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Ergebnisse zählen in der Wahrscheinlichkeitsrechnung: So behältst du den Überblick

Beim Eisstand hast du vielleicht noch versucht, alle Kombinationen aufzuzählen. Aber was passiert, wenn du aus 10 Sorten wählen darfst? Oder wenn du dreimal würfelst? Die Anzahl der Möglichkeiten explodiert regelrecht.

Hier kommt das systematische Zählen ins Spiel. Es hilft dir:

  • Keine Möglichkeit zu übersehen
  • Keine Möglichkeit doppelt zu zählen
  • Die Grundlage für Wahrscheinlichkeitsberechnungen zu schaffen

Denn die Formel für die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses lautet:

P(Ereignis)=Anzahl gu¨nstiger ErgebnisseAnzahl aller mo¨glichen ErgebnisseP(\text{Ereignis}) = \frac{\text{Anzahl günstiger Ergebnisse}}{\text{Anzahl aller möglichen Ergebnisse}}

Um diese Formel anzuwenden, musst du also zuerst wissen, wie viele Ergebnisse es insgesamt gibt.

Bevor du zählen kannst, brauchst du eine klare Vorstellung davon, was überhaupt passieren kann. Die Menge aller möglichen Ergebnisse eines Zufallsexperiments nennen wir die Ergebnismenge. Sie wird mit dem griechischen Buchstaben Ω\Omega (Omega) bezeichnet.

Beim Würfeln mit einem gewöhnlichen Würfel ist die Ergebnismenge:

Ω={1,2,3,4,5,6}\Omega = \{1, 2, 3, 4, 5, 6\}

Beim Münzwurf:

Ω={Kopf,Zahl}\Omega = \{\text{Kopf}, \text{Zahl}\}

Die Anzahl der Elemente in der Ergebnismenge schreiben wir als Ω|\Omega|. Beim Würfel ist Ω=6|\Omega| = 6, bei der Münze ist Ω=2|\Omega| = 2.

Wenn du mehrere Schritte nacheinander ausführst – zum Beispiel zweimal würfeln oder erst eine Münze werfen und dann eine Karte ziehen – wird es schnell unübersichtlich. Das Baumdiagramm schafft Ordnung.

So gehst du vor:

  1. Zeichne den Startpunkt als Wurzel des Baums
  2. Erste Stufe: Zeichne für jedes mögliche Ergebnis des ersten Schritts einen Ast
  3. Zweite Stufe: Von jedem Ast der ersten Stufe zeichnest du wieder Äste für die Ergebnisse des zweiten Schritts
  4. Weitere Stufen: Wiederhole das Vorgehen für jeden weiteren Schritt
  5. Pfade zählen: Jeder Weg von der Wurzel zu einem Endpunkt ist ein mögliches Gesamtergebnis

Die Gesamtzahl der Ergebnisse entspricht der Anzahl aller Pfade im Baum.

Für grössere Probleme wäre ein Baumdiagramm viel zu aufwendig. Die Produktregel liefert dir das Ergebnis direkt durch Rechnen.

Beispiel: Du würfelst dreimal hintereinander. Bei jedem Wurf gibt es 6 Möglichkeiten. Die Gesamtzahl der Ergebnisse ist:

Ω=666=216|\Omega| = 6 \cdot 6 \cdot 6 = 216

Du siehst: Ein Baumdiagramm mit 216 Endpunkten wäre extrem mühsam zu zeichnen. Die Produktregel liefert das Ergebnis in Sekunden.

Beispiel 1: Zweimal Münze werfen

Aufgabe: Du wirfst eine Münze zweimal. Wie viele verschiedene Ergebnisse gibt es? Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, zweimal Kopf zu werfen?

Lösung mit Baumdiagramm:

Erster Wurf: 2 Möglichkeiten (Kopf, Zahl) Zweiter Wurf: 2 Möglichkeiten (Kopf, Zahl)

Die Ergebnismenge ist:

Ω={(K,K),(K,Z),(Z,K),(Z,Z)}\Omega = \{(K, K), (K, Z), (Z, K), (Z, Z)\}

Mit der Produktregel:

Ω=22=4|\Omega| = 2 \cdot 2 = 4

Wahrscheinlichkeit für zweimal Kopf:

Das Ereignis “zweimal Kopf” enthält nur ein günstiges Ergebnis: (K,K)(K, K).

P(zweimal Kopf)=14=0,25=25%P(\text{zweimal Kopf}) = \frac{1}{4} = 0{,}25 = 25\%
Beispiel 2: Zahlenschloss knacken

Aufgabe: Ein Zahlenschloss hat 3 Ringe mit jeweils den Ziffern 0 bis 9. Wie viele verschiedene Kombinationen gibt es?

Lösung:

Jeder Ring hat 10 Möglichkeiten (0, 1, 2, …, 9). Die drei Ringe sind unabhängig voneinander einstellbar.

Mit der Produktregel:

Ω=101010=1000|\Omega| = 10 \cdot 10 \cdot 10 = 1000

Es gibt 1000 verschiedene Kombinationen.

Zusatzfrage: Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, die richtige Kombination beim ersten Versuch zu erraten?

P(richtig)=11000=0,001=0,1%P(\text{richtig}) = \frac{1}{1000} = 0{,}001 = 0{,}1\%
Beispiel 3: Outfit-Kombinationen

Aufgabe: Du hast 4 T-Shirts, 3 Hosen und 2 Paar Schuhe. Wie viele verschiedene Outfits kannst du zusammenstellen?

Lösung:

Die Wahl des T-Shirts, der Hose und der Schuhe sind unabhängige Entscheidungen.

Ω=432=24|\Omega| = 4 \cdot 3 \cdot 2 = 24

Du kannst 24 verschiedene Outfits zusammenstellen.

Zusatzfrage: Dein Lieblings-T-Shirt ist das blaue. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass du zufällig ein Outfit mit dem blauen T-Shirt wählst?

Anzahl Outfits mit blauem T-Shirt: 132=61 \cdot 3 \cdot 2 = 6

P(blaues T-Shirt)=624=14=25%P(\text{blaues T-Shirt}) = \frac{6}{24} = \frac{1}{4} = 25\%
Beispiel 4: Würfeln mit zwei Würfeln

Aufgabe: Du würfelst mit zwei unterscheidbaren Würfeln (rot und blau). Wie viele Ergebnisse gibt es? Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Augensumme 7 beträgt?

Lösung:

Roter Würfel: 6 Möglichkeiten Blauer Würfel: 6 Möglichkeiten

Ω=66=36|\Omega| = 6 \cdot 6 = 36

Günstige Ergebnisse für Augensumme 7:

Wir suchen alle Paare (r,b)(r, b), bei denen r+b=7r + b = 7:

  • (1,6)(1, 6): 1+6=71 + 6 = 7
  • (2,5)(2, 5): 2+5=72 + 5 = 7
  • (3,4)(3, 4): 3+4=73 + 4 = 7
  • (4,3)(4, 3): 4+3=74 + 3 = 7
  • (5,2)(5, 2): 5+2=75 + 2 = 7
  • (6,1)(6, 1): 6+1=76 + 1 = 7

Es gibt 6 günstige Ergebnisse.

P(Summe=7)=636=1616,7%P(\text{Summe} = 7) = \frac{6}{36} = \frac{1}{6} \approx 16{,}7\%

Bei genau zwei Schritten ist eine Tabelle oft übersichtlicher als ein Baumdiagramm. Die Zeilen repräsentieren die Ergebnisse des ersten Schritts, die Spalten die des zweiten Schritts.

Beispiel: Zwei Würfel

123456
1(1,1)(1,2)(1,3)(1,4)(1,5)(1,6)
2(2,1)(2,2)(2,3)(2,4)(2,5)(2,6)
3(3,1)(3,2)(3,3)(3,4)(3,5)(3,6)
4(4,1)(4,2)(4,3)(4,4)(4,5)(4,6)
5(5,1)(5,2)(5,3)(5,4)(5,5)(5,6)
6(6,1)(6,2)(6,3)(6,4)(6,5)(6,6)

Die Tabelle zeigt alle 36 Ergebnisse auf einen Blick. Um günstige Ergebnisse zu zählen, markierst du einfach die entsprechenden Felder.

  • Die Ergebnismenge Ω\Omega enthält alle möglichen Ergebnisse eines Zufallsexperiments. Ihre Grösse Ω|\Omega| ist die Grundlage für Wahrscheinlichkeitsberechnungen.

  • Das Baumdiagramm ist das beste Werkzeug für mehrstufige Zufallsexperimente. Jeder Pfad von der Wurzel zu einem Endpunkt entspricht einem Ergebnis.

  • Die Produktregel liefert die Gesamtzahl der Ergebnisse bei unabhängigen Schritten: Ω=n1n2nk|\Omega| = n_1 \cdot n_2 \cdot \ldots \cdot n_k.

  • Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses ist der Quotient aus günstigen und möglichen Ergebnissen: P=gu¨nstigmo¨glichP = \frac{\text{günstig}}{\text{möglich}}.

❓ Frage: Du wirfst einen Würfel und eine Münze gleichzeitig. Wie viele verschiedene Ergebnisse gibt es?
Lösung anzeigen

Mit der Produktregel: Ω=62=12|\Omega| = 6 \cdot 2 = 12

Es gibt 12 verschiedene Ergebnisse, zum Beispiel (1, Kopf), (1, Zahl), (2, Kopf), …, (6, Zahl).

❓ Frage: Ein Passwort besteht aus 4 Ziffern (0-9). Jede Ziffer darf mehrfach vorkommen. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, das richtige Passwort beim ersten Versuch zu erraten?
Lösung anzeigen

Anzahl möglicher Passwörter: Ω=10101010=10000|\Omega| = 10 \cdot 10 \cdot 10 \cdot 10 = 10000

Wahrscheinlichkeit: P=110000=0,0001=0,01%P = \frac{1}{10000} = 0{,}0001 = 0{,}01\%

❓ Frage: Du würfelst zweimal. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass beide Würfe dieselbe Zahl zeigen (ein “Pasch”)?
Lösung anzeigen

Gesamtzahl der Ergebnisse: Ω=66=36|\Omega| = 6 \cdot 6 = 36

Günstige Ergebnisse (Pasch): (1,1),(2,2),(3,3),(4,4),(5,5),(6,6)(1,1), (2,2), (3,3), (4,4), (5,5), (6,6) → 6 Stück

Wahrscheinlichkeit: P(Pasch)=636=1616,7%P(\text{Pasch}) = \frac{6}{36} = \frac{1}{6} \approx 16{,}7\%

Du hast nun die Grundlagen des systematischen Zählens gemeistert. Im nächsten Schritt wirst du lernen, wie du mit Pfadregeln bei Baumdiagrammen arbeitest. Du wirst entdecken, dass du die Wahrscheinlichkeiten entlang eines Pfades multiplizieren kannst (Produktregel für Wahrscheinlichkeiten) und die Wahrscheinlichkeiten verschiedener Pfade addieren kannst (Summenregel). Diese Regeln ermöglichen es dir, auch komplexere Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, ohne alle Ergebnisse einzeln aufzulisten.

Ausserdem wirst du dich mit Ziehen ohne Zurücklegen beschäftigen. Dabei verändert sich die Anzahl der Möglichkeiten von Schritt zu Schritt – eine spannende Erweiterung der Produktregel.