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Symmetrie von Funktionen erkennen: Achsensymmetrie und Punktsymmetrie einfach erklärt

Stell dir vor, du faltest ein Blatt Papier genau in der Mitte und malst auf eine Hälfte einen Schmetterling. Wenn du das Papier wieder aufklappst, siehst du den kompletten Schmetterling – perfekt gespiegelt auf beiden Seiten. Dieses Prinzip der Spiegelung begegnet dir überall: bei Gesichtern, Gebäuden, Logos und sogar bei mathematischen Funktionen. In der Mathematik nutzen wir die Symmetrie, um Funktionen schneller zu verstehen, einfacher zu zeichnen und ihre Eigenschaften auf einen Blick zu erkennen. Du wirst lernen, wie du mit einem einfachen Trick sofort erkennst, ob eine Funktion symmetrisch ist – ganz ohne den Graphen zu zeichnen.

Erinnerst du dich an den Schmetterling? Die Faltkante war die Symmetrieachse. Bei Funktionen ist diese Achse oft die yy-Achse. Wenn du den Graphen einer Funktion entlang der yy-Achse falten könntest und beide Hälften genau übereinanderliegen würden, dann ist die Funktion achsensymmetrisch zur yy-Achse.

Es gibt aber noch eine zweite Art von Symmetrie: die Punktsymmetrie. Stell dir vor, du steckst eine Nadel in den Ursprung eines Koordinatensystems und drehst den Graphen um 180 Grad. Wenn der Graph danach genauso aussieht wie vorher, dann ist die Funktion punktsymmetrisch zum Ursprung.

Diese beiden Symmetriearten sind die wichtigsten bei der Funktionsuntersuchung:

  • Achsensymmetrie zur yy-Achse: Der Graph ist an der yy-Achse gespiegelt.
  • Punktsymmetrie zum Ursprung: Der Graph lässt sich um den Ursprung um 180° drehen.

Das Zeichnen eines Graphen kostet Zeit. Zum Glück gibt es einen eleganten algebraischen Test, mit dem du die Symmetrie direkt an der Funktionsgleichung erkennst.

Die Idee: Du setzt x-x für xx in die Funktion ein und vergleichst das Ergebnis mit der ursprünglichen Funktion f(x)f(x).

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Notiere die Funktion f(x)f(x).
  2. Ersetze jedes xx durch x-x und berechne f(x)f(-x).
  3. Vereinfache f(x)f(-x) so weit wie möglich.
  4. Vergleiche f(x)f(-x) mit f(x)f(x):
    • Falls f(x)=f(x)f(-x) = f(x): Die Funktion ist achsensymmetrisch zur yy-Achse.
    • Falls f(x)=f(x)f(-x) = -f(x): Die Funktion ist punktsymmetrisch zum Ursprung.
    • Falls keines von beiden zutrifft: Die Funktion besitzt keine Symmetrie dieser Art.
DEFINITION

Eine Funktion ff heisst gerade (achsensymmetrisch zur yy-Achse), wenn für alle xx im Definitionsbereich gilt:

f(x)=f(x)f(-x) = f(x)

Eine Funktion ff heisst ungerade (punktsymmetrisch zum Ursprung), wenn für alle xx im Definitionsbereich gilt:

f(x)=f(x)f(-x) = -f(x)

Dabei bedeutet f(x)f(x) den Funktionswert an der Stelle xx und f(x)f(-x) den Funktionswert an der gespiegelten Stelle x-x.

Es gibt eine praktische Faustregel, die dir bei Polynomfunktionen das Leben erleichtert:

  • Enthält eine Funktion nur gerade Exponenten (wie x0x^0, x2x^2, x4x^4, …), ist sie achsensymmetrisch.
  • Enthält eine Funktion nur ungerade Exponenten (wie x1x^1, x3x^3, x5x^5, …), ist sie punktsymmetrisch.
  • Enthält eine Funktion sowohl gerade als auch ungerade Exponenten, besitzt sie keine Symmetrie.

Beachte: x0=1x^0 = 1 ist ein gerader Exponent. Eine Konstante wie +3+3 zählt also als gerader Term.

Fehler 1: Vorzeichenfehler beim Einsetzen von x-x

Wenn du x-x in einen Term wie x3x^3 einsetzt, erhältst du (x)3=x3(-x)^3 = -x^3. Viele Schüler vergessen die Klammer und schreiben fälschlich x3-x^3 ohne zu berechnen. Setze immer eine Klammer um das x-x und potenziere dann sorgfältig.

Fehler 2: Gemischte Exponenten übersehen

Bei f(x)=x3+2f(x) = x^3 + 2 denken manche: “Nur x3x^3, also punktsymmetrisch.” Aber die Konstante 2=2x02 = 2x^0 hat einen geraden Exponenten. Die Funktion enthält also gerade und ungerade Exponenten und ist nicht symmetrisch.

Fehler 3: Symmetrie nur grafisch prüfen

Ein Graph kann täuschen, besonders wenn er nicht exakt gezeichnet ist. Die algebraische Prüfung mit f(x)f(-x) liefert immer das sichere Ergebnis.

Beispiel 1: Achsensymmetrie nachweisen

Untersuche f(x)=x43x2+5f(x) = x^4 - 3x^2 + 5 auf Symmetrie.

Schritt 1: Funktion notieren.

f(x)=x43x2+5f(x) = x^4 - 3x^2 + 5

Schritt 2: x-x einsetzen.

f(x)=(x)43(x)2+5f(-x) = (-x)^4 - 3(-x)^2 + 5

Schritt 3: Vereinfachen.

(x)4=x4(-x)^4 = x^4

(x)2=x2(-x)^2 = x^2

f(x)=x43x2+5f(-x) = x^4 - 3x^2 + 5

Schritt 4: Vergleichen.

f(x)=x43x2+5=f(x)f(-x) = x^4 - 3x^2 + 5 = f(x)

Da f(x)=f(x)f(-x) = f(x) gilt, ist die Funktion achsensymmetrisch zur yy-Achse.

Kontrolle: Alle Exponenten (4, 2, 0) sind gerade. Das passt.

Beispiel 2: Punktsymmetrie nachweisen

Untersuche f(x)=x54x3+2xf(x) = x^5 - 4x^3 + 2x auf Symmetrie.

Schritt 1: Funktion notieren.

f(x)=x54x3+2xf(x) = x^5 - 4x^3 + 2x

Schritt 2: x-x einsetzen.

f(x)=(x)54(x)3+2(x)f(-x) = (-x)^5 - 4(-x)^3 + 2(-x)

Schritt 3: Vereinfachen.

(x)5=x5(-x)^5 = -x^5

(x)3=x3(-x)^3 = -x^3

(x)=x(-x) = -x

f(x)=x54(x3)+2(x)f(-x) = -x^5 - 4 \cdot (-x^3) + 2 \cdot (-x)

f(x)=x5+4x32xf(-x) = -x^5 + 4x^3 - 2x

Schritt 4: f(x)-f(x) berechnen und vergleichen.

f(x)=(x54x3+2x)=x5+4x32x-f(x) = -(x^5 - 4x^3 + 2x) = -x^5 + 4x^3 - 2x

f(x)=x5+4x32x=f(x)f(-x) = -x^5 + 4x^3 - 2x = -f(x)

Da f(x)=f(x)f(-x) = -f(x) gilt, ist die Funktion punktsymmetrisch zum Ursprung.

Kontrolle: Alle Exponenten (5, 3, 1) sind ungerade. Das passt.

Beispiel 3: Keine Symmetrie

Untersuche f(x)=x3+x21f(x) = x^3 + x^2 - 1 auf Symmetrie.

Schritt 1: Funktion notieren.

f(x)=x3+x21f(x) = x^3 + x^2 - 1

Schritt 2: x-x einsetzen.

f(x)=(x)3+(x)21f(-x) = (-x)^3 + (-x)^2 - 1

Schritt 3: Vereinfachen.

(x)3=x3(-x)^3 = -x^3

(x)2=x2(-x)^2 = x^2

f(x)=x3+x21f(-x) = -x^3 + x^2 - 1

Schritt 4: Vergleichen mit f(x)f(x) und f(x)-f(x).

f(x)=x3+x21f(x) = x^3 + x^2 - 1

f(x)=x3+x21f(-x) = -x^3 + x^2 - 1

Ist f(x)=f(x)f(-x) = f(x)? Nein, denn x3x3-x^3 \neq x^3.

f(x)=x3x2+1-f(x) = -x^3 - x^2 + 1

Ist f(x)=f(x)f(-x) = -f(x)? Nein, denn x21x2+1x^2 - 1 \neq -x^2 + 1.

Die Funktion ist weder achsensymmetrisch noch punktsymmetrisch.

Erklärung: Die Funktion enthält x3x^3 (ungerade) und x2x^2 (gerade) sowie 1-1 (gerade). Gerade und ungerade Exponenten sind gemischt.

Beispiel 4: Trigonometrische Funktionen

Untersuche f(x)=sin(x)f(x) = \sin(x) und g(x)=cos(x)g(x) = \cos(x) auf Symmetrie.

Für f(x)=sin(x)f(x) = \sin(x):

f(x)=sin(x)f(-x) = \sin(-x)

Die Sinusfunktion hat die Eigenschaft: sin(x)=sin(x)\sin(-x) = -\sin(x).

f(x)=sin(x)=f(x)f(-x) = -\sin(x) = -f(x)

Die Sinusfunktion ist punktsymmetrisch zum Ursprung.

Für g(x)=cos(x)g(x) = \cos(x):

g(x)=cos(x)g(-x) = \cos(-x)

Die Kosinusfunktion hat die Eigenschaft: cos(x)=cos(x)\cos(-x) = \cos(x).

g(x)=cos(x)=g(x)g(-x) = \cos(x) = g(x)

Die Kosinusfunktion ist achsensymmetrisch zur yy-Achse.

Diese Eigenschaften solltest du dir merken. Sie werden bei trigonometrischen Funktionsuntersuchungen häufig benötigt.

Beispiel 5: Rationale Funktion

Untersuche f(x)=x2x2+1f(x) = \frac{x^2}{x^2 + 1} auf Symmetrie.

Schritt 1: Funktion notieren.

f(x)=x2x2+1f(x) = \frac{x^2}{x^2 + 1}

Schritt 2: x-x einsetzen.

f(x)=(x)2(x)2+1f(-x) = \frac{(-x)^2}{(-x)^2 + 1}

Schritt 3: Vereinfachen.

(x)2=x2(-x)^2 = x^2

f(x)=x2x2+1f(-x) = \frac{x^2}{x^2 + 1}

Schritt 4: Vergleichen.

f(x)=x2x2+1=f(x)f(-x) = \frac{x^2}{x^2 + 1} = f(x)

Die Funktion ist achsensymmetrisch zur yy-Achse.

Bei Brüchen gilt: Prüfe Zähler und Nenner getrennt. Hier enthalten beide nur gerade Potenzen von xx.

Die Symmetrie einer Funktion zu kennen, bringt dir handfeste Vorteile:

Beim Zeichnen: Du musst nur eine Hälfte des Graphen berechnen. Die andere Hälfte ergibt sich durch Spiegelung (bei Achsensymmetrie) oder Drehung (bei Punktsymmetrie).

Bei Nullstellen: Achsensymmetrische Funktionen haben Nullstellen, die symmetrisch zur yy-Achse liegen. Wenn x=2x = 2 eine Nullstelle ist, dann auch x=2x = -2.

Bei Extrema: Achsensymmetrische Funktionen haben an der Stelle x=0x = 0 entweder ein Maximum, ein Minimum oder einen Wendepunkt.

Bei Integralen: Punktsymmetrische Funktionen haben die besondere Eigenschaft, dass das Integral von a-a bis aa gleich null ist.

  • Achsensymmetrie zur yy-Achse: f(x)=f(x)f(-x) = f(x) – der Graph ist an der yy-Achse gespiegelt.
  • Punktsymmetrie zum Ursprung: f(x)=f(x)f(-x) = -f(x) – der Graph lässt sich um 180° um den Ursprung drehen.
  • Faustregel für Polynome: Nur gerade Exponenten → achsensymmetrisch. Nur ungerade Exponenten → punktsymmetrisch. Gemischt → keine Symmetrie.
  • Prüfmethode: Setze x-x ein, vereinfache und vergleiche mit f(x)f(x) bzw. f(x)-f(x).
❓ Frage: Ist die Funktion f(x)=x62x4+x2f(x) = x^6 - 2x^4 + x^2 achsensymmetrisch, punktsymmetrisch oder keines von beiden?
Lösung anzeigen

Achsensymmetrisch zur yy-Achse.

Alle Exponenten (6, 4, 2) sind gerade. Du kannst es auch nachrechnen:

f(x)=(x)62(x)4+(x)2=x62x4+x2=f(x)f(-x) = (-x)^6 - 2(-x)^4 + (-x)^2 = x^6 - 2x^4 + x^2 = f(x)

❓ Frage: Welche Symmetrie besitzt f(x)=x3x2+4f(x) = \frac{x^3}{x^2 + 4}?
Lösung anzeigen

Punktsymmetrie zum Ursprung.

Einsetzen: f(x)=(x)3(x)2+4=x3x2+4f(-x) = \frac{(-x)^3}{(-x)^2 + 4} = \frac{-x^3}{x^2 + 4}

Vergleich: f(x)=x3x2+4=x3x2+4-f(x) = -\frac{x^3}{x^2 + 4} = \frac{-x^3}{x^2 + 4}

Da f(x)=f(x)f(-x) = -f(x), ist die Funktion punktsymmetrisch.

Erklärung: Der Zähler hat nur ungerade Potenzen (x3x^3), der Nenner nur gerade (x2x^2, x0x^0). Ungerade geteilt durch gerade ergibt ungerade → Punktsymmetrie.

❓ Frage: Untersuche f(x)=x4+x3f(x) = x^4 + x^3 auf Symmetrie. Begründe dein Ergebnis.
Lösung anzeigen

Keine Symmetrie.

Rechnung: f(x)=(x)4+(x)3=x4x3f(-x) = (-x)^4 + (-x)^3 = x^4 - x^3

Vergleich mit f(x)=x4+x3f(x) = x^4 + x^3: Die Vorzeichen bei x3x^3 unterscheiden sich → nicht achsensymmetrisch.

Vergleich mit f(x)=x4x3-f(x) = -x^4 - x^3: Auch hier stimmt es nicht überein → nicht punktsymmetrisch.

Begründung: Die Funktion enthält x4x^4 (gerade) und x3x^3 (ungerade). Gemischte Exponenten führen zu keiner Symmetrie.

Nachdem du die Symmetrie von Funktionen verstanden hast, geht es im nächsten Schritt um das Verhalten von Funktionen an den Rändern ihres Definitionsbereichs. Du wirst lernen, was passiert, wenn xx gegen ++\infty oder -\infty strebt. Dieses sogenannte Grenzwertverhalten hilft dir, den Verlauf von Funktionen noch besser zu verstehen und komplette Kurvendiskussionen durchzuführen. Die Symmetrie wird dir dabei immer wieder begegnen – denn wenn du weisst, dass eine Funktion achsensymmetrisch ist, kennst du automatisch auch das Verhalten für negative xx-Werte, sobald du das Verhalten für positive xx-Werte analysiert hast.