Monotonie von Funktionen einfach erklärt: Wann steigt oder fällt der Graph?
Stell dir vor, du wanderst auf einem Bergpfad. Manchmal geht es bergauf, manchmal bergab, und zwischendurch gibt es flache Abschnitte. Wenn dich jemand fragt, wie der Weg verläuft, beschreibst du automatisch diese Auf- und Abstiege. Genau das machen Mathematiker auch mit Funktionsgraphen. Sie untersuchen, wo der Graph “bergauf” geht, wo er “bergab” geht und wo er flach verläuft. Diese Eigenschaft nennt man Monotonie. Mit diesem Wissen kannst du das Verhalten einer Funktion präzise beschreiben und verstehst, warum Graphen so aussehen, wie sie aussehen.
Vom Bergpfad zum Funktionsgraph
Abschnitt betitelt „Vom Bergpfad zum Funktionsgraph“Kehren wir zu unserem Bergpfad zurück. Wenn du von links nach rechts auf der Karte schaust, erkennst du sofort: Geht der Weg nach oben oder nach unten? Beim Funktionsgraph ist es genauso. Du betrachtest den Graphen immer von links nach rechts, also in Richtung wachsender -Werte.
Stell dir vor, eine kleine Figur läuft auf dem Graphen von links nach rechts. Muss sie dabei klettern? Dann steigt der Graph. Rutscht sie nach unten? Dann fällt der Graph. Läuft sie auf gleicher Höhe? Dann ist der Graph konstant.
Diese einfache Beobachtung ist bereits der Kern der Monotonie. Wir übersetzen jetzt dieses Bild in die Sprache der Mathematik.
Was bedeutet Monotonie mathematisch?
Abschnitt betitelt „Was bedeutet Monotonie mathematisch?“Die Monotonie beschreibt das Steigungsverhalten einer Funktion. Sie beantwortet die Frage: Werden die -Werte grösser oder kleiner, wenn die -Werte grösser werden?
Es gibt vier verschiedene Arten von Monotonie:
Streng monoton steigend: Der Graph geht immer bergauf. Wenn grösser wird, wird auch grösser. Die kleine Figur muss ständig klettern.
Monoton steigend: Der Graph geht bergauf oder verläuft horizontal. Er geht aber nie bergab. Die Figur klettert oder läuft auf gleicher Höhe.
Streng monoton fallend: Der Graph geht immer bergab. Wenn grösser wird, wird kleiner. Die Figur rutscht ständig nach unten.
Monoton fallend: Der Graph geht bergab oder verläuft horizontal. Er geht aber nie bergauf. Die Figur rutscht oder läuft auf gleicher Höhe.
Eine Funktion heisst auf einem Intervall :
- streng monoton steigend, wenn für alle mit gilt:
- streng monoton fallend, wenn für alle mit gilt:
Die Ableitung gibt Auskunft über die Monotonie:
- bedeutet: ist streng monoton steigend
- bedeutet: ist streng monoton fallend
- bedeutet: hat eine waagrechte Tangente (mögliche Extremstelle)
So bestimmst du die Monotonie Schritt für Schritt
Abschnitt betitelt „So bestimmst du die Monotonie Schritt für Schritt“Die Ableitung ist dein wichtigstes Werkzeug bei der Monotonie-Untersuchung. Sie zeigt dir, ob der Graph an einer Stelle steigt oder fällt. Hier ist deine Schritt-für-Schritt-Anleitung:
-
Bilde die erste Ableitung der Funktion .
-
Bestimme die Nullstellen der Ableitung. Setze und löse nach . Diese Stellen sind mögliche Extremstellen, wo die Monotonie wechseln kann.
-
Erstelle eine Vorzeichentabelle. Unterteile die -Achse anhand der Nullstellen in Intervalle. Prüfe für jedes Intervall, ob positiv oder negativ ist.
-
Formuliere die Monotonie. Übersetze die Vorzeichen der Ableitung in die Monotonie-Aussagen.
Die Vorzeichentabelle ist dabei besonders hilfreich. Du wählst aus jedem Intervall einen beliebigen Testwert und setzt ihn in ein. Das Vorzeichen des Ergebnisses gilt für das gesamte Intervall.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Abschnitt betitelt „Häufige Fehler und wie du sie vermeidest“Fehler 1: Die Ableitung vergessen Viele Schüler versuchen, die Monotonie direkt aus abzulesen. Das funktioniert nur bei sehr einfachen Funktionen. Bilde immer zuerst die Ableitung .
Fehler 2: Vorzeichen falsch interpretieren Merke dir: bedeutet steigend, bedeutet fallend. Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung. Denke an die Bergwanderung: Positive Steigung heisst bergauf.
Fehler 3: Intervallgrenzen vertauschen Bei der Angabe der Monotonie-Intervalle müssen die Grenzen korrekt sein. Schreibe immer den kleineren -Wert zuerst. Also und nicht .
Fehler 4: Definitionslücken übersehen Wenn die Funktion an einer Stelle nicht definiert ist, musst du dort das Intervall unterbrechen. Prüfe immer zuerst den Definitionsbereich.
Beispiele
Abschnitt betitelt „Beispiele“Untersuche die Funktion auf Monotonie.
Schritt 1: Ableitung bilden
Schritt 2: Nullstellen der Ableitung
Schritt 3: Vorzeichentabelle
| Intervall | Testwert | Vorzeichen | |
|---|---|---|---|
| negativ | |||
| positiv |
Schritt 4: Monotonie formulieren
Die Funktion ist streng monoton fallend für .
Die Funktion ist streng monoton steigend für .
Bei hat die Funktion einen Tiefpunkt.
Untersuche die Funktion auf Monotonie.
Schritt 1: Ableitung bilden
Schritt 2: Nullstellen der Ableitung
Schritt 3: Vorzeichentabelle
| Intervall | Testwert | Vorzeichen | |
|---|---|---|---|
| positiv | |||
| negativ | |||
| positiv |
Schritt 4: Monotonie formulieren
Die Funktion ist streng monoton steigend für .
Die Funktion ist streng monoton fallend für .
Die Funktion ist streng monoton steigend für .
Bei liegt ein Hochpunkt vor, bei ein Tiefpunkt.
Untersuche die Funktion auf Monotonie für .
Schritt 1: Ableitung bilden (Quotientenregel)
Mit und gilt:
Schritt 2: Nullstellen der Ableitung (für )
Der Zähler ist null, wenn oder . Da wir nur betrachten, ist die relevante Nullstelle.
Der Nenner ist für immer positiv.
Schritt 3: Vorzeichentabelle für
| Intervall | Testwert | Zähler | Nenner | Vorzeichen von |
|---|---|---|---|---|
| positiv | negativ | |||
| positiv | positiv |
Schritt 4: Monotonie formulieren
Für gilt:
Die Funktion ist streng monoton fallend für .
Die Funktion ist streng monoton steigend für .
Bei hat die Funktion einen Tiefpunkt.
Ein Unternehmen produziert Handyhüllen. Die Gewinnfunktion in Abhängigkeit von der Produktionsmenge (in Tausend Stück) lautet:
Bestimme, für welche Produktionsmengen der Gewinn steigt.
Schritt 1: Ableitung bilden
Schritt 2: Nullstellen der Ableitung
Wir teilen durch :
Mit der Lösungsformel:
Da eine Produktionsmenge ist, gilt . Also ist nur relevant.
Schritt 3: Vorzeichentabelle für
| Intervall | Testwert | Vorzeichen | |
|---|---|---|---|
| positiv | |||
| negativ |
Schritt 4: Interpretation
Der Gewinn steigt für Produktionsmengen zwischen 0 und etwa 4650 Stück.
Bei einer Produktion von etwa 4650 Stück ist der Gewinn maximal.
Darüber hinaus sinkt der Gewinn wieder.
Das Wichtigste in Kürze
Abschnitt betitelt „Das Wichtigste in Kürze“-
Die Monotonie beschreibt, ob eine Funktion steigt oder fällt. Du untersuchst sie mit der ersten Ableitung .
-
Ist , dann ist die Funktion streng monoton steigend. Ist , dann ist sie streng monoton fallend.
-
Die Nullstellen der Ableitung sind die möglichen Stellen, an denen sich die Monotonie ändert. Dort können Hoch- oder Tiefpunkte liegen.
-
Eine Vorzeichentabelle hilft dir, die Intervalle übersichtlich zu untersuchen. Wähle aus jedem Intervall einen Testwert und prüfe das Vorzeichen von .
Dein Wissen im Test
Abschnitt betitelt „Dein Wissen im Test“Lösung anzeigen
Die Funktion ist streng monoton steigend, wenn gilt.
Die Funktion ist also streng monoton steigend für alle bzw. .
Lösung anzeigen
Ableitung:
Nullstelle:
Vorzeichen prüfen:
- Für : (steigend)
- Für : (fallend)
Ergebnis:
- Streng monoton steigend für
- Streng monoton fallend für
Bei liegt ein Hochpunkt.
Lösung anzeigen
Die Gleichung liefert nur die möglichen Wechselstellen der Monotonie. Sie sagt aber nicht, in welchen Intervallen die Funktion steigt oder fällt.
Du musst zusätzlich das Vorzeichen von in den Intervallen zwischen den Nullstellen prüfen. Erst dann weisst du, ob dort steigt (positives Vorzeichen) oder fällt (negatives Vorzeichen).
Ausserdem kann auch Stellen liefern, die gar keine Extremstellen sind, z.B. bei Sattelpunkten.
Ausblick: Was kommt als Nächstes?
Abschnitt betitelt „Ausblick: Was kommt als Nächstes?“Du hast jetzt gelernt, wo eine Funktion steigt und wo sie fällt. Der nächste logische Schritt ist die genaue Untersuchung der Extremstellen. Du weisst bereits, dass an den Nullstellen der Ableitung mögliche Hoch- oder Tiefpunkte liegen. Aber woher weisst du, ob es ein Hochpunkt oder ein Tiefpunkt ist? Dafür gibt es verschiedene Kriterien, unter anderem die zweite Ableitung. Damit kannst du auch das Krümmungsverhalten einer Funktion analysieren und herausfinden, ob der Graph eine Linkskurve oder eine Rechtskurve macht. Diese Informationen zusammen ergeben dann die vollständige Kurvendiskussion.