Besondere Dreiecke erkennen und verstehen
Weiterführend:
- Zur Kapitelübersicht „Geometrie”
- Winkelsummen in Dreiecken und Vierecken
- Zusammenhänge im Dreieck – Seiten, Winkel und besondere Linien
- Die Mittelsenkrechte verstehen und konstruieren
Lehrplan 21
MA.3.A.1.gBegriffe (un)wahrscheinlich, (un)möglich, sicherMA.3.A.1.hBegriffe Proportionalität, Flächeninhalt, Volumen, Mittelwert, Kreisdiagramm, Säulendiagramm, Liniendiagramm, Daten, Häufigkeit, Zufall, Speicher; Masseinheiten Flächenmasse, Zeit (d, h, min, s)
Quelle: Aargauer Lehrplan Volksschule, Fachbereich Mathematik (August 2022)
Eine kleine Zeitreise
Abschnitt betitelt „Eine kleine Zeitreise“Die Beschäftigung mit besonderen Dreiecken ist uralt. Schon vor über 4000 Jahren nutzten die alten Ägypter das rechtwinklige Dreieck. Sie spannten ein Seil mit zwölf gleichen Abschnitten. Daraus formten sie ein Dreieck mit den Seitenlängen 3, 4 und 5. So entstand ein exakter rechter Winkel. Die Ägypter brauchten diesen Trick beim Bau ihrer Pyramiden.
Auch die alten Griechen waren fasziniert von Dreiecken. Thales von Milet (etwa 624–546 v. Chr.) beschäftigte sich mit gleichschenkligen Dreiecken. Er erkannte: Die Winkel an der Basis sind immer gleich gross. Dieser Satz heisst heute noch Basiswinkelsatz.
Ein anderer griechischer Gelehrter war Pythagoras (etwa 570–495 v. Chr.). Seine Schule untersuchte rechtwinklige Dreiecke besonders genau. Der nach ihm benannte Satz des Pythagoras ist heute weltberühmt. Ihn lernst du in höheren Klassen kennen.
Das gleichseitige Dreieck galt in der Antike als Symbol der Vollkommenheit. Es hat drei Symmetrieachsen und sieht aus jeder Richtung gleich aus. Deshalb findest du es oft in religiösen Bauwerken oder Wappen.
Im Mittelalter nutzten Baumeister besondere Dreiecke beim Kirchenbau. Ein gleichschenkliges Dreieck gibt einem Dachgiebel Stabilität. Ein rechtwinkliges Dreieck hilft beim Ausrichten der Mauern. Selbst die Fenster in gotischen Kathedralen verwenden diese Formen.
Heute nutzen Ingenieure besondere Dreiecke bei Brücken, Kränen und Hochhäusern. Das Dreieck ist nämlich die stabilste geometrische Form überhaupt. Ein Quadrat lässt sich verschieben. Ein Dreieck nicht. Deshalb sehen Brückenkonstruktionen oft wie ein Netz aus Dreiecken aus.
Die Grundlagen
Abschnitt betitelt „Die Grundlagen“Jedes Dreieck hat drei Seiten und drei Winkel. Bei den meisten Dreiecken sind alle Seiten unterschiedlich lang. Auch die Winkel haben verschiedene Grössen. Solche Dreiecke nennen wir allgemeine Dreiecke oder unregelmässige Dreiecke.
Doch manche Dreiecke haben eine Besonderheit: Gleich lange Seiten oder spezielle Winkel. Diese Eigenschaften machen sie berechenbar und nützlich.
Diese Grundformel ist dein wichtigstes Werkzeug. Die Winkelsumme beträgt in jedem Dreieck genau . Egal, ob das Dreieck gross oder klein ist. Egal, ob es spitz oder stumpf aussieht.
Bevor wir die drei Typen genauer anschauen, klären wir die Fachbegriffe:
- Die Ecken eines Dreiecks heissen A, B und C.
- Die Seiten heissen a, b und c. Die Seite liegt gegenüber der Ecke .
- Die Winkel heissen α (alpha), β (beta) und γ (gamma). Der Winkel liegt an der Ecke .
Diese Beschriftung ist immer gleich. Sie hilft dir, in Aufgaben schnell den Überblick zu behalten.
Die Kernmethode
Abschnitt betitelt „Die Kernmethode“Woran erkennst du ein besonderes Dreieck? Hier ist deine Strategie. Gehe immer in drei Schritten vor.
Dein wichtigstes Werkzeug ist das Geodreieck. Damit misst du Winkel und Längen. Für das gleichseitige Dreieck brauchst du einen Zirkel. Damit konstruierst du es besonders genau.
Eine zweite Methode nutzt die Winkelsumme. Wenn du zwei Winkel kennst, kannst du den dritten immer berechnen. Beispiel: Bei einem Winkel von und einem von ergibt sich der dritte aus . Das Dreieck ist dann rechtwinklig und gleichschenklig.
Merke dir diese drei Zusammenhänge gut:
- Gleiche Seiten → gleiche gegenüberliegende Winkel
- Gleiche Winkel → gleiche gegenüberliegende Seiten
- Ein -Winkel → längste Seite gegenüber diesem Winkel
Mit dieser Methode erkennst du jedes besondere Dreieck schnell und sicher.
Beispiel 1: Seitenlängen erkennen
Abschnitt betitelt „Beispiel 1: Seitenlängen erkennen“Gegeben ist ein Dreieck mit den Seiten , und . Bestimme den Typ.
Lösung:
Schritt 1: Wir vergleichen die Seitenlängen.
Alle drei Seiten sind gleich lang.
Schritt 2: Was bedeutet das für die Winkel? Bei drei gleichen Seiten sind auch alle Winkel gleich. Die Winkelsumme beträgt :
Schritt 3: Das Dreieck ist gleichseitig. Alle Winkel betragen .
Beispiel 2: Basiswinkel berechnen
Abschnitt betitelt „Beispiel 2: Basiswinkel berechnen“Ein gleichschenkliges Dreieck hat den Spitzenwinkel . Berechne die Basiswinkel und .
Lösung:
Die Winkelsumme im Dreieck beträgt . Die beiden Basiswinkel sind gleich gross:
Wir setzen in die Winkelsumme ein:
Die Basiswinkel betragen je . Das Dreieck hat also die Winkel , und .
Kontrolle: . Passt.
Die häufigsten Stolpersteine
Abschnitt betitelt „Die häufigsten Stolpersteine“Beim Arbeiten mit besonderen Dreiecken gibt es typische Fehler. Hier sind die wichtigsten:
Ein weiterer Fehler passiert beim Messen: Wenn du mit dem Geodreieck ungenau anlegst, ergeben sich kleine Abweichungen. Schon 2° Fehler können dazu führen, dass du ein Dreieck falsch einordnest. Nimm dir also Zeit beim Messen.
Beispiel 3: Rechtwinkliges Dreieck erkennen
Abschnitt betitelt „Beispiel 3: Rechtwinkliges Dreieck erkennen“Ein Dreieck hat die Winkel , und . Berechne den dritten Winkel. Ist das Dreieck rechtwinklig?
Lösung:
Die Winkelsumme beträgt . Wir berechnen den fehlenden Winkel:
Der dritte Winkel beträgt genau . Das bedeutet: Das Dreieck ist rechtwinklig.
Die Seite gegenüber dem rechten Winkel ist die Hypotenuse. Sie ist die längste Seite im Dreieck. Die anderen beiden Seiten heissen Katheten.
Die Summe der beiden spitzen Winkel ist übrigens immer bei rechtwinkligen Dreiecken: . Diese Regel kannst du als schnelle Kontrolle nutzen.
Beispiel 4: Doppelt besonderes Dreieck
Abschnitt betitelt „Beispiel 4: Doppelt besonderes Dreieck“Ein Bauarbeiter prüft eine dreieckige Stütze. Er misst: Seite , Seite , Seite . Der Winkel zwischen den beiden gleich langen Seiten beträgt . Um welches Dreieck handelt es sich?
Lösung:
Schritt 1: Seiten vergleichen.
Zwei Seiten sind gleich lang, die dritte nicht. Das Dreieck ist also gleichschenklig.
Schritt 2: Winkel prüfen.
Ein Winkel beträgt . Das Dreieck ist also auch rechtwinklig.
Schritt 3: Einordnung.
Das Dreieck ist gleichschenklig UND rechtwinklig. Die beiden Basiswinkel an der Seite sind gleich gross:
Solche Dreiecke findest du oft bei Dachgiebeln und in der Bautechnik.
Vertiefung
Abschnitt betitelt „Vertiefung“Besondere Dreiecke haben spannende Zusammenhänge mit anderen geometrischen Figuren. Wenn du ein gleichseitiges Dreieck halbierst, entsteht ein rechtwinkliges Dreieck mit speziellen Winkeln.
Ein anderer spannender Zusammenhang: Zwei gleiche rechtwinklige Dreiecke ergeben zusammen ein Rechteck. Zwei gleiche gleichschenklige Dreiecke können eine Raute bilden. Und sechs gleichseitige Dreiecke ergeben zusammen ein regelmässiges Sechseck.
Wenn du mehrere gleichseitige Dreiecke zusammensetzt, entstehen wunderschöne Muster. In der Kunst und Architektur nennt man das Mosaik oder Parkettierung. Die Fliesen in vielen Bädern nutzen solche Dreiecksmuster.
Auch in der Natur findest du besondere Dreiecke. Kristalle wachsen oft in Dreiecksform. Schneeflocken haben sechs Zacken, die aus sechs gleichseitigen Dreiecken bestehen. Bienenwaben zeigen regelmässige Formen, die auf Dreiecken aufbauen.
In der Technik sind rechtwinklige Dreiecke besonders wichtig. Sie sind die Grundlage für die Trigonometrie. Das ist ein grosses Gebiet der Mathematik. Mit ihr berechnest du unerreichbare Höhen, zum Beispiel die Höhe eines Baumes oder Turms. Du brauchst dafür nur einen einzigen Messwert vom Boden aus.
Beispiel 5: Konstruktion eines gleichseitigen Dreiecks
Abschnitt betitelt „Beispiel 5: Konstruktion eines gleichseitigen Dreiecks“Konstruiere ein gleichseitiges Dreieck mit der Seitenlänge .
Lösung:
Schritt 1: Zeichne die Grundseite mit der Länge .
Schritt 2: Stelle den Zirkel auf ein. Das ist die Seitenlänge des Dreiecks.
Schritt 3: Stich in den Punkt ein. Zeichne einen Kreisbogen oberhalb der Grundseite.
Schritt 4: Stich in den Punkt ein. Zeichne einen zweiten Kreisbogen. Er schneidet den ersten in einem Punkt.
Schritt 5: Der Schnittpunkt der beiden Kreisbögen ist der dritte Eckpunkt .
Schritt 6: Verbinde mit und mit . Fertig ist dein gleichseitiges Dreieck.
Kontrolle: Miss alle drei Seiten. Sie müssen je lang sein. Miss die Winkel. Jeder muss betragen.
Übungen
Abschnitt betitelt „Übungen“Löse die folgenden zehn Aufgaben. Sie sind nach Schwierigkeit geordnet. Die Lösungen findest du am Ende des Artikels.
Aufgabe 1: Ein Dreieck hat die Seiten , und . Um welches besondere Dreieck handelt es sich? Wie gross sind die Winkel?
Aufgabe 2: Berechne den dritten Winkel in einem Dreieck mit und .
Aufgabe 3: Ein gleichschenkliges Dreieck hat Basiswinkel von je . Berechne den Spitzenwinkel.
Aufgabe 4: Ein rechtwinkliges Dreieck hat einen spitzen Winkel von . Wie gross ist der andere spitze Winkel?
Aufgabe 5: Ein Dreieck hat die Winkel , und . Welche Eigenschaften muss es haben?
Aufgabe 6: Ein gleichschenkliges Dreieck hat einen Spitzenwinkel von . Wie gross sind die Basiswinkel?
Aufgabe 7: Konstruiere ein gleichseitiges Dreieck mit der Seitenlänge . Beschreibe deine Schritte.
Aufgabe 8: Ein rechtwinkliges Dreieck hat einen Winkel von . Was kannst du über das Dreieck noch sagen?
Aufgabe 9: Ein Dreieck hat die Seiten , und einen Winkel zwischen diesen Seiten von . Um welches Dreieck handelt es sich?
Aufgabe 10: Ein Architekt plant ein Dach mit einem Dreiecksquerschnitt. Die beiden Dachseiten sollen gleich lang sein. Der Winkel an der Dachspitze soll betragen. Wie gross sind die Basiswinkel? Welches besondere Dreieck liegt vor?
Das Wichtigste in Kürze
Abschnitt betitelt „Das Wichtigste in Kürze“Besondere Dreiecke haben Eigenschaften, die sie berechenbar machen. Es gibt drei wichtige Typen.
Das gleichseitige Dreieck hat drei gleich lange Seiten und drei gleiche Winkel von je . Es ist maximal symmetrisch und hat drei Symmetrieachsen.
Das gleichschenklige Dreieck hat zwei gleich lange Seiten (Schenkel) und eine dritte Seite (Basis). Die beiden Basiswinkel sind gleich gross.
Das rechtwinklige Dreieck besitzt einen -Winkel. Die längste Seite gegenüber diesem Winkel heisst Hypotenuse. Die anderen Seiten sind die Katheten.
Die Winkelsumme beträgt in jedem Dreieck genau . Besondere Dreiecke können sich überschneiden. Ein Dreieck kann zum Beispiel gleichzeitig gleichschenklig und rechtwinklig sein.
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Ausblick
Abschnitt betitelt „Ausblick“Du kennst jetzt die drei wichtigsten besonderen Dreiecke. In der 7. und 8. Klasse lernst du weitere spannende Eigenschaften kennen. Zum Beispiel den Satz des Pythagoras. Damit berechnest du Seitenlängen in rechtwinkligen Dreiecken.
Auch die Trigonometrie baut auf besonderen Dreiecken auf. Mit Sinus, Kosinus und Tangens löst du Probleme aus Technik und Naturwissenschaft. Besondere Dreiecke begleiten dich also noch lange in deiner Mathematik-Karriere.
Lösungen
Abschnitt betitelt „Lösungen“Lösung 1: Alle drei Seiten sind gleich lang: . Das Dreieck ist gleichseitig. Alle Winkel betragen .
Lösung 2: Die Winkelsumme beträgt :
Der dritte Winkel beträgt . Das Dreieck ist rechtwinklig.
Lösung 3: Die Winkelsumme beträgt . Die Basiswinkel sind je :
Der Spitzenwinkel beträgt .
Lösung 4: In einem rechtwinkligen Dreieck ist ein Winkel . Die anderen beiden ergeben zusammen ebenfalls :
Der andere spitze Winkel beträgt .
Lösung 5: Wenn alle drei Winkel gleich sind, müssen auch alle drei Seiten gleich lang sein. Das Dreieck ist gleichseitig. Es hat drei Symmetrieachsen und ist maximal symmetrisch.
Lösung 6: Die Basiswinkel sind gleich gross. Die Winkelsumme beträgt :
Die Basiswinkel betragen je .
Lösung 7: Konstruktion mit Zirkel:
Schritt 1: Zeichne die Grundseite mit .
Schritt 2: Stelle den Zirkel auf ein.
Schritt 3: Steche in ein und zeichne einen Kreisbogen.
Schritt 4: Steche in ein und zeichne einen zweiten Kreisbogen.
Schritt 5: Der Schnittpunkt ist der Eckpunkt .
Schritt 6: Verbinde mit und mit .
Lösung 8: Ein rechtwinkliges Dreieck mit einem -Winkel hat auch einen zweiten -Winkel. Begründung:
Das Dreieck ist also gleichschenklig UND rechtwinklig. Die beiden Katheten sind gleich lang.
Lösung 9: Zwei Seiten sind gleich lang (). Der Winkel zwischen ihnen beträgt . Die beiden Basiswinkel sind gleich:
Alle drei Winkel betragen . Damit sind auch alle Seiten gleich lang. Das Dreieck ist gleichseitig.
Lösung 10: Die beiden Dachseiten sind gleich lang. Das Dreieck ist gleichschenklig. Der Spitzenwinkel beträgt . Die Basiswinkel sind gleich:
Die Basiswinkel betragen je . Das Dach bildet ein gleichschenkliges Dreieck.
Quellen
- Lehrplan 21 — Mathematik — Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK)
- Lehrplan Volksschule Aargau — Mathematik — Kanton Aargau, Departement Bildung, Kultur und Sport