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Kombinatorik einfach erklärt: So bestimmst du Anzahlen systematisch

Kehren wir zu deinem Kleiderschrank zurück. Du hast 4 T-Shirts (nennen wir sie T1T_1, T2T_2, T3T_3, T4T_4) und 3 Hosen (H1H_1, H2H_2, H3H_3). Für jedes T-Shirt hast du 3 Möglichkeiten bei der Hosenwahl. Das ergibt:

43=12 Outfits4 \cdot 3 = 12 \text{ Outfits}

Dieses einfache Prinzip ist der Grundstein der Kombinatorik. Du zählst nicht jede Möglichkeit einzeln. Stattdessen multiplizierst du die Anzahlen der Wahlmöglichkeiten.

Eine Tabelle hilft dir, das zu visualisieren:

T-ShirtMögliche HosenAnzahl Kombinationen
T1T_1H1H_1, H2H_2, H3H_33
T2T_2H1H_1, H2H_2, H3H_33
T3T_3H1H_1, H2H_2, H3H_33
T4T_4H1H_1, H2H_2, H3H_33
Gesamt12

Das Produktprinzip (auch Multiplikationsprinzip genannt) ist die Basis für fast alle Zählprobleme. Es funktioniert immer dann, wenn du mehrere unabhängige Entscheidungen nacheinander triffst.

So wendest du das Produktprinzip an:

  1. Zerlege das Problem in einzelne, unabhängige Entscheidungen.
  2. Bestimme für jede Entscheidung die Anzahl der Möglichkeiten.
  3. Multipliziere alle Anzahlen miteinander.

Manchmal geht es darum, Objekte in eine Reihenfolge zu bringen. Stell dir vor, 5 Personen stellen sich für ein Foto auf. Auf wie viele Arten können sie sich anordnen?

Für den ersten Platz hast du 5 Möglichkeiten. Für den zweiten Platz bleiben noch 4 Personen übrig. Für den dritten Platz 3, und so weiter.

54321=1205 \cdot 4 \cdot 3 \cdot 2 \cdot 1 = 120

Dieses Produkt schreibt man kürzer als 5!5! (gesprochen: “fünf Fakultät”).

Aber was, wenn du nur einen Teil der Objekte anordnest? Wenn aus 8 Läufern nur die ersten 3 Plätze (Gold, Silber, Bronze) vergeben werden?

Für Gold hast du 8 Möglichkeiten, für Silber 7 und für Bronze 6:

876=3368 \cdot 7 \cdot 6 = 336

Diese Rechnung lässt sich auch so schreiben:

8!(83)!=8!5!=8765!5!=876=336\frac{8!}{(8-3)!} = \frac{8!}{5!} = \frac{8 \cdot 7 \cdot 6 \cdot 5!}{5!} = 8 \cdot 7 \cdot 6 = 336

Oft ist die Reihenfolge egal. Wenn du 3 Schüler aus einer Klasse von 10 für ein Projekt auswählst, ist es egal, in welcher Reihenfolge du sie nennst. Die Gruppe (Anna, Ben, Clara) ist dieselbe wie (Clara, Anna, Ben).

Hier kommt der Binomialkoeffizient ins Spiel. Du berechnest zuerst die Permutationen und teilst dann durch die Anzahl der Anordnungen, die zur selben Gruppe führen.

Für 3 aus 10:

10!(103)!3!=10!7!3!=1098321=7206=120\frac{10!}{(10-3)! \cdot 3!} = \frac{10!}{7! \cdot 3!} = \frac{10 \cdot 9 \cdot 8}{3 \cdot 2 \cdot 1} = \frac{720}{6} = 120

Ein entscheidender Unterschied in der Kombinatorik ist die Frage: Dürfen Elemente mehrfach gewählt werden?

Ohne Wiederholung: Jedes Objekt kann nur einmal gewählt werden. Beispiel: Auswahl von Klassensprechern (eine Person kann nicht zweimal gewählt werden).

Mit Wiederholung: Objekte dürfen mehrfach vorkommen. Beispiel: PIN-Code mit 4 Ziffern (die Ziffer 7 kann mehrfach vorkommen).

Für einen 4-stelligen PIN-Code mit den Ziffern 0-9:

10101010=104=1000010 \cdot 10 \cdot 10 \cdot 10 = 10^4 = 10000

Jede Stelle ist unabhängig und hat 10 Möglichkeiten.

Bei Zählproblemen stellst du dir immer zwei Fragen:

  1. Spielt die Reihenfolge eine Rolle?

    • Ja → Permutation
    • Nein → Kombination
  2. Ist Wiederholung erlaubt?

    • Ja → Mit Wiederholung rechnen
    • Nein → Ohne Wiederholung rechnen

Diese Tabelle fasst die vier Grundfälle zusammen:

Mit ReihenfolgeOhne Reihenfolge
Ohne Wiederholungn!(nk)!\frac{n!}{(n-k)!}(nk)\binom{n}{k}
Mit Wiederholungnkn^k(n+k1k)\binom{n+k-1}{k}
Beispiel 1: Nummernschilder

In einem Kanton werden Nummernschilder vergeben. Sie bestehen aus 2 Buchstaben (A-Z, ohne Umlaute) gefolgt von 4 Ziffern (0-9). Wie viele verschiedene Nummernschilder sind möglich?

Lösung:

Wir zerlegen das Problem in Schritte:

    1. Buchstabe: 26 Möglichkeiten
    1. Buchstabe: 26 Möglichkeiten (Wiederholung erlaubt)
    1. Ziffer: 10 Möglichkeiten
    1. Ziffer: 10 Möglichkeiten
    1. Ziffer: 10 Möglichkeiten
    1. Ziffer: 10 Möglichkeiten

Nach dem Produktprinzip:

262610101010=262104=67610000=676000026 \cdot 26 \cdot 10 \cdot 10 \cdot 10 \cdot 10 = 26^2 \cdot 10^4 = 676 \cdot 10000 = 6760000

Es sind 6’760’000 verschiedene Nummernschilder möglich.

Beispiel 2: Sitzordnung im Kino

Eine Gruppe von 6 Freunden geht ins Kino. Sie haben eine Reihe mit genau 6 Plätzen. Auf wie viele Arten können sie sich setzen?

Lösung:

Hier geht es um die Anordnung aller 6 Personen auf 6 Plätze. Jede Person sitzt auf genau einem Platz (ohne Wiederholung) und die Reihenfolge ist wichtig.

Das ist eine Permutation von 6 Objekten:

6!=654321=7206! = 6 \cdot 5 \cdot 4 \cdot 3 \cdot 2 \cdot 1 = 720

Es gibt 720 verschiedene Sitzordnungen.

Beispiel 3: Lotto 6 aus 45

Beim Schweizer Zahlenlotto werden 6 Zahlen aus 45 gezogen. Wie viele verschiedene Tipps sind möglich?

Lösung:

Bei Lotto zählt die Reihenfolge nicht (es ist egal, ob die 7 als erste oder letzte Zahl gezogen wird). Jede Zahl kann nur einmal gezogen werden.

Das ist eine Kombination ohne Wiederholung:

(456)=45!6!39!=454443424140654321\binom{45}{6} = \frac{45!}{6! \cdot 39!} = \frac{45 \cdot 44 \cdot 43 \cdot 42 \cdot 41 \cdot 40}{6 \cdot 5 \cdot 4 \cdot 3 \cdot 2 \cdot 1}

Wir rechnen schrittweise:

Zähler: 454443424140=586444320045 \cdot 44 \cdot 43 \cdot 42 \cdot 41 \cdot 40 = 5'864'443'200

Nenner: 6!=7206! = 720

(456)=5864443200720=8145060\binom{45}{6} = \frac{5'864'443'200}{720} = 8'145'060

Es gibt 8’145’060 verschiedene Tippmöglichkeiten.

Beispiel 4: Eiscreme-Kombinationen

An einem Eisstand gibt es 8 Sorten. Du möchtest eine Waffel mit 3 Kugeln. Du darfst dieselbe Sorte mehrfach wählen. Die Reihenfolge der Kugeln ist egal. Wie viele Möglichkeiten hast du?

Lösung:

Hier ist Wiederholung erlaubt (du kannst 3× Schokolade nehmen) und die Reihenfolge spielt keine Rolle.

Das ist eine Kombination mit Wiederholung:

(n+k1k)=(8+313)=(103)\binom{n+k-1}{k} = \binom{8+3-1}{3} = \binom{10}{3}

(103)=10!3!7!=1098321=7206=120\binom{10}{3} = \frac{10!}{3! \cdot 7!} = \frac{10 \cdot 9 \cdot 8}{3 \cdot 2 \cdot 1} = \frac{720}{6} = 120

Es gibt 120 verschiedene Eis-Kombinationen.

  • Das Produktprinzip ist die Basis: Bei unabhängigen Entscheidungen multipliziere die Anzahlen der Möglichkeiten.
  • Die Fakultät n!n! zählt die Anordnungen von nn verschiedenen Objekten.
  • Der Binomialkoeffizient (nk)\binom{n}{k} zählt die Möglichkeiten, kk aus nn Objekten auszuwählen, wenn die Reihenfolge egal ist.
  • Stelle dir immer zwei Fragen: Zählt die Reihenfolge? und Ist Wiederholung erlaubt?
❓ Frage: Ein Passwort besteht aus 3 Kleinbuchstaben (a-z) gefolgt von 2 Ziffern (0-9). Zeichen dürfen sich wiederholen. Wie viele verschiedene Passwörter gibt es?
Lösung anzeigen

Nach dem Produktprinzip:

  • 3 Buchstaben: 262626=26326 \cdot 26 \cdot 26 = 26^3
  • 2 Ziffern: 1010=10210 \cdot 10 = 10^2

Gesamt: 263102=17576100=175760026^3 \cdot 10^2 = 17576 \cdot 100 = 1'757'600

Es gibt 1’757’600 verschiedene Passwörter.

❓ Frage: Aus einer Schulklasse mit 25 Schülern sollen 4 Schüler für einen Wettbewerb ausgewählt werden. Wie viele Möglichkeiten gibt es?
Lösung anzeigen

Die Reihenfolge spielt keine Rolle (alle 4 nehmen gleichberechtigt teil). Jeder Schüler kann nur einmal gewählt werden.

(254)=25!4!21!=252423224321=30360024=12650\binom{25}{4} = \frac{25!}{4! \cdot 21!} = \frac{25 \cdot 24 \cdot 23 \cdot 22}{4 \cdot 3 \cdot 2 \cdot 1} = \frac{303600}{24} = 12650

Es gibt 12’650 Möglichkeiten.

❓ Frage: Auf einem Siegertreppchen werden die Plätze 1, 2 und 3 vergeben. Es nehmen 10 Sportler am Wettkampf teil. Auf wie viele Arten können die Medaillen verteilt werden?
Lösung anzeigen

Hier zählt die Reihenfolge (Gold ist nicht dasselbe wie Bronze). Jeder Sportler kann nur einen Platz belegen.

10!(103)!=10!7!=1098=720\frac{10!}{(10-3)!} = \frac{10!}{7!} = 10 \cdot 9 \cdot 8 = 720

Es gibt 720 Möglichkeiten, die Medaillen zu vergeben.

Du hast jetzt die Grundlagen der Kombinatorik kennengelernt. Diese Methoden sind das Fundament für ein wichtiges Thema, das oft im gleichen Schuljahr folgt: die Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Dort wirst du berechnen, wie wahrscheinlich bestimmte Ereignisse sind. Und rate mal, was du dafür brauchst? Genau – du musst die Anzahl der günstigen Fälle und die Anzahl aller möglichen Fälle bestimmen. Beides machst du mit Kombinatorik.

Auch in späteren Kapiteln wie der Binomialverteilung wird der Binomialkoeffizient eine zentrale Rolle spielen. Die Mühe, die du jetzt investierst, zahlt sich also mehrfach aus!