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Potenzfunktionen mit negativen Exponenten: So meisterst du 1/x und Co.

Weiterführend:

Lehrplan 21Zyklus 3 (7.–9. Klasse) · 9Kompetenzen
  • MA.1.A.1.iGrundanspruchBegriffe Term, Variable, Unbekannte, hoch, Potenz, Zehnerpotenz, Vorzeichen, positive/negative Zahlen, (Quadrat-)Wurzel (Erw: Basis, Exponent); Symbole √, ≤, ≥; Zahlen bis 1 Milliarde lesen und schreiben
  • MA.3.A.3.hGrundanspruchZu einer Funktionsgleichung Wertepaare bestimmen und in einem Koordinatensystem einzeichnen
  • MA.3.C.2.gGrundanspruchAbhängigkeit zweier Grössen mit Funktionsgraph darstellen; Graphenverläufe interpretieren (Erw: geeignete Skalierung wählen; lineare funktionale Zusammenhänge mit Term beschreiben)
  • MA.1.A.1.jZahlen in wissenschaftlicher Schreibweise mit positiven Exponenten lesen/schreiben; Potenzen mit rationaler Basis und natürlichem Exponenten
  • MA.1.A.1.kBegriffe natürliche Zahlen, ganze Zahlen, rationale Zahlen, Kehrwert, 3. Wurzel; wissenschaftliche Schreibweise mit negativen Exponenten
  • MA.1.A.4.lQuadratische Gleichungen durch Faktorzerlegung lösen; binomische Formeln anwenden; Rechenregeln Potenz vor Punkt vor Strich
  • MA.1.A.4.mBruchterme mit Binomen umformen; Rechengesetze bei Potenzen, Wurzeln und wissenschaftlicher Schreibweise; Bruchgleichungen und Gleichungen mit Parameter lösen; lineare Gleichungssysteme mit 2 Unbekannten
  • MA.3.A.3.iFunktionswert zu einer gegebenen Zahl aus Wertetabelle, Graph und Funktionsgleichung bestimmen (z.B. y = 2x + 1, x = 7 → y = 15); Rechner/Software für Funktionswerte nutzen; Sachaufgaben mit Prozentangaben lösen (Steigung, Zins)
  • MA.3.C.2.hWertetabellen, Diagramme, Sachtexte, Terme und Graphen einander zuordnen und interpretieren; Sachsituationen nach funktionalen, statistischen und probabilistischen Gesichtspunkten bearbeiten

Quelle: Aargauer Lehrplan Volksschule, Fachbereich Mathematik (August 2022)

Die Idee der negativen Exponenten ist überraschend jung. Lange Zeit kannte die Mathematik nur positive ganze Zahlen als Exponenten. Schon die alten Ägypter und Babylonier rechneten mit Brüchen wie 1x\dfrac{1}{x}, aber niemand nannte das “Potenz mit Exponent 1-1”. Die elegante Schreibweise fehlte noch.

Ein grosser Durchbruch gelang dem englischen Mathematiker John Wallis im Jahr 1655. In seinem Werk Arithmetica Infinitorum erweiterte er die Idee der Potenzen zum ersten Mal auf negative und gebrochene Exponenten. Er erkannte: Wenn x3x2=x5x^3 \cdot x^2 = x^5 gilt, dann muss logisch auch x3x3=x0=1x^3 \cdot x^{-3} = x^0 = 1 sein. Daraus folgt zwingend x3=1x3x^{-3} = \dfrac{1}{x^3}.

Isaac Newton griff diese Idee wenige Jahre später auf. Er formulierte seinen berühmten binomischen Satz so allgemein, dass er auch für negative und gebrochene Exponenten funktioniert. Diese Verallgemeinerung war einer der Grundpfeiler der modernen Analysis.

Gleichzeitig entdeckten Naturforscher überall Gesetze mit negativen Exponenten. Johannes Kepler fand 1619 heraus: Die Anziehungskraft zwischen Himmelskörpern nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab. Newton goss diese Idee 1687 in die Formel

F=Gm1m2r2F = G \cdot \dfrac{m_1 \cdot m_2}{r^2}

Hier steckt ein r2r^{-2} im Kern der Physik. Auch Charles Augustin de Coulomb entdeckte 1785 das gleiche Muster für elektrische Ladungen. Wer den Himmel oder den Atomkern verstehen will, braucht Potenzfunktionen mit negativen Exponenten. Ohne diese Funktionen gäbe es weder Astronomie noch moderne Elektrotechnik.

Kehren wir zur Autofahrt zurück. Die Formel für die Fahrzeit lautet:

t=svt = \dfrac{s}{v}

Dabei ist tt die Zeit, ss die Strecke und vv die Geschwindigkeit. Wenn die Strecke feststeht (zum Beispiel s=120kms = 120 \, \text{km}), dann gilt:

t=120v=120v1t = \dfrac{120}{v} = 120 \cdot v^{-1}

Hier taucht er auf: der negative Exponent. Die Variable vv steht im Nenner, und das drücken wir mathematisch durch v1v^{-1} aus.

Ein negativer Exponent bedeutet nichts anderes als “eins durch”:

xn=1xnx^{-n} = \dfrac{1}{x^n}

Das gilt für alle natürlichen Zahlen nn und alle x0x \neq 0. Hier einige Beispiele:

  • x1=1xx^{-1} = \dfrac{1}{x}
  • x2=1x2x^{-2} = \dfrac{1}{x^2}
  • x3=1x3x^{-3} = \dfrac{1}{x^3}
  • 52=152=125=0,045^{-2} = \dfrac{1}{5^2} = \dfrac{1}{25} = 0{,}04

Merke dir: Jeder Ausdruck mit negativem Exponenten lässt sich als Bruch schreiben und umgekehrt. Das ist der Schlüssel zum Verstehen dieser Funktionen.

Lass uns die wichtigsten Vertreter dieser Funktionsfamilie systematisch kennenlernen. Der entscheidende Trick beim Zeichnen: Wir unterscheiden zwischen ungeraden und geraden negativen Exponenten, denn sie verhalten sich grundlegend verschieden.

Ungerade negative Exponenten: f(x)=x1,x3,x5,f(x) = x^{-1}, \, x^{-3}, \, x^{-5}, \ldots

Setzt du eine negative Zahl ein, bleibt das Ergebnis negativ. Beispiel: (2)3=1(2)3=18(-2)^{-3} = \dfrac{1}{(-2)^3} = -\dfrac{1}{8}. Der Graph liegt im 1. und 3. Quadranten. Er ist punktsymmetrisch zum Ursprung.

Gerade negative Exponenten: f(x)=x2,x4,x6,f(x) = x^{-2}, \, x^{-4}, \, x^{-6}, \ldots

Setzt du eine negative Zahl ein, wird das Ergebnis positiv. Beispiel: (2)2=1(2)2=14(-2)^{-2} = \dfrac{1}{(-2)^2} = \dfrac{1}{4}. Der Graph liegt komplett oberhalb der xx-Achse. Er ist achsensymmetrisch zur yy-Achse.

Die Kernmethode zum Zeichnen: Wertetabelle mit positiven xx-Werten erstellen, dann über die Symmetrie den zweiten Ast ergänzen. Das spart Arbeit und schützt vor Vorzeichenfehlern.

Beispiel:

Beispiel 1: Wertetabelle und Graph von f(x)=x1f(x) = x^{-1}

Abschnitt betitelt „Beispiel 1: Wertetabelle und Graph von f(x)=x−1f(x) = x^{-1}f(x)=x−1“

Aufgabe: Erstelle eine Wertetabelle für f(x)=x1f(x) = x^{-1} und skizziere den Graphen.

Lösung:

Schritt 1: Wähle sinnvolle xx-Werte. Nimm sowohl Werte nahe bei null (zum Beispiel 0,50{,}5) als auch weit entfernte (zum Beispiel 44).

Schritt 2: Berechne die Funktionswerte über die Beziehung f(x)=1xf(x) = \dfrac{1}{x}.

Für x=2x = 2: f(2)=12=0,5f(2) = \dfrac{1}{2} = 0{,}5.

Für x=0,25x = 0{,}25: f(0,25)=10,25=4f(0{,}25) = \dfrac{1}{0{,}25} = 4.

Für x=3x = -3: f(3)=130,33f(-3) = \dfrac{1}{-3} \approx -0{,}33.

Schritt 3: Trage die Werte in die Tabelle ein.

xx3-31-10,5-0{,}50,50{,}51133
f(x)f(x)0,33-0{,}331-12-222110,330{,}33

Schritt 4: Zeichne die Punkte ein und verbinde sie. Du erhältst eine Hyperbel mit zwei Ästen im 1. und 3. Quadranten.

Beispiel:

Beispiel 2: Funktionswerte bei geradem negativem Exponenten

Abschnitt betitelt „Beispiel 2: Funktionswerte bei geradem negativem Exponenten“

Aufgabe: Berechne f(3)f(-3) und f(3)f(3) für f(x)=x4f(x) = x^{-4} und erkläre dein Ergebnis. Bestimme zusätzlich f(0,5)f(0{,}5).

Lösung:

Schritt 1: Wandle den negativen Exponenten in einen Bruch um.

f(x)=x4=1x4f(x) = x^{-4} = \dfrac{1}{x^4}

Schritt 2: Setze die Werte ein.

Für x=3x = 3:

f(3)=134=1810,0123f(3) = \dfrac{1}{3^4} = \dfrac{1}{81} \approx 0{,}0123

Für x=3x = -3:

f(3)=1(3)4=1810,0123f(-3) = \dfrac{1}{(-3)^4} = \dfrac{1}{81} \approx 0{,}0123

Für x=0,5x = 0{,}5:

f(0,5)=1(0,5)4=10,0625=16f(0{,}5) = \dfrac{1}{(0{,}5)^4} = \dfrac{1}{0{,}0625} = 16

Schritt 3: Interpretiere.

Beide Werte f(3)f(3) und f(3)f(-3) sind identisch. Das liegt daran, dass (3)4=81=34(-3)^4 = 81 = 3^4. Bei geraden Exponenten verschwindet das Minuszeichen. Deshalb ist f(x)=x4f(x) = x^{-4} achsensymmetrisch zur yy-Achse.

Beachte auch: Je näher xx bei null liegt, desto grösser wird f(x)f(x). Bei x=0,5x = 0{,}5 erreicht die Funktion bereits den Wert 16.

Auf dem Weg zu sicheren Lösungen lauern einige Fallstricke. Wenn du sie kennst, sparst du dir viele Punkte in der Prüfung.

Beispiel:

Aufgabe: Weise rechnerisch nach, dass f(x)=x3f(x) = x^{-3} punktsymmetrisch zum Ursprung ist. Zeige dann, dass g(x)=x4g(x) = x^{-4} achsensymmetrisch zur yy-Achse ist.

Lösung für f(x)=x3f(x) = x^{-3}:

Eine Funktion ist punktsymmetrisch zum Ursprung, wenn f(x)=f(x)f(-x) = -f(x) gilt.

Schritt 1: Berechne f(x)f(-x).

f(x)=(x)3=1(x)3=1x3=1x3f(-x) = (-x)^{-3} = \dfrac{1}{(-x)^3} = \dfrac{1}{-x^3} = -\dfrac{1}{x^3}

Schritt 2: Berechne f(x)-f(x).

f(x)=x3=1x3-f(x) = -x^{-3} = -\dfrac{1}{x^3}

Schritt 3: Vergleiche beide Ausdrücke.

f(x)=1x3=f(x)f(-x) = -\dfrac{1}{x^3} = -f(x) \quad \checkmark

Die Bedingung ist erfüllt. Also ist f(x)=x3f(x) = x^{-3} punktsymmetrisch zum Ursprung.

Lösung für g(x)=x4g(x) = x^{-4}:

g(x)=(x)4=1(x)4=1x4=g(x)g(-x) = (-x)^{-4} = \dfrac{1}{(-x)^4} = \dfrac{1}{x^4} = g(x) \quad \checkmark

Also ist g(x)=x4g(x) = x^{-4} achsensymmetrisch zur yy-Achse.

Beispiel:

Aufgabe: Die Beleuchtungsstärke EE einer Punktlichtquelle nimmt mit dem Quadrat der Entfernung rr ab. Es gilt E(r)=kr2E(r) = \dfrac{k}{r^2} mit einer Konstante kk. In 2 Metern Entfernung beträgt die Beleuchtungsstärke 100 Lux. Wie gross ist sie in 4 Metern Entfernung? Wann wird sie nur noch 1 Lux betragen?

Lösung:

Schritt 1: Bestimme die Konstante kk aus dem Anfangswert.

Gegeben: E(2)=100E(2) = 100, also:

100=k22=k4100 = \dfrac{k}{2^2} = \dfrac{k}{4}

Daraus folgt: k=400k = 400.

Schritt 2: Die vollständige Funktion lautet E(r)=400r2=400r2E(r) = \dfrac{400}{r^2} = 400 \cdot r^{-2}.

Schritt 3: Berechne E(4)E(4).

E(4)=40042=40016=25LuxE(4) = \dfrac{400}{4^2} = \dfrac{400}{16} = 25 \, \text{Lux}

Schritt 4: Finde rr, sodass E(r)=1E(r) = 1.

1=400r2r2=400r=20m1 = \dfrac{400}{r^2} \quad \Rightarrow \quad r^2 = 400 \quad \Rightarrow \quad r = 20 \, \text{m}

Antwort: In 4 Metern Entfernung beträgt die Beleuchtungsstärke 25 Lux. Sie hat sich also auf ein Viertel reduziert, obwohl sich die Entfernung nur verdoppelt hat. Erst in 20 Metern Entfernung sinkt sie auf 1 Lux.

Bisher hast du die Grundform f(x)=xnf(x) = x^{-n} kennengelernt. In der Praxis – besonders in der Physik – treten Potenzfunktionen aber oft in einer allgemeineren Form auf. Sie sind gestreckt, gestaucht oder verschoben.

Ein Beispiel: Die Funktion f(x)=2x3+1f(x) = \dfrac{2}{x - 3} + 1 lässt sich als f(x)=2(x3)1+1f(x) = 2 \cdot (x - 3)^{-1} + 1 schreiben. Ihre Asymptoten sind x=3x = 3 (senkrecht) und y=1y = 1 (waagerecht).

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Grenzverhalten. Für sehr grosse xx nähert sich f(x)=xnf(x) = x^{-n} dem Wert null. Für xx-Werte nahe bei null wird f(x)|f(x)| beliebig gross. Das schreibt man mit Grenzwerten so:

limx1xn=0undlimx0+1xn=\lim_{x \to \infty} \dfrac{1}{x^n} = 0 \quad \text{und} \quad \lim_{x \to 0^+} \dfrac{1}{x^n} = \infty

Dieses Verhalten unterscheidet Potenzfunktionen mit negativen Exponenten grundlegend von Polynomfunktionen. Es macht sie perfekt, um physikalische Abstandsgesetze zu modellieren.

Beispiel:

Aufgabe: Gegeben ist die Funktion f(x)=3x21f(x) = \dfrac{3}{x - 2} - 1. Bestimme den Definitionsbereich, die Asymptoten und den yy-Achsenabschnitt. Entscheide, ob der Graph durch den Punkt P(50)P(5 | 0) verläuft.

Lösung:

Schritt 1: Schreibe die Funktion mit negativem Exponenten.

f(x)=3(x2)11f(x) = 3 \cdot (x - 2)^{-1} - 1

Parameter: a=3a = 3, d=2d = 2, c=1c = -1, n=1n = 1.

Schritt 2: Bestimme den Definitionsbereich.

Der Nenner darf nicht null werden: x20x2x - 2 \neq 0 \Rightarrow x \neq 2. Also D=R{2}\mathbb{D} = \mathbb{R} \setminus \{2\}.

Schritt 3: Bestimme die Asymptoten.

  • Senkrechte Asymptote: x=2x = 2.
  • Waagerechte Asymptote: y=1y = -1.

Schritt 4: Berechne den yy-Achsenabschnitt mit x=0x = 0.

f(0)=3021=321=1,51=2,5f(0) = \dfrac{3}{0 - 2} - 1 = \dfrac{3}{-2} - 1 = -1{,}5 - 1 = -2{,}5

Der Graph schneidet die yy-Achse bei (02,5)(0 | -2{,}5).

Schritt 5: Prüfe Punkt P(50)P(5 | 0).

f(5)=3521=331=11=0f(5) = \dfrac{3}{5 - 2} - 1 = \dfrac{3}{3} - 1 = 1 - 1 = 0 \quad \checkmark

PP liegt auf dem Graphen. Gleichzeitig ist x=5x = 5 eine Nullstelle von ff.

Bearbeite die Aufgaben in der angegebenen Reihenfolge. Die Schwierigkeit steigt von Aufgabe 1 bis Aufgabe 10. Die ausführlichen Lösungen findest du am Ende des Artikels.

Aufgabe 1: Schreibe die folgenden Ausdrücke als Bruch ohne negativen Exponenten.

a) x2x^{-2} b) 535^{-3} c) (2y)1(2y)^{-1} d) (14)2\left(\dfrac{1}{4}\right)^{-2}

Aufgabe 2: Berechne f(2)f(2), f(2)f(-2) und f(0,5)f(0{,}5) für f(x)=x3f(x) = x^{-3}.

Aufgabe 3: Gib den Definitionsbereich der folgenden Funktionen an.

a) f(x)=x5f(x) = x^{-5} b) g(x)=1x2g(x) = \dfrac{1}{x^2} c) h(x)=(x4)2h(x) = (x - 4)^{-2}

Aufgabe 4: Erstelle eine Wertetabelle für f(x)=x2f(x) = x^{-2} mit den xx-Werten 4,2,1,0,5,0,5,1,2,4-4, -2, -1, -0{,}5, 0{,}5, 1, 2, 4. Welche Symmetrie erkennst du?

Aufgabe 5: Weise rechnerisch nach, dass f(x)=x5f(x) = x^{-5} punktsymmetrisch zum Ursprung ist.

Aufgabe 6: Eine Funktion hat die Form f(x)=kx2f(x) = \dfrac{k}{x^2}. Der Graph geht durch den Punkt P(34)P(3 | 4). Bestimme kk und berechne f(6)f(6).

Aufgabe 7: Die Lautstärke einer Schallquelle nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab. In 1 Meter Entfernung beträgt sie 80 Dezibel (wobei die physikalische Intensität II sich wie I(r)=I0r2I(r) = \dfrac{I_0}{r^2} verhält, hier vereinfacht gerechnet). In welcher Entfernung hat sich die Intensität auf ein Neuntel verringert?

Aufgabe 8: Bestimme die Asymptoten und den yy-Achsenabschnitt von f(x)=2x+13f(x) = \dfrac{2}{x + 1} - 3.

Aufgabe 9: Für welche xx-Werte gilt x2>4x^{-2} > 4? Gib die Lösungsmenge in Intervallschreibweise an.

Aufgabe 10: Ein Planet bewegt sich nach Newtons Gravitationsgesetz in einem Kraftfeld F(r)=GMmr2F(r) = \dfrac{G \cdot M \cdot m}{r^2}. Erdmasse: M=61024kgM = 6 \cdot 10^{24} \, \text{kg}. Gravitationskonstante: G=6,671011Nm2/kg2G = 6{,}67 \cdot 10^{-11} \, \text{N} \cdot \text{m}^2 / \text{kg}^2. Satellitenmasse: m=500kgm = 500 \, \text{kg}. Berechne die Gravitationskraft auf den Satelliten in einer Höhe von 400 km über der Erdoberfläche. Der Erdradius beträgt 6370 km.

  • Potenzfunktionen mit negativen Exponenten haben die Form f(x)=xn=1xnf(x) = x^{-n} = \dfrac{1}{x^n} und sind für x=0x = 0 nicht definiert.
  • Ungerade negative Exponenten (1,3,5,-1, -3, -5, \ldots) erzeugen punktsymmetrische Graphen (Hyperbeln im 1. und 3. Quadranten).
  • Gerade negative Exponenten (2,4,6,-2, -4, -6, \ldots) erzeugen achsensymmetrische Graphen (Hyperbeln komplett oberhalb der xx-Achse).
  • Beide Koordinatenachsen sind Asymptoten: Der Graph nähert sich ihnen beliebig an, berührt sie aber nie.
  • Die allgemeine Form f(x)=a(xd)n+cf(x) = a \cdot (x - d)^{-n} + c erlaubt Verschiebungen und Streckungen.
  • Typische Anwendungen: Zeit bei fester Strecke, Beleuchtungsstärke, Gravitation und elektrische Felder.
❓ Frage:
Welchen Definitionsbereich hat die Funktion f(x)=x5f(x) = x^{-5}?
Lösung anzeigen

Der Definitionsbereich ist D=R{0}\mathbb{D} = \mathbb{R} \setminus \{0\}, also alle reellen Zahlen ausser Null. Für x=0x = 0 wäre der Nenner in 1x5\dfrac{1}{x^5} null, was nicht erlaubt ist.

❓ Frage:
Ist die Funktion f(x)=x6f(x) = x^{-6} achsensymmetrisch oder punktsymmetrisch? Begründe kurz.
Lösung anzeigen

Die Funktion f(x)=x6f(x) = x^{-6} ist achsensymmetrisch zur yy-Achse. Der Exponent 6-6 ist gerade, also gilt (x)6=x6(-x)^{-6} = x^{-6}, somit f(x)=f(x)f(-x) = f(x) für alle xx im Definitionsbereich.

❓ Frage:
Berechne f(2)f(-2) für f(x)=x3f(x) = x^{-3}.
Lösung anzeigen

f(2)=(2)3=1(2)3=18=18=0,125f(-2) = (-2)^{-3} = \dfrac{1}{(-2)^3} = \dfrac{1}{-8} = -\dfrac{1}{8} = -0{,}125

❓ Frage:
Welche Asymptoten hat die Funktion f(x)=1x5+2f(x) = \dfrac{1}{x - 5} + 2?
Lösung anzeigen

Die senkrechte Asymptote liegt bei x=5x = 5 (dort wird der Nenner null). Die waagerechte Asymptote liegt bei y=2y = 2 (denn für sehr grosse x|x| nähert sich 1x5\dfrac{1}{x - 5} an null an und f(x)f(x) an 22).

❓ Frage:
Die Beleuchtungsstärke sinkt mit E(r)=kr2E(r) = \dfrac{k}{r^2}. Um welchen Faktor ändert sie sich, wenn die Entfernung verdreifacht wird?
Lösung anzeigen

Verdreifachst du die Entfernung, steht im Nenner (3r)2=9r2(3r)^2 = 9r^2. Die Beleuchtungsstärke sinkt also auf ein Neuntel. Faktor: 19\dfrac{1}{9}.

Du hast jetzt Potenzfunktionen mit ganzzahligen negativen Exponenten sicher im Griff. Der nächste logische Schritt führt zu rationalen Exponenten – also Brüchen wie 12\dfrac{1}{2} oder 23\dfrac{2}{3} als Exponenten. Damit kannst du Funktionen wie f(x)=x0,5=xf(x) = x^{0{,}5} = \sqrt{x} beschreiben. Später fasst du alle diese Typen zu einer grossen Familie zusammen: den Potenz- und Wurzelfunktionen. Sie sind das Fundament für Exponential-, Logarithmus- und später sogar Differentialgleichungen in Physik und Wirtschaft.

Aufgabe 1: Wandle die negativen Exponenten in Brüche.

a) x2=1x2x^{-2} = \dfrac{1}{x^2}.

b) 53=153=1125=0,0085^{-3} = \dfrac{1}{5^3} = \dfrac{1}{125} = 0{,}008.

c) (2y)1=12y(2y)^{-1} = \dfrac{1}{2y}.

d) (14)2=1(14)2=1116=16\left(\dfrac{1}{4}\right)^{-2} = \dfrac{1}{\left(\dfrac{1}{4}\right)^2} = \dfrac{1}{\dfrac{1}{16}} = 16. Merke: Ein negativer Exponent dreht den Bruch um.

Aufgabe 2: Für f(x)=x3f(x) = x^{-3} gilt f(x)=1x3f(x) = \dfrac{1}{x^3}.

f(2)=123=18=0,125f(2) = \dfrac{1}{2^3} = \dfrac{1}{8} = 0{,}125.

f(2)=1(2)3=18=18=0,125f(-2) = \dfrac{1}{(-2)^3} = \dfrac{1}{-8} = -\dfrac{1}{8} = -0{,}125.

f(0,5)=1(0,5)3=10,125=8f(0{,}5) = \dfrac{1}{(0{,}5)^3} = \dfrac{1}{0{,}125} = 8.

Aufgabe 3:

a) D=R{0}\mathbb{D} = \mathbb{R} \setminus \{0\}, denn 050^{-5} ist nicht definiert.

b) D=R{0}\mathbb{D} = \mathbb{R} \setminus \{0\}, denn der Nenner x2x^2 darf nicht null sein.

c) D=R{4}\mathbb{D} = \mathbb{R} \setminus \{4\}, denn für x=4x = 4 wird der Nenner (x4)2(x - 4)^2 null.

Aufgabe 4: Wertetabelle für f(x)=1x2f(x) = \dfrac{1}{x^2}.

xx4-42-21-10,5-0{,}50,50{,}5112244
f(x)f(x)0,06250{,}06250,250{,}25114444110,250{,}250,06250{,}0625

Alle Werte sind positiv. Die Spiegelpaare f(4)=f(4)f(-4) = f(4), f(2)=f(2)f(-2) = f(2) usw. zeigen: Der Graph ist achsensymmetrisch zur yy-Achse.

Aufgabe 5: Punktsymmetrie-Nachweis für f(x)=x5f(x) = x^{-5}.

f(x)=(x)5=1(x)5=1x5=1x5=f(x)f(-x) = (-x)^{-5} = \dfrac{1}{(-x)^5} = \dfrac{1}{-x^5} = -\dfrac{1}{x^5} = -f(x) \quad \checkmark

Die Bedingung f(x)=f(x)f(-x) = -f(x) ist erfüllt. Also ist ff punktsymmetrisch zum Ursprung.

Aufgabe 6: Setze den Punkt P(34)P(3 | 4) in f(x)=kx2f(x) = \dfrac{k}{x^2} ein.

4=k32=k9k=364 = \dfrac{k}{3^2} = \dfrac{k}{9} \quad \Rightarrow \quad k = 36

Die Funktion lautet f(x)=36x2f(x) = \dfrac{36}{x^2}. Für x=6x = 6 folgt:

f(6)=3662=3636=1f(6) = \dfrac{36}{6^2} = \dfrac{36}{36} = 1

Aufgabe 7: Ansatz: I(r)=I0r2I(r) = \dfrac{I_0}{r^2}. Gesucht ist rr, sodass I(r)=I09I(r) = \dfrac{I_0}{9}.

I09=I0r2r2=9r=3m\dfrac{I_0}{9} = \dfrac{I_0}{r^2} \quad \Rightarrow \quad r^2 = 9 \quad \Rightarrow \quad r = 3 \, \text{m}

In 3 Metern Entfernung hat sich die Schallintensität auf ein Neuntel reduziert.

Aufgabe 8: Die Funktion f(x)=2x+13f(x) = \dfrac{2}{x + 1} - 3 hat die allgemeine Form a(xd)1+ca \cdot (x - d)^{-1} + c mit a=2a = 2, d=1d = -1, c=3c = -3.

Senkrechte Asymptote: x=1x = -1.

Waagerechte Asymptote: y=3y = -3.

yy-Achsenabschnitt (x=0x = 0): f(0)=20+13=23=1f(0) = \dfrac{2}{0 + 1} - 3 = 2 - 3 = -1. Schnittpunkt: (01)(0 | -1).

Aufgabe 9: Löse x2>4x^{-2} > 4, also 1x2>4\dfrac{1}{x^2} > 4.

Da x2>0x^2 > 0 immer gilt, darfst du beide Seiten mit x2x^2 multiplizieren, ohne das Ungleichheitszeichen zu drehen:

1>4x2x2<14x<121 > 4x^2 \quad \Rightarrow \quad x^2 < \dfrac{1}{4} \quad \Rightarrow \quad |x| < \dfrac{1}{2}

Vergiss nicht: x=0x = 0 ist nicht im Definitionsbereich.

Lösungsmenge: L=]12;0[]0;12[\mathbb{L} = \left]-\dfrac{1}{2}; 0\right[ \cup \left]0; \dfrac{1}{2}\right[.

Aufgabe 10: Gesamtabstand vom Erdmittelpunkt: r=6370+400=6770km=6,77106mr = 6370 + 400 = 6770 \, \text{km} = 6{,}77 \cdot 10^6 \, \text{m}.

F=GMmr2=6,67101161024500(6,77106)2F = \dfrac{G \cdot M \cdot m}{r^2} = \dfrac{6{,}67 \cdot 10^{-11} \cdot 6 \cdot 10^{24} \cdot 500}{(6{,}77 \cdot 10^6)^2}

Zähler berechnen: 6,676500=200106{,}67 \cdot 6 \cdot 500 = 20\,010, also 2,0011042{,}001 \cdot 10^4. Mit den Zehnerpotenzen: 2,00110410111024=2,00110172{,}001 \cdot 10^4 \cdot 10^{-11} \cdot 10^{24} = 2{,}001 \cdot 10^{17}.

Nenner: (6,77)245,83(6{,}77)^2 \approx 45{,}83, also 45,8310124,583101345{,}83 \cdot 10^{12} \approx 4{,}583 \cdot 10^{13}.

F2,00110174,58310130,4371044366NF \approx \dfrac{2{,}001 \cdot 10^{17}}{4{,}583 \cdot 10^{13}} \approx 0{,}437 \cdot 10^4 \approx 4366 \, \text{N}

Auf den Satelliten wirkt eine Gravitationskraft von etwa 4366 Newton. Das entspricht dem Gewicht von rund 445 Kilogramm auf der Erdoberfläche. Der Satellit spürt also noch fast die volle Erdanziehung – er “fällt” permanent auf die Erde zu und verfehlt sie nur, weil er seitlich schnell genug fliegt.

Quellen