Potenzgleichungen lösen: Dein Leitfaden für Gleichungen mit Unbekannten im Exponenten
Stell dir vor, du legst 1000 CHF auf ein Sparkonto mit festem Zinssatz. Die Bank verspricht dir, dass sich dein Geld bei diesem Zins irgendwann verdoppelt. Aber wann genau? Nach 5 Jahren? Nach 10? Nach 20? Du kennst den Zinssatz, du kennst das Ziel – aber die Anzahl der Jahre ist ein Rätsel.
Genau solche Fragen führen uns zu einer besonderen Art von Gleichungen. Bei diesen Gleichungen versteckt sich die Unbekannte nicht wie gewohnt als Faktor vor einem , sondern ganz oben – im Exponenten. Diese Gleichungen nennen wir Potenzgleichungen. In diesem Kapitel lernst du, wie du solche Gleichungen systematisch knackst und die versteckte Unbekannte ans Licht holst.
Was macht Potenzgleichungen besonders?
Abschnitt betitelt „Was macht Potenzgleichungen besonders?“Erinnern wir uns kurz an das Sparkonto-Beispiel. Wenn du 1000 CHF zu einem Zinssatz von 5% pro Jahr anlegst, berechnet sich dein Guthaben nach Jahren so:
Du möchtest wissen, wann dein Guthaben 2000 CHF erreicht. Also setzt du ein:
Schau dir diese Gleichung genau an. Das sitzt im Exponenten. Du kannst die Gleichung nicht einfach nach auflösen, indem du durch etwas dividierst oder eine Wurzel ziehst – zumindest nicht direkt. Hier beginnt das Abenteuer der Potenzgleichungen.
Was ist eine Potenzgleichung?
Abschnitt betitelt „Was ist eine Potenzgleichung?“Eine Potenzgleichung ist eine Gleichung, bei der die gesuchte Variable im Exponenten einer Potenz steht. Die allgemeine Form sieht so aus:
Dabei ist die Basis (eine positive Zahl, ), die gesuchte Unbekannte und das Ergebnis.
Eine Potenzgleichung ist eine Gleichung der Form , bei der die Unbekannte im Exponenten steht. Um sie zu lösen, benötigst du den Logarithmus als Umkehrfunktion der Potenz. Die Lösung lautet:
Der Logarithmus: Dein Werkzeug zum Lösen
Abschnitt betitelt „Der Logarithmus: Dein Werkzeug zum Lösen“Der Logarithmus ist genau das Werkzeug, das wir brauchen. Er beantwortet die Frage: “Mit welcher Zahl muss ich die Basis potenzieren, um ein bestimmtes Ergebnis zu erhalten?”
Wenn ist, dann fragst du: “Hoch welche Zahl ergibt 2 das Ergebnis 8?” Die Antwort ist 3, denn . Mathematisch schreibst du das so:
Für Gleichungen, die sich nicht so schön im Kopf lösen lassen, verwendest du den natürlichen Logarithmus und die Umrechnungsformel:
Diese Formel funktioniert für alle Potenzgleichungen und lässt sich leicht in den Taschenrechner eintippen.
Potenzgleichungen lösen: Die Schritt-für-Schritt-Methode
Abschnitt betitelt „Potenzgleichungen lösen: Die Schritt-für-Schritt-Methode“Hier ist dein “Kochrezept” für das Lösen von Potenzgleichungen:
- Isolieren: Bringe die Potenz allein auf eine Seite der Gleichung.
- Logarithmieren: Wende den Logarithmus auf beide Seiten an.
- Umformen: Nutze die Logarithmusgesetze, um den Exponenten “herunterzuholen”.
- Auflösen: Löse die entstandene Gleichung nach der Unbekannten auf.
- Überprüfen: Setze dein Ergebnis zur Kontrolle in die Ursprungsgleichung ein.
Schauen wir uns diese Schritte an einem konkreten Beispiel an.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Abschnitt betitelt „Häufige Fehler und wie du sie vermeidest“Fehler 1: Vergessen, die Potenz zuerst zu isolieren
Viele Schüler logarithmieren sofort, ohne die Potenz vorher allein zu stellen. Bei musst du zuerst durch 3 dividieren, um zu erhalten. Erst dann darfst du logarithmieren.
Fehler 2: Den Logarithmus falsch anwenden
Der Logarithmus einer Summe ist NICHT die Summe der Logarithmen! Es gilt: . Das Logarithmusgesetz gilt nur für Produkte.
Fehler 3: Negative Zahlen oder Null im Logarithmus
Der Logarithmus ist nur für positive Zahlen definiert. Wenn du bei einer Gleichung wie landest, gibt es keine reelle Lösung. Prüfe immer, ob das Argument des Logarithmus positiv ist.
Beispiele
Abschnitt betitelt „Beispiele“Löse die Gleichung .
Schritt 1: Potenz isolieren Die Potenz steht bereits allein auf der linken Seite.
Schritt 2: Erkennen oder Logarithmieren Hier kannst du erkennen, dass ist. Also:
Da die Basen gleich sind, müssen auch die Exponenten gleich sein:
Alternative mit Logarithmus:
Probe: ✓
Löse die Gleichung .
Schritt 1: Potenz isolieren Dividiere beide Seiten durch 5:
Schritt 2: Logarithmieren Wende den Logarithmus an:
Schritt 3: Berechnen
Probe: ✓
Löse die Gleichung .
Schritt 1: Potenz isolieren Die Potenz steht bereits allein.
Schritt 2: Gleiche Basis herstellen oder logarithmieren Erkenne: . Also:
Schritt 3: Exponenten gleichsetzen Da die Basen gleich sind:
Schritt 4: Nach auflösen
Probe: ✓
Löse die Gleichung .
Schritt 1: Potenz isolieren Die Potenz steht bereits allein.
Schritt 2: Logarithmieren Hier gibt es keine ganzzahlige Lösung. Wende den Logarithmus an:
Schritt 3: Logarithmusgesetz anwenden Der Exponent wird zum Faktor:
Schritt 4: Nach auflösen
Probe: ✓
Du legst 1000 CHF zu einem Zinssatz von 3% pro Jahr an. Nach wie vielen Jahren hat sich dein Guthaben verdoppelt?
Aufstellen der Gleichung:
Schritt 1: Potenz isolieren Dividiere durch 1000:
Schritt 2: Logarithmieren
Schritt 3: Logarithmusgesetz anwenden
Schritt 4: Nach auflösen
Antwort: Nach etwa 23 bis 24 Jahren hat sich dein Guthaben verdoppelt.
Löse die Gleichung .
Schritt 1: Logarithmieren beider Seiten
Schritt 2: Logarithmusgesetz anwenden
Schritt 3: Ausmultiplizieren
Schritt 4: Terme mit auf eine Seite bringen
Schritt 5: ausklammern
Schritt 6: Nach auflösen
Probe: und ✓ (kleine Rundungsdifferenz)
Besondere Fälle und Lösungsstrategien
Abschnitt betitelt „Besondere Fälle und Lösungsstrategien“Wenn die Basen gleich gemacht werden können
Abschnitt betitelt „Wenn die Basen gleich gemacht werden können“Manchmal lassen sich Potenzgleichungen eleganter lösen, ohne den Taschenrechner zu bemühen. Der Trick: Drücke beide Seiten als Potenzen derselben Basis aus.
Bei erkennst du:
Also wird aus der Gleichung:
Wenn keine Lösung existiert
Abschnitt betitelt „Wenn keine Lösung existiert“Nicht jede Potenzgleichung hat eine Lösung. Bei gibt es keine reelle Lösung, da jede Potenz mit positiver Basis immer ein positives Ergebnis liefert. Die Exponentialfunktion erreicht niemals negative Werte oder die Null.
Das Wichtigste in Kürze
Abschnitt betitelt „Das Wichtigste in Kürze“- Potenzgleichungen sind Gleichungen, bei denen die Unbekannte im Exponenten steht, z.B. .
- Der Logarithmus ist das Werkzeug zum Lösen: .
- Isoliere immer zuerst die Potenz, bevor du logarithmierst.
- Prüfe, ob du die Basen angleichen kannst – das spart oft den Taschenrechner.
- Keine Lösung gibt es, wenn das Ergebnis negativ oder null ist.
Dein Wissen im Test
Abschnitt betitelt „Dein Wissen im Test“Lösung anzeigen
Begründung: , also , woraus folgt.
Lösung anzeigen
Nein, diese Gleichung hat keine reelle Lösung.
Begründung: Die Exponentialfunktion liefert für alle reellen Werte von nur positive Ergebnisse. Der Wert kann niemals erreicht werden.
Lösung anzeigen
Rechenweg:
- Potenz isolieren:
- Erkennen:
- Gleichsetzen: , also
Ausblick: Was kommt als Nächstes?
Abschnitt betitelt „Ausblick: Was kommt als Nächstes?“Du hast jetzt das Handwerkszeug, um Potenzgleichungen zu lösen. Im nächsten Schritt wirst du Logarithmusgleichungen kennenlernen. Dabei steht die Unbekannte nicht mehr im Exponenten, sondern im Argument eines Logarithmus – also in der Klammer von oder . Du wirst sehen, dass die Strategien ähnlich sind, aber du die Umkehrfunktion in die andere Richtung anwendest: Statt zu logarithmieren, wirst du “entlogarithmieren”, also die Exponentialfunktion anwenden. Mit diesen beiden Werkzeugen – Potenzgleichungen und Logarithmusgleichungen – bist du bestens gerüstet für die Differential- und Integralrechnung, die in der Oberstufe auf dich wartet.