Zinseszinsen einfach erklärt: So wächst dein Geld wie ein Schneeball
Stell dir vor, du baust im Winter einen Schneeball und rollst ihn einen Hügel hinunter. Am Anfang ist er klein. Doch mit jedem Meter nimmt er mehr Schnee auf. Und je grösser er wird, desto mehr Schnee bleibt an ihm haften. Nach kurzer Zeit hast du eine riesige Schneekugel – viel grösser, als wenn du den Schnee von Hand dazugepackt hättest.
Genau so funktioniert der Zinseszinseffekt bei deinem Geld. Deine Zinsen werden zum Kapital addiert. Im nächsten Jahr bekommst du dann Zinsen auf das grössere Kapital – inklusive der alten Zinsen. So wächst dein Geld immer schneller. Wir zeigen dir jetzt, wie du diesen mächtigen Effekt berechnest und für dich nutzt.
Einfache Zinsen vs. Zinseszinsen: Der entscheidende Unterschied
Abschnitt betitelt „Einfache Zinsen vs. Zinseszinsen: Der entscheidende Unterschied“Bevor wir in die Zinseszinsrechnung einsteigen, musst du den Unterschied zu einfachen Zinsen verstehen. Bei einfachen Zinsen bekommst du jedes Jahr Zinsen nur auf dein ursprüngliches Kapital. Die Zinsen werden nicht wieder angelegt.
Bei Zinseszinsen ist das anders: Die Zinsen eines Jahres werden zum Kapital addiert. Im Folgejahr berechnen sich die neuen Zinsen auf diesem erhöhten Betrag. So entsteht ein exponentielles Wachstum.
Ein Zahlenbeispiel macht den Unterschied deutlich:
Du legst zu Zinsen für 3 Jahre an.
Mit einfachen Zinsen:
- Jedes Jahr:
- Nach 3 Jahren:
Mit Zinseszinsen:
- Jahr 1:
- Jahr 2:
- Jahr 3:
Der Unterschied von mag klein wirken. Bei längeren Laufzeiten oder höheren Beträgen wird er jedoch enorm.
Die Zinseszinsformel: Dein wichtigstes Werkzeug
Abschnitt betitelt „Die Zinseszinsformel: Dein wichtigstes Werkzeug“Das schrittweise Berechnen von Jahr zu Jahr ist mühsam. Deshalb gibt es eine Formel, die alles auf einmal erledigt.
Dabei bedeuten:
- = Endkapital nach Jahren (das, was du am Ende hast)
- = Anfangskapital (das, was du zu Beginn einzahlst)
- = Zinssatz in Prozent pro Jahr
- = Anzahl der Jahre (Laufzeit)
Der Ausdruck heisst Zinsfaktor oder Wachstumsfaktor. Bei Zinsen ist er . Du multiplizierst dein Kapital also jedes Jahr mit diesem Faktor.
So wendest du die Formel an
Abschnitt betitelt „So wendest du die Formel an“- Schreibe alle gegebenen Werte auf: Anfangskapital , Zinssatz , Laufzeit .
- Berechne den Zinsfaktor:
- Setze in die Formel ein:
- Runde kaufmännisch: Geldbeträge auf 2 Dezimalstellen (Rappen).
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Abschnitt betitelt „Häufige Fehler und wie du sie vermeidest“Fehler 1: Prozent und Dezimalzahl verwechseln sind nicht , sondern . In der Formel steht daher . Alternativ kannst du direkt mit dem Zinsfaktor rechnen.
Fehler 2: Den Exponenten vergessen oder falsch setzen Bei Zinseszinsen steht die Laufzeit im Exponenten. Schreibst du statt , rechnest du einfache Zinsen.
Fehler 3: Laufzeit und Zinszeitraum nicht abgleichen Ist der Zinssatz pro Jahr angegeben, muss in Jahren sein. Hast du Monate, musst du umrechnen: 18 Monate = 1,5 Jahre.
Fehler 4: Das Anfangskapital vom Endkapital abziehen vergessen Wenn die Aufgabe nach dem Zinsertrag fragt, musst du berechnen. Das Endkapital allein ist nicht der Gewinn.
3 Beispiele für Zinseszinsen
Abschnitt betitelt „3 Beispiele für Zinseszinsen“Beispiel 1: Das Sparkonto
Abschnitt betitelt „Beispiel 1: Das Sparkonto“Du zahlst auf ein Sparkonto ein. Der Zinssatz beträgt pro Jahr. Wie viel Geld hast du nach 4 Jahren?
Gegeben:
- Jahre
Lösung:
Zuerst berechnen wir den Zinsfaktor:
Jetzt setzen wir in die Zinseszinsformel ein:
Wir berechnen :
Damit ergibt sich:
Antwort: Nach 4 Jahren hast du auf dem Konto.
Beispiel 2: Die Geldanlage für die Ausbildung
Abschnitt betitelt „Beispiel 2: Die Geldanlage für die Ausbildung“Deine Grosseltern legen zur Geburt für dich an. Der jährliche Zinssatz beträgt . Wie viel ist das Geld wert, wenn du 18 Jahre alt wirst?
Gegeben:
- Jahre
Lösung:
Der Zinsfaktor ist:
Einsetzen in die Formel:
Wir berechnen :
Damit:
Antwort: Das Geld hat sich auf mehr als verdoppelt.
Zusatzfrage: Wie hoch ist der reine Zinsertrag?
Beispiel 3: Wie viel muss ich heute anlegen?
Abschnitt betitelt „Beispiel 3: Wie viel muss ich heute anlegen?“Du möchtest in 6 Jahren für ein Auto haben. Deine Bank bietet Zinsen pro Jahr. Wie viel musst du heute einzahlen?
Gegeben:
- (das Endkapital ist bekannt)
- Jahre
- (das Anfangskapital ist gesucht)
Lösung:
Wir stellen die Zinseszinsformel nach um:
Der Zinsfaktor ist:
Berechnung von :
Einsetzen:
Antwort: Du musst heute einzahlen, um in 6 Jahren zu haben.
Das Wichtigste in Kürze
Abschnitt betitelt „Das Wichtigste in Kürze“- Zinseszinsen bedeuten: Du bekommst Zinsen auf Zinsen. Dein Kapital wächst exponentiell.
- Die Zinseszinsformel lautet:
- Der Zinsfaktor gibt an, mit welchem Faktor dein Kapital jedes Jahr multipliziert wird.
- Je länger die Laufzeit und je höher der Zinssatz, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt.
- Beim Rückwärtsrechnen (Anfangskapital gesucht) teilst du:
Dein Wissen im Test
Abschnitt betitelt „Dein Wissen im Test“Lösung anzeigen
Lösung:
Zinsfaktor:
Lösung anzeigen
Nein, das Endkapital verdoppelt sich nicht.
- Bei :
- Bei :
Das Endkapital ist bei etwa mal so gross – also deutlich mehr als das Doppelte des Zuwachses. Der Zinseszinseffekt verstärkt den Unterschied.
Lösung anzeigen
Der Fehler: Die Person hat einfache Zinsen statt Zinseszinsen berechnet.
Bei Zinseszinsen muss die Laufzeit im Exponenten stehen:
Die Multiplikation statt des Exponenten ist einer der häufigsten Fehler.
Ausblick: Was kommt als Nächstes?
Abschnitt betitelt „Ausblick: Was kommt als Nächstes?“Du hast jetzt verstanden, wie Zinseszinsen bei jährlicher Verzinsung funktionieren. In vielen realen Situationen werden Zinsen aber nicht nur einmal pro Jahr gutgeschrieben. Banken berechnen oft monatliche oder vierteljährliche Zinsen. Dann spricht man von unterjähriger Verzinsung.
Ausserdem wirst du lernen, wie du die Formel umstellst, um die Laufzeit oder den Zinssatz zu berechnen. Dafür brauchst du Logarithmen – ein Thema, das in den kommenden Schuljahren auf dich wartet. Mit dem Wissen aus dieser Lektion hast du die perfekte Grundlage dafür gelegt.