Beginnen wir mit dem, was du bereits weisst. Bei positiven Exponenten multiplizierst du die Basis mehrfach mit sich selbst:
23=2⋅2⋅2=822=2⋅2=421=220=1
Jedes Mal, wenn der Exponent um 1 sinkt, wird die Zahl durch 2 geteilt. Von 23=8 zu 22=4: geteilt durch 2. Von 22=4 zu 21=2: geteilt durch 2. Von 21=2 zu 20=1: geteilt durch 2.
Was passiert, wenn wir dieses Muster fortsetzen?
2−1=212−2=412−3=81
Das Muster ist eindeutig. Negative Exponenten entstehen, wenn man den Schritt von 20=1 nach links weiterführt. Jeder Schritt bedeutet: wieder durch 2 teilen.
Schritt 1: Negativen Exponenten als Kehrwert schreiben.
4−2=421
Schritt 2: Den Nenner berechnen.
42=16
Schritt 3: Ergebnis aufschreiben.
4−2=161
Teilaufgabe b)10−3
Schritt 1: Kehrwert bilden.
10−3=1031=10001=0,001
Merke: Die Basis 10 ist besonders nützlich. 10−3 entspricht genau einer Tausendstel. Der Exponent gibt direkt die Anzahl der Nullen nach dem Komma an. Das ist die Grundlage der wissenschaftlichen Notation.
In der Chemie beschreibt der pH-Wert die Säure einer Lösung. Bei reinem Wasser beträgt die Konzentration der Wasserstoffionen 10−7 mol/Liter. Das entspricht einem pH-Wert von 7. Schreibe diese Konzentration als Dezimalzahl und erkläre, warum negative Exponenten hier unverzichtbar sind.
Lösung:
10−7=1071=100000001=0,0000001 mol/L
Die Dezimalzahl 0,0000001 ist schwer lesbar. Man muss die Nullen sorgfältig zählen. Ein Schreibfehler verändert den Wert um den Faktor 10.
Die wissenschaftliche Notation 10−7 ist:
Kompakt: Wenige Zeichen statt vieler Nullen.
Fehlersicher: Der Exponent gibt die genaue Grössenordnung an.
Rechenfreundlich: Potenzgesetze ermöglichen einfaches Multiplizieren und Dividieren.
Vergleich zweier Konzentrationen: Eine Lösung mit 10−3 mol/L ist 10−3−(−7)=104=10000 mal konzentrierter als reines Wasser. Diese Rechnung mit Dezimalzahlen wäre sehr fehleranfällig.
Die Funktion f(x)=x−2 ist gleichbedeutend mit f(x)=x21. Das ist eine rationale Funktion. Ihr Graph ist eine sogenannte Hyperbel. Sie nähert sich der x-Achse an, berührt sie aber nie. Das erklärt sich direkt aus der Definition: x−2 kann nur dann null werden, wenn x21=0 gilt – und das passiert nie.
Zusammenhang mit Logarithmen
Hier wird es besonders interessant. Es gilt:
log(a−n)=−n⋅log(a)
Der Logarithmus eines negativen Exponenten ergibt eine negative Zahl. Das ist die Grundlage für die Berechnung sehr kleiner Grössen. Der pH-Wert aus Beispiel 4 lautet:
pH=−log(c)=−log(10−7)=−(−7)=7
Das Minuszeichen im pH-Wert-Ausdruck und der negative Exponent heben sich auf. Negative Exponenten liefern positive pH-Werte.
Rationale Exponenten verbinden Potenzen und Wurzeln:
a21=a,a−21=a1
Ein negativer gebrochener Exponent kombiniert Wurzelziehen und Kehrwertbildung. Das zeigt, wie weit das Konzept der negativen Exponenten reicht. Es ist nicht auf ganze Zahlen beschränkt.
Die Aufgaben sind nach Schwierigkeit geordnet. Versuche jede Aufgabe zuerst selbst zu lösen. Die Lösungen findest du am Ende des Artikels.
Grundaufgaben
Aufgabe 1: Berechne die folgenden Ausdrücke als Brüche.
a) 3−2 b) 5−1 c) 2−4 d) 10−4
Aufgabe 2: Berechne die folgenden Ausdrücke mit Brüchen als Basis.
a) (21)−3 b) (32)−2 c) (45)−1
Aufgabe 3: Ordne die folgenden Ausdrücke der Grösse nach (von klein nach gross).
2−4,3−3,4−2,5−1
Mittlere Aufgaben
Aufgabe 4: Vereinfache die folgenden Ausdrücke. Schreibe das Ergebnis ohne negative Exponenten.
a) a−3⋅a5 b) x3x−2 c) (y−4)−2
Aufgabe 5: Vereinfache und schreibe ohne negative Exponenten.
2−12−3⋅42
Aufgabe 6: Welcher Wert macht die Gleichung wahr?
a) 2x=321 b) 3x=811 c) 5x=51
Schwierigere Aufgaben
Aufgabe 7: Vereinfache vollständig.
y−1⋅x2⋅y3x−3⋅y2⋅x4
Aufgabe 8: Schreibe mit ausschliesslich positiven Exponenten.
(a⋅b−3a−2⋅b)−2
Aufgabe 9 (Anwendung): Das Licht einer Taschenlampe hat eine Wellenlänge von 4,5⋅10−7 m. Die Breite eines menschlichen Haares beträgt 7⋅10−5 m. Wie oft passt die Wellenlänge in die Haarbreite? Schreibe das Ergebnis in wissenschaftlicher Notation.
Aufgabe 10 (Knobeln): Zeige, dass gilt:
a−n1=an
Begründe den Schritt von links nach rechts mit der Definition des negativen Exponenten.
Negative Exponenten beruhen auf einem einfachen Prinzip: Sie bilden den Kehrwert der entsprechenden positiven Potenz.
a−n=an1(a=0)
Diese Definition folgt zwingend aus dem Wunsch, dass das Potenzgesetz am⋅an=am+n ohne Ausnahmen gilt. Alle anderen Potenzgesetze bleiben unverändert gültig.
Wichtige Merkpunkte:
Negativer Exponent = Kehrwert, nicht negative Zahl
Die Basis darf nie null sein
Bei Brüchen mit negativem Exponenten tauschen Zähler und Nenner
Negative Exponenten machen Zahlen kleiner – aber nie negativ
In Naturwissenschaften ermöglichen sie das Schreiben sehr kleiner Grössen
❓ Frage:Was ist der Wert von 5−2? Schreibe das Ergebnis als Bruch und als Dezimalzahl.
Lösung anzeigen
5−2=521=251=0,04
Der Kehrwert von 52=25 ist 251. Als Dezimalzahl: 25⋅0,04=1, also ist 0,04 korrekt.
❓ Frage:Vereinfache (43)−2 und gib das Ergebnis als Bruch an.
Lösung anzeigen
(43)−2=(34)2=916
Bei negativem Exponenten wird der Bruch umgekehrt. Dann wird der positive Exponent angewendet. Zähler: 42=16. Nenner: 32=9.
❓ Frage:Welcher Ausdruck ist grösser: 2−3 oder 3−2? Begründe deine Antwort mit Berechnung.
Lösung anzeigen
2−3=81=0,1253−2=91≈0,111
Da 81>91, ist 2−3 grösser als 3−2.
Merksatz: Je grösser der Nenner, desto kleiner der Bruch. 9>8, also 91<81.
❓ Frage:Stimmt diese Aussage? “Der Ausdruck (−3)−2 ergibt eine negative Zahl.” Begründe.
Lösung anzeigen
Die Aussage ist falsch.
(−3)−2=(−3)21=91
Erklärung: (−3)2=9 (negativ mal negativ ergibt positiv). Der Kehrwert davon ist 91, also eine positive Zahl.
Negative Exponenten erzeugen niemals negative Ergebnisse – nur kleinere positive Zahlen.
❓ Frage:Vereinfache a−2a−3⋅a7 für a=0.
Lösung anzeigen
Schritt 1: Zähler vereinfachen.
a−3⋅a7=a−3+7=a4
Schritt 2: Division durchführen.
a−2a4=a4−(−2)=a4+2=a6
Das Ergebnis ist a6.
Kontrolle mit a=2: 2−22−3⋅27=4181⋅128=4116=64=26. Korrekt.
Du beherrschst jetzt negative Exponenten. Der nächste Schritt führt dich zu rationalen Exponenten – also Exponenten als Brüche. Was bedeutet 831? Das ist gleichbedeutend mit 38=2. Potenzen und Wurzeln sind also zwei Seiten derselben Medaille. Ausserdem bilden negative Exponenten die Grundlage für Logarithmen: Der pH-Wert, die Dezibel-Skala in der Akustik und die Richterskala für Erdbeben – alle nutzen Logarithmen. Und Logarithmen bauen direkt auf dem Konzept der Exponenten auf, das du hier gelernt hast.