Zinsen einfach erklärt: Warum Zinsen besondere Prozente sind
Stell dir vor, du leihst deinem besten Freund 100 Franken. Nach einem Jahr gibt er dir das Geld zurück – und legt noch 5 Franken obendrauf als Dankeschön. Diese zusätzlichen 5 Franken sind eine Art “Leihgebühr” für dein Geld. Genau so funktionieren auch Banken. Wenn du Geld auf ein Sparkonto legst, “leiht” die Bank dein Geld an andere Kunden weiter. Als Dankeschön bekommst du eine Leihgebühr – die sogenannten Zinsen.
Zinsen begegnen dir überall: beim Sparbuch, beim Handyvertrag auf Raten oder wenn deine Eltern ein Haus finanzieren. Sie sind im Grunde nichts anderes als Prozente, die auf Geld angewendet werden. In diesem Artikel lernst du, wie du Zinsen berechnest, welche Begriffe du kennen musst und warum dieses Wissen dir im Alltag wirklich hilft.
Was sind Zinsen eigentlich?
Abschnitt betitelt „Was sind Zinsen eigentlich?“Zinsen sind der Preis für geliehenes Geld. Dieser Preis wird immer als Prozentsatz angegeben – der sogenannte Zinssatz. Das Besondere an Zinsen: Sie beziehen sich immer auf einen bestimmten Zeitraum, meistens ein Jahr.
Lass uns das mit einem Beispiel verdeutlichen. Du legst 500 Franken auf ein Sparkonto. Die Bank verspricht dir einen Zinssatz von 2 % pro Jahr. Das bedeutet: Nach einem Jahr bekommst du 2 % von 500 Franken als Zinsen gutgeschrieben.
Die Rechnung kennst du bereits aus der Prozentrechnung:
Nach einem Jahr hast du also 510 Franken auf deinem Konto.
Die drei Grundbegriffe der Zinsrechnung
Abschnitt betitelt „Die drei Grundbegriffe der Zinsrechnung“In der Zinsrechnung arbeiten wir mit drei zentralen Begriffen. Diese musst du sicher beherrschen, bevor du mit dem Rechnen beginnst.
Das Kapital () ist der Geldbetrag, der angelegt oder geliehen wird. In unserem Beispiel waren das die 500 Franken. Das Kapital ist immer der Ausgangswert – also der Grundwert aus der Prozentrechnung.
Der Zinssatz () gibt an, wie viel Prozent Zinsen pro Jahr gezahlt werden. Er entspricht dem Prozentsatz aus der Prozentrechnung. Ein Zinssatz von 2 % bedeutet: Pro 100 Franken Kapital gibt es 2 Franken Zinsen pro Jahr.
Die Zinsen () sind der Geldbetrag, den du für das Ausleihen bekommst (oder bezahlen musst). Sie entsprechen dem Prozentwert aus der Prozentrechnung.
Zinsen sind Prozente, die auf Geldbeträge angewendet werden. Der Grundwert heisst Kapital (), der Prozentsatz heisst Zinssatz (), und der Prozentwert heisst Zinsen (). Die Grundformel lautet:
Dabei gilt: = Zinsen in Franken, = Kapital in Franken, = Zinssatz in Prozent.
Die drei Grundaufgaben der Zinsrechnung
Abschnitt betitelt „Die drei Grundaufgaben der Zinsrechnung“Genau wie bei der Prozentrechnung gibt es drei Typen von Aufgaben. Entweder suchst du die Zinsen, das Kapital oder den Zinssatz. Je nachdem, welche Grösse gesucht ist, stellst du die Formel um.
Aufgabe 1: Zinsen berechnen
Abschnitt betitelt „Aufgabe 1: Zinsen berechnen“Die häufigste Aufgabe lautet: “Wie viel Zinsen bekomme ich?” Hier kennst du das Kapital und den Zinssatz. Du suchst die Zinsen.
Formel:
Aufgabe 2: Kapital berechnen
Abschnitt betitelt „Aufgabe 2: Kapital berechnen“Manchmal lautet die Frage: “Wie viel Geld muss ich anlegen, um bestimmte Zinsen zu bekommen?” Hier kennst du die Zinsen und den Zinssatz. Du suchst das Kapital.
Formel:
Aufgabe 3: Zinssatz berechnen
Abschnitt betitelt „Aufgabe 3: Zinssatz berechnen“Die dritte Variante: “Welchen Zinssatz habe ich bekommen?” Hier kennst du das Kapital und die Zinsen. Du suchst den Zinssatz.
Formel:
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Abschnitt betitelt „Häufige Fehler und wie du sie vermeidest“Fehler 1: Den Zeitraum vergessen Zinssätze beziehen sich fast immer auf ein ganzes Jahr. Wenn du Zinsen für 6 Monate berechnest, musst du das Ergebnis halbieren. Lies die Aufgabe genau: Steht dort “pro Jahr” oder ein anderer Zeitraum?
Fehler 2: Prozent und Dezimalzahl verwechseln 2 % sind nicht dasselbe wie 2. Du musst durch 100 teilen: . Viele Schüler rechnen versehentlich mit 2 statt mit 0,02.
Fehler 3: Zinsen und Endkapital verwechseln Die Zinsen () sind nur der Zuwachs. Das Endkapital ist . Wenn du gefragt wirst “Wie viel Geld hast du nach einem Jahr?”, musst du Kapital und Zinsen addieren.
Fehler 4: Kapital statt Zinsen als Grundwert nehmen Beim Berechnen des Zinssatzes teilst du die Zinsen durch das Kapital – nicht umgekehrt!
3 Beispiele für die Zinsrechnung
Abschnitt betitelt „3 Beispiele für die Zinsrechnung“Beispiel 1: Zinsen für das Sparkonto
Abschnitt betitelt „Beispiel 1: Zinsen für das Sparkonto“Aufgabe: Lena legt 1200 CHF auf ein Sparkonto mit einem Zinssatz von 1,5 % pro Jahr. Wie viel Zinsen bekommt sie nach einem Jahr?
Gegeben:
- Kapital:
- Zinssatz:
- Gesucht: Zinsen
Lösung:
Wir setzen die Werte in die Zinsformel ein:
Antwort: Lena bekommt nach einem Jahr 18 CHF Zinsen. Ihr Kontostand beträgt dann CHF.
Beispiel 2: Welches Kapital ist nötig?
Abschnitt betitelt „Beispiel 2: Welches Kapital ist nötig?“Aufgabe: Tim möchte in einem Jahr 75 CHF Zinsen bekommen. Seine Bank bietet einen Zinssatz von 2,5 % pro Jahr. Wie viel Geld muss er anlegen?
Gegeben:
- Zinsen:
- Zinssatz:
- Gesucht: Kapital
Lösung:
Hier stellen wir die Formel nach um:
Antwort: Tim muss 3000 CHF anlegen, um bei 2,5 % Zinssatz genau 75 CHF Zinsen pro Jahr zu bekommen.
Beispiel 3: Den Zinssatz einer Anlage bestimmen
Abschnitt betitelt „Beispiel 3: Den Zinssatz einer Anlage bestimmen“Aufgabe: Herr Müller hat vor einem Jahr 8000 CHF angelegt. Heute zeigt sein Kontoauszug ein Guthaben von 8240 CHF. Welchen Zinssatz hat die Bank ihm gegeben?
Gegeben:
- Kapital:
- Endkapital:
- Gesucht: Zinssatz
Lösung:
Zuerst berechnen wir die Zinsen. Die Zinsen sind die Differenz zwischen Endkapital und Anfangskapital:
Jetzt berechnen wir den Zinssatz:
Antwort: Die Bank hat Herrn Müller einen Zinssatz von 3 % pro Jahr gegeben.
Zinsen für kürzere Zeiträume
Abschnitt betitelt „Zinsen für kürzere Zeiträume“Bisher haben wir immer mit einem ganzen Jahr gerechnet. Aber was, wenn du dein Geld nur für 6 Monate oder 90 Tage anlegst?
Für solche Fälle gibt es erweiterte Formeln. Die Jahreszinsen werden dabei anteilig berechnet.
Monatszinsen: Wenn du die Zinsen für Monate berechnen willst:
Tageszinsen: Wenn du die Zinsen für Tage berechnen willst (ein Jahr hat rechnerisch 360 Tage):
Diese Formeln brauchst du, wenn in der Aufgabe steht: “Das Geld wird für 3 Monate angelegt” oder “Die Laufzeit beträgt 45 Tage.”
Zinsen beim Kredit: Wenn du Geld leihst
Abschnitt betitelt „Zinsen beim Kredit: Wenn du Geld leihst“Zinsen funktionieren in beide Richtungen. Wenn du Geld auf ein Sparkonto legst, bekommst du Zinsen. Wenn du dir Geld leihst (einen Kredit aufnimmst), musst du Zinsen bezahlen.
Bei Krediten ist der Zinssatz oft höher als bei Sparkonten. Die Bank verdient Geld, indem sie dir mehr Zinsen berechnet, als sie den Sparern zahlt.
Ein Beispiel: Du kaufst ein Handy für 800 CHF auf Raten. Der Händler verlangt 10 % Zinsen pro Jahr. Nach einem Jahr hättest du zusätzlich zum Kaufpreis:
Das Handy kostet dich also insgesamt 880 CHF – 80 CHF mehr als bei Sofortzahlung.
Das Wichtigste in Kürze
Abschnitt betitelt „Das Wichtigste in Kürze“- Zinsen sind Prozente auf Geld. Der Grundwert heisst Kapital, der Prozentsatz heisst Zinssatz, der Prozentwert heisst Zinsen.
- Die Grundformel lautet: . Durch Umstellen findest du auch oder .
- Zinssätze gelten pro Jahr. Bei kürzeren Zeiträumen musst du die Zinsen anteilig berechnen.
- Achte auf den Unterschied: Zinsen sind nur der Zuwachs. Das Endkapital ist Kapital plus Zinsen.
Dein Wissen im Test
Abschnitt betitelt „Dein Wissen im Test“Lösung anzeigen
Lösung:
Nach einem Jahr bekommst du 60 CHF Zinsen.
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Die Zinsen verdoppeln sich ebenfalls. Da gilt, wachsen die Zinsen proportional zum Kapital. Legst du statt 1000 CHF nun 2000 CHF an, bekommst du bei gleichem Zinssatz doppelt so viele Zinsen.
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Maria hat Zähler und Nenner vertauscht. Die richtige Formel lautet:
Der Zinssatz beträgt 3 %, nicht 33,3 %. Man teilt immer die Zinsen durch das Kapital – nicht umgekehrt.
Ausblick: Was kommt als Nächstes?
Abschnitt betitelt „Ausblick: Was kommt als Nächstes?“Du hast jetzt die Grundlagen der Zinsrechnung verstanden: Kapital, Zinssatz und Zinsen für ein Jahr. Im nächsten Schritt lernst du den Zinseszins kennen. Dabei werden die Zinsen am Jahresende zum Kapital addiert. Im Folgejahr bekommst du dann Zinsen auf das erhöhte Kapital – also Zinsen auf Zinsen. Der Zinseszins ist der Grund, warum sich Geld über lange Zeiträume stark vermehren kann. Er baut direkt auf dem auf, was du heute gelernt hast.