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Winkel und Kreis

Ein Winkel entsteht, wenn zwei Halbgeraden einen gemeinsamen Anfangspunkt (den Scheitel) haben. Gemessen wird die Drehung von einem Schenkel zum anderen — in Grad, mit Symbol "°°". Ein rechter Winkel hat 90°90°, ein gestreckter Winkel 180°180°, und eine volle Umdrehung 360°360°.

Warum genau 360°360°? Das ist eine Konvention aus der babylonischen Mathematik vor rund 40004000 Jahren — damals rechneten die Astronomen im Sechziger-System, und 360360 ist durch sehr viele Zahlen teilbar (2,3,4,5,6,8,9,10,12,2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 10, 12, \ldots), was das Arbeiten mit Bruchteilen des Kreises einfach macht.

Ein Kreis ist die Menge aller Punkte, die vom Mittelpunkt MM den gleichen Abstand rr haben. Der Abstand rr heisst Radius, der doppelte Radius d=2rd = 2r heisst Durchmesser. Ein Kreisausschnitt ist ein “Tortenstück” — bestimmt durch einen Mittelpunktswinkel.

Für dieses Kapitel brauchst du:

  • die geometrischen Grundbegriffe (Strecke, Halbgerade, parallel, senkrecht),
  • den Umgang mit einem Geodreieck (darauf ist die Gradeinteilung bereits aufgedruckt),
  • ab der zweiten Hälfte: einen Zirkel, um Kreise zu zeichnen,
  • Grundlagen der natürlichen Zahlen fürs Rechnen mit Winkelgrössen.

Vier Lektionen, die aufeinander aufbauen:

  1. Winkel — was ein Winkel ist, wie man ihn benennt (α\alpha, β\beta, γ\gamma, oder ABC\angle ABC), und welche Winkelarten es gibt: spitz (<90°< 90°), recht (=90°= 90°), stumpf (>90°> 90°), gestreckt (=180°= 180°), überstumpf (>180°> 180°).
  2. Winkel messen und zeichnen — die Technik mit dem Geodreieck. Wichtig: immer den Scheitel am Nullpunkt anlegen und die richtige der beiden Skalen ablesen.
  3. Winkel und Parallelen — wenn eine Gerade zwei parallele Geraden schneidet, entstehen Stufenwinkel und Wechselwinkel, die alle paarweise gleich gross sind. Ein Schlüssel zu vielen Beweisen in der Geometrie.
  4. Kreise und Kreisausschnitte — was Radius, Durchmesser und Mittelpunktswinkel sind, wie du einen Kreis zeichnest und wie du Ausschnitte berechnest. Vorstufe zur Kreisflächenformel A=πr2A = \pi r^2, die erst im 3. Zyklus kommt.
  • Winkel — die Drehung zwischen zwei Halbgeraden mit gemeinsamem Scheitel.
  • Scheitel — der gemeinsame Anfangspunkt der beiden Halbgeraden (Schenkel).
  • Grad (°°) — die Einheit, in der Winkel gemessen werden. Voller Kreis =360°= 360°.
  • Rechter Winkel — Winkel von 90°90°; zwei Schenkel stehen senkrecht.
  • Kreis — Menge aller Punkte mit gleichem Abstand zu einem Mittelpunkt.
  • Radius (rr) — Strecke vom Mittelpunkt zu einem Punkt auf dem Kreis.
  • Durchmesser (dd) — Strecke durch den Mittelpunkt von einem Kreispunkt zum gegenüberliegenden. d=2rd = 2r.
  • Kreisbogen — ein Stück der Kreislinie.
  • Kreisausschnitt — die Fläche zwischen zwei Radien und dem dazwischenliegenden Bogen (“Tortenstück”).
  1. “Ein grösserer Schenkel bedeutet ein grösserer Winkel.” Nein. Die Länge der Schenkel ist egal, nur die Öffnung zählt. Ein Winkel von 30°30° bleibt 30°30°, auch wenn du die Schenkel doppelt so lang zeichnest.
  2. “Ich habe am Geodreieck auf der anderen Skala abgelesen — egal.” Eine Skala zeigt den Winkel von links, die andere von rechts. Wenn du die falsche nimmst, bekommst du den Nebenwinkel (180°α180° - \alpha) und liegst systematisch daneben.
  3. “Radius und Durchmesser sind dasselbe.” Nein — der Durchmesser ist doppelt so lang wie der Radius. Beim Messen eines Kreises ist deshalb entscheidend, ob du vom Mittelpunkt aus misst oder quer durch den Kreis.

Winkel und Kreis gehören zum Kompetenzbereich MA.2 – Form und Raum, 2. Zyklus (Ende):

  • MA.2.A.1 – Winkel benennen, klassifizieren und messen.
  • MA.2.C.1 – Winkel zeichnen; Kreise konstruieren.
  • MA.2.B.2 – Eigenschaften an parallelen Geraden und Kreisen untersuchen.

Das Messen und Zeichnen von Winkeln mit dem Geodreieck sowie das Konstruieren eines Kreises mit dem Zirkel gelten als Grundanspruch. Die Winkel an parallelen Geraden und das Rechnen mit Kreisausschnitten sind teils Erweiterung und werden in der 7./8. Klasse systematisch fortgesetzt.

Quellen