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Pyramide berechnen: Volumen, Oberfläche & Formeln einfach erklärt

Stell dir vor, du stehst vor der Cheops-Pyramide in Ägypten. 146 Meter hoch, erbaut aus über 2 Millionen Steinblöcken. Wie haben die alten Ägypter eigentlich berechnet, wie viel Stein sie brauchen? Oder wie viel Farbe nötig wäre, um die gesamte Aussenfläche zu streichen?

Genau diese Fragen beantwortest du bald selbst. Du wirst verstehen, wie Pyramiden mathematisch aufgebaut sind. Du lernst, ihr Volumen und ihre Oberfläche zu berechnen. Und das Beste: Die Formeln sind gar nicht so kompliziert, wie sie auf den ersten Blick aussehen.

Eine Pyramide ist ein besonderer geometrischer Körper. Sie hat eine Grundfläche und eine Spitze. Die Grundfläche kann ein beliebiges Vieleck sein. Am häufigsten triffst du auf Pyramiden mit quadratischer oder rechteckiger Grundfläche.

Von jedem Eckpunkt der Grundfläche läuft eine Kante zur Spitze. Diese Kanten heissen Seitenkanten. Die dreieckigen Flächen zwischen den Seitenkanten nennen wir Seitenflächen oder Mantelflächen.

Stell dir einen Schuhkarton vor. Wenn du alle oberen Ecken zu einem einzigen Punkt in der Mitte zusammendrückst, entsteht eine Pyramidenform. Die Grundfläche bleibt gleich. Aber statt eines Deckels hast du nun eine Spitze.

Bevor wir rechnen, klären wir die Fachbegriffe:

  • Grundfläche GG: Das Vieleck am Boden der Pyramide
  • Höhe hh: Der senkrechte Abstand von der Grundfläche zur Spitze
  • Seitenkante ss: Die Kante von einem Grundflächeneck zur Spitze
  • Mantelfläche MM: Die Summe aller dreieckigen Seitenflächen
  • Höhe der Seitenfläche hsh_s: Die Höhe eines Seitendreiecks (auch Apothema genannt)

Bei einer geraden Pyramide steht die Spitze genau über dem Mittelpunkt der Grundfläche. Die Höhe hh bildet dann einen rechten Winkel zur Grundfläche.

Erinnere dich an das Prisma. Ein Prisma mit der Grundfläche GG und der Höhe hh hat das Volumen V=GhV = G \cdot h. Nun die spannende Frage: Wie verhält sich eine Pyramide dazu?

Mathematiker haben herausgefunden: Genau drei gleiche Pyramiden passen in ein Prisma mit derselben Grundfläche und Höhe. Das Volumen einer Pyramide ist also genau ein Drittel des Prismenvolumens.

DEFINITION

Das Volumen VV einer Pyramide berechnest du mit der Formel:

V=13GhV = \frac{1}{3} \cdot G \cdot h

Dabei ist GG der Flächeninhalt der Grundfläche und hh die Höhe der Pyramide (senkrechter Abstand von der Grundfläche zur Spitze).

So berechnest du das Volumen einer Pyramide:

  1. Grundfläche bestimmen: Berechne den Flächeninhalt der Grundfläche. Bei einem Quadrat: G=a2G = a^2. Bei einem Rechteck: G=abG = a \cdot b.
  2. Höhe ablesen: Lies die Höhe hh aus der Aufgabenstellung ab.
  3. In die Formel einsetzen: Setze GG und hh in die Formel V=13GhV = \frac{1}{3} \cdot G \cdot h ein.
  4. Ausrechnen und Einheit angeben: Berechne das Ergebnis. Die Einheit ist immer eine Volumeneinheit (z.B. cm3\text{cm}^3 oder m3\text{m}^3).

Die Oberfläche setzt sich aus zwei Teilen zusammen: der Grundfläche und der Mantelfläche.

DEFINITION

Die Oberfläche OO einer Pyramide besteht aus der Grundfläche GG und der Mantelfläche MM:

O=G+MO = G + M

Die Mantelfläche MM ist die Summe aller Seitenflächen (Dreiecke).

Bei einer Pyramide mit quadratischer Grundfläche hast du vier gleiche Seitendreiecke. Jedes Dreieck hat als Grundseite die Seitenlänge aa des Quadrats. Die Höhe des Dreiecks ist hsh_s (die Höhe der Seitenfläche).

Die Fläche eines Dreiecks ist 12ahs\frac{1}{2} \cdot a \cdot h_s. Da du vier solche Dreiecke hast:

M=412ahs=2ahsM = 4 \cdot \frac{1}{2} \cdot a \cdot h_s = 2 \cdot a \cdot h_s

Alternativ kannst du den Umfang UU der Grundfläche verwenden:

M=12UhsM = \frac{1}{2} \cdot U \cdot h_s

Bei einem Quadrat mit Seitenlänge aa ist U=4aU = 4a, also M=124ahs=2ahsM = \frac{1}{2} \cdot 4a \cdot h_s = 2 \cdot a \cdot h_s.

Oft ist nur die Pyramidenhöhe hh gegeben, nicht hsh_s. Hier hilft der Satz des Pythagoras.

Betrachte den Querschnitt durch die Pyramide. Du siehst ein Dreieck mit:

  • Der Pyramidenhöhe hh als einer Kathete
  • Der halben Grundseite a2\frac{a}{2} als anderer Kathete
  • Der Höhe der Seitenfläche hsh_s als Hypotenuse

Nach Pythagoras gilt:

hs=h2+(a2)2h_s = \sqrt{h^2 + \left(\frac{a}{2}\right)^2}

Fehler 1: Den Faktor 13\frac{1}{3} vergessen Viele Schüler berechnen V=GhV = G \cdot h statt V=13GhV = \frac{1}{3} \cdot G \cdot h. Das ergibt das dreifache des korrekten Volumens. Merke dir: Körper mit Spitze haben immer den Faktor 13\frac{1}{3} (auch Kegel!).

Fehler 2: Pyramidenhöhe hh mit Seitenflächenhöhe hsh_s verwechseln Die Pyramidenhöhe hh verläuft senkrecht von der Grundfläche zur Spitze. Die Seitenflächenhöhe hsh_s verläuft schräg entlang einer Seitenfläche. Für das Volumen brauchst du hh. Für die Mantelfläche brauchst du hsh_s.

Fehler 3: Einheiten nicht umrechnen Wenn die Grundfläche in cm2\text{cm}^2 und die Höhe in m\text{m} gegeben ist, musst du zuerst umrechnen. Sonst erhältst du ein falsches Ergebnis.

Beispiel 1: Volumen einer Pyramide mit quadratischer Grundfläche

Aufgabe: Eine Pyramide hat eine quadratische Grundfläche mit der Seitenlänge a=6cma = 6 \, \text{cm} und eine Höhe von h=10cmh = 10 \, \text{cm}. Berechne das Volumen.

Lösung:

Schritt 1: Grundfläche berechnen

G=a2=62=36cm2G = a^2 = 6^2 = 36 \, \text{cm}^2

Schritt 2: Volumen berechnen

V=13Gh=133610=3603=120cm3V = \frac{1}{3} \cdot G \cdot h = \frac{1}{3} \cdot 36 \cdot 10 = \frac{360}{3} = 120 \, \text{cm}^3

Antwort: Das Volumen der Pyramide beträgt 120cm3120 \, \text{cm}^3.

Beispiel 2: Oberfläche einer Pyramide berechnen

Aufgabe: Eine Pyramide hat eine quadratische Grundfläche mit a=8cma = 8 \, \text{cm} und eine Pyramidenhöhe von h=9cmh = 9 \, \text{cm}. Berechne die gesamte Oberfläche.

Lösung:

Schritt 1: Grundfläche berechnen

G=a2=82=64cm2G = a^2 = 8^2 = 64 \, \text{cm}^2

Schritt 2: Höhe der Seitenfläche hsh_s berechnen

hs=h2+(a2)2=92+42=81+16=979.85cmh_s = \sqrt{h^2 + \left(\frac{a}{2}\right)^2} = \sqrt{9^2 + 4^2} = \sqrt{81 + 16} = \sqrt{97} \approx 9.85 \, \text{cm}

Schritt 3: Mantelfläche berechnen

M=412ahs=289.85=157.6cm2M = 4 \cdot \frac{1}{2} \cdot a \cdot h_s = 2 \cdot 8 \cdot 9.85 = 157.6 \, \text{cm}^2

Schritt 4: Oberfläche berechnen

O=G+M=64+157.6=221.6cm2O = G + M = 64 + 157.6 = 221.6 \, \text{cm}^2

Antwort: Die Oberfläche der Pyramide beträgt etwa 221.6cm2221.6 \, \text{cm}^2.

Beispiel 3: Höhe einer Pyramide aus dem Volumen berechnen

Aufgabe: Eine Pyramide mit rechteckiger Grundfläche (5m×3m5 \, \text{m} \times 3 \, \text{m}) hat ein Volumen von 25m325 \, \text{m}^3. Wie hoch ist die Pyramide?

Lösung:

Schritt 1: Grundfläche berechnen

G=53=15m2G = 5 \cdot 3 = 15 \, \text{m}^2

Schritt 2: Formel nach hh umstellen

V=13GhV = \frac{1}{3} \cdot G \cdot h

h=3VGh = \frac{3 \cdot V}{G}

Schritt 3: Werte einsetzen

h=32515=7515=5mh = \frac{3 \cdot 25}{15} = \frac{75}{15} = 5 \, \text{m}

Antwort: Die Pyramide ist 5m5 \, \text{m} hoch.

Beispiel 4: Alltagsanwendung – Dachkonstruktion

Aufgabe: Ein Gartenhäuschen soll ein pyramidenförmiges Dach bekommen. Die Grundfläche ist quadratisch mit 4m4 \, \text{m} Seitenlänge. Das Dach soll 2m2 \, \text{m} hoch sein. Wie viele Quadratmeter Dachpappe werden für die Mantelfläche benötigt?

Lösung:

Schritt 1: Höhe der Seitenfläche berechnen

hs=h2+(a2)2=22+22=4+4=82.83mh_s = \sqrt{h^2 + \left(\frac{a}{2}\right)^2} = \sqrt{2^2 + 2^2} = \sqrt{4 + 4} = \sqrt{8} \approx 2.83 \, \text{m}

Schritt 2: Mantelfläche berechnen

M=2ahs=242.83=22.64m2M = 2 \cdot a \cdot h_s = 2 \cdot 4 \cdot 2.83 = 22.64 \, \text{m}^2

Schritt 3: Verschnitt einrechnen (in der Praxis üblich: etwa 10%)

Mgesamt=22.641.125m2M_{\text{gesamt}} = 22.64 \cdot 1.1 \approx 25 \, \text{m}^2

Antwort: Für das Dach werden etwa 25m225 \, \text{m}^2 Dachpappe benötigt (inkl. Verschnitt).

Eine regelmässige Pyramide hat als Grundfläche ein regelmässiges Vieleck (z.B. gleichseitiges Dreieck, Quadrat, regelmässiges Sechseck). Die Spitze liegt genau über dem Mittelpunkt der Grundfläche. Alle Seitenkanten sind gleich lang. Alle Seitenflächen sind kongruente (deckungsgleiche) Dreiecke.

Das Tetraeder ist eine Pyramide mit gleichseitigem Dreieck als Grundfläche. Es hat vier dreieckige Flächen, vier Ecken und sechs Kanten. Wenn alle vier Flächen gleichseitige Dreiecke sind, spricht man von einem regelmässigen Tetraeder.

Für ein regelmässiges Tetraeder mit Kantenlänge aa gilt:

V=a3212V = \frac{a^3 \cdot \sqrt{2}}{12}

O=a23O = a^2 \cdot \sqrt{3}

  • Volumen: V=13GhV = \frac{1}{3} \cdot G \cdot h – Eine Pyramide hat genau ein Drittel des Volumens eines Prismas mit gleicher Grundfläche und Höhe.
  • Oberfläche: O=G+MO = G + M – Die Oberfläche setzt sich aus Grundfläche und Mantelfläche zusammen.
  • Mantelfläche: Bei quadratischer Grundfläche gilt M=2ahsM = 2 \cdot a \cdot h_s. Die Seitenflächenhöhe hsh_s berechnest du mit Pythagoras.
  • Achtung bei den Höhen: Die Pyramidenhöhe hh (senkrecht) und die Seitenflächenhöhe hsh_s (schräg) sind unterschiedliche Grössen.
❓ Frage:

Eine Pyramide hat eine quadratische Grundfläche mit a=10cma = 10 \, \text{cm} und eine Höhe von h=15cmh = 15 \, \text{cm}. Wie gross ist das Volumen?

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Lösung:

G=102=100cm2G = 10^2 = 100 \, \text{cm}^2

V=1310015=15003=500cm3V = \frac{1}{3} \cdot 100 \cdot 15 = \frac{1500}{3} = 500 \, \text{cm}^3

Das Volumen beträgt 500 cm³.

❓ Frage:

Warum hat die Volumenformel der Pyramide den Faktor 13\frac{1}{3}?

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Der Faktor 13\frac{1}{3} kommt daher, dass genau drei gleiche Pyramiden in ein Prisma mit derselben Grundfläche und Höhe passen. Das Volumen einer Pyramide ist also genau ein Drittel des entsprechenden Prismenvolumens.

❓ Frage:

Eine Pyramide mit quadratischer Grundfläche (a=6cma = 6 \, \text{cm}) hat eine Pyramidenhöhe von h=4cmh = 4 \, \text{cm}. Berechne die Höhe der Seitenfläche hsh_s.

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Lösung:

Die halbe Grundseite beträgt a2=62=3cm\frac{a}{2} = \frac{6}{2} = 3 \, \text{cm}.

Mit dem Satz des Pythagoras:

hs=h2+(a2)2=42+32=16+9=25=5cmh_s = \sqrt{h^2 + \left(\frac{a}{2}\right)^2} = \sqrt{4^2 + 3^2} = \sqrt{16 + 9} = \sqrt{25} = 5 \, \text{cm}

Die Höhe der Seitenfläche beträgt 5 cm.

Du hast nun die Pyramide gemeistert. Der nächste Schritt ist der Kegel. Ein Kegel ist sozusagen eine Pyramide mit kreisförmiger Grundfläche – oder unendlich vielen Seitenflächen, wenn du so willst.

Die gute Nachricht: Die Volumenformel ist fast identisch. Statt V=13GhV = \frac{1}{3} \cdot G \cdot h verwendest du für den Kegel V=13πr2hV = \frac{1}{3} \cdot \pi \cdot r^2 \cdot h. Der Faktor 13\frac{1}{3} bleibt erhalten.

Danach folgt die Kugel – der einzige Körper ohne Ecken und Kanten. Mit diesen drei Körpern (Pyramide, Kegel, Kugel) bist du bestens für weiterführende Geometrie gerüstet.