Kongruenz einfach erklärt: So erkennst du kongruente Figuren
Stell dir vor, du backst Weihnachtsplätzchen mit deiner Lieblings-Ausstechform. Jeder Teig-Stern, der aus der Form kommt, sieht exakt gleich aus. Gleiche Grösse, gleiche Zacken, gleiche Winkel. Wenn du zwei dieser Sterne übereinanderlegst, decken sie sich perfekt. In der Mathematik nennen wir solche Figuren kongruent. Dieses Konzept ist nicht nur für Plätzchen nützlich. Es hilft dir zu beweisen, dass zwei geometrische Figuren identisch sind – selbst wenn eine davon gedreht, gespiegelt oder verschoben wurde.
Von der Ausstechform zur mathematischen Kongruenz
Abschnitt betitelt „Von der Ausstechform zur mathematischen Kongruenz“Kehren wir zu unseren Plätzchen zurück. Die Ausstechform ist wie eine Schablone. Egal, wie oft du sie benutzt, das Ergebnis ist immer dasselbe. Die Plätzchen sind deckungsgleich.
Jetzt übertragen wir das auf die Geometrie. Stell dir zwei Dreiecke vor. Eines liegt auf deinem Blatt. Das andere ist gedreht und befindet sich in einer Ecke. Sehen sie gleich aus? Vielleicht. Aber sind sie wirklich identisch? Um das herauszufinden, könntest du eines ausschneiden und auf das andere legen. Passen alle Seiten und alle Winkel genau aufeinander? Dann sind die Dreiecke kongruent.
In der Mathematik können wir Figuren nicht einfach ausschneiden. Wir brauchen präzise Werkzeuge. Wir messen Seitenlängen und Winkel. Wir vergleichen diese Masse systematisch.
Was bedeutet Kongruenz genau?
Abschnitt betitelt „Was bedeutet Kongruenz genau?“Zwei Figuren heissen kongruent, wenn sie in Form und Grösse vollständig übereinstimmen. Das bedeutet konkret:
- Alle entsprechenden Seiten haben die gleiche Länge.
- Alle entsprechenden Winkel haben die gleiche Grösse.
Zwei geometrische Figuren sind kongruent, wenn sie durch Verschieben, Drehen oder Spiegeln zur Deckung gebracht werden können. Alle entsprechenden Seiten und Winkel stimmen überein. Das mathematische Symbol für Kongruenz ist . Wenn Dreieck kongruent zu Dreieck ist, schreiben wir: .
Wichtig ist dabei die Reihenfolge der Buchstaben. Wenn wir schreiben, bedeutet das:
- Punkt entspricht Punkt
- Punkt entspricht Punkt
- Punkt entspricht Punkt
Daraus folgt:
- Seite entspricht Seite
- Seite entspricht Seite
- Seite entspricht Seite
- Winkel entspricht Winkel
- Winkel entspricht Winkel
- Winkel entspricht Winkel
Kongruenz vs. Ähnlichkeit: Der wichtige Unterschied
Abschnitt betitelt „Kongruenz vs. Ähnlichkeit: Der wichtige Unterschied“Bevor wir weitergehen, klären wir einen Begriff, der oft verwechselt wird. Ähnliche Figuren haben die gleiche Form, aber nicht unbedingt die gleiche Grösse. Denke an ein Foto und seine Vergrösserung. Die Proportionen stimmen, aber die Masse sind unterschiedlich.
Kongruente Figuren hingegen sind wie Kopien im Massstab 1:1. Gleiche Form und gleiche Grösse.
Ein kleines Dreieck und ein grosses Dreieck mit denselben Winkeln sind ähnlich. Aber nur zwei Dreiecke mit identischen Seitenlängen und Winkeln sind kongruent.
Die Kongruenzsätze für Dreiecke
Abschnitt betitelt „Die Kongruenzsätze für Dreiecke“Bei Dreiecken gibt es eine praktische Abkürzung. Du musst nicht alle sechs Masse (drei Seiten und drei Winkel) vergleichen. Es reichen bestimmte Kombinationen aus drei Angaben. Diese Regeln heissen Kongruenzsätze.
Der SSS-Satz (Seite-Seite-Seite)
Abschnitt betitelt „Der SSS-Satz (Seite-Seite-Seite)“Zwei Dreiecke sind kongruent, wenn alle drei Seiten des einen Dreiecks gleich lang sind wie die entsprechenden Seiten des anderen Dreiecks.
Warum funktioniert das? Wenn du drei Stäbe mit festen Längen hast, kannst du daraus nur ein einziges Dreieck bauen. Die Form ist eindeutig bestimmt.
Der SWS-Satz (Seite-Winkel-Seite)
Abschnitt betitelt „Der SWS-Satz (Seite-Winkel-Seite)“Zwei Dreiecke sind kongruent, wenn zwei Seiten und der eingeschlossene Winkel übereinstimmen. Der eingeschlossene Winkel liegt zwischen den beiden Seiten.
Hier ist der Winkel zwischen den Seiten und .
Der WSW-Satz (Winkel-Seite-Winkel)
Abschnitt betitelt „Der WSW-Satz (Winkel-Seite-Winkel)“Zwei Dreiecke sind kongruent, wenn eine Seite und die beiden anliegenden Winkel übereinstimmen.
Die Winkel und liegen an den Enden der Seite .
Der SsW-Satz (Seite-Seite-Winkel gegenüber der grösseren Seite)
Abschnitt betitelt „Der SsW-Satz (Seite-Seite-Winkel gegenüber der grösseren Seite)“Zwei Dreiecke sind kongruent, wenn zwei Seiten und der Winkel gegenüber der längeren Seite übereinstimmen. Dieser Satz ist etwas kniffliger und wird manchmal auch als SSW-Satz bezeichnet.
Dabei muss gelten und ist der Winkel gegenüber der Seite .
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Abschnitt betitelt „Häufige Fehler und wie du sie vermeidest“Fehler 1: Falsche Zuordnung der Eckpunkte Wenn du schreibst, müssen die Buchstaben in der richtigen Reihenfolge stehen. entspricht , entspricht , entspricht . Eine falsche Zuordnung führt zu falschen Schlussfolgerungen über Seiten und Winkel.
Fehler 2: WSW mit SWS verwechseln Beim SWS-Satz muss der Winkel zwischen den beiden Seiten liegen. Beim WSW-Satz müssen die Winkel an der gegebenen Seite liegen. Diese Unterscheidung ist entscheidend.
Fehler 3: Den WWW-”Satz” anwenden Drei gleiche Winkel beweisen keine Kongruenz! Dreiecke mit identischen Winkeln können unterschiedlich gross sein. Das beweist nur Ähnlichkeit, nicht Kongruenz. Mindestens eine Seitenlänge muss übereinstimmen.
Beispiele
Abschnitt betitelt „Beispiele“Gegeben sind zwei Dreiecke mit folgenden Seitenlängen:
Dreieck : , ,
Dreieck : , ,
Frage: Sind die Dreiecke kongruent?
Lösung: Wir vergleichen die Seitenlängen und suchen eine passende Zuordnung.
- Seite im ersten Dreieck. Im zweiten Dreieck hat Seite .
- Seite im ersten Dreieck. Im zweiten Dreieck hat Seite .
- Seite im ersten Dreieck. Im zweiten Dreieck hat Seite .
Die Seiten stimmen überein, wenn wir die Zuordnung , , wählen.
Nach dem SSS-Satz gilt:
Die Dreiecke sind kongruent.
In einem Viereck schneiden sich die Diagonalen im Punkt . Es gilt:
Frage: Sind die Dreiecke und kongruent?
Lösung: Wir untersuchen die Dreiecke und .
Schritt 1: Identifiziere die Seiten und Winkel.
- In : Seite , Seite
- In : Seite , Seite
Schritt 2: Untersuche die eingeschlossenen Winkel. Die Winkel und sind Scheitelwinkel. Scheitelwinkel sind immer gleich gross.
Schritt 3: Wende den SWS-Satz an.
- (Scheitelwinkel)
Der Winkel liegt zwischen den beiden Seiten. Nach dem SWS-Satz gilt:
Von zwei Dreiecken kennst du folgende Informationen:
Dreieck : , ,
Dreieck : , ,
Frage: Welcher Kongruenzsatz ist anwendbar? Sind die Dreiecke kongruent?
Lösung: Schritt 1: Analysiere die gegebenen Informationen. Wir haben jeweils einen Winkel, eine Seite und einen weiteren Winkel.
Schritt 2: Prüfe die Lage der Winkel zur Seite.
- Im Dreieck liegt die Seite zwischen den Punkten und .
- Der Winkel liegt am Punkt (an der Seite ).
- Der Winkel liegt am Punkt (an der Seite ).
Die Winkel liegen an den Endpunkten der gegebenen Seite. Das ist die Konstellation für den WSW-Satz.
Schritt 3: Vergleiche die entsprechenden Elemente.
Schritt 4: Wende den WSW-Satz an.
Nach dem WSW-Satz gilt:
Die Dreiecke sind kongruent.
Du baust ein Regal zusammen. Die Anleitung zeigt ein Dreieck als Verstärkung mit den Massen: Seiten von , und . Du hast zwei dreieckige Metallplatten geliefert bekommen.
Platte 1: Seiten , ,
Platte 2: Seiten , ,
Frage: Sind beide Platten identisch und passen sie zur Anleitung?
Lösung: Wir vergleichen die Seitenlängen.
- Platte 1:
- Platte 2:
Sortiert ergeben beide Platten die Menge .
Die Reihenfolge, in der die Seiten aufgelistet sind, ändert nichts am Dreieck selbst. Entscheidend sind nur die Längenwerte.
Nach dem SSS-Satz sind beide Platten kongruent zueinander und zur Vorlage in der Anleitung. Beide Platten passen.
Das Wichtigste in Kürze
Abschnitt betitelt „Das Wichtigste in Kürze“- Kongruente Figuren sind deckungsgleich. Sie haben die gleiche Form und die gleiche Grösse.
- Das Symbol für Kongruenz ist .
- Bei kongruenten Figuren stimmen alle entsprechenden Seiten und Winkel überein.
- Für Dreiecke gibt es vier Kongruenzsätze: SSS, SWS, WSW und SsW. Mit diesen kannst du Kongruenz beweisen, ohne alle sechs Masse zu kennen.
- WWW reicht nicht! Drei gleiche Winkel beweisen nur Ähnlichkeit, keine Kongruenz.
- Die Reihenfolge der Eckpunkte in der Kongruenzaussage bestimmt die Zuordnung der entsprechenden Elemente.
Dein Wissen im Test
Abschnitt betitelt „Dein Wissen im Test“Lösung anzeigen
Nein, die Dreiecke sind nicht kongruent.
Die Seiten von Dreieck sind jeweils doppelt so lang wie die von Dreieck :
Die Dreiecke haben zwar die gleichen Proportionen und sind daher ähnlich, aber sie haben unterschiedliche Grössen. Für Kongruenz müssten alle Seitenlängen exakt übereinstimmen.
Lösung anzeigen
Keiner!
Drei übereinstimmende Winkel (WWW) sind kein Kongruenzsatz. Du kannst unendlich viele Dreiecke zeichnen, die alle Winkel von haben, aber unterschiedlich gross sind.
Diese Information beweist nur, dass die Dreiecke ähnlich sind (beide sind gleichseitige Dreiecke). Für einen Kongruenzbeweis fehlt mindestens eine Seitenlänge.
Lösung anzeigen
Aus der Kongruenzaussage folgt die Zuordnung:
Daraus ergibt sich:
- Die Seite entspricht der Seite . Also:
- Der Winkel entspricht dem Winkel . Also:
Ausblick: Was kommt als Nächstes?
Abschnitt betitelt „Ausblick: Was kommt als Nächstes?“Du hast jetzt ein solides Verständnis von Kongruenz. Der nächste logische Schritt in der Geometrie ist die Ähnlichkeit von Figuren. Dort lernst du, wie du Figuren vergleichst, die zwar die gleiche Form haben, aber unterschiedlich gross sind. Du wirst sehen, dass die Kongruenz eigentlich ein Spezialfall der Ähnlichkeit ist – nämlich Ähnlichkeit mit dem Vergrösserungsfaktor .
Ausserdem wirst du die Kongruenzsätze nutzen, um geometrische Beweise zu führen. Zum Beispiel kannst du damit zeigen, warum die Basiswinkel im gleichschenkligen Dreieck immer gleich gross sind.