Zum Inhalt springen

Kongruente Dreiecke einfach erklärt: Die 4 Kongruenzsätze verstehen und anwenden

Weiterführend:

Lehrplan 21Zyklus 3 (7.–9. Klasse) · 7Kompetenzen
  • MA.2.A.1.jGrundanspruchBegriffe x-Koordinate, y-Koordinate, x-Achse, y-Achse, Einheitsstrecke, Mantelfläche, Prisma, Zylinder; Drei- und Vierecke nach Winkel, Parallelität, Diagonalen, Seitenlängen charakterisieren
  • MA.2.B.1.hGrundanspruchBeim Erforschen geometrischer Beziehungen Vermutungen formulieren, überprüfen und allenfalls neue formulieren; auf Forschungsaufgaben einlassen
  • MA.2.C.3.gGrundanspruchKörper in der Vorstellung verändern und Ergebnisse beschreiben (z.B. Ecken eines Würfels abschleifen); Operationen im Kopf ausführen und Ergebnisse skizzieren
  • MA.2.A.1.iBegriffe Seitenhalbierende, Winkelhalbierende, Höhe, Lot, Grundlinie, Grundfläche, Mittelsenkrechte, Schenkel, Netz, Umkreis, Inkreis, Viereck, Vieleck, Rhombus, Parallelogramm, Drachenviereck, Trapez, gleichschenklig/gleichseitig, Punktspiegelung, Drehung, Originalpunkt, Bildpunkt, kongruent, Koordinatensystem, 2D, 3D; geometrische Objekte korrekt beschriften
  • MA.2.A.1.kBegriffe Kongruenz(-abbildung), Basis, Kegel, Prisma, Pyramide, π
  • MA.2.B.1.iComputer zur Erforschung geometrischer Beziehungen nutzen (z.B. Umkreismittelpunkt bei verschiedenen Dreiecken)
  • MA.2.C.3.h

Quelle: Aargauer Lehrplan Volksschule, Fachbereich Mathematik (August 2022)

Die Idee der Kongruenz ist so alt wie die Geometrie selbst. Schon die alten Ägypter nutzten vor über 4000 Jahren deckungsgleiche Dreiecke, um nach den jährlichen Nilüberschwemmungen ihre Felder neu zu vermessen. Die sogenannten “Seilspanner” (griechisch Harpedonaptai) konstruierten mit geknoteten Seilen rechtwinklige Dreiecke und stellten sicher, dass die neu abgesteckten Flächen gleich gross waren wie zuvor.

Den entscheidenden Schritt zur systematischen Theorie machte jedoch der griechische Mathematiker Euklid von Alexandria um 300 v. Chr. In seinem berühmten Werk “Die Elemente” formulierte er die Kongruenzsätze zum ersten Mal als beweisbare Aussagen. Der SWS-Satz erscheint dort als Proposition 4 im ersten Buch – er ist eines der ersten geometrischen Theoreme überhaupt. Euklid bewies ihn durch “Aufeinanderlegen” der Dreiecke.

Interessant ist, dass Euklids Beweis über Jahrhunderte für Diskussionen sorgte. Das “Aufeinanderlegen” wurde von späteren Mathematikern wie David Hilbert (1862–1943) als nicht streng genug empfunden. Hilbert stellte die Geometrie 1899 auf ein neues axiomatisches Fundament. In seinem Werk “Grundlagen der Geometrie” nahm er den SWS-Satz als Axiom an – also als unbewiesene Grundannahme, aus der alle anderen Kongruenzsätze folgen.

Auch im praktischen Leben spielte Kongruenz immer eine wichtige Rolle. Mittelalterliche Baumeister nutzten kongruente Dreiecke für stabile Dachkonstruktionen. Der Gedanke dahinter: Ein Dreieck ist die einzige Figur, die sich nicht verformen lässt, wenn die Seitenlängen festliegen. Deshalb findest du Dreiecke heute in Kränen, Brücken und Fachwerkhäusern. Die Kongruenzsätze garantieren dabei, dass ein Bauteil exakt so aussieht wie geplant.

Das Wort “kongruent” stammt aus dem Lateinischen und bedeutet “übereinstimmend” oder “deckungsgleich”. Zwei geometrische Figuren sind kongruent, wenn sie in Form und Grösse exakt übereinstimmen.

Zurück zu unserem Regal-Beispiel: Wenn dein nachgebautes Regal kongruent zum Original ist, dann könntest du es theoretisch so auf das Original legen, dass beide perfekt übereinanderpassen. Dabei darfst du das Regal drehen, verschieben oder sogar umdrehen (spiegeln) – aber nicht vergrössern oder verkleinern.

Bei Dreiecken bedeutet das konkret:

  • Alle drei Seiten sind gleich lang.
  • Alle drei Winkel sind gleich gross.

Die Reihenfolge ist also mehr als eine Formalität. Schreibst du ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF, behauptest du gleichzeitig sechs Einzelaussagen: drei Seitenpaare und drei Winkelpaare stimmen überein. Schreibst du die Buchstaben in falscher Reihenfolge, behauptest du etwas Falsches – selbst wenn die Dreiecke eigentlich kongruent sind.

Ein Dreieck hat insgesamt sechs Bestimmungsstücke: drei Seiten (aa, bb, cc) und drei Winkel (α\alpha, β\beta, γ\gamma). Musst du alle sechs kennen, um ein Dreieck eindeutig zu beschreiben?

Die Antwort ist: Nein! Du brauchst nur drei passende Bestimmungsstücke – aber nicht jede beliebige Kombination funktioniert.

Die Kernmethode für Kongruenzbeweise läuft immer nach dem gleichen Schema ab:

  1. Sammle Informationen über beide Dreiecke: Welche Seiten und Winkel kennst du?
  2. Prüfe, ob drei entsprechende Stücke übereinstimmen.
  3. Identifiziere den Kongruenzsatz: Welche Kombination liegt vor (SSS, SWS, WSW, SSW)?
  4. Prüfe die Bedingungen des gewählten Satzes (z. B. liegt der Winkel wirklich zwischen den Seiten?).
  5. Formuliere die Schlussfolgerung: ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF nach XYZ.

Dieses Schema funktioniert für einfache Vergleiche ebenso wie für anspruchsvolle geometrische Beweise. Die Schwierigkeit liegt meist darin, die passenden Informationen zu finden – gemeinsame Seiten, gleiche Winkel durch Stufen- oder Wechselwinkel, oder Eigenschaften besonderer Vierecke.

Beispiel:

Gegeben sind zwei Dreiecke mit folgenden Seitenlängen:

Dreieck ABCABC: AB=4cm\overline{AB} = 4 \, \text{cm}, BC=6cm\overline{BC} = 6 \, \text{cm}, CA=5cm\overline{CA} = 5 \, \text{cm}

Dreieck DEFDEF: DE=4cm\overline{DE} = 4 \, \text{cm}, EF=6cm\overline{EF} = 6 \, \text{cm}, FD=5cm\overline{FD} = 5 \, \text{cm}

Sind die Dreiecke kongruent?

Lösung:

Wir vergleichen die entsprechenden Seiten:

  • AB=DE=4cm\overline{AB} = \overline{DE} = 4 \, \text{cm}
  • BC=EF=6cm\overline{BC} = \overline{EF} = 6 \, \text{cm}
  • CA=FD=5cm\overline{CA} = \overline{FD} = 5 \, \text{cm}

Alle drei Seiten stimmen paarweise überein. Nach dem SSS-Satz gilt:

ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF

Das bedeutet auch, dass automatisch alle entsprechenden Winkel gleich gross sein müssen, ohne dass wir sie einzeln messen müssen.

Beispiel:

In einem Dreieck ABCABC gilt: AB=7cm\overline{AB} = 7 \, \text{cm}, A=50°\angle A = 50° und AC=9cm\overline{AC} = 9 \, \text{cm}.

Ein Dreieck PQRPQR hat folgende Masse: PQ=7cm\overline{PQ} = 7 \, \text{cm}, P=50°\angle P = 50° und PR=9cm\overline{PR} = 9 \, \text{cm}.

Sind die Dreiecke kongruent? Wenn ja, nach welchem Satz?

Lösung:

Schritt 1: Gegebene Stücke im Dreieck ABCABC analysieren:

  • Seite AB\overline{AB}
  • Winkel A\angle A (bei Ecke AA)
  • Seite AC\overline{AC}

Schritt 2: Lage des Winkels prüfen. Der Winkel A\angle A liegt bei Ecke AA und wird von den Seiten AB\overline{AB} und AC\overline{AC} eingeschlossen. Es handelt sich also um den Fall Seite-Winkel-Seite (SWS).

Schritt 3: Entsprechende Stücke vergleichen:

  • AB=PQ=7cm\overline{AB} = \overline{PQ} = 7 \, \text{cm}
  • A=P=50°\angle A = \angle P = 50°
  • AC=PR=9cm\overline{AC} = \overline{PR} = 9 \, \text{cm}

Nach dem SWS-Satz sind die Dreiecke kongruent:

ABCPQR\triangle ABC \cong \triangle PQR

Die Kongruenzsätze wirken auf den ersten Blick einfach. In der Praxis gibt es aber einige klassische Fallen, in die fast alle Lernenden tappen. Hier sind die vier häufigsten:

Beispiel:

Gegeben ist ein Dreieck ABCABC mit: AB=5cm\overline{AB} = 5 \, \text{cm}, BC=8cm\overline{BC} = 8 \, \text{cm} und A=40°\angle A = 40°.

Ein Dreieck XYZXYZ hat: XY=5cm\overline{XY} = 5 \, \text{cm}, YZ=8cm\overline{YZ} = 8 \, \text{cm} und X=40°\angle X = 40°.

Sind die Dreiecke kongruent?

Lösung:

Schritt 1: Fall erkennen. Wir haben zwei Seiten und einen Winkel – das ist potentiell ein SSW-Fall. Wir müssen die Bedingung prüfen.

Schritt 2: Lage des Winkels bestimmen. Der Winkel A\angle A liegt bei Ecke AA. Welche Seite liegt A\angle A gegenüber? Es ist die Seite, die AA nicht enthält: BC\overline{BC}.

Schritt 3: Seitenlängen vergleichen:

  • Seite gegenüber von A\angle A: BC=8cm\overline{BC} = 8 \, \text{cm}
  • Andere gegebene Seite: AB=5cm\overline{AB} = 5 \, \text{cm}

Die Seite BC\overline{BC} (gegenüber dem gegebenen Winkel) ist mit 8cm8 \, \text{cm} länger als AB\overline{AB} mit 5cm5 \, \text{cm}. ✓

Schritt 4: Die SSW-Bedingung ist erfüllt! Nach dem SSW-Satz gilt:

ABCXYZ\triangle ABC \cong \triangle XYZ

Beispiel:

Beispiel 4: Kongruenzbeweis in einer geometrischen Figur

Abschnitt betitelt „Beispiel 4: Kongruenzbeweis in einer geometrischen Figur“

In einem Parallelogramm ABCDABCD wird die Diagonale AC\overline{AC} eingezeichnet. Beweise, dass die entstehenden Dreiecke ABC\triangle ABC und CDA\triangle CDA kongruent sind.

Lösung:

Wir sammeln systematisch alle Informationen über die beiden Dreiecke.

Eigenschaften des Parallelogramms:

  • Gegenüberliegende Seiten sind gleich lang: AB=CD\overline{AB} = \overline{CD}
  • Gegenüberliegende Seiten sind gleich lang: BC=DA\overline{BC} = \overline{DA}

Gemeinsame Elemente beider Dreiecke:

  • Die Diagonale AC\overline{AC} gehört zu beiden Dreiecken: AC=CA\overline{AC} = \overline{CA}

Vergleich der Dreiecke ABC\triangle ABC und CDA\triangle CDA:

  • AB=CD\overline{AB} = \overline{CD} (gegenüberliegende Seiten)
  • BC=DA\overline{BC} = \overline{DA} (gegenüberliegende Seiten)
  • AC=CA\overline{AC} = \overline{CA} (gemeinsame Diagonale)

Wir haben drei Paare gleich langer Seiten. Nach dem SSS-Satz gilt:

ABCCDA\triangle ABC \cong \triangle CDA

Dieser Beweis zeigt übrigens auch, dass die Diagonale ein Parallelogramm in zwei flächengleiche Hälften teilt.

Warum funktionieren genau diese vier Kombinationen – und keine anderen? Die Antwort liegt in einem fundamentalen Prinzip: Jeder Kongruenzsatz entspricht einer Konstruktionsvorschrift, mit der du das Dreieck eindeutig zeichnen kannst.

  • SSS: Zeichne eine Seite, schlage von beiden Endpunkten Kreise mit den anderen Seitenlängen. Sie schneiden sich in zwei Punkten – beide führen zu kongruenten Dreiecken (eines ist das gespiegelte Bild des anderen).
  • SWS: Zeichne eine Seite, trage am Endpunkt den Winkel ab und zeichne die zweite Seite. Verbinde die offenen Enden – eindeutig.
  • WSW: Zeichne die Seite, trage an beiden Endpunkten die Winkel ab. Die Schenkel schneiden sich in genau einem Punkt.
  • SSW: Zeichne eine Seite, trage den Winkel ab, schlage einen Kreis mit der dritten Länge. Hier kann es null, ein oder zwei Schnittpunkte geben – daher die Bedingung mit der längeren Seite.

Interessant ist auch der Zusammenhang mit der Ähnlichkeit: Jede Kongruenz ist zugleich eine Ähnlichkeit (mit Streckfaktor k=1k = 1), aber nicht jede Ähnlichkeit ist eine Kongruenz. Diese Unterscheidung wird in der nächsten Klasse wichtig.

Beispiel:

In einem Dreieck ABCABC halbiert die Gerade vom Punkt AA den Winkel BAC\angle BAC und trifft die Seite BC\overline{BC} im Punkt DD. Zusätzlich ist gegeben, dass BD=DC\overline{BD} = \overline{DC}.

Beweise, dass das Dreieck ABCABC gleichschenklig ist, also AB=AC\overline{AB} = \overline{AC} gilt.

Lösung:

Wir betrachten die beiden Teildreiecke ABD\triangle ABD und ACD\triangle ACD.

Sammle Informationen:

  • AD=AD\overline{AD} = \overline{AD} (gemeinsame Seite)
  • BAD=CAD\angle BAD = \angle CAD (Winkelhalbierende)
  • BD=DC\overline{BD} = \overline{DC} (gegeben)

Wir haben zwei Seiten und einen Winkel. Aber Achtung: Der Winkel BAD\angle BAD liegt bei Ecke AA – zwischen den Seiten AB\overline{AB} und AD\overline{AD}. Uns fehlt jedoch AB\overline{AB}.

Der Winkel liegt nicht zwischen AD\overline{AD} und BD\overline{BD}. Die beiden gegebenen Seiten AD\overline{AD} und BD\overline{BD} schliessen den Winkel ADB\angle ADB ein – aber den kennen wir nicht direkt.

Wir nutzen deshalb einen anderen Weg: Die Winkelhalbierende und die Mittellinie fallen in gleichschenkligen Dreiecken zusammen. Mit SWS über ABD\triangle ABD und ACD\triangle ACD (mit ADB=ADC=90°\angle ADB = \angle ADC = 90°, da DD Mittelpunkt und Winkelhalbierender-Fusspunkt) folgt dann:

ABDACDAB=AC\triangle ABD \cong \triangle ACD \quad \Rightarrow \quad \overline{AB} = \overline{AC}

Bearbeite die folgenden Aufgaben der Reihe nach. Die Schwierigkeit steigt von Aufgabe 1 bis 10 an.

  1. Ein Dreieck ABCABC hat die Seiten a=5cma = 5\,\text{cm}, b=7cmb = 7\,\text{cm}, c=9cmc = 9\,\text{cm}. Ein Dreieck DEFDEF hat d=5cmd = 5\,\text{cm}, e=7cme = 7\,\text{cm}, f=9cmf = 9\,\text{cm}. Welcher Kongruenzsatz liegt vor?

  2. Gegeben: AB=6cm\overline{AB} = 6\,\text{cm}, B=70°\angle B = 70°, BC=8cm\overline{BC} = 8\,\text{cm} und PQ=6cm\overline{PQ} = 6\,\text{cm}, Q=70°\angle Q = 70°, QR=8cm\overline{QR} = 8\,\text{cm}. Sind die Dreiecke kongruent? Begründe.

  3. Dreieck 1: α=40°\alpha = 40°, c=6cmc = 6\,\text{cm}, β=80°\beta = 80°. Dreieck 2: α=40°\alpha = 40°, c=6cmc = 6\,\text{cm}, β=80°\beta = 80°. Welcher Kongruenzsatz greift?

  4. Zwei Dreiecke haben je die Winkel α=60°\alpha = 60°, β=70°\beta = 70°, γ=50°\gamma = 50°. Sind sie kongruent? Begründe.

  5. Gegeben: a=4cma = 4\,\text{cm}, b=7cmb = 7\,\text{cm}, α=30°\alpha = 30° (Winkel gegenüber aa). Kannst du den SSW-Satz anwenden?

  6. Zeige: In einem gleichschenkligen Dreieck mit AB=AC\overline{AB} = \overline{AC} halbiert die Höhe von AA aus die Basis BC\overline{BC}.

  7. In einem Quadrat ABCDABCD werden die beiden Diagonalen gezeichnet. Sie schneiden sich in MM. Beweise mit einem Kongruenzsatz, dass MA=MB\overline{MA} = \overline{MB} gilt.

  8. Zwei Dreiecke ABC\triangle ABC und DEF\triangle DEF stimmen in AB=DE=10cm\overline{AB} = \overline{DE} = 10\,\text{cm}, BC=EF=6cm\overline{BC} = \overline{EF} = 6\,\text{cm} und A=D=35°\angle A = \angle D = 35° überein. Sind sie kongruent? Prüfe sorgfältig.

  9. Im Viereck ABCDABCD gilt: AB=CD\overline{AB} = \overline{CD} und ABCD\overline{AB} \parallel \overline{CD}. Zeige mit einem Kongruenzsatz, dass ABCDABCD ein Parallelogramm ist.

  10. Konstruiere ein Dreieck mit a=5cma = 5\,\text{cm}, b=6cmb = 6\,\text{cm} und γ=110°\gamma = 110°. Welcher Kongruenzsatz garantiert, dass dein Dreieck eindeutig ist? Skizziere den Konstruktionsweg in Stichworten.

  • Zwei Figuren sind kongruent (\cong), wenn sie in Form und Grösse exakt übereinstimmen – sie sind deckungsgleich.
  • Ein Dreieck ist durch drei passende Bestimmungsstücke eindeutig festgelegt. Nicht jede Kombination funktioniert.
  • Die vier Kongruenzsätze: SSS (drei Seiten), SWS (zwei Seiten und eingeschlossener Winkel), WSW (zwei Winkel und eingeschlossene Seite), SSW (zwei Seiten und Winkel gegenüber der längeren Seite).
  • Bei SWS und WSW muss der Winkel bzw. die Seite wirklich zwischen den anderen beiden Stücken liegen.
  • WWW reicht nicht für Kongruenz – die Dreiecke wären nur ähnlich, nicht deckungsgleich.
  • Die Reihenfolge der Buchstaben in ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF gibt an, welche Ecken einander entsprechen.
  • Kongruenzsätze sind die Grundlage vieler geometrischer Beweise: Gleichschenkligkeit, Parallelogramm-Eigenschaften, Mittelsenkrechten und mehr.
❓ Frage:
Welcher Kongruenzsatz liegt vor, wenn du von zwei Dreiecken weisst, dass sie in den Winkeln α\alpha und β\beta sowie in der Seite cc (gegenüber von γ\gamma) übereinstimmen?
Lösung anzeigen

Es handelt sich um WSW (Winkel-Seite-Winkel). Die Seite cc liegt gegenüber dem Winkel γ\gamma. Da γ\gamma der dritte Winkel ist, verbindet cc die Ecken, an denen α\alpha und β\beta liegen. Somit liegt die Seite cc zwischen den Winkeln α\alpha und β\beta – das ist genau die Definition von WSW.

❓ Frage:
Zwei Dreiecke haben folgende Masse: Dreieck 1: a=3cma = 3\,\text{cm}, b=4cmb = 4\,\text{cm}, α=30°\alpha = 30°. Dreieck 2: a=3cma = 3\,\text{cm}, b=4cmb = 4\,\text{cm}, α=30°\alpha = 30°. Kann man mit Sicherheit sagen, dass die Dreiecke kongruent sind?
Lösung anzeigen

Nein, nicht mit Sicherheit. Es handelt sich um einen SSW-Fall: Zwei Seiten (aa und bb) und ein Winkel (α\alpha) sind gegeben. Der Winkel α\alpha liegt der Seite aa gegenüber. Für den SSW-Satz muss der Winkel der längeren Seite gegenüberliegen. Hier ist a=3cma = 3\,\text{cm} und b=4cmb = 4\,\text{cm}, also liegt α\alpha der kürzeren Seite gegenüber. In diesem Fall kann es zwei verschiedene Dreiecke mit diesen Massen geben – der SSW-Satz ist nicht anwendbar.

❓ Frage:
Warum sind zwei Dreiecke mit den gleichen drei Winkeln nicht automatisch kongruent?
Lösung anzeigen

Weil die Winkel nur die Form eines Dreiecks bestimmen, nicht aber seine Grösse. Zwei Dreiecke mit den gleichen Winkeln haben zwar dieselbe Form (man nennt sie ähnlich), aber sie können unterschiedlich gross sein. Stell dir vor, du vergrösserst ein Dreieck auf einem Kopierer auf 150 % – alle Winkel bleiben gleich, aber die Seitenlängen ändern sich. Für Kongruenz müssen die Dreiecke aber in Form und Grösse übereinstimmen. Deshalb ist WWW kein Kongruenzsatz.

❓ Frage:
Was bedeutet die Schreibweise ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF genau?
Lösung anzeigen

Die Schreibweise bedeutet, dass die beiden Dreiecke deckungsgleich sind und dass die Reihenfolge der Buchstaben die Zuordnung der Ecken angibt:

  • AA entspricht DD
  • BB entspricht EE
  • CC entspricht FF Daraus folgen sechs Einzelaussagen:
  • AB=DE\overline{AB} = \overline{DE}, BC=EF\overline{BC} = \overline{EF}, CA=FD\overline{CA} = \overline{FD}
  • A=D\angle A = \angle D, B=E\angle B = \angle E, C=F\angle C = \angle F Die Reihenfolge der Buchstaben ist also kein Detail, sondern ein wichtiger Teil der Aussage.
❓ Frage:
In einem Dreieck ABCABC ist AB=AC\overline{AB} = \overline{AC}. Die Höhe hah_a von AA aus trifft BC\overline{BC} in DD. Welcher Kongruenzsatz zeigt, dass ABDACD\triangle ABD \cong \triangle ACD?
Lösung anzeigen

Es handelt sich um SSW (mit rechtem Winkel). Gegeben sind:

  • AB=AC\overline{AB} = \overline{AC} (gleichschenkliges Dreieck)
  • AD=AD\overline{AD} = \overline{AD} (gemeinsame Seite)
  • ADB=ADC=90°\angle ADB = \angle ADC = 90° (Höhe) Die Winkel liegen der längeren Seite (AB\overline{AB} bzw. AC\overline{AC}) gegenüber. Da rechte Winkel stets der Hypotenuse gegenüberliegen und diese die längste Seite ist, ist die SSW-Bedingung automatisch erfüllt. Konsequenz: BD=DC\overline{BD} = \overline{DC} – die Höhe halbiert die Basis im gleichschenkligen Dreieck.

Mit den Kongruenzsätzen hast du ein mächtiges Werkzeug für geometrische Beweise in der Hand. Im nächsten Schritt wirst du die Ähnlichkeit von Dreiecken kennenlernen: Sie stimmen nur in der Form, nicht in der Grösse überein. Die Ähnlichkeitssätze bauen direkt auf deinem Wissen über Kongruenz auf. Ausserdem lernst du, wie man Kongruenzbeweise systematisch aufschreibt und in komplexeren Figuren wie Vierecken, Vielecken oder Kreisen anwendet.

Lösung zu Aufgabe 1: Alle drei Seiten stimmen paarweise überein (a=da = d, b=eb = e, c=fc = f). Es liegt der SSS-Satz vor. Die Dreiecke sind kongruent.

Lösung zu Aufgabe 2: Der Winkel B\angle B wird von den Seiten AB\overline{AB} und BC\overline{BC} eingeschlossen. Es handelt sich um den SWS-Satz. Alle drei Stücke stimmen überein, also sind die Dreiecke kongruent: ABCPQR\triangle ABC \cong \triangle PQR.

Lösung zu Aufgabe 3: Die Seite cc liegt zwischen den Winkeln α\alpha (bei AA) und β\beta (bei BB). Es greift der WSW-Satz. Die Dreiecke sind kongruent.

Lösung zu Aufgabe 4: Nein, die Dreiecke müssen nicht kongruent sein. Drei gleiche Winkel garantieren nur Ähnlichkeit, nicht Kongruenz. Die Dreiecke können unterschiedlich gross sein. WWW ist kein Kongruenzsatz.

Lösung zu Aufgabe 5: Nein. Der Winkel α=30°\alpha = 30° liegt der Seite a=4cma = 4\,\text{cm} gegenüber. Die andere Seite b=7cmb = 7\,\text{cm} ist länger als aa. Der SSW-Satz verlangt aber, dass der Winkel der längeren Seite gegenüberliegt. Diese Bedingung ist hier nicht erfüllt – der SSW-Satz ist nicht anwendbar.

Lösung zu Aufgabe 6: Sei hh die Höhe von AA auf BC\overline{BC} mit Fusspunkt DD. Vergleiche ABD\triangle ABD und ACD\triangle ACD:

  • AB=AC\overline{AB} = \overline{AC} (gleichschenklig)
  • AD=AD\overline{AD} = \overline{AD} (gemeinsame Seite)
  • ADB=ADC=90°\angle ADB = \angle ADC = 90° (Höhe)

SSW-Fall mit rechtem Winkel (Winkel liegt der längsten Seite gegenüber): ABDACD\triangle ABD \cong \triangle ACD. Daraus folgt BD=DC\overline{BD} = \overline{DC} – die Basis wird halbiert.

Lösung zu Aufgabe 7: Im Quadrat ABCDABCD sind alle Seiten gleich lang (AB=BC=CD=DA\overline{AB} = \overline{BC} = \overline{CD} = \overline{DA}), und die Diagonalen sind gleich lang. Betrachte ABM\triangle ABM und BCM\triangle BCM:

  • AB=BC\overline{AB} = \overline{BC} (Quadratseiten)
  • BM=BM\overline{BM} = \overline{BM} (gemeinsame Seite)
  • ABM=CBM=45°\angle ABM = \angle CBM = 45° (Diagonale halbiert Quadratwinkel)

Nach SWS: ABMCBM\triangle ABM \cong \triangle CBM, also MA=MC\overline{MA} = \overline{MC}. Analog MA=MB\overline{MA} = \overline{MB}, da die Diagonalen sich gegenseitig halbieren.

Lösung zu Aufgabe 8: Vorsicht! Es sind zwei Seiten und ein Winkel gegeben: AB\overline{AB}, BC\overline{BC} und A\angle A. Der Winkel A\angle A liegt nicht zwischen den gegebenen Seiten (der wäre B\angle B), also ist es kein SWS-Fall, sondern ein SSW-Fall.

Prüfe die Bedingung: A\angle A liegt der Seite BC=6cm\overline{BC} = 6\,\text{cm} gegenüber. Die andere Seite AB=10cm\overline{AB} = 10\,\text{cm} ist länger. Der Winkel liegt also der kürzeren Seite gegenüber. Der SSW-Satz ist nicht anwendbar. Die Dreiecke sind nicht zwingend kongruent.

Lösung zu Aufgabe 9: Zeichne die Diagonale AC\overline{AC}. Vergleiche ABC\triangle ABC und CDA\triangle CDA:

  • AB=CD\overline{AB} = \overline{CD} (gegeben)
  • AC=CA\overline{AC} = \overline{CA} (gemeinsam)
  • BAC=DCA\angle BAC = \angle DCA (Wechselwinkel an den Parallelen ABCD\overline{AB} \parallel \overline{CD})

Nach SWS: ABCCDA\triangle ABC \cong \triangle CDA. Daraus folgt BC=DA\overline{BC} = \overline{DA} – also sind auch die anderen gegenüberliegenden Seiten gleich lang. Das Viereck ist ein Parallelogramm.

Lösung zu Aufgabe 10: Der Winkel γ=110°\gamma = 110° liegt zwischen den Seiten aa und bb. Es handelt sich um einen SWS-Fall, der Eindeutigkeit garantiert.

Konstruktionsschritte:

  1. Zeichne die Strecke CA\overline{CA} mit b=6cmb = 6\,\text{cm}.
  2. Trage bei CC den Winkel γ=110°\gamma = 110° ab.
  3. Zeichne auf dem zweiten Schenkel die Strecke CB\overline{CB} mit a=5cma = 5\,\text{cm}.
  4. Verbinde AA mit BB – fertig.

Nach SWS ist dieses Dreieck bis auf Kongruenz eindeutig bestimmt.

Quellen