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Kombinatorik

Die zentrale Idee der Kombinatorik ist das Zählprinzip: Wenn ein Vorgang aus mehreren unabhängigen Schritten besteht, multiplizieren sich die Möglichkeiten. Bei einer PIN aus 44 Ziffern (00 bis 99) hast du 10101010=104=1000010 \cdot 10 \cdot 10 \cdot 10 = 10^4 = 10\,000 Möglichkeiten.

Daraus ergeben sich die vier wichtigen Grundsituationen — unterschieden danach, ob (a) die Reihenfolge zählt und ob (b) Zurücklegen erlaubt ist:

  • Mit Reihenfolge, mit Zurücklegen — PINs, Kennzeichen: nkn^k Möglichkeiten.
  • Mit Reihenfolge, ohne Zurücklegen — Anordnung von Personen, Medaillenränge: n(n1)(nk+1)=n!(nk)!n \cdot (n-1) \cdots (n-k+1) = \tfrac{n!}{(n-k)!}.
  • Ohne Reihenfolge, ohne Zurücklegen (“mit einem Griff” / Lotto): (nk)=n!k!(nk)!\binom{n}{k} = \tfrac{n!}{k!(n-k)!}.
  • Ohne Reihenfolge, mit Zurücklegen — seltener Fall, in der Schule meist nur erwähnt.

Der Binomialkoeffizient (nk)\binom{n}{k} — gelesen ”nn über kk” — ist das Herzstück des Kapitels und erscheint später auch bei der Binomialverteilung. Er zählt, auf wie viele Arten du kk Objekte aus nn Objekten auswählen kannst, ohne auf die Reihenfolge zu achten.

Der Fakultätsbegriff n!=123nn! = 1 \cdot 2 \cdot 3 \cdots n liefert die Anzahl aller Permutationen von nn verschiedenen Objekten. 0!0! ist per Definition 11 — eine Konvention, die viele Formeln sauber macht.

Für dieses Kapitel brauchst du:

Drei Lektionen, die die vier Standardfälle sauber voneinander trennen:

  1. Anzahlen bestimmen — das Multiplikationsprinzip, Permutationen ohne Wiederholung, Fakultät.
  2. Ziehen mit und ohne Zurücklegen — die beiden klassischen Urnenmodelle: nkn^k bei “mit”, n(n1)n \cdot (n-1) \cdots bei “ohne”.
  3. Ziehen mit einem Griff — der Binomialkoeffizient (nk)\binom{n}{k}. Standard für Lotto, Kartenhände, Auswahlkombinationen.

Eine wichtige Technik in allen Lektionen: Bevor du rechnest, identifiziere den Fall: “Zählt die Reihenfolge? Wird zurückgelegt?” Diese zwei Fragen bestimmen die Formel.

  • Permutation — Anordnung von nn verschiedenen Objekten: n!n! Möglichkeiten.
  • Fakultätn!=12nn! = 1 \cdot 2 \cdots n; 0!=10! = 1.
  • Variation — Anordnung von kk aus nn: n!(nk)!\tfrac{n!}{(n-k)!}.
  • Kombination — Auswahl von kk aus nn ohne Reihenfolge: (nk)\binom{n}{k}.
  • Binomialkoeffizient ((nk)\binom{n}{k}) — ”nn über kk”. (nk)=n!k!(nk)!\binom{n}{k} = \tfrac{n!}{k!(n-k)!}.
  • Zählprinzip — bei unabhängigen Schritten multiplizieren sich die Möglichkeiten.
  1. (nk)=(kn)\binom{n}{k} = \binom{k}{n}.” Nur in Sonderfällen. Richtig ist die Symmetrie (nk)=(nnk)\binom{n}{k} = \binom{n}{n-k}. Aus 88 Personen 33 auswählen ist dasselbe wie 55 “übrig lassen”: (83)=(85)=56\binom{8}{3} = \binom{8}{5} = 56.
  2. “Lotto ’66 aus 4545’ hat 45645^6 Möglichkeiten.” Nein — das wäre “mit Reihenfolge, mit Zurücklegen”. Beim Lotto werden ohne Zurücklegen gezogen und die Reihenfolge spielt keine Rolle. Also (456)8,1\binom{45}{6} \approx 8{,}1 Millionen.
  3. “Zwei Einsen unterscheiden sich in einer Ziffernfolge nicht.” Bei Buchstaben mit Wiederholung (etwa im Wort MATHEMATIK\text{MATHEMATIK}) musst du durch die Fakultät der identischen Buchstaben teilen. Ohne diese Korrektur zählst du zu viel.

Kombinatorik gehört zu MA.3 – Grössen, Funktionen, Daten, 3. Zyklus:

  • MA.3.D.3 – Anzahlen kombinatorisch bestimmen (Produktregel, Permutation, Kombination).
  • MA.3.B.4 – Kombinatorische Argumente zur Begründung von Wahrscheinlichkeiten einsetzen.

Das Zählprinzip und einfache Permutationen gelten als Grundanspruch im 3. Zyklus. Binomialkoeffizient und anspruchsvollere Urnenmodelle gehören zur Erweiterung und werden im Gymnasium mit der Binomialverteilung verbunden.

Quellen