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Kongruenz einfach erklärt: So erkennst du kongruente Figuren

Weiterführend:

Lehrplan 21Zyklus 3 (7.–9. Klasse) · 6Kompetenzen
  • MA.2.A.3.iGrundanspruchUmfang und Flächeninhalt von Kreisen; Kantenlängen, Flächen und Volumen an geraden Prismen und Zylindern; Volumen beliebiger Körper schätzen
  • MA.2.B.1.iGrundanspruchComputer zur Erforschung geometrischer Beziehungen nutzen (z.B. Umkreismittelpunkt bei verschiedenen Dreiecken)
  • MA.2.C.3.gGrundanspruchKörper in der Vorstellung verändern und Ergebnisse beschreiben (z.B. Ecken eines Würfels abschleifen); Operationen im Kopf ausführen und Ergebnisse skizzieren
  • MA.2.A.3.jStrecken, Flächen und Volumen an Pyramiden, Kegeln und Kugeln berechnen; Winkel aufgrund von Winkelsummen, Satz von Thales, Ähnlichkeit und Kongruenz bestimmen
  • MA.2.B.1.hBeim Erforschen geometrischer Beziehungen Vermutungen formulieren, überprüfen und allenfalls neue formulieren; auf Forschungsaufgaben einlassen
  • MA.2.C.3.h

Quelle: Aargauer Lehrplan Volksschule, Fachbereich Mathematik (August 2022)

Die Idee der Kongruenz ist uralt. Schon vor über 2300 Jahren beschäftigte sich der griechische Mathematiker Euklid mit der Frage, wann zwei Figuren als “gleich” gelten. In seinem berühmten Werk “Die Elemente” (ca. 300 v. Chr.) legte er die Grundlagen der Geometrie. Er führte die ersten Kongruenzsätze für Dreiecke ein, allerdings ohne den modernen Begriff “Kongruenz”. Euklid sprach stattdessen davon, dass sich Figuren “zur Deckung bringen” lassen.

Interessant ist, dass die Kongruenzsätze in den “Elementen” als Grundlage für fast alle weiteren geometrischen Beweise dienten. Euklid nutzte sie, um komplexe Aussagen Schritt für Schritt herzuleiten. Sein methodischer Aufbau – vom Einfachen zum Komplexen – prägt die Mathematik bis heute.

Das Wort Kongruenz selbst kommt aus dem Lateinischen. “Congruere” bedeutet “übereinstimmen” oder “zusammenpassen”. Eingeführt wurde der Begriff im mathematischen Sinn erst im 18. Jahrhundert. Leonhard Euler und später Carl Friedrich Gauss prägten die moderne Notation.

Das Symbol \cong für Kongruenz wurde übrigens vom deutschen Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz vorgeschlagen. Er kombinierte das Gleichheitszeichen mit einer Tilde. Die Tilde steht für “ähnlich”, das Gleichheitszeichen für “gleich”. Zusammen ergibt sich: “ähnlich und gleich gross” – also kongruent.

Auch in anderen Kulturen wurde das Konzept früh entdeckt. Chinesische Mathematiker der Han-Dynastie verwendeten kongruente Figuren zur Landvermessung. Arabische Gelehrte des Mittelalters bauten auf Euklid auf und erweiterten die Kongruenzlehre. Heute ist Kongruenz aus Architektur, Ingenieurwesen, Robotik und Computergrafik nicht wegzudenken. Jede Serienproduktion beruht auf dem Prinzip, dass Bauteile kongruent sein müssen, damit sie austauschbar bleiben.

Kehren wir zu unseren Plätzchen zurück. Die Ausstechform ist wie eine Schablone. Egal, wie oft du sie benutzt, das Ergebnis ist immer dasselbe. Die Plätzchen sind deckungsgleich.

Jetzt übertragen wir das auf die Geometrie. Stell dir zwei Dreiecke vor. Eines liegt auf deinem Blatt. Das andere ist gedreht und befindet sich in einer Ecke. Sehen sie gleich aus? Vielleicht. Aber sind sie wirklich identisch? Um das herauszufinden, könntest du eines ausschneiden und auf das andere legen. Passen alle Seiten und alle Winkel genau aufeinander? Dann sind die Dreiecke kongruent.

In der Mathematik können wir Figuren nicht einfach ausschneiden. Wir brauchen präzise Werkzeuge. Wir messen Seitenlängen und Winkel. Wir vergleichen diese Masse systematisch.

Wichtig ist dabei die Reihenfolge der Buchstaben. Wenn wir ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF schreiben, bedeutet das: Punkt AA entspricht DD, BB entspricht EE, CC entspricht FF. Daraus folgt automatisch: Seite AB\overline{AB} ist genauso lang wie DE\overline{DE}, und der Winkel A\angle A ist gleich gross wie D\angle D.

Um Kongruenz zu beweisen, musst du nicht alle sechs Masse eines Dreiecks (drei Seiten, drei Winkel) prüfen. Es reichen drei geschickt gewählte Angaben. Diese Abkürzungen heissen Kongruenzsätze.

Warum funktionieren diese Sätze? Beim SSS-Satz hast du drei feste Seitenlängen. Daraus lässt sich nur ein einziges Dreieck konstruieren – die Form ist eindeutig bestimmt. Beim SWS-Satz fixierst du zwei Seiten und den Winkel dazwischen. Das dritte Masse (die Gegenseite) ergibt sich zwangsläufig.

Vorsicht beim WWW: Drei gleiche Winkel beweisen keine Kongruenz! Sie beweisen nur Ähnlichkeit. Denn Winkel sagen nichts über die Grösse aus. Ein kleines und ein grosses gleichseitiges Dreieck haben beide 60°60°-Winkel, sind aber nicht kongruent.

Mindestens eine Seitenlänge muss in jedem Kongruenzsatz vorkommen. Das ist die goldene Regel.

Beispiel:

Gegeben sind zwei Dreiecke mit folgenden Seitenlängen:

  • Dreieck ABCABC: a=5cma = 5 \, \text{cm}, b=7cmb = 7 \, \text{cm}, c=8cmc = 8 \, \text{cm}
  • Dreieck DEFDEF: d=7cmd = 7 \, \text{cm}, e=8cme = 8 \, \text{cm}, f=5cmf = 5 \, \text{cm}

Frage: Sind die Dreiecke kongruent?

Lösung:

Wir vergleichen die Seitenlängen sortiert.

  • Dreieck ABCABC: {5,7,8}cm\{5, 7, 8\} \, \text{cm}
  • Dreieck DEFDEF: {5,7,8}cm\{5, 7, 8\} \, \text{cm}

Beide Mengen sind identisch. Nach dem SSS-Satz sind die Dreiecke kongruent.

Die passende Zuordnung lautet: AFA \leftrightarrow F (beide liegen gegenüber 5cm5 \, \text{cm}), BDB \leftrightarrow D, CEC \leftrightarrow E.

ABCFDE\triangle ABC \cong \triangle FDE

Die Reihenfolge der Buchstaben in der Kongruenzaussage ist kein Zufall. Sie dokumentiert, welcher Punkt welchem entspricht.

Beispiel:

In einem Viereck ABCDABCD schneiden sich die Diagonalen im Punkt MM. Es gilt:

AM=CM=4cm,BM=DM=3cm\overline{AM} = \overline{CM} = 4 \, \text{cm}, \quad \overline{BM} = \overline{DM} = 3 \, \text{cm}

Frage: Sind die Dreiecke ABMABM und CDMCDM kongruent?

Lösung:

Schritt 1: Seiten identifizieren.

  • In ABM\triangle ABM: AM=4cm\overline{AM} = 4 \, \text{cm}, BM=3cm\overline{BM} = 3 \, \text{cm}
  • In CDM\triangle CDM: CM=4cm\overline{CM} = 4 \, \text{cm}, DM=3cm\overline{DM} = 3 \, \text{cm}

Schritt 2: Eingeschlossenen Winkel prüfen.

Die Winkel AMB\angle AMB und CMD\angle CMD sind Scheitelwinkel. Scheitelwinkel sind immer gleich gross:

AMB=CMD\angle AMB = \angle CMD

Schritt 3: SWS-Satz anwenden.

Wir haben zwei Seiten und den eingeschlossenen Winkel. Nach dem SWS-Satz gilt:

ABMCDM\triangle ABM \cong \triangle CDM

Die Dreiecke sind kongruent.

Beispiel:

Von zwei Dreiecken kennst du folgende Informationen:

  • Dreieck PQRPQR: P=50°\angle P = 50°, PQ=6cm\overline{PQ} = 6 \, \text{cm}, Q=70°\angle Q = 70°
  • Dreieck XYZXYZ: X=50°\angle X = 50°, XY=6cm\overline{XY} = 6 \, \text{cm}, Y=70°\angle Y = 70°

Frage: Welcher Kongruenzsatz ist anwendbar?

Lösung:

Schritt 1: Lage der Winkel prüfen.

  • P\angle P liegt am Endpunkt PP der Seite PQ\overline{PQ}.
  • Q\angle Q liegt am Endpunkt QQ der Seite PQ\overline{PQ}.

Beide Winkel liegen an den Enden der gegebenen Seite. Das ist die Konstellation für den WSW-Satz.

Schritt 2: Entsprechende Elemente vergleichen.

  • P=X=50°\angle P = \angle X = 50°
  • PQ=XY=6cm\overline{PQ} = \overline{XY} = 6 \, \text{cm}
  • Q=Y=70°\angle Q = \angle Y = 70°

Schritt 3: WSW-Satz anwenden.

PQRXYZ\triangle PQR \cong \triangle XYZ

Bonus: Aus der Winkelsumme folgt zusätzlich R=180°50°70°=60°=Z\angle R = 180° - 50° - 70° = 60° = \angle Z. Die Dreiecke sind vollständig bestimmt.

Beispiel:

Du baust ein Regal zusammen. Die Anleitung zeigt ein dreieckiges Verstärkungsblech mit den Massen: 30cm30 \, \text{cm}, 40cm40 \, \text{cm} und 50cm50 \, \text{cm}. Du hast zwei Metallplatten erhalten.

  • Platte 1: Seiten 30cm30 \, \text{cm}, 40cm40 \, \text{cm}, 50cm50 \, \text{cm}
  • Platte 2: Seiten 30cm30 \, \text{cm}, 50cm50 \, \text{cm}, 40cm40 \, \text{cm}

Frage: Sind beide Platten identisch und passen sie zur Vorlage?

Lösung:

Sortiert ergeben beide Platten die Menge {30,40,50}cm\{30, 40, 50\} \, \text{cm}. Die Reihenfolge der Aufzählung ist für das Dreieck selbst irrelevant.

Ein Dreieck wird durch die Seitenlängen eindeutig bestimmt (SSS-Satz), nicht durch ihre Reihenfolge in der Beschreibung.

Daher gilt nach dem SSS-Satz: Beide Platten sind kongruent zueinander und kongruent zur Vorlage in der Anleitung. Beide passen.

Nebenbemerkung: Das Dreieck hat die Seiten 3:4:53 : 4 : 5-Verhältnis, also ist es sogar rechtwinklig (Satz des Pythagoras: 32+42=523^2 + 4^2 = 5^2). Das macht es zur idealen Stabilisierung.

Kongruenz ist eng mit den sogenannten Kongruenzabbildungen verknüpft. Das sind geometrische Transformationen, die Längen und Winkel unverändert lassen. Es gibt genau drei Grundtypen: Verschiebung (Translation), Drehung (Rotation) und Spiegelung (Reflexion).

Jede Kongruenzabbildung erzeugt aus einer Figur eine kongruente Kopie. Die Originalfigur und ihr Bild haben identische Seitenlängen und Winkel. Das ist die moderne, bewegungsorientierte Sicht auf Kongruenz.

Ein spannender Fakt: Jede Kongruenzabbildung lässt sich als Verkettung von höchstens drei Spiegelungen darstellen. Das ist ein tiefes Ergebnis der Geometrie. Eine Verschiebung entspricht zwei Spiegelungen an parallelen Achsen. Eine Drehung entspricht zwei Spiegelungen an sich schneidenden Achsen.

Kongruenz vs. Ähnlichkeit: Kongruenz ist ein Spezialfall der Ähnlichkeit. Zwei ähnliche Figuren haben gleiche Form, aber möglicherweise unterschiedliche Grösse. Kongruente Figuren sind ähnlich mit dem Streckfaktor k=1k = 1. Während Ähnlichkeit den Form-Aspekt beschreibt, fügt Kongruenz den Grössen-Aspekt hinzu.

In der Architektur und Technik ist Kongruenz das Prinzip hinter Massenfertigung. Schrauben, Zahnräder, Chips – alle müssen innerhalb enger Toleranzen kongruent zueinander sein. In der Kristallographie beschreiben kongruente Einheiten die Bausteine von Kristallgittern. Selbst in der Kunst nutzen Künstler wie M. C. Escher Kongruenzabbildungen, um faszinierende Parkettierungen zu erzeugen.

Beispiel:

Beispiel 5: Kongruenzbeweis im gleichschenkligen Dreieck

Abschnitt betitelt „Beispiel 5: Kongruenzbeweis im gleichschenkligen Dreieck“

Behauptung: Im gleichschenkligen Dreieck sind die Basiswinkel gleich gross.

Gegeben: Dreieck ABCABC mit AC=BC\overline{AC} = \overline{BC} (also ist cc die Basis).

Zu zeigen: A=B\angle A = \angle B.

Lösung:

Wir konstruieren die Winkelhalbierende wγw_\gamma aus CC zur Basis AB\overline{AB}. Sie trifft AB\overline{AB} im Punkt DD. Wir erhalten zwei Dreiecke: ACD\triangle ACD und BCD\triangle BCD.

Schritt 1: Gegebene Gleichheiten sammeln.

  • AC=BC\overline{AC} = \overline{BC} (Voraussetzung, Schenkel)
  • ACD=BCD\angle ACD = \angle BCD (Winkelhalbierende halbiert C\angle C)
  • CD=CD\overline{CD} = \overline{CD} (gemeinsame Seite)

Schritt 2: SWS-Satz anwenden.

Die beiden Dreiecke haben zwei Seiten und den eingeschlossenen Winkel gemeinsam:

ACDBCD\triangle ACD \cong \triangle BCD

Schritt 3: Folgerung ziehen.

Aus der Kongruenz folgt, dass entsprechende Winkel gleich gross sind. Der Winkel A\angle A in ACD\triangle ACD entspricht dem Winkel B\angle B in BCD\triangle BCD. Daher:

A=B\angle A = \angle B

Die Basiswinkel sind gleich gross. Kongruenz als Beweiswerkzeug: Genau darauf zielt Euklid seit 2300 Jahren ab.

Bearbeite die folgenden Aufgaben der Reihe nach. Die Schwierigkeit steigt langsam an.

Aufgabe 1: Gegeben: ABCKLM\triangle ABC \cong \triangle KLM mit AB=7cm\overline{AB} = 7 \, \text{cm}. Wie lang ist KL\overline{KL}?

Aufgabe 2: Welches Symbol steht für Kongruenz? a) == b) \cong c) \sim d) \approx

Aufgabe 3: Ein Dreieck hat die Seiten a=4a = 4, b=5b = 5, c=6c = 6. Ein zweites Dreieck hat die Seiten d=4d = 4, e=6e = 6, f=5f = 5. Sind die Dreiecke kongruent? Welcher Satz?

Aufgabe 4: Dreieck 1 hat die Winkel 45°45°, 60°60°, 75°75°. Dreieck 2 hat dieselben Winkel. Sind die Dreiecke kongruent?

Aufgabe 5: Zwei Dreiecke haben jeweils die Seiten 5cm5 \, \text{cm} und 8cm8 \, \text{cm}, mit einem eingeschlossenen Winkel von 60°60°. Welcher Kongruenzsatz greift?

Aufgabe 6: ABC\triangle ABC und DEF\triangle DEF: AB=DE=10cm\overline{AB} = \overline{DE} = 10 \, \text{cm}, A=D=30°\angle A = \angle D = 30°, B=E=90°\angle B = \angle E = 90°. Sind die Dreiecke kongruent?

Aufgabe 7: Ein Rechteck ABCDABCD wird durch die Diagonale AC\overline{AC} in zwei Dreiecke geteilt. Zeige, dass ABCCDA\triangle ABC \cong \triangle CDA.

Aufgabe 8: In einem gleichseitigen Dreieck ist jede Seite 6cm6 \, \text{cm} lang. Ein zweites Dreieck hat die Winkel 60°60°, 60°60°, 60°60°. Sind die Dreiecke zwingend kongruent?

Aufgabe 9: Konstruiere im Kopf: Dreieck mit a=3a = 3, b=4b = 4, c=5c = 5 und Dreieck mit a=3a = 3, b=5b = 5, c=4c = 4. Sind sie kongruent? Welche Zuordnung?

Aufgabe 10: Begründe mit Kongruenz: In einem Parallelogramm halbieren sich die Diagonalen gegenseitig.

  • Kongruente Figuren sind deckungsgleich. Sie haben die gleiche Form und die gleiche Grösse.
  • Das Symbol für Kongruenz ist \cong.
  • Bei kongruenten Figuren stimmen alle entsprechenden Seiten und Winkel überein.
  • Für Dreiecke gibt es vier Kongruenzsätze: SSS, SWS, WSW und SsW. Mit ihnen kannst du Kongruenz beweisen, ohne alle sechs Masse zu kennen.
  • WWW reicht nicht! Drei gleiche Winkel beweisen nur Ähnlichkeit, keine Kongruenz.
  • Die Reihenfolge der Eckpunkte in der Kongruenzaussage legt die Zuordnung der entsprechenden Elemente fest.
  • Kongruenz entsteht durch Kongruenzabbildungen: Verschiebung, Drehung und Spiegelung. Diese erhalten Längen und Winkel.
  • Kongruenz ist ein Spezialfall der Ähnlichkeit mit Streckfaktor 11.
❓ Frage:
Dreieck ABCABC hat die Seiten a=3cma = 3 \, \text{cm}, b=4cmb = 4 \, \text{cm}, c=5cmc = 5 \, \text{cm}. Dreieck DEFDEF hat die Seiten d=6cmd = 6 \, \text{cm}, e=8cme = 8 \, \text{cm}, f=10cmf = 10 \, \text{cm}. Sind die Dreiecke kongruent?
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Nein, die Dreiecke sind nicht kongruent. Die Seiten von Dreieck DEFDEF sind jeweils doppelt so lang wie die von Dreieck ABCABC. Die Dreiecke sind zwar ähnlich (Streckfaktor 22), aber sie haben unterschiedliche Grössen. Für Kongruenz müssten alle Seitenlängen exakt übereinstimmen.

❓ Frage:
Von zwei Dreiecken weisst du: Beide haben die Winkel 60°60°, 60°60° und 60°60°. Welcher Kongruenzsatz ist anwendbar?
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Keiner! Drei übereinstimmende Winkel (WWW) sind kein Kongruenzsatz. Du kannst unendlich viele gleichseitige Dreiecke mit 60°60°-Winkeln zeichnen, die alle unterschiedlich gross sind. Diese Information beweist nur Ähnlichkeit. Für einen Kongruenzbeweis fehlt mindestens eine Seitenlänge.

❓ Frage:
Gegeben: ABCXYZ\triangle ABC \cong \triangle XYZ mit AB=5cm\overline{AB} = 5 \, \text{cm} und C=40°\angle C = 40°. Was weisst du über Dreieck XYZXYZ?
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Aus der Kongruenzaussage folgt die Zuordnung AXA \leftrightarrow X, BYB \leftrightarrow Y, CZC \leftrightarrow Z. Daraus ergibt sich:

  • XY=AB=5cm\overline{XY} = \overline{AB} = 5 \, \text{cm}
  • Z=C=40°\angle Z = \angle C = 40°
❓ Frage:
Welche Aussage ist korrekt? a) Kongruente Figuren sind immer ähnlich. b) Ähnliche Figuren sind immer kongruent. c) Beide Aussagen sind falsch.
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a) Kongruente Figuren sind immer ähnlich ist korrekt. Kongruenz ist ein Spezialfall der Ähnlichkeit (mit Streckfaktor 11). Alles, was kongruent ist, ist automatisch auch ähnlich. Die Umkehrung gilt aber nicht: Zwei ähnliche Figuren können unterschiedliche Grössen haben und sind dann nicht kongruent.

❓ Frage:
Zwei Dreiecke ABCABC und DEFDEF haben AB=DE\overline{AB} = \overline{DE}, AC=DF\overline{AC} = \overline{DF} und A=D\angle A = \angle D. Welcher Kongruenzsatz greift?
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Es greift der SWS-Satz (Seite-Winkel-Seite). Der Winkel A\angle A liegt zwischen den Seiten AB\overline{AB} und AC\overline{AC}. Er ist also der eingeschlossene Winkel. Ebenso liegt D\angle D zwischen DE\overline{DE} und DF\overline{DF}. Damit gilt:

ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF

Du hast jetzt ein solides Verständnis von Kongruenz. Der nächste logische Schritt in der Geometrie ist die Ähnlichkeit von Figuren. Dort lernst du, wie du Figuren vergleichst, die zwar die gleiche Form, aber unterschiedliche Grössen haben. Der Strahlensatz wird dein Werkzeug für Ähnlichkeitsbeweise. Ausserdem wirst du die Kongruenzsätze nutzen, um geometrische Beweise zu führen – etwa zur Mittelsenkrechten, zur Winkelhalbierenden oder zum Satz des Thales.

Lösung 1: Aus ABCKLM\triangle ABC \cong \triangle KLM folgt die Zuordnung AKA \leftrightarrow K, BLB \leftrightarrow L, CMC \leftrightarrow M. Also entspricht AB\overline{AB} der Seite KL\overline{KL}. Daher: KL=7cm\overline{KL} = 7 \, \text{cm}.

Lösung 2: Richtig ist b) \cong. Das Zeichen kombiniert die Tilde \sim (ähnlich) mit dem Gleichheitszeichen ==. Zusammen: “ähnlich und gleich gross” – also kongruent. \sim allein steht nur für Ähnlichkeit, \approx bedeutet “ungefähr gleich”.

Lösung 3: Sortiert ergibt Dreieck 1: {4,5,6}\{4, 5, 6\}, Dreieck 2: {4,5,6}\{4, 5, 6\}. Die Seitenmengen sind identisch. Nach dem SSS-Satz sind die Dreiecke kongruent.

Lösung 4: Nein, sie sind nicht zwingend kongruent. Gleiche Winkel (WWW) beweisen nur Ähnlichkeit. Die Dreiecke könnten unterschiedlich gross sein. Ohne eine Seitenangabe lässt sich keine Kongruenz folgern.

Lösung 5: Es greift der SWS-Satz (Seite-Winkel-Seite). Beide Seitenlängen 5cm5 \, \text{cm} und 8cm8 \, \text{cm} stimmen überein, und der eingeschlossene Winkel beträgt in beiden Fällen 60°60°. Nach SWS sind die Dreiecke kongruent.

Lösung 6: Wir haben die Seite AB=DE=10cm\overline{AB} = \overline{DE} = 10 \, \text{cm}. Der Winkel A\angle A liegt am Punkt AA (an der Seite AB\overline{AB}), der Winkel B\angle B liegt am Punkt BB (ebenfalls an AB\overline{AB}). Beide Winkel sind anliegend an der gegebenen Seite. Das ist die WSW-Konstellation. Nach dem WSW-Satz sind die Dreiecke kongruent:

ABCDEF\triangle ABC \cong \triangle DEF

Lösung 7: Im Rechteck ABCDABCD gilt: AB=CD\overline{AB} = \overline{CD} (gegenüberliegende Seiten), BC=DA\overline{BC} = \overline{DA} (gegenüberliegende Seiten) und AC=CA\overline{AC} = \overline{CA} (gemeinsame Diagonale). Die drei Seiten von ABC\triangle ABC stimmen also mit den drei Seiten von CDA\triangle CDA überein. Nach dem SSS-Satz:

ABCCDA\triangle ABC \cong \triangle CDA

Lösung 8: Nein, nicht zwingend. Das erste Dreieck hat konkrete Seitenlängen von 6cm6 \, \text{cm}. Das zweite Dreieck hat nur Winkelangaben (60°60°, 60°60°, 60°60°). Daraus folgt zwar, dass es gleichseitig ist, aber die Seitenlänge ist nicht festgelegt. Das zweite Dreieck könnte Seiten von 1cm1 \, \text{cm} oder 100m100 \, \text{m} haben. Es ist ähnlich zum ersten Dreieck, aber nicht zwingend kongruent.

Lösung 9: Sortiert ergeben beide Dreiecke die Seitenmenge {3,4,5}\{3, 4, 5\}. Nach dem SSS-Satz sind sie kongruent. Die Zuordnung: Seite mit Länge 33 → Seite mit Länge 33, Seite 44 → Seite 44, Seite 55 → Seite 55. Die Reihenfolge der Buchstaben in der Aussage richtet sich nach der Lage der Seiten gegenüber den Eckpunkten.

Lösung 10: Im Parallelogramm ABCDABCD schneiden sich die Diagonalen AC\overline{AC} und BD\overline{BD} im Punkt MM. Wir betrachten die Dreiecke ABM\triangle ABM und CDM\triangle CDM.

  • AB=CD\overline{AB} = \overline{CD} (gegenüberliegende Seiten im Parallelogramm)
  • BAM=DCM\angle BAM = \angle DCM (Wechselwinkel an den parallelen Seiten AB\overline{AB} und CD\overline{CD} mit Schnittlinie AC\overline{AC})
  • ABM=CDM\angle ABM = \angle CDM (Wechselwinkel an den parallelen Seiten mit Schnittlinie BD\overline{BD})

Nach dem WSW-Satz gilt ABMCDM\triangle ABM \cong \triangle CDM. Aus der Kongruenz folgt AM=CM\overline{AM} = \overline{CM} und BM=DM\overline{BM} = \overline{DM}. Die Diagonalen halbieren sich also gegenseitig.

Quellen