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Kongruenz und Schnittfiguren einfach erklärt: So erkennst du deckungsgleiche Formen

Weiterführend:

Lehrplan 21Zyklus 3 (7.–9. Klasse) · 7Kompetenzen
  • MA.2.A.3.jGrundanspruchStrecken, Flächen und Volumen an Pyramiden, Kegeln und Kugeln berechnen; Winkel aufgrund von Winkelsummen, Satz von Thales, Ähnlichkeit und Kongruenz bestimmen
  • MA.2.B.1.iGrundanspruchComputer zur Erforschung geometrischer Beziehungen nutzen (z.B. Umkreismittelpunkt bei verschiedenen Dreiecken)
  • MA.2.C.3.gGrundanspruchKörper in der Vorstellung verändern und Ergebnisse beschreiben (z.B. Ecken eines Würfels abschleifen); Operationen im Kopf ausführen und Ergebnisse skizzieren
  • MA.2.A.3.iUmfang und Flächeninhalt von Kreisen; Kantenlängen, Flächen und Volumen an geraden Prismen und Zylindern; Volumen beliebiger Körper schätzen
  • MA.2.A.3.kÄhnlichkeiten erkennen; bei ähnlichen Figuren und Körpern Längen, Flächeninhalte und Volumen berechnen
  • MA.2.B.1.hBeim Erforschen geometrischer Beziehungen Vermutungen formulieren, überprüfen und allenfalls neue formulieren; auf Forschungsaufgaben einlassen
  • MA.2.C.3.h

Quelle: Aargauer Lehrplan Volksschule, Fachbereich Mathematik (August 2022)

Die Idee der Deckungsgleichheit ist uralt. Schon die ägyptischen Baumeister vor über 4000 Jahren mussten sicherstellen, dass ihre Pyramidensteine exakt zusammenpassten. Sie benutzten Seile mit Knoten in festen Abständen. Diese frühen Werkzeuge nutzten bereits unbewusst das Prinzip, dass drei gleiche Seiten ein einzigartiges Dreieck festlegen.

Den entscheidenden Schritt machte der griechische Mathematiker Euklid um 300 v. Chr. In seinem berühmten Werk „Die Elemente” formulierte er im ersten Buch die ersten Kongruenzsätze. Proposition 4 beschreibt den SWS-Satz. Proposition 8 behandelt den SSS-Satz. Euklid bewies diese Sätze durch geschicktes „Aufeinanderlegen” der Figuren – eine Methode, die wir heute noch verwenden.

Interessant ist, dass Euklid selbst mit diesen Beweisen nicht zufrieden war. Das Aufeinanderlegen schien ihm intuitiv, aber nicht streng mathematisch. Über 2000 Jahre später, 1899, gab David Hilbert in seinen „Grundlagen der Geometrie” der Kongruenz ein modernes axiomatisches Fundament. Kongruenz wurde zu einer Grundbeziehung, die nicht mehr hergeleitet, sondern als Axiom gesetzt wurde.

Die Schnittmengenlehre, aus der unser Begriff der Schnittfigur stammt, ist deutlich jünger. Sie wurde im 19. Jahrhundert von Georg Cantor entwickelt. Das Symbol \cap für den Durchschnitt führte der italienische Mathematiker Giuseppe Peano 1888 ein. Heute verbinden wir beide Ideen: Wenn sich zwei kongruente Figuren schneiden, entsteht eine Schnittfigur mit oft überraschend schönen Symmetrieeigenschaften. Diese Verbindung nutzen Ornamentkünstler, Architekten und sogar Informatiker in der Computergrafik.

Kehren wir zu den Plätzchen zurück. Der Ausstecher ist eine Schablone. Jedes Plätzchen ist eine Kopie dieser Schablone. In der Geometrie funktioniert das genauso: Zwei kongruente Figuren sind wie Kopien voneinander.

Zwei Figuren sind kongruent, wenn du sie durch Verschieben, Drehen oder Spiegeln zur Deckung bringen kannst. Die Form bleibt gleich. Nur Position oder Ausrichtung ändern sich.

Das Zeichen \cong liest du als „ist kongruent zu”. Für Dreieck ABCABC kongruent zu Dreieck DEFDEF schreibst du:

ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF

Die Reihenfolge der Buchstaben zeigt, welche Ecken einander entsprechen:

EckeentsprichtSeiteentspricht
ADA \leftrightarrow DABDE\overline{AB} \leftrightarrow \overline{DE}
BEB \leftrightarrow EBCEF\overline{BC} \leftrightarrow \overline{EF}
CFC \leftrightarrow FCAFD\overline{CA} \leftrightarrow \overline{FD}

Kongruente Figuren haben immer auch den gleichen Flächeninhalt und den gleichen Umfang. Die Umkehrung gilt aber nicht: Ein Quadrat und ein Kreis können denselben Flächeninhalt haben – kongruent sind sie nicht.

Wie beweist du, dass zwei Dreiecke kongruent sind? Musst du alle sechs Stücke prüfen? Nein. Bestimmte Kombinationen von drei Stücken genügen bereits.

Der eingeschlossene Winkel ist der Winkel zwischen zwei bestimmten Seiten.

Die Schnittfigur kommt ins Spiel, wenn sich zwei Figuren überlappen. Der gemeinsame Bereich heisst Schnittfigur.

Je nach Figuren entstehen unterschiedliche Schnittfiguren:

AusgangsfigurenMögliche Schnittfigur
Zwei KreiseLinse, Punkt, leere Menge
Kreis und GeradeSehne, Tangentialpunkt, leere Menge
Zwei RechteckeRechteck, Strecke, Punkt, leere Menge
Zwei Dreiecke3-bis 6-Eck, Strecke, Punkt, leere Menge
Beispiel:

Aufgabe: Zeige, dass die Dreiecke ABCABC und DEFDEF kongruent sind:

  • AB=5cm\overline{AB} = 5 \, \text{cm}, BC=7cm\overline{BC} = 7 \, \text{cm}, CA=6cm\overline{CA} = 6 \, \text{cm}
  • DE=5cm\overline{DE} = 5 \, \text{cm}, EF=7cm\overline{EF} = 7 \, \text{cm}, FD=6cm\overline{FD} = 6 \, \text{cm}

Lösung:

Wir vergleichen die entsprechenden Seiten:

AB=DE=5cm\overline{AB} = \overline{DE} = 5 \, \text{cm}

BC=EF=7cm\overline{BC} = \overline{EF} = 7 \, \text{cm}

CA=FD=6cm\overline{CA} = \overline{FD} = 6 \, \text{cm}

Alle drei Seitenpaare stimmen überein. Nach dem SSS-Satz gilt:

ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF

Beispiel:

Beispiel 2: Schnittfigur zweier Quadrate bestimmen

Abschnitt betitelt „Beispiel 2: Schnittfigur zweier Quadrate bestimmen“

Aufgabe: Zwei kongruente Quadrate mit Seitenlänge 4cm4 \, \text{cm} überlappen sich. Das zweite Quadrat ist um 1cm1 \, \text{cm} nach rechts und 1cm1 \, \text{cm} nach oben verschoben. Bestimme Form und Flächeninhalt der Schnittfigur.

Lösung:

Schritt 1: Die Ausgangssituation skizzieren.

Das erste Quadrat hat die Ecken (0,0)(0,0), (4,0)(4,0), (4,4)(4,4), (0,4)(0,4).

Das zweite Quadrat hat die Ecken (1,1)(1,1), (5,1)(5,1), (5,5)(5,5), (1,5)(1,5).

Schritt 2: Den Überlappungsbereich bestimmen.

Horizontal überlappen beide Quadrate von x=1x=1 bis x=4x=4. Das ergibt eine Breite von 3cm3 \, \text{cm}.

Vertikal überlappen sie von y=1y=1 bis y=4y=4. Das ergibt eine Höhe von 3cm3 \, \text{cm}.

Schritt 3: Fläche berechnen.

Die Schnittfigur ist ein Quadrat mit Seitenlänge 3cm3 \, \text{cm}:

A=3cm3cm=9cm2A = 3 \, \text{cm} \cdot 3 \, \text{cm} = 9 \, \text{cm}^2

Die Schnittfigur ist also ein Quadrat mit dem Flächeninhalt 9cm29 \, \text{cm}^2.

Beispiel:

Aufgabe: Welcher Kongruenzsatz passt? Zwei Dreiecke haben jeweils:

  • Seite a=8cma = 8 \, \text{cm}
  • Seite b=6cmb = 6 \, \text{cm}
  • Winkel γ=45°\gamma = 45°

Lösung:

Schritt 1: Die Lage des Winkels prüfen.

Der Winkel γ\gamma liegt bei Ecke CC. Dort treffen die Seiten aa und bb aufeinander.

Schritt 2: Typ bestimmen.

Der Winkel liegt also zwischen den beiden bekannten Seiten. Es handelt sich um den eingeschlossenen Winkel.

Schritt 3: Kongruenzsatz nennen.

Zwei Seiten und der eingeschlossene Winkel – das ist der SWS-Satz.

Da beide Dreiecke die gleichen Masse haben, sind sie nach SWS kongruent:

12\triangle_1 \cong \triangle_2

Wichtig: Läge der Winkel einer der beiden Seiten gegenüber, wäre der SWS-Satz nicht anwendbar. Dann müsstest du den SsW-Satz verwenden – unter der Bedingung, dass er der längeren Seite gegenüberliegt.

Beispiel:

Beispiel 4: Kongruente Dreiecke in einer Schnittfigur finden

Abschnitt betitelt „Beispiel 4: Kongruente Dreiecke in einer Schnittfigur finden“

Aufgabe: Zwei Geraden gg und hh schneiden sich im Punkt SS. Eine dritte Gerade ff schneidet gg in PP und hh in QQ, wobei SP=SQ\overline{SP} = \overline{SQ} gilt. Zeige, dass auf der Gegenseite von SS ein kongruentes Dreieck entsteht.

Lösung:

Schritt 1: Winkel bei SS analysieren.

Zwei sich schneidende Geraden erzeugen vier Winkel. Gegenüberliegende Winkel sind Scheitelwinkel und gleich gross.

Schritt 2: Spiegelpunkte wählen.

Auf der anderen Seite von SS wählst du PP' auf gg und QQ' auf hh mit SP=SP\overline{SP'} = \overline{SP} und SQ=SQ\overline{SQ'} = \overline{SQ}.

Schritt 3: Kongruenz nach SWS nachweisen.

In den Dreiecken SPQSPQ und SPQSP'Q' gilt:

SP=SP,SQ=SQ\overline{SP} = \overline{SP'}, \quad \overline{SQ} = \overline{SQ'}

Der Winkel PSQ\angle PSQ und PSQ\angle P'SQ' sind Scheitelwinkel und damit gleich. Nach SWS sind die Dreiecke kongruent:

SPQSPQ\triangle SPQ \cong \triangle SP'Q'

Die Schnittfigur aus beiden Dreiecken besitzt also eine punktsymmetrische Struktur bezüglich SS.

Schnittfiguren werden besonders spannend, wenn die Ausgangsfiguren selbst kongruent sind. Dann treten oft Symmetrien auf, die du zum Beweisen nutzen kannst.

Legst du zwei kongruente Kreise mit Radius rr so übereinander, dass jeder Mittelpunkt auf dem Rand des anderen Kreises liegt, entsteht die sogenannte Vesica Piscis. Diese linsenförmige Schnittfigur ist das Lieblingsmotiv der gotischen Architektur. Sie taucht in Kirchenfenstern auf und in alten mathematischen Manuskripten.

Auch die Winkelbeziehungen an Parallelen spielen eine wichtige Rolle. Schneidet eine Gerade zwei parallele Geraden, gilt:

  • Stufenwinkel sind gleich gross.
  • Wechselwinkel sind gleich gross.
  • Nebenwinkel ergänzen sich zu 180°180°.

Mit diesen Winkelbeziehungen beweist du, dass Dreiecke in einer Schnittfigur kongruent sind. Das Prinzip steckt hinter vielen Beweisen in der Schulmathematik.

Eine besondere Eigenschaft: Wenn zwei kongruente Figuren punktsymmetrisch zueinander liegen und sich überlappen, ist die Schnittfigur selbst punktsymmetrisch. Diese Beobachtung hilft bei Konstruktionsaufgaben. Du kannst sie als Arbeitshypothese nutzen und dann mit einem Kongruenzsatz beweisen.

Beispiel:

Aufgabe: Zwei Kreise mit Radius r=6cmr = 6 \, \text{cm} haben ihre Mittelpunkte M1M_1 und M2M_2 genau 6cm6 \, \text{cm} voneinander entfernt. Bestimme die Länge der Strecke zwischen den beiden Schnittpunkten der Kreise.

Lösung:

Schritt 1: Die Schnittpunkte heissen S1S_1 und S2S_2.

Da beide Punkte auf Kreis 1 liegen, gilt M1S1=M1S2=6cm\overline{M_1 S_1} = \overline{M_1 S_2} = 6 \, \text{cm}. Analog folgt M2S1=M2S2=6cm\overline{M_2 S_1} = \overline{M_2 S_2} = 6 \, \text{cm}.

Schritt 2: Gleichseitige Dreiecke erkennen.

Das Dreieck M1M2S1M_1 M_2 S_1 hat drei Seiten der Länge 6cm6 \, \text{cm}. Es ist gleichseitig. Jeder Winkel beträgt 60°60°.

Schritt 3: Höhe berechnen.

Die Verbindungsstrecke M1M2\overline{M_1 M_2} ist die Symmetrieachse. Der Abstand von S1S_1 zu dieser Achse ist die Höhe des gleichseitigen Dreiecks:

h=326cm=33cmh = \dfrac{\sqrt{3}}{2} \cdot 6 \, \text{cm} = 3\sqrt{3} \, \text{cm}

Schritt 4: Gesamtstrecke ermitteln.

Die Schnittpunkte S1S_1 und S2S_2 liegen symmetrisch zur Achse. Ihr Abstand beträgt also das Doppelte:

S1S2=233cm=63cm10,39cm\overline{S_1 S_2} = 2 \cdot 3\sqrt{3} \, \text{cm} = 6\sqrt{3} \, \text{cm} \approx 10{,}39 \, \text{cm}

Die beiden Schnittpunkte liegen rund 10,39cm10{,}39 \, \text{cm} voneinander entfernt.

  1. Beschreibe in eigenen Worten, was Kongruenz bedeutet. Nenne zwei Abbildungen, die Kongruenz erhalten.
  2. Die Dreiecke ABCABC und PQRPQR haben alle drei Seiten paarweise gleich lang. Welcher Kongruenzsatz greift?
  3. Zwei Dreiecke stimmen in zwei Seiten und dem eingeschlossenen Winkel überein. Sind sie kongruent? Begründe.
  4. Zeichne ein Dreieck mit a=5cma = 5 \, \text{cm}, b=7cmb = 7 \, \text{cm} und γ=60°\gamma = 60°. Konstruiere ein zweites kongruentes Dreieck an anderer Stelle des Blattes.
  5. Zwei Rechtecke mit den Seitenlängen 4cm×3cm4 \, \text{cm} \times 3 \, \text{cm} werden so übereinandergelegt, dass sich die Überlappung auf 2cm×3cm2 \, \text{cm} \times 3 \, \text{cm} beläuft. Berechne die Fläche der Schnittfigur.
  6. Zwei Kreise mit Radius r=5cmr = 5 \, \text{cm} haben ihre Mittelpunkte 12cm12 \, \text{cm} voneinander entfernt. Wie sieht die Schnittfigur aus?
  7. Ein Dreieck ABCABC hat die Winkel α=50°\alpha = 50°, β=70°\beta = 70° und die Seite c=8cmc = 8 \, \text{cm}. Ein Dreieck DEFDEF hat δ=50°\delta = 50°, ε=70°\varepsilon = 70° und f=8cmf = 8 \, \text{cm}. Sind die Dreiecke kongruent? Welcher Satz greift?
  8. Zwei kongruente gleichseitige Dreiecke mit Seitenlänge 4cm4 \, \text{cm} werden so übereinandergelegt, dass das zweite Dreieck um 180°180° gedreht ist und der Mittelpunkt beider Dreiecke zusammenfällt. Beschreibe die Schnittfigur.
  9. Zeige mit dem SWS-Satz, dass die Diagonalen eines Quadrats kongruente Dreiecke erzeugen.
  10. Zwei kongruente Kreise mit Radius r=4cmr = 4 \, \text{cm} bilden eine Vesica Piscis. Berechne den Flächeninhalt der Schnittfigur. (Hinweis: Zwei Kreissegmente; pro Segment gilt A=r22(αsinα)A = \dfrac{r^2}{2}\cdot(\alpha - \sin\alpha) mit α\alpha im Bogenmass.)
  • Kongruenz bedeutet Deckungsgleichheit. Zwei Figuren sind kongruent (\cong), wenn sie durch Verschieben, Drehen oder Spiegeln zur Deckung kommen.
  • Die vier Kongruenzsätze (SSS, SWS, WSW, SsW) beweisen Kongruenz mit nur drei passenden Angaben.
  • Die Schnittfigur zweier Figuren ist die Menge der Punkte, die zu beiden gehören. Sie wird mit ABA \cap B bezeichnet.
  • Bei der Notation ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF entsprechen sich die Ecken in genau dieser Reihenfolge.
  • Kongruente Figuren erzeugen oft symmetrische Schnittfiguren – ein häufig genutztes Werkzeug in Beweisen.
❓ Frage:
Welcher Kongruenzsatz gilt, wenn zwei Dreiecke in allen drei Seitenlängen übereinstimmen?
Lösung anzeigen

Der SSS-Satz (Seite-Seite-Seite). Wenn alle drei Seiten eines Dreiecks genauso lang sind wie die drei entsprechenden Seiten eines anderen Dreiecks, sind die Dreiecke kongruent.

❓ Frage:
Ein Dreieck ABCABC hat die Seiten AB=5cm\overline{AB} = 5 \, \text{cm}, BC=8cm\overline{BC} = 8 \, \text{cm} und den Winkel ABC=60°\angle ABC = 60°. Ein zweites Dreieck DEFDEF hat DE=5cm\overline{DE} = 5 \, \text{cm}, EF=8cm\overline{EF} = 8 \, \text{cm} und DEF=60°\angle DEF = 60°. Sind die Dreiecke kongruent?
Lösung anzeigen

Ja, die Dreiecke sind kongruent nach dem SWS-Satz. Der Winkel ABC\angle ABC liegt bei Ecke BB, also zwischen AB\overline{AB} und BC\overline{BC}. Es handelt sich um den eingeschlossenen Winkel. Ebenso liegt DEF\angle DEF zwischen DE\overline{DE} und EF\overline{EF}. Zwei Seiten und der eingeschlossene Winkel stimmen überein. Damit gilt: ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF.

❓ Frage:
Zwei Kreise mit Radius r=3cmr = 3 \, \text{cm} haben ihre Mittelpunkte 4cm4 \, \text{cm} voneinander entfernt. Beschreibe die Schnittfigur.
Lösung anzeigen

Die Schnittfigur ist eine Linse. Der Mittelpunktabstand (4cm4 \, \text{cm}) ist kleiner als die Summe der Radien (6cm6 \, \text{cm}) und grösser als deren Differenz (0cm0 \, \text{cm}). Die Kreise überlappen sich also teilweise. Die Schnittfigur wird von zwei Kreisbögen begrenzt und hat zwei Spitzen an den Kreisschnittpunkten.

❓ Frage:
Was ist der Unterschied zwischen Kongruenz und Ähnlichkeit?
Lösung anzeigen

Kongruenz erfordert gleiche Form und gleiche Grösse. Ähnlichkeit erfordert nur gleiche Form, die Grösse darf unterschiedlich sein. Jede Kongruenz ist automatisch auch eine Ähnlichkeit, aber nicht jede Ähnlichkeit ist eine Kongruenz. Ein kleines und ein grosses Quadrat sind ähnlich, aber nicht kongruent.

❓ Frage:
Zwei kongruente Quadrate mit Seitenlänge 6cm6 \, \text{cm} überlappen sich vollständig, sind aber um 45°45° gegeneinander gedreht (gleicher Mittelpunkt). Welche Form hat ihre Schnittfigur?
Lösung anzeigen

Die Schnittfigur ist ein regelmässiges Achteck. Die acht Seiten entstehen dort, wo die Kanten der beiden Quadrate sich paarweise schneiden. Durch die Drehung um 45°45° und den gemeinsamen Mittelpunkt ist die Schnittfigur zusätzlich symmetrisch: Sie besitzt acht Symmetrieachsen und eine Drehsymmetrie um 45°45°.

Du weisst jetzt, wann zwei Figuren kongruent sind und wie du Schnittfiguren bestimmst. Als Nächstes wirst du dich mit Ähnlichkeit beschäftigen. Während kongruente Figuren exakt gleich gross sind, haben ähnliche Figuren nur dieselbe Form. Die Ähnlichkeit ist das Werkzeug für masstabsgetreue Vergrösserungen. Du lernst den Strahlensatz kennen und nutzt ihn, um Baumhöhen oder Flussbreiten zu berechnen. Die Kongruenz bleibt dabei immer deine Basis.

Aufgabe 1: Kongruenz bedeutet Deckungsgleichheit. Zwei Figuren sind kongruent, wenn sie durch Bewegungen zur Deckung gebracht werden können. Kongruenzerhaltende Abbildungen sind: Verschiebung (Translation), Drehung (Rotation) und Spiegelung. Jede Verkettung dieser Abbildungen erhält ebenfalls die Kongruenz. Eine Streckung mit Faktor k1k \neq 1 ist keine Kongruenzabbildung.

Aufgabe 2: Es greift der SSS-Satz (Seite-Seite-Seite). Wenn alle drei Seiten paarweise gleich lang sind, gilt: ABCPQR\triangle ABC \cong \triangle PQR.

Aufgabe 3: Ja, die Dreiecke sind kongruent. Der SWS-Satz (Seite-Winkel-Seite) greift. Wichtig ist, dass der Winkel zwischen den beiden Seiten liegt (eingeschlossener Winkel). Läge er einer der Seiten gegenüber, wäre die Eindeutigkeit nicht garantiert.

Aufgabe 4: Zeichnen: Seite aa mit 5cm5 \, \text{cm} zeichnen. An einem Ende einen Winkel von 60°60° abtragen. Von diesem Scheitelpunkt aus auf dem Winkelschenkel 7cm7 \, \text{cm} abtragen – das ist die Seite bb. Die fehlende Seite cc verbindet die beiden offenen Endpunkte. Das zweite Dreieck konstruierst du an einer anderen Stelle mit exakt denselben Massen. Nach dem SWS-Satz sind beide Dreiecke kongruent.

Aufgabe 5: Die Schnittfigur ist ein Rechteck mit den Seitenlängen 2cm2 \, \text{cm} und 3cm3 \, \text{cm}. Der Flächeninhalt beträgt:

A=2cm3cm=6cm2A = 2 \, \text{cm} \cdot 3 \, \text{cm} = 6 \, \text{cm}^2

Aufgabe 6: Die Schnittfigur ist leer (\emptyset). Der Mittelpunktabstand (12cm12 \, \text{cm}) ist grösser als die Summe der Radien (5+5=10cm5 + 5 = 10 \, \text{cm}). Die Kreise berühren sich also nicht.

Aufgabe 7: Ja, die Dreiecke sind kongruent nach dem WSW-Satz (Winkel-Seite-Winkel). Die Seite cc liegt dem Winkel γ\gamma gegenüber und ist die gemeinsame Seite der beiden anderen Winkel α\alpha und β\beta. Da die bekannten Winkel an den Enden der bekannten Seite liegen, greift der WSW-Satz direkt.

Aufgabe 8: Die Schnittfigur ist ein regelmässiges Sechseck (Davidstern-Situation ohne Spitzen). Die beiden Dreiecke bilden zusammen einen Davidstern. Der überlappende Teil ist ein regelmässiges Sechseck im Zentrum. Seine Seitenlänge beträgt ein Drittel der Dreiecksseitenlänge, also 43cm\dfrac{4}{3} \, \text{cm}.

Aufgabe 9: Sei ABCDABCD ein Quadrat mit Mittelpunkt MM und Diagonalen AC\overline{AC} und BD\overline{BD}. Betrachte die Dreiecke ABMABM und CDMCDM. Es gilt:

  • AM=CM\overline{AM} = \overline{CM} (Diagonalen halbieren sich)
  • BM=DM\overline{BM} = \overline{DM} (Diagonalen halbieren sich)
  • AMB=CMD\angle AMB = \angle CMD (Scheitelwinkel)

Nach dem SWS-Satz folgt: ABMCDM\triangle ABM \cong \triangle CDM. Analog sind auch BCM\triangle BCM und DAM\triangle DAM kongruent zueinander.

Aufgabe 10: Bei der Vesica Piscis mit Radius r=4cmr = 4 \, \text{cm} beträgt der Zentriwinkel jedes Kreissegments α=2π3\alpha = \dfrac{2\pi}{3} (das entspricht 120°120°). Der Flächeninhalt eines Segments ist:

ASegment=r22(αsinα)=162(2π332)cm2A_{\text{Segment}} = \dfrac{r^2}{2} \cdot (\alpha - \sin\alpha) = \dfrac{16}{2} \cdot \left(\dfrac{2\pi}{3} - \dfrac{\sqrt{3}}{2}\right) \, \text{cm}^2

ASegment=8(2π332)cm2A_{\text{Segment}} = 8 \cdot \left(\dfrac{2\pi}{3} - \dfrac{\sqrt{3}}{2}\right) \, \text{cm}^2

Die Vesica Piscis besteht aus zwei solchen Segmenten:

A=2ASegment=16(2π332)cm2A = 2 \cdot A_{\text{Segment}} = 16 \cdot \left(\dfrac{2\pi}{3} - \dfrac{\sqrt{3}}{2}\right) \, \text{cm}^2

A16(2,0940,866)cm2161,228cm219,65cm2A \approx 16 \cdot (2{,}094 - 0{,}866) \, \text{cm}^2 \approx 16 \cdot 1{,}228 \, \text{cm}^2 \approx 19{,}65 \, \text{cm}^2

Die Schnittfigur hat also einen Flächeninhalt von rund 19,65cm219{,}65 \, \text{cm}^2.

Quellen