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Winkel an parallelen Geraden – Stufen-, Wechsel- und Nebenwinkel verstehen

Stell dir eine Leiter vor, die an einer Wand lehnt. Die Sprossen der Leiter verlaufen alle parallel zueinander. Die Wand schneidet jede Sprosse im gleichen Winkel.

Egal welche Sprosse du dir anschaust: Der Winkel zwischen Wand und Sprosse ist immer derselbe. Das ist kein Zufall. Es liegt daran, dass die Sprossen parallel sind.

Dieses Prinzip begegnet dir überall. Bei Eisenbahnschienen, die von einer Strasse gekreuzt werden. Bei Linien auf kariertem Papier. Oder bei Fensterrahmen.

Wenn eine Linie zwei parallele Geraden schneidet, entstehen besondere Winkelbeziehungen. Diese Beziehungen helfen dir, unbekannte Winkel zu berechnen – oft mit nur einer einzigen gegebenen Zahl.

Zwei Geraden heissen parallel, wenn sie überall den gleichen Abstand haben. Sie schneiden sich nie – auch nicht, wenn man sie unendlich verlängert. Das Symbol dafür ist \parallel.

Eine dritte Gerade, die beide parallelen Geraden schneidet, heisst Transversale (oder Schnittgerade). An den zwei Schnittpunkten entstehen insgesamt acht Winkel.

Diese acht Winkel stehen in besonderen Beziehungen zueinander. Manche sind gleich gross. Andere ergänzen sich zu 180°180°. Diese Muster zu erkennen ist der Schlüssel.

DEFINITION

Stufenwinkel (auch F-Winkel genannt): Winkel, die auf derselben Seite der Transversale liegen und beide oberhalb oder beide unterhalb ihrer jeweiligen Parallele sind. Sie sind gleich gross.

Wechselwinkel (auch Z-Winkel genannt): Winkel, die auf verschiedenen Seiten der Transversale liegen und auf verschiedenen Seiten ihrer jeweiligen Parallele. Sie sind gleich gross.

Nebenwinkel (auch E-Winkel genannt): Winkel, die auf derselben Seite der Transversale liegen, aber einer oberhalb und einer unterhalb seiner Parallele. Sie ergänzen sich zu 180°180°.

In Formeln ausgedrückt, für parallele Geraden ghg \parallel h und eine Transversale:

αStufen=βStufen\alpha_{\text{Stufen}} = \beta_{\text{Stufen}}αWechsel=βWechsel\alpha_{\text{Wechsel}} = \beta_{\text{Wechsel}}αNeben+βNeben=180°\alpha_{\text{Neben}} + \beta_{\text{Neben}} = 180°

Die F-Form für Stufenwinkel: Zeichne gedanklich ein grosses F. Die beiden Querstriche des F markieren die parallelen Geraden. Die Winkel in den Ecken des F sind Stufenwinkel.

Die Z-Form für Wechselwinkel: Stelle dir ein grossgeschriebenes Z vor. Die obere und untere Linie sind die Parallelen. Die schräge Linie ist die Transversale. Die Winkel in den Ecken des Z sind Wechselwinkel.

Die U-Form für Nebenwinkel: Denke an ein U, das auf der Seite liegt. Die beiden senkrechten Striche stehen für die Parallelen. Die Winkel auf derselben Seite, aber innen und aussen, sind Nebenwinkel.

So gehst du vor, wenn du Winkel an parallelen Geraden berechnen sollst:

  1. Prüfe die Parallelität. Sind die Geraden wirklich parallel? Nur dann gelten die Regeln.

  2. Finde den gegebenen Winkel. Markiere ihn in der Skizze.

  3. Bestimme die Beziehung. Liegt der gesuchte Winkel im F-Muster, Z-Muster oder U-Muster zum gegebenen?

  4. Wende die Regel an. Stufenwinkel und Wechselwinkel sind gleich. Nebenwinkel ergänzen sich zu 180°180°.

  5. Berechne. Bei gleichen Winkeln übernimmst du den Wert. Bei Nebenwinkeln rechnest du 180°α180° - \alpha.

Typische Fehler vermeiden:

  • Parallelität nicht prüfen: Die Regeln gelten nur bei parallelen Geraden. Ohne Parallelität sind die Winkel nicht automatisch gleich.

  • Stufen- und Wechselwinkel verwechseln: Beide sind zwar gleich gross, aber die Unterscheidung ist wichtig für Begründungen in Beweisen.

  • Nebenwinkel mit Nebenwinkeln am Schnittpunkt verwechseln: Nebenwinkel an Parallelen liegen an verschiedenen Schnittpunkten. Nebenwinkel an einem einzigen Schnittpunkt sind etwas anderes (die ergänzen sich auch zu 180°180°, aber aus einem anderen Grund).

  • Vergessen, dass es acht Winkel gibt: An zwei Schnittpunkten entstehen je vier Winkel. Viele Schüler übersehen die Hälfte davon.

Zwei parallele Geraden gg und hh werden von einer Transversale tt geschnitten. Der Winkel α\alpha an der oberen Geraden beträgt 65°65°. Er liegt rechts von der Transversale, oberhalb von gg.

Gesucht ist der Stufenwinkel β\beta an der unteren Geraden hh.

Beispiel:

Lösung:

β\beta ist der Stufenwinkel zu α\alpha. Er liegt ebenfalls rechts von tt, aber oberhalb von hh.

Da Stufenwinkel bei Parallelen gleich gross sind:

β=α=65°\beta = \alpha = 65°

Antwort: Der Winkel β\beta ist 65°65° gross.

Gegeben sind zwei parallele Geraden. Eine Transversale schneidet sie. Der Winkel γ=118°\gamma = 118° liegt links von der Transversale, unterhalb der oberen Geraden.

Gesucht ist der Winkel δ\delta, der rechts von der Transversale, oberhalb der unteren Geraden liegt.

Beispiel:

Lösung:

Skizziere die Situation. Der Winkel γ\gamma und der Winkel δ\delta liegen:

  • auf verschiedenen Seiten der Transversale (links vs. rechts)
  • zwischen den Parallelen

Das ist das Z-Muster. Also sind γ\gamma und δ\delta Wechselwinkel.

Wechselwinkel sind gleich gross:

δ=γ=118°\delta = \gamma = 118°

Antwort: Der Winkel δ\delta beträgt 118°118°.

Ein Architekt plant ein Dach. Die Dachsparren verlaufen parallel zueinander. Eine Stützstrebe kreuzt zwei benachbarte Sparren.

Der Winkel zwischen der Strebe und dem oberen Sparren beträgt 72°72° (gemessen auf der Innenseite). Wie gross ist der Winkel auf der Innenseite beim unteren Sparren?

Beispiel:

Lösung:

Die beiden Winkel liegen auf derselben Seite der Strebe (der Innenseite). Einer liegt unterhalb des oberen Sparrens, der andere oberhalb des unteren Sparrens.

Das entspricht dem U-Muster. Es handelt sich um Nebenwinkel.

Nebenwinkel ergänzen sich zu 180°180°:

72°+β=180°72° + \beta = 180°β=180°72°=108°\beta = 180° - 72° = 108°

Antwort: Der Winkel beim unteren Sparren beträgt 108°108°.

An parallelen Geraden mit einer Transversale gelten drei Regeln:

  • Stufenwinkel (F-Form) sind gleich gross.
  • Wechselwinkel (Z-Form) sind gleich gross.
  • Nebenwinkel (U-Form) ergeben zusammen 180°180°.

Diese Regeln ermöglichen es, aus einem einzigen bekannten Winkel alle anderen sieben zu berechnen.

❓ Frage:

Zwei parallele Geraden werden von einer Transversale geschnitten. Ein Winkel beträgt 53°53°. Wie gross ist sein Stufenwinkel?

Lösung anzeigen

Der Stufenwinkel ist ebenfalls 53°53° gross, da Stufenwinkel bei parallelen Geraden gleich gross sind.

❓ Frage:

Der Winkel α=127°\alpha = 127° und der Winkel β\beta sind Nebenwinkel an zwei parallelen Geraden. Berechne β\beta.

Lösung anzeigen

Nebenwinkel ergänzen sich zu 180°180°:

β=180°127°=53°\beta = 180° - 127° = 53°
❓ Frage:

Erkläre, warum Wechselwinkel an parallelen Geraden gleich gross sein müssen. Nutze dein Wissen über Scheitelwinkel und Stufenwinkel.

Lösung anzeigen

Wechselwinkel lassen sich über Scheitelwinkel und Stufenwinkel herleiten:

  1. Der Wechselwinkel ist Scheitelwinkel zu einem bestimmten Winkel am selben Schnittpunkt.
  2. Dieser Winkel ist Stufenwinkel zum ursprünglichen Winkel.
  3. Da Scheitelwinkel gleich sind und Stufenwinkel gleich sind, müssen auch Wechselwinkel gleich sein.