Terme mit einer Variablen – Der Platzhalter in der Mathematik
Weiterführend:
- Zur Kapitelübersicht „Terme und Gleichungen”
- Vorwissen: Terme verstehen und richtig rechnen
- Als Nächstes: Terme aufstellen – Vom Alltag zur Formel
- Später: Gleichungen verstehen und lösen
Lehrplan 21
MA.3.A.1.kGrundanspruchBegriffe absolute und relative Häufigkeit, x-Koordinate, y-Koordinate, x-Achse, y-Achse, Einheitsstrecke, Wahrscheinlichkeit; Masseinheiten Geschwindigkeit (km/h, m/s, kB/s, dpi)MA.3.A.3.hGrundanspruchZu einer Funktionsgleichung Wertepaare bestimmen und in einem Koordinatensystem einzeichnenMA.3.C.2.gGrundanspruchAbhängigkeit zweier Grössen mit Funktionsgraph darstellen; Graphenverläufe interpretieren (Erw: geeignete Skalierung wählen; lineare funktionale Zusammenhänge mit Term beschreiben)MA.3.A.1.jBegriffe Koordinatensystem, Währung, arithmetisches Mittel (Erw: indirekte Proportionalität); Masseinheiten Flächenmasse (km², ha, a, m², dm², cm², mm²), Geld (CHF, €, $)MA.3.A.1.mBegriffe (lineare) Funktion, sichere/mögliche/unmögliche Ereignisse, Flussdiagramm, Bit, Byte; Vorsätze Mikro, Nano; Masseinheiten Dichte (kg/dm³, g/cm³)MA.3.A.3.iFunktionswert zu einer gegebenen Zahl aus Wertetabelle, Graph und Funktionsgleichung bestimmen (z.B. y = 2x + 1, x = 7 → y = 15); Rechner/Software für Funktionswerte nutzen; Sachaufgaben mit Prozentangaben lösen (Steigung, Zins)MA.3.C.2.fProportionale und lineare Zusammenhänge in Sachsituationen erkennen (Erw: indirekt proportionale); Wertepaare und Funktionsgraphen im Koordinatensystem darstellen; Alltagssituationen in mathematische Sprache übersetzenMA.3.C.2.hWertetabellen, Diagramme, Sachtexte, Terme und Graphen einander zuordnen und interpretieren; Sachsituationen nach funktionalen, statistischen und probabilistischen Gesichtspunkten bearbeiten
Quelle: Aargauer Lehrplan Volksschule, Fachbereich Mathematik (August 2022)
Eine kleine Zeitreise
Abschnitt betitelt „Eine kleine Zeitreise“Die Idee, Zahlen durch Buchstaben zu ersetzen, ist erstaunlich jung. Bis ins 16. Jahrhundert schrieben Mathematikerinnen und Mathematiker ihre Rechnungen in ganzen Sätzen. Anstelle von stand dort etwa: “Nimm die unbekannte Zahl doppelt und füge fünf hinzu.” Diese Schreibweise heisst rhetorische Algebra.
Einen ersten grossen Sprung machte der persische Gelehrte Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi um das Jahr 820. Sein Buch “Al-kitab al-muchtasar fi hisab al-dschabr wa-l-muqabala” gab der Algebra ihren Namen. Das Wort al-dschabr bedeutet so viel wie “Ergänzen” oder “Zusammenfügen”. Noch heute steckt es im Wort “Algebra”. Al-Chwarizmi arbeitete zwar ohne Buchstaben, beschrieb aber schon systematisch, wie man mit unbekannten Grössen rechnet.
Der entscheidende Fortschritt kam 1591 mit dem Franzosen François Viète. Er hatte eine geniale Idee: Er verwendete Vokale für unbekannte Grössen und Konsonanten für bekannte Zahlen. Zum ersten Mal konnte man ganze Gleichungen als kurze Formeln schreiben.
Der deutsche Mathematiker René Descartes verfeinerte das System 1637 in seinem Werk “La Géométrie”. Er führte die Konvention ein, die wir heute noch benutzen: Die Buchstaben , , stehen für bekannte Werte. Die Buchstaben , , stehen für Unbekannte. Warum ausgerechnet ? Angeblich hatte sein Drucker nicht mehr genug andere Buchstaben im Setzkasten.
Seitdem hat sich die Variable als Herzstück der Algebra durchgesetzt. Jede Gleichung in Physik, Wirtschaft oder Informatik nutzt diesen Gedanken. Wenn du heute mit rechnest, stehst du in einer Tradition, die mehr als tausend Jahre alt ist.
Die Grundlagen
Abschnitt betitelt „Die Grundlagen“Bevor wir rechnen, klären wir die Bausteine. Ein Term ist ein mathematischer Ausdruck. Er kann aus Zahlen, Variablen und Rechenzeichen bestehen. Beispiele für Terme sind: , , oder .
Ein Term hat keinen Vergleich mit einer anderen Seite. Sobald ein Gleichheitszeichen dazukommt, wird daraus eine Gleichung. Merke dir: Term steht allein, Gleichung verbindet zwei Seiten mit .
Von der Party zur Formel
Abschnitt betitelt „Von der Party zur Formel“Zurück zur Party: Du brauchst 2 Pizzastücke pro Gast. Die Anzahl der Gäste nennst du . Die Gesamtzahl der Pizzastücke ist dann .
Das steht für eine Zahl, die du noch nicht kennst. Es ist die Variable. Die ist ein fester Wert, der Koeffizient. Der gesamte Ausdruck ist dein Term.
So stellst du dir Terme vor
Abschnitt betitelt „So stellst du dir Terme vor“Denk an die Variable als leere Schachtel. Auf der Schachtel steht ein Buchstabe, zum Beispiel . Der Koeffizient sagt dir, wie viele solcher Schachteln du hast.
Bei hast du 4 Schachteln. Jede Schachtel enthält denselben unbekannten Wert. Wenn du erfährst, dass ist, öffnest du die Schachteln. Du findest in jeder eine 3. Insgesamt hast du .
Die Kernmethode
Abschnitt betitelt „Die Kernmethode“Mit Termen arbeitest du in zwei Richtungen: Du stellst sie auf (von der Situation zum Term) oder du berechnest ihren Wert (von der Variablen zur Zahl). Beide Schritte sind Standardwerkzeuge in jeder algebraischen Aufgabe.
Einen Term aufstellen
Abschnitt betitelt „Einen Term aufstellen“- Lies die Aufgabe genau durch.
- Finde die unbekannte Grösse und gib ihr einen Buchstaben (meist ).
- Übersetze die Rechenoperationen in mathematische Zeichen.
- Schreibe den Term auf.
Einen Term berechnen (Wert einsetzen)
Abschnitt betitelt „Einen Term berechnen (Wert einsetzen)“- Schau dir den Term genau an.
- Ersetze die Variable durch den gegebenen Zahlenwert. Setze den Wert in Klammern, wenn er negativ ist.
- Rechne Punkt vor Strich.
- Berechne das Ergebnis.
Diese saubere Trennung zwischen Term (Vorschrift) und Termwert (Ergebnis) ist wichtig. Ein Term ist wie ein Rezept. Der Termwert ist das fertige Gericht, das du nach dem Rezept gekocht hast.
Beispiel 1: Einfacher Term berechnen
Abschnitt betitelt „Beispiel 1: Einfacher Term berechnen“Aufgabe: Berechne den Wert des Terms für .
Lösung:
Setze für ein:
Der Termwert ist .
Kurze Probe: Wenn du 4 Schachteln hast und jede den Inhalt 3 enthält, dann besitzt du insgesamt 12 Einheiten. Das Ergebnis stimmt mit der Vorstellung überein.
Beispiel 2: Term mit Konstante und negativer Zahl
Abschnitt betitelt „Beispiel 2: Term mit Konstante und negativer Zahl“Aufgabe: Berechne den Wert des Terms für .
Lösung:
Setze für ein. Die Klammer schützt das Vorzeichen vor Verwirrung:
Berechne zuerst die Multiplikation (Punkt vor Strich):
Dann die Subtraktion:
Der Termwert ist .
Tipp: Die Klammer um ist kein Spielzeug. Sie zeigt dir, dass das Minuszeichen zur Zahl gehört und nicht ein eigenes Rechenzeichen ist.
Die häufigsten Stolpersteine
Abschnitt betitelt „Die häufigsten Stolpersteine“Bei Termen passieren immer wieder ähnliche Fehler. Wenn du sie kennst, gehst du ihnen aus dem Weg.
Beispiel 3: Term mit mehreren Rechenoperationen
Abschnitt betitelt „Beispiel 3: Term mit mehreren Rechenoperationen“Aufgabe: Berechne den Wert des Terms für .
Lösung:
Setze für ein:
Rechne Schritt für Schritt Punkt vor Strich:
Der Termwert ist .
Alternative: Du kannst den Term auch zuerst vereinfachen. . Der Term wird zu . Für ergibt sich . Gleiches Ergebnis, weniger Rechenaufwand.
Beispiel 4: Textaufgabe – Term aufstellen
Abschnitt betitelt „Beispiel 4: Textaufgabe – Term aufstellen“Aufgabe: Ein Schwimmbad verlangt 4 CHF Eintritt pro Person. Zusätzlich kostet ein Schliessfach 2 CHF (einmalig). Stelle einen Term für die Gesamtkosten auf, wenn die Anzahl der Personen ist.
Lösung:
Jede Person zahlt 4 CHF Eintritt. Bei Personen sind das CHF.
Das Schliessfach kostet einmalig 2 CHF – unabhängig davon, wie viele Personen kommen. Diese 2 CHF sind die Konstante.
Der Term für die Gesamtkosten lautet:
Probe mit Zahlen:
- Für 3 Personen: CHF
- Für 7 Personen: CHF
Der Koeffizient zeigt, wie schnell die Kosten mit jeder zusätzlichen Person steigen.
Vertiefung
Abschnitt betitelt „Vertiefung“Terme mit einer Variablen sind die Brücke zu einem grossen mathematischen Konzept: der Funktion. Jeder Term der Form beschreibt eine lineare Funktion. Das bedeutet: Wenn du den Termwert für viele verschiedene Werte von berechnest und die Punkte in ein Koordinatensystem zeichnest, ergibt sich eine Gerade.
Nimm den Schwimmbad-Term aus Beispiel 4: . Die Steigung ist – pro zusätzlicher Person wachsen die Kosten um 4 CHF. Der y-Achsenabschnitt ist – bei null Personen zahlst du trotzdem 2 CHF für das Schliessfach (theoretisch).
Diese Sichtweise ist mächtig. Dasselbe Werkzeug, mit dem du Pizzapreise ausrechnest, hilft Physikern, Bewegungen zu beschreiben. Bei einem Auto, das mit konstanter Geschwindigkeit fährt, ist die zurückgelegte Strecke nach der Zeit gegeben durch:
Das ist wieder die Form . Nur heissen die Buchstaben anders. Die Variable ist die Zeit , der Koeffizient die Geschwindigkeit , die Konstante der Startpunkt .
In der Wirtschaft beschreibt der Term die Produktionskosten: sind die Kosten pro Stück, sind die fixen Kosten. In der Informatik steht ein linearer Term oft für die Laufzeit eines einfachen Algorithmus, in der Biologie für Wachstum unter konstanten Bedingungen.
Wenn du also einen Term mit einer Variablen verstehst, beherrschst du automatisch ein Werkzeug, das in Hunderten von Anwendungen steckt.
Beispiel 5: Wertetabelle erstellen
Abschnitt betitelt „Beispiel 5: Wertetabelle erstellen“Aufgabe: Erstelle für den Term eine Wertetabelle mit .
Lösung:
Setze jeden Wert nacheinander ein:
Die Wertetabelle sieht so aus:
Beobachtung: Wenn um wächst, wächst um . Das ist genau der Koeffizient. Bei ist – das ist die Konstante.
Übungen
Abschnitt betitelt „Übungen“Arbeite diese Aufgaben selbstständig durch. Die Lösungen findest du am Ende des Artikels.
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Berechne den Wert des Terms für .
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Berechne den Wert des Terms für .
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Berechne den Wert des Terms für .
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Berechne den Wert des Terms für .
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Berechne den Wert des Terms für .
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Stelle einen Term auf: Du kaufst Stifte zu je 2 CHF und zahlst zusätzlich 1 CHF für die Tüte. Wie lautet der Term für die Gesamtkosten?
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Ein Taxi verlangt 5 CHF Grundgebühr und 2 CHF pro gefahrenem Kilometer. Stelle einen Term für die Kosten bei Kilometern auf und berechne den Preis für 12 km.
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Berechne den Wert des Terms für .
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Vereinfache den Term und berechne dann den Wert für .
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Ein Rechteck hat die Breite cm und die Länge cm. Stelle einen Term für den Umfang auf und berechne den Umfang für cm.
Das Wichtigste in Kürze
Abschnitt betitelt „Das Wichtigste in Kürze“Terme mit einer Variablen sind mathematische Ausdrücke mit einem Platzhalter. Die Variable steht für eine unbekannte Zahl. Der Koeffizient gibt an, wie oft die Variable vorkommt. Die Konstante ist ein fester Summand.
Um einen Termwert zu berechnen, setzt du eine Zahl für die Variable ein. Dabei gilt immer: Punkt vor Strich rechnen und auf Vorzeichen achten. Negative Werte schützt du mit Klammern.
Ein Term der Form ist die Grundlage der linearen Funktion. Der Koeffizient ist dabei die Steigung, die Konstante der y-Achsenabschnitt. Dieses Muster taucht in Physik, Wirtschaft und Alltag immer wieder auf.
Lösung anzeigen
Setze für ein:
Der Termwert ist .
Lösung anzeigen
Der Koeffizient ist die Zahl vor der Variablen. Im Term ist der Koeffizient .
Lösung anzeigen
Jedes Heft kostet 3 CHF. Bei Heften sind die Gesamtkosten:
Für 4 Hefte wären das zum Beispiel CHF.
Lösung anzeigen
Setze für ein:
Der Termwert ist .
Lösung anzeigen
Setze für ein. Rechne zuerst die Potenz:
Der Termwert ist . Achte darauf: bedeutet , also , nicht .
Ausblick
Abschnitt betitelt „Ausblick“Wenn du Terme mit einer Variablen verstanden hast, öffnet sich dir die ganze Welt der Algebra. Als Nächstes lernst du, wie du Terme umformst: zusammenfassen, klammern auflösen, ausklammern. Danach setzt du zwei Terme mit einem Gleichheitszeichen zusammen – und hast eine Gleichung. Mit ihr löst du die unbekannte Zahl auf. Später kommen Terme mit mehreren Variablen (z.B. ) und lineare Funktionen mit Graphen dazu. Jeder dieser Schritte baut direkt auf dem auf, was du hier gelernt hast.
Lösungen
Abschnitt betitelt „Lösungen“Aufgabe 1: Setze in ein:
Der Termwert ist .
Aufgabe 2: Setze in ein:
Der Termwert ist .
Aufgabe 3: Setze in ein. Rechne Punkt vor Strich:
Der Termwert ist .
Aufgabe 4: Setze in ein. Achte auf das Minuszeichen:
Der Termwert ist .
Aufgabe 5: Setze in ein. Nimm die Klammer:
Der Termwert ist .
Aufgabe 6: Pro Stift zahlst du 2 CHF. Bei Stiften sind das CHF. Die Tüte ist eine Konstante von 1 CHF. Der Term lautet:
Aufgabe 7: Die Grundgebühr ist 5 CHF, der Preis pro Kilometer ist 2 CHF. Für Kilometer lautet der Term:
Für ergibt sich:
Die Taxifahrt kostet 29 CHF.
Aufgabe 8: Setze in ein:
Der Termwert ist .
Aufgabe 9: Fasse zuerst die gleichartigen Glieder zusammen:
Setze dann ein:
Der Termwert ist .
Aufgabe 10: Ein Rechteck hat zwei gleiche Breiten und zwei gleiche Längen. Der Umfang ist:
Löse die Klammer auf und fasse zusammen:
Für cm:
Der Umfang beträgt cm.
Quellen
- Lehrplan 21 — Mathematik — Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK)
- Lehrplan Volksschule Aargau — Mathematik — Kanton Aargau, Departement Bildung, Kultur und Sport