Beim Potenzieren kennst du die Basis und den Exponenten. Du berechnest das Ergebnis:
23=8
Manchmal ist die Situation umgekehrt. Du kennst die Basis und das Ergebnis, suchst aber den Exponenten:
2?=8
Die Antwort ist 3, denn 23=8. Doch wie drückst du das mathematisch präzise aus? Genau hier kommt der Logarithmus ins Spiel.
Die Schreibweisen loga(b)=x und ax=b beschreiben denselben Zusammenhang. Frage beim Umschreiben immer: Welche Zahl ist die Basis, welche der Exponent und welche das Ergebnis?
Warum gelten die Bedingungen? Eine positive Basis ergibt bei reellen Exponenten nur positive Werte. Deshalb muss b>0 sein. Die Basis 1 ist ausgeschlossen, weil 1x=1 für jeden Exponenten gilt. Damit wäre der gesuchte Exponent nicht eindeutig.
Gesucht
Beispiel
Passende Rechnung
Ergebnis einer Potenz
23=b
b=8
Positive Basis bei bekanntem Exponenten
a3=8
a=38=2
Exponent bei bekannter Basis
2x=8
x=log2(8)=3
In der Praxis begegnen dir drei Basen besonders häufig:
Basis
Schreibweise
Name
Verwendung
10
log(x) oder lg(x)
Dekadischer Logarithmus
Taschenrechner, pH-Wert, Dezibel
e≈2,718
ln(x)
Natürlicher Logarithmus
Naturwissenschaften, Wachstum
2
log2(x)
Binärer Logarithmus
Informatik, Algorithmen
In diesem Artikel bedeutet log(x) immer log10(x). Viele Schultaschenrechner verwenden log für Basis 10 und ln für Basis e. Für andere Basen kannst du die Basiswechselformel verwenden, auch wenn dein Gerät keine eigene Eingabe dafür anbietet.
Die Logarithmusregeln folgen aus den Potenzgesetzen. Sie helfen dir beim Zusammenfassen von Termen und beim Lösen von Gleichungen.
Warum wird aus einem Produkt eine Summe? Setze r=loga(u) und s=loga(v). Dann gilt u=ar und v=as. Mit dem Potenzgesetz folgt:
u⋅v=ar⋅as=ar+s
Der Exponent, der zu u⋅v führt, ist also r+s. Deshalb gilt loga(u⋅v)=loga(u)+loga(v).
Auch der Basiswechsel lässt sich begründen: Aus ax=b folgt durch Logarithmieren zur erlaubten Basis c die Gleichung x⋅logc(a)=logc(b). Weil a=1 gilt, ist logc(a)=0. Du darfst durch diesen Wert dividieren.
Zwei besondere Werte kannst du direkt aus der Definition herleiten:
loga(1)=0(weil a0=1)
loga(a)=1(weil a1=a)
Die Potenzregel ist besonders nützlich. Sie erlaubt es dir, einen Exponenten aus dem Argument herauszuziehen und als Faktor zu schreiben. Das ist der Schlüsseltrick beim Lösen von Exponentialgleichungen. Die Basiswechselformel hilft dir, wenn dein Taschenrechner nur log und ln kennt, du aber einen Logarithmus mit einer anderen Basis brauchst.
Tipp: Bei einfachen Logarithmen hilft das schrittweise Potenzieren. Du fragst dich immer: “Welcher Exponent passt?” Sobald du die Verbindung loga(b)=x⇔ax=b sicher beherrschst, gehst du von der Logarithmusform direkt in die Potenzform – und die Antwort liegt offen.
In beiden Fällen ist sie die Umkehrfunktion von g(x)=ax. Die Graphen sind Spiegelbilder an der Geraden y=x. Beispielsweise gehört zur Potenz 23=8 der Punkt (3∣8) der Exponentialfunktion. Beim Logarithmus werden die Koordinaten vertauscht: (8∣3).
Basiswechsel in der Praxis: Mit den Tasten log oder ln kannst du jeden Logarithmus zu einer erlaubten Basis berechnen:
loga(b)=ln(a)ln(b)=log(a)log(b)
Wachstum und Zerfall vergleichen: In einem Modell M(t)=M0⋅qt beschreibt q>1 Wachstum und 0<q<1 Zerfall. Wenn du den Zeitpunkt suchst, zu dem die Menge einen bekannten Zielwert MZiel>0 erreicht, löst du M0⋅qt=MZiel:
t=ln(q)ln(MZiel/M0)
Dabei muss M0>0 gelten. Die Zeiteinheit von t muss zum Faktor q passen: Bei einem jährlichen Faktor rechnest du in Jahren.
Du legst im Modell 5000 CHF zu 3% Jahreszins an. Die Zinsen werden jeweils am Jahresende gutgeschrieben und mitverzinst. Gebühren und Steuern bleiben unberücksichtigt. Nach wie vielen vollen Jahren sind erstmals mindestens 7000 CHF auf dem Konto?
Lösung:
Nach n vollen Jahren beträgt das Kapital:
Kn=5000⋅1,03n
Gesucht ist die kleinste ganze Zahl n≥0, für die gilt:
5000⋅1,03n≥7000⇔1,03n≥1,4
Der natürliche Logarithmus ist streng steigend. Beim Logarithmieren bleibt deshalb das Ungleichheitszeichen erhalten:
n⋅ln(1,03)≥ln(1,4)
Weil ln(1,03)>0 ist, bleibt die Richtung auch beim Dividieren erhalten:
n≥ln(1,03)ln(1,4)≈11,383149
Die kleinste erlaubte ganze Zahl ist n=12.
Kontrolle der Grenze:
Nach 11 Jahren: 5000⋅1,0311≈6921,17 CHF. Das Ziel ist noch nicht erreicht.
Nach 12 Jahren: 5000⋅1,0312≈7128,80 CHF. Das Ziel ist erreicht.
Antwort: Erstmals nach 12 vollen Jahren sind mindestens 7000 CHF auf dem Konto. Die rechnerische Grenze von etwa 11,38 ist kein zusätzlicher Gutschriftzeitpunkt in diesem Modell.
Damit kannst du auch die Frage aus der Einleitung beantworten: Für die Verdopplung bei 5% gilt n≥ln(2)/ln(1,05)≈14,206699. Bei jährlicher Gutschrift dauert es 15 volle Jahre. Nach 14 Jahren sind es rund 1979,93 CHF, nach 15 Jahren rund 2078,93 CHF.
Die folgenden Aufgaben sind nach Schwierigkeit geordnet. Beginne oben und arbeite dich vor. Die vollständigen Lösungswege findest du im Abschnitt “Lösungen” am Ende des Artikels.
Grundlagen (Aufgaben 1–3)
Aufgabe 1: Berechne ohne Taschenrechner:
a) log2(16) b) log3(27) c) log10(1000) d) log5(1)
Aufgabe 2: Schreibe jeweils in Potenzform um:
a) log4(64)=3 b) log2(0,5)=−1 c) loga(m)=k
Aufgabe 3: Schreibe jeweils in Logarithmusform um:
a) 72=49 b) 10−2=0,01 c) e1=e
Regelanwendung (Aufgaben 4–6)
Aufgabe 4: Vereinfache mit den Logarithmusregeln (ohne Taschenrechner):
a) log3(9)+log3(3) b) log2(64)−log2(8) c) log5(57)
Aufgabe 5: Berechne mit dem Taschenrechner (auf zwei Dezimalstellen):
a) log3(20) b) log7(100) c) log6(200)
Aufgabe 6: Gib zuerst die Bedingungen für x an. Löse dann die Gleichungen und prüfe deine Lösung:
a) log3(x)=4 b) logx(16)=2 c) log2(x+1)=5
Exponentialgleichungen (Aufgaben 7–8)
Aufgabe 7: Löse die Exponentialgleichungen (auf zwei Dezimalstellen):
a) 3x=20 b) 5x=0,1 c) 2x+1=10
Aufgabe 8: Fasse zu einem einzigen Logarithmus zusammen. Berechne danach einen Näherungswert auf zwei Dezimalstellen:
log6(4)+2⋅log6(3)−log6(2)
Anwendungen (Aufgaben 9–10)
Aufgabe 9: Eine Bakterienkultur startet mit 500 Bakterien. Ihre Anzahl verdoppelt sich im Modell alle 30 Minuten.
a) Du kontrollierst die Anzahl nur nach vollständigen 30-Minuten-Perioden. Bei welcher Kontrolle sind es erstmals mehr als 100 000 Bakterien? Gib die Zeit in Minuten an.
b) Ein kontinuierliches Modell lautet P(t)=500⋅2t/30, wobei t die Zeit in Minuten ist. Bestimme den Zeitpunkt, an dem der Modellwert genau 100 000 beträgt. Ab welcher ganzen Minute liegt er darüber? Erkläre den Unterschied zu a).
Aufgabe 10: Von einer Substanz bleiben im Zerfallsmodell nach jedem Jahr 88% der vorherigen Menge übrig. Anfangs sind es 200 g. Du misst jeweils am Ende eines vollen Jahres. Bei welcher Jahresmessung sind erstmals weniger als 50 g übrig? Begründe die Richtung des Ungleichheitszeichens und kontrolliere das Ergebnis mit zwei benachbarten Jahreswerten.
log4(64)=3
Begründung: Gesucht ist der Exponent x mit 4x=64.
Probe: 43=64 ✓
Also ist log4(64)=3.
❓ Frage:
Vereinfache: log5(25)+log5(5)
Lösung anzeigen
Methode 1 – Produktregel:log5(25)+log5(5)=log5(25⋅5)=log5(125)=3Methode 2 – Einzeln berechnen:log5(25)=2 (weil 52=25) und log5(5)=1 (weil 51=5).
Also: 2+1=3
Das Ergebnis ist 3.
❓ Frage:
Löse die Gleichung 3x=100. Runde auf zwei Dezimalstellen.
Lösung anzeigen
Du logarithmierst beide Seiten:
ln(3x)=ln(100)x⋅ln(3)=ln(100)x=ln(3)ln(100)≈4,191807≈4,19
Die Lösung ist x≈4,19.
Probe: 34,19≈100 ✓
❓ Frage:
Welche der folgenden Aussagen ist korrekt?
A) log2(8+4)=log2(8)+log2(4)
B) log2(8⋅4)=log2(8)+log2(4)
C) log2(8⋅4)=log2(8)⋅log2(4)
Lösung anzeigen
Die richtige Antwort ist B.
Die Produktregel lautet: loga(u⋅v)=loga(u)+loga(v).
Probe: log2(8⋅4)=log2(32)=5 und log2(8)+log2(4)=3+2=5 ✓
Aussage A ist falsch: Rechts steht 3+2=5, links log2(12). Weil 23<12<24 gilt, liegt die linke Seite zwischen 3 und 4. Sie kann also nicht 5 sein.
Aussage C ist falsch: Der Logarithmus eines Produkts ist die Summe, nicht das Produkt der Logarithmen.
❓ Frage:
Berechne log8(2).
Lösung anzeigen
Gesucht ist x mit 8x=2.
Du erkennst: 8=23, also:
(23)x=2123x=21
Durch Vergleich der Exponenten: 3x=1, also x=31.
Somit ist log8(2)=31.
Probe: 81/3=38=2 ✓
Beim nächsten Wachstumsproblem kannst du gezielt entscheiden: Suchst du das Ergebnis einer Potenz oder ihren Exponenten? Für den unbekannten Exponenten helfen dir Logarithmen. Prüfe nach der Rechnung, ob das Ergebnis zur Aufgabe passt: Welche Einheit hat es? Sind nur ganze Schritte erlaubt? Wird die Grenze erreicht oder wirklich überschritten?
Für die weitere Arbeit mit Funktionen kannst du untersuchen, wie sich Exponential- und Logarithmusgraphen an der Geraden y=x spiegeln.
Du fasst mit Produkt- und Quotientenregel zusammen:
=log6(24⋅9)=log6(18)
Da 61=6 und 62=36, liegt der Wert zwischen 1 und 2. Genauer: log6(18)=ln(6)ln(18)≈1,613147≈1,61. Der einzelne Logarithmus ist das exakte Ergebnis; die Dezimalzahl ist eine Näherung.
Aufgabe 9:
a) Kontrolle nach vollständigen Verdopplungsperioden
Nach n vollständigen Perioden gilt Pn=500⋅2n. Gesucht ist die kleinste ganze Zahl n≥0 mit:
500⋅2n>100000⇔2n>200
Weil der natürliche Logarithmus streng steigt und ln(2)>0 ist, folgt:
n>ln(2)ln(200)≈7,643856
Die erste passende ganze Zahl ist n=8. Das entspricht 8⋅30=240 Minuten, also 4 Stunden.
Kontrolle: Nach 7 Perioden sind es 500⋅27=64000, nach 8 Perioden 500⋅28=128000. Erst die zweite Zahl liegt über 100 000.
b) Kontinuierliches Modell
Für den Zeitpunkt t∗, an dem der Modellwert genau 100 000 beträgt, gilt:
500⋅2t∗/30=100000
30t∗=ln(2)ln(200)
t∗=30⋅ln(2)ln(200)≈229,315686Minuten
Genau bei t∗ beträgt der Modellwert 100 000. Für t>t∗ liegt er darüber. Die erste ganze Minute danach ist Minute 230.
Der Unterschied: In a) werden nur die Zeitpunkte 0, 30, 60, … Minuten betrachtet. Das kontinuierliche Modell in b) beschreibt auch Zeiten dazwischen. Eine Verdopplungszeit allein legt noch nicht fest, welches dieser Modelle die Aufgabe verwenden soll.
Aufgabe 10:
Der jährliche Faktor ist q=0,88. Gesucht ist die kleinste ganze Jahreszahl n≥0, für die gilt:
200⋅0,88n<50⇔0,88n<0,25
Beim Anwenden des streng steigenden natürlichen Logarithmus bleibt die Richtung erhalten:
n⋅ln(0,88)<ln(0,25)
Erst beim Dividieren durch die negative Zahl ln(0,88) dreht sich das Ungleichheitszeichen um:
n>ln(0,88)ln(0,25)≈10,844542
Die kleinste passende ganze Jahreszahl ist n=11.
Nach 10 Jahren: 200⋅0,8810≈55,70g, also noch mehr als 50 g.
Nach 11 Jahren: 200⋅0,8811≈49,02g, also weniger als 50 g.
Antwort: Bei der Messung am Ende des 11. Jahres sind erstmals weniger als 50 g übrig.