Ähnliche Figuren einfach erklärt: So erkennst und berechnest du Ähnlichkeitsabbildungen
Stell dir vor, du machst ein Foto von deinem Haus und druckst es einmal als kleines Passfoto und einmal als riesiges Poster aus. Das Haus sieht auf beiden Bildern gleich aus – nur die Grösse ist unterschiedlich. Die Proportionen bleiben perfekt erhalten: Das Dach ist immer noch gleich steil, die Fenster haben dieselbe Form, und der Abstand zwischen Tür und Garage passt immer noch zusammen. Genau dieses Prinzip steckt hinter dem mathematischen Konzept der Ähnlichkeit. In diesem Kapitel lernst du, wie du erkennst, ob zwei Figuren ähnlich sind, und wie du mit dem sogenannten Ähnlichkeitsfaktor unbekannte Längen berechnest.
Vom Foto zur Mathematik: Was bedeutet Ähnlichkeit?
Abschnitt betitelt „Vom Foto zur Mathematik: Was bedeutet Ähnlichkeit?“Kehren wir zu unserem Fotobeispiel zurück. Wenn du das Passfoto mit dem Poster vergleichst, stellst du fest: Jede Strecke auf dem Poster ist zum Beispiel fünfmal so lang wie auf dem Passfoto. Das Verhältnis bleibt immer gleich – egal ob du die Breite des Hauses, die Höhe des Daches oder die Diagonale eines Fensters misst.
In der Mathematik übertragen wir genau dieses Prinzip auf geometrische Figuren. Zwei Figuren heissen ähnlich, wenn sie dieselbe Form haben, aber unterschiedlich gross sein können. Das bedeutet konkret zwei Dinge:
-
Alle entsprechenden Winkel sind gleich gross. Wenn ein Dreieck Winkel von , und hat, muss das ähnliche Dreieck ebenfalls Winkel von , und haben.
-
Alle entsprechenden Seitenlängen stehen im gleichen Verhältnis. Dieses konstante Verhältnis nennen wir den Ähnlichkeitsfaktor .
Eine Ähnlichkeitsabbildung ist die geometrische Operation, die eine Figur in eine ähnliche Figur überführt. Sie kombiniert eine zentrische Streckung (Vergrössern oder Verkleinern von einem Zentrum aus) mit möglichen Kongruenzabbildungen wie Drehungen, Spiegelungen oder Verschiebungen.
Der Ähnlichkeitsfaktor: Dein wichtigstes Werkzeug
Abschnitt betitelt „Der Ähnlichkeitsfaktor: Dein wichtigstes Werkzeug“Der Ähnlichkeitsfaktor gibt an, in welchem Verhältnis die Seitenlängen zweier ähnlicher Figuren zueinander stehen. Er ist der Schlüssel zu allen Berechnungen bei ähnlichen Figuren.
So bestimmst du den Ähnlichkeitsfaktor:
- Identifiziere zwei entsprechende Seiten in beiden Figuren.
- Teile die Länge der Seite in der zweiten Figur durch die Länge der entsprechenden Seite in der ersten Figur.
- Das Ergebnis ist der Ähnlichkeitsfaktor .
Zwei Figuren sind ähnlich, wenn alle entsprechenden Winkel gleich gross sind und alle entsprechenden Seiten im gleichen Verhältnis stehen. Der Ähnlichkeitsfaktor beschreibt dieses Verhältnis. Ist , wird die Figur vergrössert. Ist , wird sie verkleinert. Bei sind die Figuren kongruent (deckungsgleich).
Die Formel zur Berechnung einer unbekannten Seitenlänge lautet:
Dabei ist die bekannte Seitenlänge der ursprünglichen Figur und die entsprechende Seitenlänge der ähnlichen Figur.
Flächenverhältnis und Volumenverhältnis
Abschnitt betitelt „Flächenverhältnis und Volumenverhältnis“Bei ähnlichen Figuren verhalten sich nicht nur die Längen proportional. Auch für Flächen und Volumen gibt es klare Zusammenhänge.
Für Flächen gilt:
Wenn der Ähnlichkeitsfaktor ist, dann ist die Fläche der neuen Figur -mal so gross wie die Fläche der ursprünglichen Figur.
Für Volumen gilt:
Bei ist das Volumen -mal so gross.
Diese Zusammenhänge sind entscheidend, denn viele Schüler vergessen, dass sich Flächen und Volumen nicht linear mit dem Ähnlichkeitsfaktor verändern.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Abschnitt betitelt „Häufige Fehler und wie du sie vermeidest“Fehler 1: Flächen mit dem einfachen Ähnlichkeitsfaktor berechnen. Viele Schüler multiplizieren die Fläche einfach mit statt mit . Merke dir: Längen werden mit multipliziert, Flächen mit und Volumen mit .
Fehler 2: Den Ähnlichkeitsfaktor falsch herum berechnen. Achte genau darauf, welche Figur die “neue” und welche die “ursprüngliche” ist. Wenn du von der grossen zur kleinen Figur gehst, ist . Wenn du von der kleinen zur grossen Figur gehst, ist .
Fehler 3: Entsprechende Seiten verwechseln. Bei Dreiecken müssen die Seiten gegenüber den gleich grossen Winkeln liegen. Bei Vierecken müssen die Seiten dieselbe Position in der Figur haben. Beschrifte die Figuren sorgfältig, bevor du rechnest.
Beispiele
Abschnitt betitelt „Beispiele“Zwei Rechtecke sind ähnlich. Das erste Rechteck hat die Seitenlängen und . Das zweite Rechteck hat die Seitenlängen und .
Bestimme den Ähnlichkeitsfaktor.
Lösung:
Wir wählen die Seite und berechnen:
Zur Kontrolle prüfen wir mit der zweiten Seite:
Beide Verhältnisse sind gleich. Der Ähnlichkeitsfaktor beträgt .
Zwei Dreiecke sind ähnlich mit einem Ähnlichkeitsfaktor von . Das ursprüngliche Dreieck hat die Seitenlängen , und .
Berechne alle Seitenlängen des ähnlichen Dreiecks.
Lösung:
Wir multiplizieren jede Seite mit dem Ähnlichkeitsfaktor:
Das ähnliche Dreieck hat die Seitenlängen , und .
Ein quadratisches Grundstück hat eine Seitenlänge von und eine Fläche von . Ein ähnliches, kleineres Grundstück hat eine Seitenlänge von .
Berechne die Fläche des kleineren Grundstücks.
Lösung:
Schritt 1: Ähnlichkeitsfaktor bestimmen.
Schritt 2: Flächenverhältnis berechnen.
Schritt 3: Fläche des kleineren Grundstücks berechnen.
Das kleinere Grundstück hat eine Fläche von .
Kontrolle: Wir können auch direkt rechnen: . Das Ergebnis stimmt.
Ein Architekt baut ein Modell eines Hochhauses im Massstab . Das echte Hochhaus ist hoch und hat eine Grundfläche von .
a) Wie hoch ist das Modell? b) Wie gross ist die Grundfläche des Modells?
Lösung:
Der Massstab bedeutet: am Modell entspricht in der Realität. Der Ähnlichkeitsfaktor vom Original zum Modell ist:
a) Höhe des Modells:
Das Modell ist hoch.
b) Grundfläche des Modells:
Umrechnung in Quadratzentimeter: .
Die Grundfläche des Modells beträgt (das entspricht einem Quadrat von ).
Zwei ähnliche Dreiecke haben die Flächeninhalte und . Das kleinere Dreieck hat eine Grundseite von .
Wie lang ist die entsprechende Grundseite des grösseren Dreiecks?
Lösung:
Schritt 1: Flächenverhältnis bestimmen.
Schritt 2: Ähnlichkeitsfaktor aus dem Flächenverhältnis berechnen.
Da , gilt:
Schritt 3: Grundseite des grösseren Dreiecks berechnen.
Die entsprechende Grundseite des grösseren Dreiecks ist lang.
Das Wichtigste in Kürze
Abschnitt betitelt „Das Wichtigste in Kürze“- Zwei Figuren sind ähnlich, wenn alle entsprechenden Winkel gleich gross sind und alle entsprechenden Seiten im gleichen Verhältnis stehen.
- Der Ähnlichkeitsfaktor ist das Verhältnis entsprechender Seitenlängen: .
- Längen verändern sich mit dem Faktor , Flächen mit und Volumen mit .
- Bei Massstäben wie ist der Ähnlichkeitsfaktor .
Dein Wissen im Test
Abschnitt betitelt „Dein Wissen im Test“Lösung anzeigen
Der Ähnlichkeitsfaktor beträgt .
Berechnung: oder .
Lösung anzeigen
Die Fläche beträgt .
Berechnung: .
Lösung anzeigen
Das Volumen beträgt .
Der Ähnlichkeitsfaktor ist . Für Volumen gilt: .
Ausblick: Was kommt als Nächstes?
Abschnitt betitelt „Ausblick: Was kommt als Nächstes?“Nachdem du nun verstanden hast, wie ähnliche Figuren funktionieren, wirst du im nächsten Schritt die Strahlensätze kennenlernen. Diese beschreiben spezielle Verhältnisse bei Strecken, die von zwei sich schneidenden Geraden erzeugt werden. Die Strahlensätze sind eng mit der Ähnlichkeit verwandt und bilden die Grundlage für viele Konstruktionen und Berechnungen in der Geometrie. Ausserdem wirst du lernen, wie du mit Hilfe ähnlicher Dreiecke Höhen von Gebäuden oder Bäumen bestimmen kannst, ohne sie direkt zu messen – ein Verfahren, das schon die alten Griechen angewendet haben.