoppelt sich die Fläche.” Falsch. Bei einer Streckung mit k=2k = 2 wird die Fläche 44\,-mal so gross: A=22A=4AA' = 2^2 \cdot A = 4 A. Das merkst du sofort an einem Quadrat: aus 1×11 \times 1 wird 2×22 \times 2, also 141 \to 4.
  3. “Beim Strahlensatz darf ich beliebige Strecken ins Verhältnis setzen.” Nur die entsprechenden Strecken. Eine saubere Skizze mit gekennzeichneten Strahlen und Parallelen ist Pflicht, sonst schleicht sich genau dieser Fehler ein.

Ähnliche Figuren gehören zu MA.2 – Form und Raum, 3. Zyklus:

  • MA.2.A.2 – Ähnliche Figuren erkennen, konstruieren und begründen.
  • MA.2.A.3 – Strahlensätze zur Berechnung unbekannter Längen anwenden.
  • MA.2.B.2 – Zusammenhänge zwischen Streckung, Fläche und Volumen darstellen.

Der Ähnlichkeitsbegriff und die zentrische Streckung gelten als Grundanspruch im 3. Zyklus. Die Strahlensätze und das Skalierungsverhalten von Fläche und Volumen gehören zu den erweiterten Anforderungen der 9./10. Klasse und sind in der Oberstufe und im Gymnasium vorausgesetzt.

Quellen