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Termumformungen einfach erklärt: So vereinfachst du mathematische Ausdrücke

Stell dir vor, du räumst dein Zimmer auf. Überall liegen Sachen verstreut: drei T-Shirts auf dem Boden, zwei T-Shirts auf dem Stuhl, fünf Socken unter dem Bett und drei Socken auf dem Schreibtisch. Wie viele Kleidungsstücke sind es insgesamt? Du würdest wahrscheinlich nicht alles einzeln zählen. Stattdessen sortierst du: T-Shirts zu T-Shirts, Socken zu Socken. Am Ende hast du fünf T-Shirts und acht Socken. Das ist viel übersichtlicher als das ursprüngliche Chaos.

Genau so funktioniert auch die Mathematik mit Termen. Ein Term kann am Anfang kompliziert und unübersichtlich aussehen. Durch geschicktes Zusammenfassen und Umformen wird er einfacher und handlicher. Diese Fähigkeit nennen wir Termumformung. In diesem Artikel lernst du, wie du jeden Term Schritt für Schritt vereinfachen kannst.

Bevor wir Terme umformen, müssen wir verstehen, was ein Term überhaupt ist. Kehren wir zu unserem Zimmer-Beispiel zurück. Wenn xx für die Anzahl der T-Shirts steht und yy für die Anzahl der Socken, dann beschreibt der Ausdruck 3x+2x+5y+3y3x + 2x + 5y + 3y die Situation in deinem Zimmer.

Ein Term ist ein mathematischer Ausdruck, der aus Zahlen, Variablen und Rechenzeichen besteht. Variablen sind Buchstaben wie xx, yy oder aa, die als Platzhalter für Zahlen dienen. Zahlen vor einer Variablen heissen Koeffizienten. Im Ausdruck 3x3x ist die 33 der Koeffizient und xx die Variable.

Terme können einfach sein wie 5x5x oder komplex wie 3a2+7ab2b+4a23ab3a^2 + 7ab - 2b + 4a^2 - 3ab. Je komplexer ein Term, desto wichtiger wird das Vereinfachen.

Das Herzstück jeder Termumformung ist das Zusammenfassen gleichartiger Terme. Zwei Terme sind gleichartig, wenn sie dieselben Variablen mit denselben Exponenten enthalten.

DEFINITION

Gleichartige Terme haben identische Variablenteile. Du darfst nur gleichartige Terme addieren oder subtrahieren. Die Koeffizienten werden verrechnet, der Variablenteil bleibt unverändert.

Beispiel: 4x+3x=7x4x + 3x = 7x (gleichartig, beide haben xx)

Aber: 4x+3y4x + 3y lässt sich nicht vereinfachen (ungleichartig, verschiedene Variablen)

Zurück zu unserem Zimmer: 3x+2x=5x3x + 2x = 5x bedeutet: drei T-Shirts plus zwei T-Shirts ergeben fünf T-Shirts. Du kannst aber keine T-Shirts mit Socken zusammenzählen. Daher bleibt 5x+8y5x + 8y als Endergebnis stehen.

Der Variablenteil muss exakt übereinstimmen. Hier einige Beispiele:

  • 3x3x und 7x7x sind gleichartig (beide haben xx)
  • 5xy5xy und 2xy2xy sind gleichartig (beide haben xyxy)
  • 4x24x^2 und 9x29x^2 sind gleichartig (beide haben x2x^2)
  • 3x3x und 3x23x^2 sind nicht gleichartig (xx versus x2x^2)
  • 2xy2xy und 2xz2xz sind nicht gleichartig (xyxy versus xzxz)

Die Reihenfolge der Variablen spielt keine Rolle. Der Term 3xy3xy ist gleichartig zu 5yx5yx, denn xy=yxxy = yx.

Stell dir vor, du sollst den Wert von 3x+5x2x+4x3x + 5x - 2x + 4x für x=7x = 7 berechnen. Du könntest jeden Term einzeln ausrechnen:

37+5727+47=21+3514+28=703 \cdot 7 + 5 \cdot 7 - 2 \cdot 7 + 4 \cdot 7 = 21 + 35 - 14 + 28 = 70

Oder du vereinfachst zuerst: 3x+5x2x+4x=10x3x + 5x - 2x + 4x = 10x. Dann rechnest du nur noch 107=7010 \cdot 7 = 70.

Die zweite Methode ist schneller und weniger fehleranfällig. Je komplexer ein Term, desto grösser der Vorteil des Vereinfachens.

Für Termumformungen brauchst du vier Rechengesetze. Diese Gesetze gelten immer und bilden das Fundament für alle weiteren Umformungen.

Bei Addition und Multiplikation darfst du die Reihenfolge vertauschen.

a+b=b+aa + b = b + a ab=baa \cdot b = b \cdot a

Beispiel: 3+5=5+3=83 + 5 = 5 + 3 = 8 und 47=74=284 \cdot 7 = 7 \cdot 4 = 28

Bei Addition und Multiplikation darfst du Klammern beliebig setzen.

(a+b)+c=a+(b+c)(a + b) + c = a + (b + c) (ab)c=a(bc)(a \cdot b) \cdot c = a \cdot (b \cdot c)

Beispiel: (2+3)+4=2+(3+4)=9(2 + 3) + 4 = 2 + (3 + 4) = 9

Das Distributivgesetz verbindet Multiplikation und Addition. Es ist das wichtigste Gesetz für Termumformungen.

a(b+c)=ab+aca \cdot (b + c) = a \cdot b + a \cdot c

Beispiel: 3(x+2)=3x+32=3x+63 \cdot (x + 2) = 3 \cdot x + 3 \cdot 2 = 3x + 6

Stelle dir das Distributivgesetz wie einen Verteiler vor. Die Zahl vor der Klammer wird an jedes Element in der Klammer “verteilt”. Jedes Element bekommt seinen Anteil.

Ein weiteres Beispiel mit zwei Variablen:

2(3a+4b5)=23a+24b+2(5)=6a+8b102 \cdot (3a + 4b - 5) = 2 \cdot 3a + 2 \cdot 4b + 2 \cdot (-5) = 6a + 8b - 10

Das Distributivgesetz funktioniert auch rückwärts. Dann spricht man vom Ausklammern:

ab+ac=a(b+c)a \cdot b + a \cdot c = a \cdot (b + c)

Beispiel: 6x+9=3(2x+3)6x + 9 = 3 \cdot (2x + 3)

Beim Ausklammern suchst du nach dem grössten gemeinsamen Faktor aller Terme. Hier ist es die 33, denn 6=326 = 3 \cdot 2 und 9=339 = 3 \cdot 3.

Bei Termen mit Potenzen gelten besondere Regeln:

xaxb=xa+bx^a \cdot x^b = x^{a+b} xaxb=xab\frac{x^a}{x^b} = x^{a-b} (xa)b=xab\left(x^a\right)^b = x^{a \cdot b}

Beispiel: x3x2=x3+2=x5x^3 \cdot x^2 = x^{3+2} = x^5

Hier ist dein Werkzeugkasten für jede Termumformung:

  1. Klammern auflösen – Wende das Distributivgesetz an
  2. Sortieren – Ordne gleichartige Terme nebeneinander
  3. Zusammenfassen – Addiere oder subtrahiere die Koeffizienten
  4. Kontrollieren – Prüfe, ob sich der Term weiter vereinfachen lässt

Diese Reihenfolge hilft dir, systematisch vorzugehen. Mit etwas Übung wirst du manche Schritte im Kopf erledigen.

Ein Minuszeichen vor einer Klammer ist wie eine “Vorzeichenumkehrmaschine”. Es dreht jedes Vorzeichen innerhalb der Klammer um.

Betrachte den Term a(b+c)a - (b + c). Das Minuszeichen vor der Klammer wirkt auf beide Terme in der Klammer:

a(b+c)=abca - (b + c) = a - b - c

Das Plus wird zu Minus. Bei a(bc)a - (b - c) passiert Folgendes:

a(bc)=ab+ca - (b - c) = a - b + c

Das Minus in der Klammer wird zu Plus. Diese Regel lässt sich auch über das Distributivgesetz erklären: (b+c)=(1)(b+c)=bc-(b + c) = (-1) \cdot (b + c) = -b - c.

Manchmal stehen Klammern in Klammern. Dann arbeitest du von innen nach aussen:

2[3+(x4)]2 \cdot [3 + (x - 4)]

Zuerst löst du die innere Klammer auf. Da kein Faktor oder Vorzeichen davor steht, bleibt sie unverändert:

2[3+x4]=2[x1]2 \cdot [3 + x - 4] = 2 \cdot [x - 1]

Dann wendest du das Distributivgesetz auf die äussere Klammer an:

2(x1)=2x22 \cdot (x - 1) = 2x - 2

Fehler 1: Ungleichartige Terme zusammenfassen

Falsch: 3x+2y=5xy3x + 2y = 5xy

Richtig: 3x+2y3x + 2y lässt sich nicht weiter vereinfachen.

Der Variablenteil muss identisch sein. T-Shirts plus Socken ergibt keine neue Kleidungsart.

Fehler 2: Vorzeichen beim Auflösen von Klammern vergessen

Falsch: 5(2x+3)=52x+3=82x5 - (2x + 3) = 5 - 2x + 3 = 8 - 2x

Richtig: 5(2x+3)=52x3=22x5 - (2x + 3) = 5 - 2x - 3 = 2 - 2x

Das Minuszeichen vor der Klammer dreht alle Vorzeichen in der Klammer um.

Fehler 3: Potenzregeln falsch anwenden

Falsch: x2+x3=x5x^2 + x^3 = x^5

Richtig: x2+x3x^2 + x^3 lässt sich nicht zusammenfassen.

Potenzregeln gelten nur bei Multiplikation und Division, nicht bei Addition.

Fehler 4: Koeffizienten und Exponenten verwechseln

Falsch: 2x3x=6x2x \cdot 3x = 6x

Richtig: 2x3x=6x22x \cdot 3x = 6x^2

Bei der Multiplikation werden Koeffizienten multipliziert und Exponenten addiert.

Termumformungen sind nicht nur Schulstoff. Sie helfen dir in vielen praktischen Situationen:

Einkaufen und Budgetieren: Wenn du berechnest, wie viel Geld du für verschiedene Mengen eines Produkts ausgibst, verwendest du Terme. Der Preis pro Stück mal die Anzahl ergibt den Gesamtpreis.

Handwerken und Bauen: Bei der Berechnung von Materialmengen kommen Terme zum Einsatz. Die Fläche eines Raumes berechnet sich als Länge mal Breite. Wenn du mehrere Räume zusammenrechnest, vereinfachst du Terme.

Programmieren: In Computerprogrammen werden ständig Variablen und Ausdrücke berechnet. Ein vereinfachter Ausdruck läuft schneller und ist leichter zu verstehen.

Naturwissenschaften: Physikalische Formeln wie s=vts = v \cdot t (Strecke = Geschwindigkeit mal Zeit) sind Terme. Das Umformen solcher Formeln ist eine zentrale Fähigkeit in den Naturwissenschaften.

Beispiel 1: Grundlegendes Zusammenfassen

Vereinfache den Term 4x+7y2x+3y4x + 7y - 2x + 3y.

Schritt 1: Sortiere gleichartige Terme.

4x2x+7y+3y4x - 2x + 7y + 3y

Schritt 2: Fasse die Koeffizienten zusammen.

Für xx: 42=24 - 2 = 2

Für yy: 7+3=107 + 3 = 10

Schritt 3: Schreibe das Ergebnis auf.

4x+7y2x+3y=2x+10y4x + 7y - 2x + 3y = 2x + 10y

Probe: Setze x=2x = 2 und y=1y = 1 ein.

Original: 42+7122+31=8+74+3=144 \cdot 2 + 7 \cdot 1 - 2 \cdot 2 + 3 \cdot 1 = 8 + 7 - 4 + 3 = 14

Ergebnis: 22+101=4+10=142 \cdot 2 + 10 \cdot 1 = 4 + 10 = 14

Beispiel 2: Klammern auflösen mit dem Distributivgesetz

Vereinfache den Term 3(2a+4)2(a5)3 \cdot (2a + 4) - 2 \cdot (a - 5).

Schritt 1: Löse die erste Klammer auf.

3(2a+4)=32a+34=6a+123 \cdot (2a + 4) = 3 \cdot 2a + 3 \cdot 4 = 6a + 12

Schritt 2: Löse die zweite Klammer auf. Achte auf das Minuszeichen!

2(a5)=2a(2)5=2a+10-2 \cdot (a - 5) = -2 \cdot a - (-2) \cdot 5 = -2a + 10

Das Minuszeichen vor der 22 wird mit jedem Element in der Klammer multipliziert.

Schritt 3: Setze alles zusammen.

6a+122a+106a + 12 - 2a + 10

Schritt 4: Fasse gleichartige Terme zusammen.

6a2a+12+10=4a+226a - 2a + 12 + 10 = 4a + 22

Ergebnis: 3(2a+4)2(a5)=4a+223 \cdot (2a + 4) - 2 \cdot (a - 5) = 4a + 22

Beispiel 3: Komplexe Terme mit Potenzen

Vereinfache den Term 5x2+3x2x2+47x+x215x^2 + 3x - 2x^2 + 4 - 7x + x^2 - 1.

Schritt 1: Identifiziere die verschiedenen Termarten.

  • Terme mit x2x^2: 5x25x^2, 2x2-2x^2, x2x^2
  • Terme mit xx: 3x3x, 7x-7x
  • Konstante Terme (Zahlen): 44, 1-1

Schritt 2: Sortiere nach Termarten.

5x22x2+x2+3x7x+415x^2 - 2x^2 + x^2 + 3x - 7x + 4 - 1

Schritt 3: Fasse jede Gruppe zusammen.

Für x2x^2: 52+1=45 - 2 + 1 = 4

Für xx: 37=43 - 7 = -4

Für Konstanten: 41=34 - 1 = 3

Schritt 4: Schreibe das Ergebnis auf.

5x2+3x2x2+47x+x21=4x24x+35x^2 + 3x - 2x^2 + 4 - 7x + x^2 - 1 = 4x^2 - 4x + 3

Beachte: Bei x2x^2 steht ein unsichtbarer Koeffizient 11 davor. Der Term x2x^2 bedeutet 1x21 \cdot x^2.

Tipp: Schreibe Terme immer nach absteigenden Potenzen geordnet. Das ist die Standardform.

  • Gleichartige Terme haben identische Variablenteile und können zusammengefasst werden
  • Das Distributivgesetz a(b+c)=ab+aca \cdot (b + c) = ab + ac ist der Schlüssel zum Auflösen von Klammern
  • Vorzeichen vor Klammern ändern alle Vorzeichen innerhalb der Klammer
  • Potenzregeln gelten nur bei Multiplikation (x2x3=x5x^2 \cdot x^3 = x^5), nicht bei Addition
  • Die Standardform ordnet Terme nach absteigenden Potenzen
❓ Frage:

Vereinfache: 8a+3b5a+2b8a + 3b - 5a + 2b

Lösung anzeigen

Sortiere gleichartige Terme: 8a5a+3b+2b8a - 5a + 3b + 2b

Fasse zusammen: (85)a+(3+2)b=3a+5b(8-5)a + (3+2)b = 3a + 5b

Ergebnis: 3a+5b3a + 5b

❓ Frage:

Was passiert mit dem Term 6x6x, wenn du den Wert von xx verdoppelst?

Lösung anzeigen

Wenn xx verdoppelt wird, verdoppelt sich auch der gesamte Term.

Beispiel: Für x=3x = 3 ergibt 6x=186x = 18.

Für x=6x = 6 (das Doppelte) ergibt 6x=366x = 36 (ebenfalls das Doppelte).

Der Koeffizient 66 bleibt gleich, aber das Ergebnis verdoppelt sich.

Antwort: Der Wert des Terms verdoppelt sich ebenfalls.

❓ Frage:

Ein Schüler berechnet: 4x2+3x=7x34x^2 + 3x = 7x^3. Was ist falsch?

Lösung anzeigen

Der Fehler liegt in der Annahme, dass x2x^2 und xx gleichartige Terme sind.

Richtig ist: x2x^2 und xx haben unterschiedliche Exponenten. Sie sind nicht gleichartig und können nicht zusammengefasst werden.

Der Term 4x2+3x4x^2 + 3x lässt sich nicht weiter vereinfachen.

Zusätzlicher Fehler: Selbst wenn man Terme zusammenfassen könnte, würden sich die Exponenten nicht addieren. Exponenten addieren sich nur bei Multiplikation, nicht bei Addition.

Nachdem du Terme vereinfachen kannst, folgt der nächste logische Schritt: das Lösen von Gleichungen. Eine Gleichung wie 3x+5=143x + 5 = 14 enthält eine Variable, deren Wert du bestimmen sollst. Dafür nutzt du dieselben Umformungsregeln, die du gerade gelernt hast. Der Unterschied: Bei Gleichungen musst du beide Seiten immer gleich behandeln, um das Gleichgewicht zu erhalten. Die Fähigkeit, Terme zu vereinfachen, ist dabei dein wichtigstes Werkzeug.

Später wirst du auch auf binomische Formeln treffen. Diese speziellen Produkte wie (a+b)2(a + b)^2 oder (ab)(a+b)(a - b) \cdot (a + b) lassen sich mit dem Distributivgesetz herleiten. Die Kenntnis der Termumformungen macht diesen Übergang viel leichter.

In höheren Klassenstufen kommen Bruchterme hinzu. Dort wendest du die gleichen Prinzipien an, kombiniert mit den Regeln der Bruchrechnung. Der Grundgedanke bleibt aber derselbe: Vereinfache, wo immer es möglich ist.