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Logarithmusfunktionen einfach erklärt: So verstehst du den Umkehrmechanismus der Exponentialfunktion

Erinnere dich an die Exponentialfunktion. Bei ihr fragst du: “Was ergibt 232^3?” Die Antwort ist 8.

Der Logarithmus dreht diese Frage um: “2 hoch welche Zahl ergibt 8?” Die Antwort ist 3.

Mathematisch schreibst du das so:

23=8log2(8)=32^3 = 8 \quad \Leftrightarrow \quad \log_2(8) = 3

Der kleine Index 2 heisst Basis. Er zeigt an, mit welcher Zahl potenziert wird. Die 8 ist das Argument oder der Numerus. Das Ergebnis 3 ist der Exponent, den du suchst.

Die allgemeine Logarithmusfunktion hat die Form:

f(x)=logb(x)f(x) = \log_b(x)

Sie ist die Umkehrfunktion der Exponentialfunktion g(x)=bxg(x) = b^x. Das bedeutet: Wenn du den Graphen von g(x)=bxg(x) = b^x an der Winkelhalbierenden y=xy = x spiegelst, erhältst du den Graphen von f(x)=logb(x)f(x) = \log_b(x).

Der Graph einer Logarithmusfunktion mit Basis b>1b > 1 hat diese charakteristischen Merkmale:

  • Definitionsbereich: Nur positive xx-Werte sind erlaubt. Der Graph existiert nur rechts der yy-Achse.
  • Wertebereich: Alle reellen Zahlen. Der Graph erstreckt sich von minus unendlich bis plus unendlich.
  • Nullstelle: Der Graph schneidet die xx-Achse immer bei x=1x = 1, denn logb(1)=0\log_b(1) = 0.
  • Asymptote: Die yy-Achse ist eine senkrechte Asymptote. Der Graph nähert sich ihr, berührt sie aber nie.
  • Monotonie: Für b>1b > 1 ist die Funktion streng monoton steigend.

Für Basen 0<b<10 < b < 1 ist der Graph streng monoton fallend. Diese Variante begegnet dir seltener.

Drei Logarithmen sind so wichtig, dass sie eigene Bezeichnungen haben:

Der Zehnerlogarithmus hat die Basis 10. Du schreibst ihn oft ohne Basisangabe:

log(x)=log10(x)\log(x) = \log_{10}(x)

Er ist praktisch für Berechnungen im Dezimalsystem. Auf dem Taschenrechner findest du ihn als “log”-Taste.

Der natürliche Logarithmus hat die Basis e2,71828e \approx 2{,}71828. Du schreibst ihn als:

ln(x)=loge(x)\ln(x) = \log_e(x)

Die Eulersche Zahl ee ist eine mathematische Konstante mit besonderen Eigenschaften. Der natürliche Logarithmus spielt in der Analysis eine zentrale Rolle. Auf dem Taschenrechner findest du ihn als “ln”-Taste.

Der Zweierlogarithmus hat die Basis 2:

log2(x)\log_2(x)

Er ist wichtig in der Informatik, weil Computer im Binärsystem arbeiten.

Logarithmen folgen besonderen Rechenregeln. Diese Regeln leiten sich direkt aus den Potenzgesetzen ab.

Der Logarithmus eines Produkts ist die Summe der Logarithmen:

logb(uv)=logb(u)+logb(v)\log_b(u \cdot v) = \log_b(u) + \log_b(v)

Diese Regel macht das Multiplizieren zum Addieren. Historisch war das der Hauptgrund für die Erfindung der Logarithmen.

Der Logarithmus eines Quotienten ist die Differenz der Logarithmen:

logb(uv)=logb(u)logb(v)\log_b\left(\frac{u}{v}\right) = \log_b(u) - \log_b(v)

Das Dividieren wird zum Subtrahieren.

Der Logarithmus einer Potenz holt den Exponenten nach vorne:

logb(un)=nlogb(u)\log_b(u^n) = n \cdot \log_b(u)

Diese Regel ist besonders nützlich, um Exponentialgleichungen zu lösen.

Du kannst jeden Logarithmus in einen anderen umrechnen:

logb(x)=loga(x)loga(b)\log_b(x) = \frac{\log_a(x)}{\log_a(b)}

Mit dieser Formel rechnest du Logarithmen zu beliebigen Basen mit deinem Taschenrechner aus, der nur log\log und ln\ln kennt.

Beispiel 1: Logarithmen direkt berechnen

Berechne log3(81)\log_3(81) ohne Taschenrechner.

Schritt 1: Stelle die Frage um. Du suchst: “3 hoch wie viel ergibt 81?”

Schritt 2: Zerlege 81 in Dreierpotenzen.

81=327=339=3333=3481 = 3 \cdot 27 = 3 \cdot 3 \cdot 9 = 3 \cdot 3 \cdot 3 \cdot 3 = 3^4

Schritt 3: Lies den Exponenten ab.

log3(81)=4\log_3(81) = 4

Probe: 34=813^4 = 81

Beispiel 2: Rechenregeln anwenden

Vereinfache log2(32)+log2(4)log2(8)\log_2(32) + \log_2(4) - \log_2(8).

Schritt 1: Wende die Produktregel auf die ersten beiden Terme an.

log2(32)+log2(4)=log2(324)=log2(128)\log_2(32) + \log_2(4) = \log_2(32 \cdot 4) = \log_2(128)

Schritt 2: Wende die Quotientenregel an.

log2(128)log2(8)=log2(1288)=log2(16)\log_2(128) - \log_2(8) = \log_2\left(\frac{128}{8}\right) = \log_2(16)

Schritt 3: Berechne das Ergebnis.

log2(16)=4\log_2(16) = 4

Ergebnis: Der Ausdruck hat den Wert 4.

Beispiel 3: Eine Exponentialgleichung lösen

Löse die Gleichung 5x=2005^x = 200.

Schritt 1: Logarithmiere beide Seiten. Verwende den Zehnerlogarithmus.

log(5x)=log(200)\log(5^x) = \log(200)

Schritt 2: Wende die Potenzregel an, um xx nach vorne zu holen.

xlog(5)=log(200)x \cdot \log(5) = \log(200)

Schritt 3: Löse nach xx auf.

x=log(200)log(5)x = \frac{\log(200)}{\log(5)}

Schritt 4: Berechne mit dem Taschenrechner.

x=2,301...0,699...3,29x = \frac{2{,}301...}{0{,}699...} \approx 3{,}29

Ergebnis: x3,29x \approx 3{,}29

Probe: 53,29199,52005^{3{,}29} \approx 199{,}5 \approx 200

Beispiel 4: Anwendung – Zerfallsprozess

Ein radioaktives Präparat zerfällt nach der Formel N(t)=N00,5tTN(t) = N_0 \cdot 0{,}5^{\frac{t}{T}}, wobei TT die Halbwertszeit ist. Nach welcher Zeit sind nur noch 10% der ursprünglichen Menge vorhanden, wenn T=8T = 8 Jahre?

Schritt 1: Setze die Bedingung auf. 10% der Anfangsmenge bedeutet N(t)=0,1N0N(t) = 0{,}1 \cdot N_0.

0,1N0=N00,5t80{,}1 \cdot N_0 = N_0 \cdot 0{,}5^{\frac{t}{8}}

Schritt 2: Kürze N0N_0 auf beiden Seiten.

0,1=0,5t80{,}1 = 0{,}5^{\frac{t}{8}}

Schritt 3: Logarithmiere beide Seiten.

log(0,1)=t8log(0,5)\log(0{,}1) = \frac{t}{8} \cdot \log(0{,}5)

Schritt 4: Löse nach tt auf.

t=8log(0,1)log(0,5)t = \frac{8 \cdot \log(0{,}1)}{\log(0{,}5)}

Schritt 5: Berechne mit dem Taschenrechner.

t=8(1)0,30126,6t = \frac{8 \cdot (-1)}{-0{,}301} \approx 26{,}6

Ergebnis: Nach etwa 26,6 Jahren sind nur noch 10% der ursprünglichen Menge vorhanden.

  • Der Logarithmus logb(x)\log_b(x) beantwortet die Frage: ”bb hoch wie viel ergibt xx?”
  • Die Logarithmusfunktion ist die Umkehrfunktion der Exponentialfunktion.
  • Das Argument muss immer positiv sein. Die Nullstelle liegt bei x=1x = 1.
  • Die drei wichtigsten Rechenregeln lauten: Produkt wird zur Summe, Quotient zur Differenz, Exponent zum Faktor.
  • Mit Logarithmen löst du Exponentialgleichungen, indem du den Exponenten “herunterholst”.
❓ Frage: Berechne log5(125)\log_5(125) ohne Taschenrechner.
Lösung anzeigen

Die Frage lautet: “5 hoch wie viel ergibt 125?”

Da 53=1255^3 = 125, ist log5(125)=3\log_5(125) = 3.

❓ Frage: Vereinfache mit Hilfe der Logarithmenregeln: log3(9)+log3(3)\log_3(9) + \log_3(3)
Lösung anzeigen

Wende die Produktregel an:

log3(9)+log3(3)=log3(93)=log3(27)\log_3(9) + \log_3(3) = \log_3(9 \cdot 3) = \log_3(27)

Da 33=273^3 = 27, ist das Ergebnis log3(27)=3\log_3(27) = 3.

❓ Frage: Warum ist log4(16)\log_4(-16) nicht definiert?
Lösung anzeigen

Das Argument eines Logarithmus muss immer positiv sein. Es gibt keine Zahl yy, für die 4y=164^y = -16 gilt, denn Potenzen mit positiver Basis ergeben immer positive Werte. Daher ist log4(16)\log_4(-16) nicht definiert.

Nachdem du die Logarithmusfunktion kennengelernt hast, folgt als nächstes Thema häufig die Exponentialgleichungen und logarithmische Gleichungen. Dort lernst du systematisch, wie du Gleichungen löst, in denen die Unbekannte im Exponenten oder im Argument eines Logarithmus steht.

Später in der Analysis wirst du die Ableitung der Logarithmusfunktion kennenlernen. Der natürliche Logarithmus ln(x)\ln(x) spielt dabei eine Sonderrolle, weil seine Ableitung besonders elegant ist: ddxln(x)=1x\frac{d}{dx}\ln(x) = \frac{1}{x}.

Auch in der Physik, Chemie und Biologie begegnen dir Logarithmen ständig – bei der pH-Wert-Berechnung, der Beschreibung von Erdbebenstärken auf der Richterskala oder beim exponentiellen Wachstum und Zerfall.