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Körperschnitte verstehen: Schnittflächen von Würfel, Quader und Zylinder einfach erklärt

Weiterführend:

Lehrplan 21Zyklus 2 (3.–6. Klasse) · 3Kompetenzen
  • MA.2.A.1.fGeometrische Körper erkennen und benennen (Würfel, Quader, Kugel, Zylinder, Pyramide) in Umwelt und Bildern
  • MA.2.B.2.aEigenschaften von Figuren und Körpern erforschen und beschreiben (z.B. beim Halbieren eines Quadrats entstehen Dreiecke oder Rechtecke)
  • MA.2.C.3.eKörper in der Vorstellung zerlegen und zusammenfügen (z.B. Somawürfel); Operationen am Modell ausführen

Quelle: Aargauer Lehrplan Volksschule, Fachbereich Mathematik (August 2022)

Die Frage, welche Formen beim Durchschneiden von Körpern entstehen, beschäftigte schon die alten Griechen. Um 350 vor Christus untersuchte der Mathematiker Menaichmos, was passiert, wenn man einen Kegel mit einer Ebene schneidet. Er suchte eigentlich eine Lösung für ein ganz anderes Problem – die Verdopplung eines Würfels – und stiess dabei auf neue Kurven, die niemand zuvor beschrieben hatte.

Den grossen Durchbruch schaffte Apollonios von Perge (etwa 262–190 v. Chr.). In seinem Werk «Konika» untersuchte er systematisch alle Schnitte durch einen Kegel. Er entdeckte, dass dabei genau vier verschiedene Kurven entstehen können, und gab dreien davon die Namen, die wir heute noch verwenden: Ellipse, Parabel und Hyperbel. Diese Kegelschnitte spielen in der Astronomie eine zentrale Rolle – Planeten bewegen sich auf Ellipsen um die Sonne.

Rund 1700 Jahre später brachte der Künstler Albrecht Dürer das Wissen über Körperschnitte zu den Handwerkern. In seinem Buch «Underweysung der Messung» von 1525 zeigte er Schritt für Schritt, wie man Schnitte durch Körper zeichnet. Goldschmiede, Baumeister und Steinmetze lernten daraus, wie sie ihre Werkstücke planen konnten.

Heute sind Körperschnitte aus Technik und Medizin nicht mehr wegzudenken. Die Computertomographie (CT) durchleuchtet den menschlichen Körper Schicht für Schicht – jedes Bild ist eine Schnittfläche. Ein Computer setzt Hunderte solcher Schnitte zu einem dreidimensionalen Bild zusammen. Auch Architektinnen und Ingenieure arbeiten ständig mit Schnittzeichnungen: Ein Grundriss eines Hauses ist nichts anderes als ein waagrechter Schnitt durch das Gebäude.

Ein Körperschnitt entsteht, wenn eine Ebene einen dreidimensionalen Körper durchdringt. Stell dir die Ebene als unendlich grosses, hauchdünnes Messer vor, das den Körper in einem geraden Schnitt teilt. Die Fläche, die dabei im Inneren sichtbar wird, heisst Schnittfläche. Schneidest du einen Apfel durch, ist die freigelegte Innenseite die Schnittfläche.

Drei Dinge bestimmen die Form der Schnittfläche: erstens der Körper selbst (Würfel, Quader, Zylinder, Kugel oder Kegel), zweitens die Richtung der Schnittebene und drittens ihre Position im Körper.

Die wichtigsten Fälle zeigt diese Übersicht:

KörperSchnittrichtungSchnittfläche
Würfelparallel zu einer SeitenflächeQuadrat
WürfelschrägDreieck, Viereck, Fünfeck oder Sechseck
Quaderparallel zu einer SeitenflächeRechteck
Zylinderquer (parallel zur Grundfläche)Kreis
Zylinderlängs (durch die Achse)Rechteck
ZylinderschrägEllipse
Kugelbeliebigimmer ein Kreis
Kegelparallel zur GrundflächeKreis
KegelschrägEllipse, Parabel oder Hyperbel

Zwei Beobachtungen lohnen sich. Erstens: Bei Körpern mit ebenen Seitenflächen (Würfel, Quader) ist die Schnittfläche immer ein Vieleck – ihre Seiten sind gerade. Zweitens: Bei runden Körpern (Zylinder, Kugel, Kegel) können gekrümmte Randlinien entstehen. Die Kugel ist ein Sonderfall: Egal wie du sie schneidest, die Schnittfläche ist immer ein Kreis.

Damit du die Form einer Schnittfläche sicher bestimmst, brauchst du ein festes Vorgehen. Raten führt bei räumlichen Aufgaben schnell in die Irre – mit der folgenden Methode arbeitest du systematisch.

Schritt 3 ist der Schlüssel für Vielecke. Ein Würfel hat 6 Seitenflächen. Trifft die Schnittebene 4 davon, entsteht ein Viereck. Trifft sie alle 6, entsteht ein Sechseck. Mehr als 6 Ecken sind unmöglich, denn mehr Seitenflächen gibt es nicht.

Eine Skizze hilft bei jedem Schritt. Zeichne den Körper als Schrägbild, markiere die Punkte, an denen die Schnittebene die Kanten trifft, und verbinde sie. Noch besser: Arbeite mit echten Modellen. Ein Stück Käse, ein Apfel oder Knetmasse zeigen dir sofort, ob deine Vorstellung stimmt. Genau dieses Wechselspiel zwischen Kopf und Modell trainiert dein räumliches Vorstellungsvermögen – eine Fähigkeit, die der Lehrplan «Kopfgeometrie» nennt.

Beispiel:

Beispiel 1: Einstieg – Waagrechter Schnitt durch einen Würfel

Abschnitt betitelt „Beispiel 1: Einstieg – Waagrechter Schnitt durch einen Würfel“

Ein Würfel hat die Kantenlänge a=4a = 4 cm. Du schneidest ihn waagrecht in halber Höhe durch. Welche Form entsteht, und wie gross ist die Schnittfläche?

Gegeben:

  • Würfel mit Kantenlänge a=4a = 4 cm
  • Schnittebene waagrecht, parallel zur Grundfläche, in halber Höhe

Gesucht: Form und Flächeninhalt der Schnittfläche

Lösung:

Die Schnittebene verläuft parallel zur quadratischen Grundfläche. Sie trifft die 4 senkrechten Seitenflächen des Würfels – also entsteht ein Viereck. Weil der Würfel überall gleich breit ist, hat das Viereck dieselbe Form wie die Grundfläche: ein Quadrat mit Seitenlänge 44 cm.

A=aa=4 cm4 cm=16 cm2A = a \cdot a = 4 \text{ cm} \cdot 4 \text{ cm} = 16 \text{ cm}^2

Antwort: Die Schnittfläche ist ein Quadrat mit dem Flächeninhalt 1616 cm².

Kontrolle: Die Schnittfläche ist genauso gross wie die Grundfläche des Würfels – das passt, denn der Würfel verjüngt sich nach oben nicht. ✓

Beispiel:

Beispiel 2: Die Wurst – drei Schnitte durch einen Zylinder

Abschnitt betitelt „Beispiel 2: Die Wurst – drei Schnitte durch einen Zylinder“

Eine Wurst hat die Form eines Zylinders mit Durchmesser d=4d = 4 cm und Länge l=20l = 20 cm. Du schneidest sie auf drei Arten: quer, schräg und längs durch die Mitte. Welche Schnittflächen entstehen?

Gegeben:

  • Zylinder mit d=4d = 4 cm und l=20l = 20 cm
  • Drei Schnittrichtungen: quer, schräg, längs durch die Achse

Gesucht: Form der drei Schnittflächen; beim Längsschnitt zusätzlich der Flächeninhalt

Lösung:

Querschnitt: Die Schnittebene liegt parallel zur kreisförmigen Grundfläche. Es entsteht ein Kreis mit Durchmesser 44 cm – die klassische Wurstscheibe.

Schräger Schnitt: Die Schnittebene ist gekippt. Der Kreis wird in eine Richtung gestreckt, es entsteht eine Ellipse – die ovale Scheibe, die du vom Wurstbrot kennst.

Längsschnitt durch die Achse: Die Schnittebene verläuft der Länge nach durch die Mitte. Es entsteht ein Rechteck. Seine Breite ist der Durchmesser, seine Länge die Wurstlänge:

A=4 cm20 cm=80 cm2A = 4 \text{ cm} \cdot 20 \text{ cm} = 80 \text{ cm}^2

Antwort: Quer entsteht ein Kreis, schräg eine Ellipse, längs ein Rechteck mit 8080 cm².

Bei Körperschnitten tauchen bestimmte Denkfehler immer wieder auf. Wenn du sie kennst, erkennst du sie rechtzeitig.

Beispiel:

Beispiel 3: Der Käse – Schnitt durch einen Quader

Abschnitt betitelt „Beispiel 3: Der Käse – Schnitt durch einen Quader“

Ein Käsestück hat die Form eines Quaders mit Länge a=12a = 12 cm, Breite b=8b = 8 cm und Höhe h=5h = 5 cm. Du schneidest es senkrecht durch, parallel zur kleinsten Seitenfläche. Welche Form entsteht, und wie gross ist die Schnittfläche?

Gegeben:

  • Quader mit a=12a = 12 cm, b=8b = 8 cm, h=5h = 5 cm
  • Schnittebene senkrecht, parallel zur kleinsten Seitenfläche

Gesucht: Form und Flächeninhalt der Schnittfläche

Lösung:

Zuerst bestimmst du die kleinste Seitenfläche. Die drei verschiedenen Seitenflächen messen 12×812 \times 8, 12×512 \times 5 und 8×58 \times 5 – die kleinste ist die mit 88 cm und 55 cm.

Die Schnittebene verläuft parallel zu dieser Fläche. Sie trifft 4 Seitenflächen des Quaders, also entsteht ein Viereck. Weil der Quader in Schnittrichtung überall gleich dick ist, hat die Schnittfläche genau die Masse der kleinsten Seitenfläche: ein Rechteck mit 88 cm und 55 cm.

A=8 cm5 cm=40 cm2A = 8 \text{ cm} \cdot 5 \text{ cm} = 40 \text{ cm}^2

Antwort: Die Schnittfläche ist ein Rechteck mit dem Flächeninhalt 4040 cm².

Kontrolle: Egal an welcher Stelle du parallel schneidest – vorne, in der Mitte oder hinten –, die Schnittfläche bleibt gleich gross. ✓

Beispiel:

Ein Ruchbrot ist 3030 cm lang. Du schneidest es der Länge nach in gleich dicke Scheiben von je 22 cm. Wie viele Scheiben erhältst du, und wie oft musst du schneiden?

Gegeben:

  • Brotlänge: 3030 cm
  • Scheibendicke: 22 cm

Gesucht: Anzahl Scheiben und Anzahl Schnitte

Lösung:

Die Anzahl Scheiben erhältst du durch Teilen:

30:2=1530 : 2 = 15

Es entstehen 1515 Scheiben. Für die Anzahl Schnitte überlegst du räumlich: Der erste Schnitt trennt die erste Scheibe ab, danach trennt jeder weitere Schnitt genau eine Scheibe ab. Die letzte Scheibe brauchst du nicht mehr abzuschneiden – sie bleibt übrig. Darum ist die Anzahl Schnitte um 1 kleiner als die Anzahl Scheiben:

151=1415 - 1 = 14

Antwort: Du erhältst 1515 Scheiben mit 1414 Schnitten.

Kontrolle: Probiere es mit kleinen Zahlen: 2 Scheiben brauchen 1 Schnitt, 3 Scheiben brauchen 2 Schnitte. Das Muster «Schnitte = Scheiben − 1» stimmt. ✓

Die spannendsten Schnittflächen entstehen am Kegel. Apollonios von Perge hat sie vor über 2200 Jahren vollständig beschrieben – und seine Entdeckung gehört bis heute zu den wichtigsten der Geometrie.

Welche Kurve entsteht, hängt davon ab, wie stark die Schnittebene gekippt ist:

Lage der SchnittebeneSchnittkurve
parallel zur GrundflächeKreis
leicht gekipptEllipse
parallel zur Mantellinie des KegelsParabel
noch steiler (fast senkrecht)Hyperbel

Du kannst dir das an einem Glace-Cornet vorstellen. Beisst du gerade ab, siehst du einen Kreis. Beisst du leicht schräg ab, ein Oval – die Ellipse. Kippst du die «Bissebene» so weit, dass sie genauso steil verläuft wie die Seite des Cornets, schliesst sich die Kurve nicht mehr: Es entsteht eine Parabel, eine nach oben offene Bogenlinie. Bei noch steileren Schnitten entsteht die Hyperbel.

Diese Kurven sind keine Spielerei. Wirfst du einen Ball, fliegt er auf einer Parabel. Planeten und Kometen umkreisen die Sonne auf Ellipsen. Satellitenschüsseln haben die Form einer Parabel, weil diese alle ankommenden Signale in einem Punkt bündelt. In der 9. Klasse und im Gymnasium wirst du diesen Kurven wieder begegnen – dann mit Gleichungen und Koordinaten. Im Moment genügt es, wenn du sie erkennst und weisst, wie sie entstehen.

Beispiel:

Ein würfelförmiger Kuchen soll in lauter gleich grosse, kleinere Würfel zerlegt werden – wie ein Zauberwürfel mit 3 Schichten in jeder Richtung. Wie viele Schnitte brauchst du, und wie viele kleine Würfel entstehen?

Gegeben:

  • Würfelförmiger Kuchen
  • Zerlegung in 3×3×33 \times 3 \times 3 kleine Würfel

Gesucht: Anzahl Schnitte und Anzahl kleiner Würfel

Lösung:

Für 3 Schichten in einer Richtung brauchst du 2 Schnitte – genau wie beim Brot: Schnitte = Schichten − 1. Es gibt 3 Richtungen (von links nach rechts, von vorne nach hinten, von oben nach unten), und in jeder Richtung brauchst du 2 Schnitte:

23=6 Schnitte2 \cdot 3 = 6 \text{ Schnitte}

Die Anzahl der kleinen Würfel zählst du schichtweise: Jede der 3 Lagen enthält 33=93 \cdot 3 = 9 Würfel, also insgesamt:

333=273 \cdot 3 \cdot 3 = 27

Antwort: Mit 66 Schnitten zerlegst du den Kuchen in 2727 kleine Würfel.

Kontrolle: Der Zauberwürfel bestätigt das Ergebnis: Er besteht aus 3×3×33 \times 3 \times 3 sichtbaren Teilwürfeln. ✓

Die folgenden Aufgaben sind nach Schwierigkeit geordnet. Fertige bei den räumlichen Aufgaben eine Skizze an. Die Lösungen mit allen Überlegungen findest du am Ende des Artikels.

Aufgabe 1: Ein Würfel hat die Kantenlänge a=5a = 5 cm. Du schneidest ihn waagrecht in halber Höhe durch. Welche Form entsteht, und wie gross ist die Schnittfläche?

Aufgabe 2: Eine Salami wird einmal quer und einmal längs durch die Mitte geschnitten. Benenne die beiden Schnittflächen.

Aufgabe 3: Ein Quader hat die Masse a=8a = 8 cm, b=6b = 6 cm und h=4h = 4 cm. Du schneidest ihn waagrecht durch, parallel zur Grundfläche. Welche Form entsteht? Berechne den Flächeninhalt.

Aufgabe 4: Du schneidest eine Orange schräg durch. Welche Form hat die Schnittfläche? An welcher Stelle musst du schneiden, damit die Schnittfläche möglichst gross wird?

Aufgabe 5: Ein zylinderförmiges Glas hat den Durchmesser d=6d = 6 cm und die Höhe h=10h = 10 cm. Du schneidest es in Gedanken längs durch die Achse. Benenne die Schnittfläche und berechne ihren Flächeninhalt.

Aufgabe 6: Kann die Schnittfläche eines Würfels ein Siebeneck sein? Wie viele Ecken sind höchstens möglich? Begründe deine Antwort.

Aufgabe 7: Ein Zopf ist 2424 cm lang und wird in Scheiben von je 1,51{,}5 cm geschnitten. Wie viele Scheiben entstehen, und wie viele Schnitte brauchst du?

Aufgabe 8: Ein Würfel wird schräg durch zwei gegenüberliegende Kanten geschnitten. Lea sagt: «Die Schnittfläche ist ein Quadrat.» Hat sie recht? Begründe.

Aufgabe 9: Ein würfelförmiger Käse wird wie ein Zauberwürfel mit 4 Schichten in jeder Richtung zerlegt. Wie viele Schnitte brauchst du, und wie viele kleine Würfel entstehen?

Aufgabe 10: Beim Kegel können vier verschiedene Schnittkurven entstehen. Benenne alle vier und beschreibe jeweils, wie die Schnittebene dafür liegen muss.

  • Schnittfläche: Die zweidimensionale Figur, die entsteht, wenn eine Ebene einen Körper durchschneidet. Sie ist eine neue Fläche – keine Seitenfläche des Körpers.
  • Drei Einflussgrössen: Der Körper, die Richtung der Schnittebene und ihre Position bestimmen die Form der Schnittfläche.
  • Parallele Schnitte ergeben vertraute Formen: beim Würfel ein Quadrat, beim Quader ein Rechteck, beim Zylinder und Kegel einen Kreis.
  • Schräge Schnitte erzeugen neue Formen: beim Zylinder eine Ellipse, beim Würfel Vielecke mit 3 bis 6 Ecken.
  • Kugel-Sonderfall: Jede Schnittfläche einer Kugel ist ein Kreis. Der grösste Kreis geht durch den Mittelpunkt.
  • Eckenregel: Jede getroffene Seitenfläche liefert eine Randlinie. Ein Würfelschnitt hat darum höchstens 6 Ecken.
  • Schnitte zählen: Beim Zerlegen in Scheiben gilt: Anzahl Schnitte = Anzahl Scheiben − 1.
  • Kegelschnitte: Kreis, Ellipse, Parabel und Hyperbel – entdeckt von Apollonios von Perge.
❓ Frage:
Ein Würfel wird waagrecht durch die Mitte geschnitten. Welche Form hat die Schnittfläche, und warum?
Lösung anzeigen

Die Schnittfläche ist ein Quadrat. Die Schnittebene verläuft parallel zur quadratischen Grundfläche und trifft die 4 senkrechten Seitenflächen – es entsteht ein Viereck. Weil der Würfel überall gleich breit ist, hat dieses Viereck dieselben Seitenlängen wie die Grundfläche. Bei Kantenlänge aa beträgt der Flächeninhalt A=aaA = a \cdot a.

❓ Frage:
Du schneidest eine Kugel schräg durch – die Schnittebene geht nicht durch den Mittelpunkt. Welche Form hat die Schnittfläche?
Lösung anzeigen

Die Schnittfläche ist ein Kreis – wie bei jedem Kugelschnitt. Eine Kugel sieht aus allen Richtungen gleich aus, darum gibt es bei ihr keine «schiefen» Schnitte: Jede Schnittfläche ist kreisrund. Nur die Grösse ändert sich. Weil die Ebene hier nicht durch den Mittelpunkt geht, ist der Kreis kleiner als der grösstmögliche Kreis.

❓ Frage:
Nino behauptet: «Wenn ich einen Zylinder schräg durchschneide, entsteht ein Kreis – einfach ein bisschen grösser.» Stimmt das?
Lösung anzeigen

Nein. Bei einem schrägen Schnitt durch einen Zylinder entsteht eine Ellipse, kein Kreis. In Richtung der Kippung wird die Schnittfläche länger, quer dazu bleibt sie so breit wie der Zylinder. Die Form ist also oval. Du erkennst das an schräg geschnittenen Salamischeiben: Sie sind länglich, nicht rund. Nur ein Schnitt parallel zur Grundfläche ergibt einen Kreis.

❓ Frage:
Ein Quader hat die Masse 1010 cm, 66 cm und 44 cm. Du schneidest ihn waagrecht, parallel zur Grundfläche mit den Seiten 1010 cm und 66 cm. Benenne die Schnittfläche und berechne ihren Flächeninhalt.
Lösung anzeigen

Die Schnittebene verläuft parallel zur Grundfläche, darum ist die Schnittfläche ein Rechteck mit denselben Massen wie die Grundfläche:

A=10 cm6 cm=60 cm2A = 10 \text{ cm} \cdot 6 \text{ cm} = 60 \text{ cm}^2

Die Höhe von 44 cm spielt für die Form keine Rolle – sie bestimmt nur, wo du schneiden kannst.

❓ Frage:
Stell dir vor, du schneidest von einem Würfel eine Ecke ab. Welche Form hat die Schnittfläche? Nutze die Eckenregel.
Lösung anzeigen

Die Schnittfläche ist ein Dreieck. An einer Würfelecke stossen genau 3 Seitenflächen zusammen. Die Schnittebene trifft also 3 Flächen, und jede getroffene Fläche liefert genau eine Randlinie. Drei Randlinien ergeben ein Dreieck. Schneidest du die Ecke so ab, dass auf allen drei Kanten gleich viel abgetrennt wird, ist das Dreieck sogar gleichseitig.

Du weisst jetzt, welche Schnittflächen bei Würfel, Quader, Zylinder, Kugel und Kegel entstehen. Der nächste Schritt führt dich zu Quader und Würfel zurück – dort berechnest du Oberflächen und Volumen. Dein Wissen über Schnitte hilft dir dabei: Ein Volumen kannst du dir als Stapel vieler dünner Schnittflächen vorstellen, genau wie ein Brot aus seinen Scheiben besteht. Und wer die Baupläne und Würfelgebäude beherrscht, trainiert dieselbe Kopfgeometrie, die du hier beim gedanklichen Schneiden eingesetzt hast.

Lösung 1: Die Schnittebene verläuft parallel zur quadratischen Grundfläche des Würfels. Sie trifft die 4 senkrechten Seitenflächen, also entsteht ein Viereck mit den Seitenlängen der Grundfläche – ein Quadrat mit Seitenlänge 55 cm.

A=5 cm5 cm=25 cm2A = 5 \text{ cm} \cdot 5 \text{ cm} = 25 \text{ cm}^2

Die Schnittfläche ist ein Quadrat mit 2525 cm².

Lösung 2: Die Salami ist ein Zylinder. Beim Querschnitt liegt die Schnittebene parallel zur kreisförmigen Grundfläche – es entsteht ein Kreis (die runde Wurstscheibe). Beim Längsschnitt durch die Mitte verläuft die Schnittebene durch die Achse des Zylinders – es entsteht ein Rechteck: Eine Seite ist so lang wie die Salami, die andere so breit wie ihr Durchmesser.

Lösung 3: Die Schnittebene verläuft parallel zur Grundfläche des Quaders. Die Schnittfläche ist darum ein Rechteck mit denselben Massen wie die Grundfläche, nämlich 88 cm und 66 cm. Die Höhe h=4h = 4 cm bestimmt nur, in welchem Bereich du schneiden kannst.

A=8 cm6 cm=48 cm2A = 8 \text{ cm} \cdot 6 \text{ cm} = 48 \text{ cm}^2

Die Schnittfläche ist ein Rechteck mit 4848 cm².

Lösung 4: Die Orange ist eine Kugel, und jede Schnittfläche einer Kugel ist ein Kreis – auch bei einem schrägen Schnitt. Die Schnittfläche wird am grössten, wenn die Schnittebene genau durch den Mittelpunkt der Kugel verläuft. Je weiter der Schnitt vom Mittelpunkt entfernt ist, desto kleiner wird der Kreis. Das siehst du an Orangenscheiben: Die mittleren Scheiben sind die grössten, die äusseren die kleinsten.

Lösung 5: Beim Längsschnitt durch die Achse entsteht ein Rechteck. Seine Breite entspricht dem Durchmesser des Glases (66 cm), seine Höhe der Glashöhe (1010 cm):

A=6 cm10 cm=60 cm2A = 6 \text{ cm} \cdot 10 \text{ cm} = 60 \text{ cm}^2

Die Schnittfläche ist ein Rechteck mit 6060 cm².

Lösung 6: Nein, ein Siebeneck ist unmöglich. Jede Seitenfläche, die die Schnittebene trifft, liefert genau eine gerade Randlinie der Schnittfläche. Ein Würfel hat nur 6 Seitenflächen – mehr als 6 Randlinien und damit mehr als 6 Ecken kann die Schnittfläche also nicht haben. Das Maximum, ein Sechseck, entsteht, wenn die Schnittebene alle 6 Seitenflächen durchquert. Bei geschickter Lage ist es sogar ein regelmässiges Sechseck.

Lösung 7: Die Anzahl Scheiben erhältst du durch Teilen der Zopflänge durch die Scheibendicke:

24:1,5=1624 : 1{,}5 = 16

Es entstehen 1616 Scheiben. Für die Schnitte gilt die Regel «Schnitte = Scheiben − 1», denn die letzte Scheibe bleibt nach dem vorletzten Schnitt von selbst übrig:

161=1516 - 1 = 15

Du brauchst 1515 Schnitte für 1616 Scheiben.

Lösung 8: Lea hat nicht recht. Die Schnittfläche ist ein Rechteck, aber kein Quadrat. Eine Seite des Rechtecks ist eine Würfelkante. Die andere Seite ist die Diagonale einer Seitenfläche – die schräge Strecke quer über ein Quadrat. Eine Diagonale ist immer länger als die Seite des Quadrats, das sie durchquert. Die beiden Rechteckseiten sind also verschieden lang, und ein Quadrat müsste vier gleich lange Seiten haben. Die Schnittfläche ist darum ein länglicheres Rechteck und sogar grösser als eine Seitenfläche des Würfels.

Lösung 9: Für 4 Schichten in einer Richtung brauchst du 41=34 - 1 = 3 Schnitte. Es gibt 3 Schnittrichtungen, also insgesamt:

33=9 Schnitte3 \cdot 3 = 9 \text{ Schnitte}

Die kleinen Würfel zählst du schichtweise: Jede der 4 Lagen enthält 44=164 \cdot 4 = 16 Würfel. Insgesamt sind es:

444=644 \cdot 4 \cdot 4 = 64

Mit 99 Schnitten entstehen 6464 kleine Würfel.

Kontrolle: Beim 3×3×33 \times 3 \times 3-Kuchen aus Beispiel 5 waren es 23=62 \cdot 3 = 6 Schnitte und 2727 Würfel – das Muster «(Schichten − 1) mal 3 Richtungen» stimmt auch hier. ✓

Lösung 10: Beim Kegel können die vier Kegelschnitte entstehen:

  1. Kreis: Die Schnittebene liegt parallel zur Grundfläche des Kegels.
  2. Ellipse: Die Schnittebene ist leicht gekippt, durchquert den Kegel aber noch vollständig – die Kurve ist geschlossen und oval.
  3. Parabel: Die Schnittebene verläuft genauso steil wie die Mantellinie des Kegels. Die Kurve schliesst sich nicht mehr, sondern bleibt offen.
  4. Hyperbel: Die Schnittebene ist noch steiler, fast senkrecht zur Grundfläche. Auch diese Kurve ist offen und verläuft noch «spitziger» als die Parabel.

Entdeckt und benannt wurden diese Kurven von Apollonios von Perge vor über 2200 Jahren. Du begegnest ihnen im Alltag öfter, als du denkst: Ein geworfener Ball fliegt auf einer Parabel, und die Planeten umkreisen die Sonne auf Ellipsen.

Quellen