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Reelle Zahlen

Bisher hast du drei Zahlenmengen kennengelernt:

  • Natürliche Zahlen N={0,1,2,3,}\mathbb{N} = \{0, 1, 2, 3, \ldots\}
  • Ganze Zahlen Z={,2,1,0,1,2,}\mathbb{Z} = \{\ldots, -2, -1, 0, 1, 2, \ldots\}
  • Rationale Zahlen Q\mathbb{Q} — alle Zahlen, die sich als Bruch ab\tfrac{a}{b} (b0b \neq 0) schreiben lassen. Dazu gehören auch alle endlichen und periodischen Dezimalzahlen.

Die rationale Welt scheint vollständig zu sein — bis man die Gleichung x2=2x^2 = 2 betrachtet. Die Lösung ist x=2x = \sqrt{2}, und man kann beweisen, dass sich 2\sqrt{2} nicht als Bruch schreiben lässt. 2\sqrt{2} ist irrational. Das gilt auch für 3\sqrt{3}, 5\sqrt{5}, die Kreiszahl π\pi und die eulersche Zahl e\mathrm{e}.

Die Vereinigung der rationalen und irrationalen Zahlen nennen wir reelle Zahlen R\mathbb{R}. Sie füllen die Zahlengerade ohne Lücken. Damit hast du ab jetzt eine Zahlenmenge, in der du fast alles rechnen kannst — nur Wurzeln aus negativen Zahlen bleiben in den reellen Zahlen undefiniert.

Für dieses Kapitel reichen solide Grundlagen aus der 5./6. Klasse:

  • sicheres Rechnen mit Brüchen und Dezimalzahlen,
  • Potenzen und Quadratzahlen (1,4,9,16,25,36,1, 4, 9, 16, 25, 36, \ldots solltest du auswendig kennen),
  • Grundkenntnisse aus Terme und Gleichungen für das Umformen von Wurzeltermen.

Vier Lektionen, die den Zahlenraum Schritt für Schritt erweitern:

  1. Quadratwurzeln — was a\sqrt{a} bedeutet: die nicht-negative Zahl, deren Quadrat aa ergibt. Du lernst, Wurzeln von Quadratzahlen im Kopf zu bestimmen und Wurzeln anderer Zahlen zu schätzen.
  2. Wurzeln und irrationale Zahlen — warum 2\sqrt{2} nicht als Bruch schreibbar ist (mit Beweisidee), und welche Zahlen noch irrational sind.
  3. Rechenregeln für Quadratwurzelnab=ab\sqrt{a \cdot b} = \sqrt{a} \cdot \sqrt{b}, ab=ab\sqrt{\tfrac{a}{b}} = \tfrac{\sqrt{a}}{\sqrt{b}}, und die wichtige Nicht-Regel: a+ba+b\sqrt{a + b} \neq \sqrt{a} + \sqrt{b}.
  4. Reelle Zahlen — die formale Definition, die Beziehung zwischen NZQR\mathbb{N} \subset \mathbb{Z} \subset \mathbb{Q} \subset \mathbb{R} und was sich an der Zahlengeraden verändert.
  • Quadratwurzel (a\sqrt{a}) — die nicht-negative Zahl, deren Quadrat aa ist. Nur für a0a \ge 0 definiert.
  • Radikand — die Zahl unter der Wurzel. Bei 9\sqrt{9} ist 99 der Radikand.
  • Rationale Zahl — lässt sich als Bruch ab\tfrac{a}{b} schreiben (endliche oder periodische Dezimalzahl).
  • Irrationale Zahl — lässt sich nicht als Bruch schreiben (nicht endende, nicht periodische Dezimalzahl). Beispiele: 2\sqrt{2}, π\pi, e\mathrm{e}.
  • Reelle Zahlen (R\mathbb{R}) — alle rationalen und irrationalen Zahlen zusammen.
  1. 16=±4\sqrt{16} = \pm 4.” Nein. 16\sqrt{16} ist per Definition die nicht-negative Lösung, also 44. Die Gleichung x2=16x^2 = 16 hat zwar zwei Lösungen ±4\pm 4, aber 16\sqrt{16} als Zahl meint nur die positive.
  2. a+b=a+b\sqrt{a + b} = \sqrt{a} + \sqrt{b}.” Falsch — und ein Klassiker. Probe: 9+16=25=5\sqrt{9 + 16} = \sqrt{25} = 5, aber 9+16=3+4=7\sqrt{9} + \sqrt{16} = 3 + 4 = 7. 575 \neq 7. Die Wurzel verteilt sich nicht auf Summanden.
  3. 2\sqrt{2} ist ungefähr 1,411{,}41, also ist 2\sqrt{2} rational.” 1,411{,}41 ist eine Näherung, keine exakte Darstellung. Die Dezimaldarstellung von 2\sqrt{2} ist unendlich und nicht periodisch — deshalb bleibt 2\sqrt{2} irrational.

Reelle Zahlen gehören zu MA.1 – Zahl und Variable, 3. Zyklus:

  • MA.1.A.7 – Quadratwurzeln berechnen, mit ihnen rechnen und schätzen.
  • MA.1.A.8 – Rationale und irrationale Zahlen unterscheiden; den Zahlenbegriff zu R\mathbb{R} erweitern.
  • MA.1.B.2 – Eigenschaften von Zahlenmengen begründen (z. B. die Irrationalität von 2\sqrt{2}).

Das Arbeiten mit Quadratwurzeln und das Erkennen irrationaler Zahlen gelten als Grundanspruch für den 3. Zyklus. Formale Beweise (etwa der Irrationalität von 2\sqrt{2}) gehören zur Erweiterung.

Quellen