Extrempunkte berechnen: Hoch- und Tiefpunkte von Funktionen bestimmen
Stell dir vor, du fährst mit dem Fahrrad eine hügelige Strecke entlang. Manchmal strampelst du bergauf, manchmal rollst du bergab. An bestimmten Punkten erreichst du den Gipfel eines Hügels – hier kannst du kurz durchatmen, bevor es wieder hinuntergeht. An anderen Stellen befindest du dich im tiefsten Tal, von wo aus es nur noch bergauf gehen kann.
Genau diese besonderen Punkte – die Gipfel und Täler – interessieren uns auch bei Funktionsgraphen. In der Mathematik nennen wir sie Extrempunkte. Du lernst jetzt, wie du diese Punkte mit Hilfe von Ableitungen systematisch findest und bestimmst, ob es sich um einen Hochpunkt oder einen Tiefpunkt handelt.
Vom Berggipfel zur Mathematik
Abschnitt betitelt „Vom Berggipfel zur Mathematik“Kehren wir zur Fahrradtour zurück. Wenn du einen Hügel hinauffährst, steigt die Strasse an. Oben am Gipfel ist sie für einen kurzen Moment flach – weder steigend noch fallend. Dann geht es wieder bergab, die Strasse fällt. Dieses Muster ist der Schlüssel zum Verständnis von Extrempunkten.
Übertragen auf eine Funktion bedeutet das: Die Steigung des Graphen ändert sich. Vor einem Hochpunkt steigt der Graph, am Hochpunkt selbst ist die Steigung null, und danach fällt der Graph. Bei einem Tiefpunkt ist es genau umgekehrt: erst fallend, dann flach, dann steigend.
Die Steigung einer Funktion beschreibt die erste Ableitung . Wenn die Steigung null ist, gilt also . Das ist unser Ausgangspunkt für die Suche nach Extrempunkten.
So findest du Extrempunkte
Abschnitt betitelt „So findest du Extrempunkte“Die Berechnung von Extrempunkten folgt einem klaren Schema. Du arbeitest dich in drei Schritten voran: Erst findest du die Kandidaten, dann überprüfst du sie, und schliesslich berechnest du die vollständigen Koordinaten.
Schritt 1: Notwendige Bedingung anwenden
Bilde die erste Ableitung und setze sie gleich null. Löse die Gleichung nach auf. Die Lösungen heissen Extremstellen oder auch stationäre Stellen.
Schritt 2: Hinreichende Bedingung prüfen
Nicht jede Stelle mit ist automatisch ein Extrempunkt. Es könnte auch ein Wendepunkt mit waagrechter Tangente sein. Du musst daher zusätzlich prüfen, ob tatsächlich ein Extremum vorliegt. Dafür gibt es zwei Methoden.
Schritt 3: Extremwert berechnen
Setze die gefundene Extremstelle in die ursprüngliche Funktion ein, um den zugehörigen -Wert (Extremwert) zu erhalten. Der Extrempunkt hat dann die Koordinaten .
Ein Extrempunkt ist ein Punkt auf dem Graphen einer Funktion, an dem ein lokales Maximum (Hochpunkt) oder ein lokales Minimum (Tiefpunkt) vorliegt.
Notwendige Bedingung: An einer Extremstelle gilt .
Hinreichende Bedingung (Variante 1): Ist zusätzlich , liegt ein Hochpunkt vor. Ist , liegt ein Tiefpunkt vor.
Hinreichende Bedingung (Variante 2): Wechselt an der Stelle das Vorzeichen von nach , liegt ein Hochpunkt vor. Wechselt es von nach , liegt ein Tiefpunkt vor.
Die zwei Methoden zur Überprüfung
Abschnitt betitelt „Die zwei Methoden zur Überprüfung“Du hast zwei Möglichkeiten, um zu überprüfen, ob an einer Stelle wirklich ein Extrempunkt vorliegt. Beide Methoden führen zum gleichen Ergebnis.
Methode 1: Die zweite Ableitung
Abschnitt betitelt „Methode 1: Die zweite Ableitung“Diese Methode ist oft schneller. Du bildest die zweite Ableitung und setzt die gefundene Extremstelle ein.
Wenn ist, dann ist der Graph an dieser Stelle nach unten gekrümmt – wie ein umgedrehtes U. Das bedeutet: Es liegt ein Hochpunkt vor.
Wenn ist, dann ist der Graph nach oben gekrümmt – wie ein U. Das bedeutet: Es liegt ein Tiefpunkt vor.
Wenn ist, liefert diese Methode keine Aussage. Dann musst du auf Methode 2 zurückgreifen.
Methode 2: Das Vorzeichenwechsel-Kriterium
Abschnitt betitelt „Methode 2: Das Vorzeichenwechsel-Kriterium“Bei dieser Methode untersuchst du das Vorzeichen der ersten Ableitung links und rechts von der Extremstelle.
Wähle einen Wert etwas links von und einen Wert etwas rechts von . Setze beide in ein und bestimme die Vorzeichen.
Wechselt das Vorzeichen von positiv zu negativ, steigt der Graph erst und fällt dann – es liegt ein Hochpunkt vor.
Wechselt das Vorzeichen von negativ zu positiv, fällt der Graph erst und steigt dann – es liegt ein Tiefpunkt vor.
Bleibt das Vorzeichen gleich, handelt es sich um einen Sattelpunkt und nicht um einen Extrempunkt.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Abschnitt betitelt „Häufige Fehler und wie du sie vermeidest“Fehler 1: Die notwendige Bedingung als ausreichend betrachten
Viele Schüler vergessen, die hinreichende Bedingung zu überprüfen. Nicht jede Stelle mit ist ein Extrempunkt. Die Funktion hat bei die Ableitung null, aber dort liegt kein Extrempunkt, sondern ein Wendepunkt mit waagrechter Tangente.
Fehler 2: Vorzeichen der zweiten Ableitung falsch deuten
Merke dir: bedeutet Hochpunkt (negativ = nach unten gekrümmt = Gipfel). bedeutet Tiefpunkt (positiv = nach oben gekrümmt = Tal). Eine Eselsbrücke: “Minus macht Mist für den Aufstieg” – der Graph kann nicht weiter steigen, also Hochpunkt.
Fehler 3: Extremstelle und Extremwert verwechseln
Die Extremstelle ist der -Wert, an dem das Extremum liegt. Der Extremwert ist der zugehörige -Wert . Für den vollständigen Extrempunkt brauchst du beide Koordinaten.
Beispiele
Abschnitt betitelt „Beispiele“Bestimme die Extrempunkte der Funktion .
Schritt 1: Erste Ableitung bilden und null setzen
Die mögliche Extremstelle liegt bei .
Schritt 2: Zweite Ableitung prüfen
Da die zweite Ableitung positiv ist, liegt ein Tiefpunkt vor.
Schritt 3: Extremwert berechnen
Ergebnis: Der Tiefpunkt liegt bei .
Untersuche die Funktion auf Extrempunkte.
Schritt 1: Erste Ableitung bilden und null setzen
Wir teilen durch 3:
Mit der Mitternachtsformel oder durch Faktorisieren erhalten wir:
Schritt 2: Zweite Ableitung prüfen
Für :
Bei liegt ein Tiefpunkt vor.
Für :
Bei liegt ein Hochpunkt vor.
Schritt 3: Extremwerte berechnen
Ergebnis: Der Hochpunkt liegt bei , der Tiefpunkt bei .
Untersuche die Funktion auf Extrempunkte.
Schritt 1: Erste Ableitung bilden und null setzen
Das Produkt ist null, wenn mindestens ein Faktor null ist:
Schritt 2: Vorzeichenwechsel prüfen
Wir erstellen eine Vorzeichentabelle für :
| Bereich | ||||
|---|---|---|---|---|
Bei : Wechsel von nach → Tiefpunkt
Bei : Wechsel von nach → Hochpunkt
Bei : Wechsel von nach → Tiefpunkt
Schritt 3: Extremwerte berechnen
Ergebnis: Hochpunkt bei , Tiefpunkte bei und .
Die Produktionskosten eines Unternehmens werden durch die Funktion beschrieben, wobei die Produktionsmenge in Tausend Stück angibt und die Kosten in Tausend CHF. Bei welcher Produktionsmenge sind die Kosten pro zusätzlicher Einheit am geringsten?
Die Kosten pro zusätzlicher Einheit werden durch die Grenzkosten beschrieben. Wir suchen also das Minimum von .
Sei .
Schritt 1: Ableitung von bilden und null setzen
Schritt 2: Zweite Ableitung prüfen
Da , liegt ein Tiefpunkt der Grenzkostenfunktion vor.
Ergebnis: Bei einer Produktionsmenge von 10’000 Stück sind die Grenzkosten am geringsten. Die Grenzkosten betragen dann Tausend CHF pro Tausend Stück, also 0 CHF pro Stück.
Das Wichtigste in Kürze
Abschnitt betitelt „Das Wichtigste in Kürze“- Extrempunkte sind Hochpunkte und Tiefpunkte einer Funktion – die “Gipfel” und “Täler” des Graphen.
- Die notwendige Bedingung für einen Extrempunkt lautet . Löse diese Gleichung, um mögliche Extremstellen zu finden.
- Die hinreichende Bedingung bestätigst du entweder mit der zweiten Ableitung ( für Hochpunkt, für Tiefpunkt) oder mit dem Vorzeichenwechsel-Kriterium.
- Der vollständige Extrempunkt besteht aus der Extremstelle und dem Extremwert : Schreibweise .
Dein Wissen im Test
Abschnitt betitelt „Dein Wissen im Test“Lösung anzeigen
Ein Tiefpunkt liegt vor, wenn ist. Die positive zweite Ableitung bedeutet, dass der Graph an dieser Stelle nach oben gekrümmt ist – wie ein Tal, aus dem es nur bergauf gehen kann.
Lösung anzeigen
Nein, bei liegt kein Extrempunkt vor. Die zweite Ableitung ist , also . Das Vorzeichenwechsel-Kriterium zeigt: ist für alle positiv. Es findet kein Vorzeichenwechsel statt, daher handelt es sich um einen Sattelpunkt (Wendepunkt mit waagrechter Tangente).
Lösung anzeigen
Erste Ableitung:
Nullsetzen:
Zweite Ableitung:
Da , liegt ein Hochpunkt vor.
Extremwert:
Ergebnis: Der Hochpunkt liegt bei .
Ausblick: Was kommt als Nächstes?
Abschnitt betitelt „Ausblick: Was kommt als Nächstes?“Du kannst jetzt Extrempunkte einer Funktion berechnen. Der nächste logische Schritt ist die Untersuchung von Wendepunkten. Diese Punkte beschreiben, wo der Graph sein Krümmungsverhalten ändert – von einer Linkskurve zu einer Rechtskurve oder umgekehrt. Dafür verwendest du die zweite und dritte Ableitung. Zusammen mit den Extrempunkten bilden die Wendepunkte die Grundlage für eine vollständige Kurvendiskussion, mit der du den Verlauf einer Funktion komplett beschreiben kannst.