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Kongruenzsätze einfach erklärt: So beweist du, dass Dreiecke deckungsgleich sind

Weiterführend:

Lehrplan 21Zyklus 3 (7.–9. Klasse) · 6Kompetenzen
  • MA.2.A.1.iGrundanspruchBegriffe Seitenhalbierende, Winkelhalbierende, Höhe, Lot, Grundlinie, Grundfläche, Mittelsenkrechte, Schenkel, Netz, Umkreis, Inkreis, Viereck, Vieleck, Rhombus, Parallelogramm, Drachenviereck, Trapez, gleichschenklig/gleichseitig, Punktspiegelung, Drehung, Originalpunkt, Bildpunkt, kongruent, Koordinatensystem, 2D, 3D; geometrische Objekte korrekt beschriften
  • MA.2.B.1.hGrundanspruchBeim Erforschen geometrischer Beziehungen Vermutungen formulieren, überprüfen und allenfalls neue formulieren; auf Forschungsaufgaben einlassen
  • MA.2.C.3.gGrundanspruchKörper in der Vorstellung verändern und Ergebnisse beschreiben (z.B. Ecken eines Würfels abschleifen); Operationen im Kopf ausführen und Ergebnisse skizzieren
  • MA.2.A.1.jBegriffe x-Koordinate, y-Koordinate, x-Achse, y-Achse, Einheitsstrecke, Mantelfläche, Prisma, Zylinder; Drei- und Vierecke nach Winkel, Parallelität, Diagonalen, Seitenlängen charakterisieren
  • MA.2.B.1.iComputer zur Erforschung geometrischer Beziehungen nutzen (z.B. Umkreismittelpunkt bei verschiedenen Dreiecken)
  • MA.2.C.3.h

Quelle: Aargauer Lehrplan Volksschule, Fachbereich Mathematik (August 2022)

Die Kongruenzsätze gehören zu den ältesten Ergebnissen der Mathematik. Schon vor mehr als 2300 Jahren beschäftigte sich ein griechischer Gelehrter mit der Frage, wann zwei Dreiecke deckungsgleich sind. Sein Name: Euklid von Alexandria.

Um 300 v. Chr. verfasste Euklid sein berühmtes Werk „Die Elemente”. Dieses Buch ist eines der einflussreichsten Lehrwerke der Weltgeschichte. Es wurde über 2000 Jahre lang als Standardwerk für den Geometrieunterricht verwendet. In den „Elementen” formulierte Euklid systematisch, wann zwei Dreiecke kongruent sind. Seine Sätze bilden noch heute die Grundlage deines Schulbuches.

Interessant ist, dass Euklid nicht alle heutigen Kongruenzsätze gleich behandelte. Den Satz SSS bewies er besonders sorgfältig, weil er Zirkel und Lineal zur Konstruktion einsetzte. Seine Methode nutzte Schnittpunkte von Kreisen. Daraus leitete er ab, dass drei feste Seitenlängen nur eine einzige Dreiecksform zulassen.

Doch warum waren diese Sätze so wichtig? In der Antike gab es noch keine Taschenrechner. Landvermesser, Baumeister und Astronomen brauchten verlässliche Methoden, um Entfernungen und Flächen zu bestimmen. Mit den Kongruenzsätzen konnten sie aus wenigen Messungen ganze Dreiecke rekonstruieren. Beim Bau der ägyptischen Pyramiden, bei der Vermessung von Äckern nach der Nilflut und bei der Berechnung von Sternpositionen waren kongruente Dreiecke unverzichtbar.

Im 19. Jahrhundert erlebten die Kongruenzsätze eine Renaissance. Der deutsche Mathematiker David Hilbert ordnete Euklids Geometrie neu und formulierte sie in seinem Werk „Grundlagen der Geometrie” (1899) präziser. Er zeigte, dass der Satz SWS ein grundlegendes Axiom ist. Heute werden die Kongruenzsätze in der Vermessungstechnik, im Maschinenbau und in der Computergrafik angewendet. Wenn du ein 3D-Modell am Computer siehst, basiert es oft auf Tausenden kongruenten Dreiecken.

Bevor du die Kongruenzsätze anwenden kannst, musst du klar verstehen, was Kongruenz bedeutet. Zwei Dreiecke heissen kongruent, wenn sie exakt deckungsgleich sind. Das bedeutet: Wenn du das eine Dreieck ausschneidest und auf das andere legst, überdecken sie sich vollständig. Dabei darfst du das Dreieck drehen, spiegeln oder verschieben.

Denke nochmals an die Tischplatte. Die Original-Platte und die Ersatzplatte sind kongruent, wenn sie sich perfekt überdecken lassen. Die Lage im Raum spielt keine Rolle. Ob die Platte nach links oder rechts zeigt, ist egal. Entscheidend ist nur: Stimmen alle Masse überein?

Bei kongruenten Dreiecken gilt also:

  • Alle drei Seiten sind gleich lang.
  • Alle drei Winkel sind gleich gross.

Das sind insgesamt sechs Bedingungen. Doch hier kommt die gute Nachricht: Du musst nicht alle sechs überprüfen. Es reichen bestimmte Kombinationen aus drei Angaben. Diese Kombinationen nennen wir Kongruenzsätze. Sie sagen dir genau, welche drei Angaben ein Dreieck eindeutig festlegen.

Die Kongruenzsätze sind dein Werkzeugkasten. Sie sagen dir, welche drei Angaben ausreichen, um ein Dreieck eindeutig zu konstruieren. Wenn zwei Dreiecke in diesen drei Angaben übereinstimmen, sind sie automatisch kongruent.

Merke dir: Bei SWS liegt der Winkel zwischen den beiden Seiten. Bei WSW liegt die Seite zwischen den beiden Winkeln. Bei SSW liegt der Winkel gegenüber einer Seite und zwar gegenüber der längeren. Diese Position des Winkels ist entscheidend.

Da die Winkelsumme im Dreieck immer 180°180° beträgt, kannst du aus zwei Winkeln den dritten berechnen:

γ=180°αβ\gamma = 180° - \alpha - \beta

Deshalb ist WSW äquivalent zu WWS. Kennst du zwei Winkel und eine beliebige Seite, kannst du das Dreieck eindeutig rekonstruieren.

Beispiel:

Gegeben sind zwei Dreiecke mit folgenden Seitenlängen:

Dreieck ABCABC: a=5cma = 5 \, \text{cm}, b=7cmb = 7 \, \text{cm}, c=9cmc = 9 \, \text{cm}

Dreieck DEFDEF: d=5cmd = 5 \, \text{cm}, e=7cme = 7 \, \text{cm}, f=9cmf = 9 \, \text{cm}

Frage: Sind die Dreiecke kongruent?

Lösung:

Wir vergleichen die Seitenlängen:

  • a=d=5cma = d = 5 \, \text{cm}
  • b=e=7cmb = e = 7 \, \text{cm}
  • c=f=9cmc = f = 9 \, \text{cm}

Alle drei Seiten stimmen überein. Nach dem Kongruenzsatz SSS sind die Dreiecke ABCABC und DEFDEF kongruent.

Schreibweise: ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF (SSS)

Beispiel:

Gegeben sind zwei Dreiecke:

Dreieck PQRPQR: p=6cmp = 6 \, \text{cm}, q=8cmq = 8 \, \text{cm}, R=45°\angle R = 45°

Dreieck XYZXYZ: x=6cmx = 6 \, \text{cm}, y=8cmy = 8 \, \text{cm}, Z=45°\angle Z = 45°

Der Winkel R\angle R liegt zwischen den Seiten pp und qq. Ebenso liegt Z\angle Z zwischen xx und yy.

Frage: Sind die Dreiecke kongruent?

Lösung:

Wir prüfen die Bedingungen für SWS:

  • Seite 1: p=x=6cmp = x = 6 \, \text{cm}
  • Eingeschlossener Winkel: R=Z=45°\angle R = \angle Z = 45°
  • Seite 2: q=y=8cmq = y = 8 \, \text{cm}

Die beiden Seiten und der eingeschlossene Winkel stimmen überein. Nach dem Kongruenzsatz SWS sind die Dreiecke kongruent.

Schreibweise: PQRXYZ\triangle PQR \cong \triangle XYZ (SWS)

Merke: Der Winkel muss wirklich zwischen den beiden Seiten liegen. Läge er gegenüber einer der Seiten, wäre nicht SWS, sondern SSW relevant.

Beim Arbeiten mit den Kongruenzsätzen gibt es einige Fallstricke. Wenn du diese kennst, vermeidest du typische Fehler.

Beispiel:

Beispiel 3: Fehlende Angaben berechnen und Kongruenz bestimmen

Abschnitt betitelt „Beispiel 3: Fehlende Angaben berechnen und Kongruenz bestimmen“

Gegeben sind zwei Dreiecke:

Dreieck ABCABC: α=35°\alpha = 35°, β=85°\beta = 85°, c=10cmc = 10 \, \text{cm}

Dreieck DEFDEF: δ=35°\delta = 35°, ε=85°\varepsilon = 85°, f=10cmf = 10 \, \text{cm}

Die Seite cc liegt zwischen den Winkeln α\alpha und β\beta. Ebenso liegt ff zwischen δ\delta und ε\varepsilon.

Frage: Welcher Kongruenzsatz gilt hier?

Lösung:

Zunächst prüfen wir die Struktur. Wir haben zwei Winkel und die dazwischenliegende Seite:

  • Winkel 1: α=δ=35°\alpha = \delta = 35°
  • Seite (eingeschlossen): c=f=10cmc = f = 10 \, \text{cm}
  • Winkel 2: β=ε=85°\beta = \varepsilon = 85°

Die Anordnung ist Winkel-Seite-Winkel. Das ist der Kongruenzsatz WSW.

Zur Kontrolle berechnen wir den dritten Winkel:

γ=180°35°85°=60°\gamma = 180° - 35° - 85° = 60°ζ=180°35°85°=60°\zeta = 180° - 35° - 85° = 60°

Die dritten Winkel stimmen ebenfalls überein.

Schreibweise: ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF (WSW)

Beispiel:

Gegeben sind zwei Dreiecke:

Dreieck KLMKLM: k=4cmk = 4 \, \text{cm}, l=6cml = 6 \, \text{cm}, K=50°\angle K = 50°

Dreieck RSTRST: r=4cmr = 4 \, \text{cm}, s=6cms = 6 \, \text{cm}, R=50°\angle R = 50°

Der Winkel K\angle K liegt der Seite kk gegenüber. Ebenso liegt R\angle R der Seite rr gegenüber.

Frage: Sind die Dreiecke kongruent?

Lösung:

Hier haben wir zwei Seiten und einen Winkel. Der Winkel liegt gegenüber einer Seite. Das deutet auf SSW hin.

Bei SSW müssen wir prüfen: Liegt der Winkel der längeren Seite gegenüber?

Die gegebenen Seiten sind k=4cmk = 4 \, \text{cm} und l=6cml = 6 \, \text{cm}. Die längere Seite ist l=6cml = 6 \, \text{cm}.

Der Winkel K=50°\angle K = 50° liegt aber der Seite k=4cmk = 4 \, \text{cm} gegenüber. Das ist die kürzere Seite.

In diesem Fall ist SSW nicht anwendbar. Es könnten zwei verschiedene Dreiecke mit diesen Angaben existieren.

Antwort: Die Kongruenz kann mit den gegebenen Informationen nicht eindeutig festgestellt werden.

Die Kongruenzsätze sind nicht nur ein Prüfwerkzeug. Sie sind das Fundament für viele geometrische Beweise. Wenn du zeigen willst, dass zwei Strecken gleich lang sind oder zwei Winkel gleich gross, kannst du das oft über Kongruenz beweisen.

Ein klassisches Beispiel: Im gleichschenkligen Dreieck sind die Basiswinkel gleich gross. Wie beweist man das? Man zieht die Winkelhalbierende vom Scheitelwinkel zur Basis. Dadurch entstehen zwei kleinere Dreiecke. Diese beiden Dreiecke haben zwei gleich lange Schenkel, einen gemeinsamen Schenkel (die Winkelhalbierende) und den gleichen eingeschlossenen Winkel. Nach SWS sind sie kongruent. Also müssen auch die Basiswinkel gleich gross sein.

Eine weitere wichtige Anwendung: Konstruktionsaufgaben. Wenn du ein Dreieck aus gegebenen Stücken konstruieren sollst, sagen dir die Kongruenzsätze, ob das Dreieck eindeutig ist. Bei SSS, SWS und WSW gibt es immer genau eine Lösung. Bei SSW musst du prüfen, ob der Winkel der längeren Seite gegenüberliegt. Erst dann weisst du, ob du eindeutig konstruieren kannst.

Die Kongruenzsätze verbinden sich zudem mit der Ähnlichkeitslehre. Zwei Dreiecke sind ähnlich, wenn sie in allen Winkeln übereinstimmen. Ähnlich zu SSS gibt es für Ähnlichkeit einen Satz mit drei proportionalen Seiten. Kongruenz ist gewissermassen der Sonderfall der Ähnlichkeit mit Streckungsfaktor 11.

Beispiel:

Ein Vermesser misst ein dreieckiges Grundstück. Er notiert:

  • Die Nordseite ist 120m120 \, \text{m} lang.
  • Die Ostseite ist 85m85 \, \text{m} lang.
  • Der Winkel zwischen Nord- und Ostseite beträgt 72°72°.

Sein Kollege misst ein anderes Grundstück und erhält exakt dieselben Werte.

Frage: Haben die beiden Grundstücke dieselbe Form und Grösse?

Lösung:

Wir übersetzen die Angaben in mathematische Grössen:

  • Seite 1 (Nordseite): 120m120 \, \text{m}
  • Seite 2 (Ostseite): 85m85 \, \text{m}
  • Eingeschlossener Winkel: 72°72°

Der Winkel liegt zwischen den beiden gemessenen Seiten. Das entspricht der Struktur Seite-Winkel-Seite.

Da beide Grundstücke in diesen drei Angaben übereinstimmen, sind sie nach dem Kongruenzsatz SWS kongruent.

Antwort: Ja, die beiden Grundstücke haben exakt dieselbe Form und Grösse. Sie sind kongruent (SWS). Der Vermesser könnte also die Berechnungen vom ersten Grundstück direkt übertragen.

Arbeite dich durch die folgenden Aufgaben. Sie sind nach Schwierigkeit geordnet.

Aufgabe 1: Zwei Dreiecke haben die Seitenlängen 3cm3 \, \text{cm}, 4cm4 \, \text{cm}, 5cm5 \, \text{cm}. Welcher Kongruenzsatz liegt vor?

Aufgabe 2: Ein Dreieck hat die Seiten a=7cma = 7 \, \text{cm}, b=9cmb = 9 \, \text{cm} und den eingeschlossenen Winkel γ=60°\gamma = 60°. Welcher Kongruenzsatz beschreibt diese Angaben?

Aufgabe 3: Dreieck ABCABC hat α=40°\alpha = 40°, β=70°\beta = 70° und die eingeschlossene Seite c=8cmc = 8 \, \text{cm}. Bestimme den dritten Winkel γ\gamma.

Aufgabe 4: Zwei Dreiecke haben die Seiten 6cm6 \, \text{cm} und 10cm10 \, \text{cm}. Der Winkel 35°35° liegt der Seite 10cm10 \, \text{cm} gegenüber. Sind die Dreiecke kongruent?

Aufgabe 5: Zwei Dreiecke haben die Seiten 6cm6 \, \text{cm} und 10cm10 \, \text{cm}. Der Winkel 35°35° liegt der Seite 6cm6 \, \text{cm} gegenüber. Sind die Dreiecke kongruent?

Aufgabe 6: Warum ist WWW kein Kongruenzsatz? Gib ein Gegenbeispiel an.

Aufgabe 7: Ein gleichseitiges Dreieck hat die Seitenlänge 5cm5 \, \text{cm}. Ein zweites gleichseitiges Dreieck hat ebenfalls alle Seiten 5cm5 \, \text{cm}. Begründe, warum die beiden Dreiecke kongruent sind.

Aufgabe 8: Eine Leiter steht an einer Wand. Die Leiter ist 4m4 \, \text{m} lang. Sie berührt die Wand in 3,5m3{,}5 \, \text{m} Höhe. Der Winkel zwischen Boden und Leiter beträgt 61°61°. Eine zweite Leiter liefert dieselben drei Werte. Welcher Kongruenzsatz garantiert, dass beide Leitersituationen kongruent sind?

Aufgabe 9: Im Dreieck ABCABC ist ABAB die Basis. Die Höhe hch_c halbiert die Basis. Zeige mit einem Kongruenzsatz, dass das Dreieck gleichschenklig ist.

Aufgabe 10: Ein Vierkant besteht aus zwei gleichseitigen Dreiecken, die an einer gemeinsamen Seite zusammengefügt sind. Begründe, warum die beiden Dreiecke kongruent sind und welcher Kongruenzsatz verwendet wird.

  • Kongruente Dreiecke sind deckungsgleich. Alle Seiten und Winkel stimmen überein.
  • Du brauchst nicht alle sechs Grössen zu kennen. Es reichen drei passende Angaben.
  • Die vier Kongruenzsätze sind: SSS, SWS, WSW und SSW.
  • Bei SWS liegt der Winkel zwischen den Seiten. Bei WSW liegt die Seite zwischen den Winkeln.
  • Bei SSW muss der Winkel der längeren Seite gegenüberliegen. Sonst gilt der Satz nicht.
  • WWW ist kein Kongruenzsatz! Drei gleiche Winkel garantieren nur Ähnlichkeit.
  • Die Schreibweise für Kongruenz ist ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF.
  • Kongruenzsätze sind die Grundlage für geometrische Beweise und Konstruktionen.
❓ Frage:
Welcher Kongruenzsatz liegt vor, wenn zwei Dreiecke in allen drei Seitenlängen übereinstimmen?
Lösung anzeigen
Der Kongruenzsatz SSS (Seite-Seite-Seite). Wenn alle drei Seiten gleich lang sind, sind die Dreiecke kongruent.
❓ Frage:
Ein Dreieck hat die Angaben: a=5cma = 5 \, \text{cm}, b=7cmb = 7 \, \text{cm}, γ=60°\gamma = 60°. Der Winkel γ\gamma liegt zwischen den Seiten aa und bb. Welcher Kongruenzsatz beschreibt diese Situation?
Lösung anzeigen
Der Kongruenzsatz SWS (Seite-Winkel-Seite). Der Winkel liegt zwischen den beiden gegebenen Seiten.
❓ Frage:
Warum ist WWW (drei gleiche Winkel) kein Kongruenzsatz?
Lösung anzeigen
Drei gleiche Winkel bedeuten nur, dass die Dreiecke ähnlich sind. Sie haben dieselbe Form, können aber unterschiedliche Grössen haben. Zum Beispiel sind ein kleines und ein grosses gleichseitiges Dreieck ähnlich, aber nicht kongruent.
❓ Frage:
Bei welchem Kongruenzsatz musst du besonders auf die Lage des Winkels achten, weil er nur unter bestimmten Bedingungen gilt?
Lösung anzeigen
Beim Kongruenzsatz SSW. Der Winkel muss der längeren der beiden gegebenen Seiten gegenüberliegen. Liegt er der kürzeren Seite gegenüber, könnten zwei verschiedene Dreiecke die Angaben erfüllen.
❓ Frage:
Zwei Dreiecke stimmen in den Winkeln α=50°\alpha = 50°, β=60°\beta = 60° und der zwischen ihnen liegenden Seite c=7cmc = 7 \, \text{cm} überein. Welcher Kongruenzsatz gilt und wie gross ist der dritte Winkel?
Lösung anzeigen
Es gilt der Kongruenzsatz WSW. Der dritte Winkel beträgt γ=180°50°60°=70°\gamma = 180° - 50° - 60° = 70°.

Du hast jetzt gelernt, wann zwei Dreiecke kongruent sind. Der nächste logische Schritt ist die Ähnlichkeit von Dreiecken. Dort haben zwei Dreiecke dieselbe Form, aber nicht unbedingt dieselbe Grösse. Statt Kongruenzsätzen lernst du dann die Ähnlichkeitssätze kennen.

Ausserdem wirst du die Kongruenzsätze bald in geometrischen Beweisen anwenden. Damit zeigst du, dass bestimmte Strecken gleich lang oder Winkel gleich gross sind. Die Kongruenzsätze sind dein Werkzeug, um logische Schlüsse in der Geometrie zu ziehen.

Lösung 1: Die drei Seitenlängen 3cm3 \, \text{cm}, 4cm4 \, \text{cm} und 5cm5 \, \text{cm} legen das Dreieck eindeutig fest. Es gilt der Kongruenzsatz SSS.

Lösung 2: Wir haben zwei Seiten (aa und bb) und den dazwischenliegenden Winkel γ\gamma. Das entspricht dem Kongruenzsatz SWS.

Lösung 3: Die Winkelsumme im Dreieck beträgt 180°180°. Also gilt:

γ=180°αβ=180°40°70°=70°\gamma = 180° - \alpha - \beta = 180° - 40° - 70° = 70°

Der dritte Winkel ist γ=70°\gamma = 70°. Die drei Angaben entsprechen dem Kongruenzsatz WSW, also sind zwei Dreiecke mit diesen Werten eindeutig kongruent.

Lösung 4: Der Winkel 35°35° liegt der Seite 10cm10 \, \text{cm} gegenüber. Das ist die längere der beiden gegebenen Seiten. Damit ist die Bedingung für SSW erfüllt. Die Dreiecke sind kongruent (SSW).

Lösung 5: Hier liegt der Winkel 35°35° der Seite 6cm6 \, \text{cm} gegenüber. Das ist die kürzere der beiden Seiten. Die Bedingung für SSW ist nicht erfüllt. Es könnten zwei verschiedene Dreiecke existieren. Die Kongruenz ist nicht garantiert.

Lösung 6: Drei gleiche Winkel bedeuten nur, dass die Dreiecke ähnlich sind. Ein Gegenbeispiel: Ein gleichseitiges Dreieck mit Seitenlänge 2cm2 \, \text{cm} und ein gleichseitiges Dreieck mit Seitenlänge 5cm5 \, \text{cm}. Beide haben alle Winkel 60°60°. Sie sind also winkelgleich, aber unterschiedlich gross. Damit sind sie nicht kongruent.

Lösung 7: Beide Dreiecke haben alle drei Seiten gleich lang (5cm5 \, \text{cm}). Nach dem Kongruenzsatz SSS sind die Dreiecke kongruent. Zusätzlich weiss man, dass alle Winkel im gleichseitigen Dreieck 60°60° betragen.

Lösung 8: Wir haben die Hypotenuse (Leiter, 4m4 \, \text{m}), die Höhe an der Wand (3,5m3{,}5 \, \text{m}) und den Winkel zwischen Boden und Leiter (61°61°). Der Winkel liegt der Wandhöhe gegenüber. Wir haben zwei Seiten und einen Winkel. Die Leiter (4m4 \, \text{m}) ist die längere Seite. Da der Winkel nicht dieser längeren Seite gegenüberliegt, sondern der kürzeren Wandhöhe, ist SSW hier streng genommen nicht anwendbar. Stattdessen liefert die Information der rechte Winkel am Boden: Wir haben ein rechtwinkliges Dreieck mit Hypotenuse und einem weiteren Winkel. Das legt das Dreieck über WSW eindeutig fest (zwei Winkel – 61°61° und 90°90° – und die eingeschlossene bzw. verbundene Seite).

Lösung 9: Wir betrachten die beiden Teildreiecke, die durch die Höhe hch_c entstehen. Sie teilen:

  • Die Höhe hch_c als gemeinsame Seite.
  • Je eine halbierte Basisseite gleicher Länge.
  • Den rechten Winkel zwischen Höhe und Basis.

Damit haben wir zwei Seiten und den eingeschlossenen Winkel (SWS). Die beiden Teildreiecke sind kongruent. Daraus folgt, dass die beiden Schenkel des Ausgangsdreiecks gleich lang sind. Das Dreieck ist also gleichschenklig.

Lösung 10: Die beiden gleichseitigen Dreiecke haben die gemeinsame Seite als Basis und beide Dreiecke haben alle drei Seiten gleich lang (weil sie gleichseitig sind). Damit stimmen alle drei Seitenlängen überein. Nach dem Kongruenzsatz SSS sind die beiden Dreiecke kongruent.

Quellen